Unterhaltung

Ein Kleines Mädchen Enthüllte Den Verrat In Meiner Villa – Dann Erfuhr Ich, Dass Sie Meine Tochter Ist

Ich sah auf die Uhr. 21:58 Uhr. Noch zweiundvierzig Minuten bis 22:40. Mein erster Impuls war, sofort zum Hauptbahnhof zu fahren. Doch mein Anwalt hielt mich zurück. „Wenn diese Nachricht eine Falle ist, laufen Sie möglicherweise genau dorthin, wo man Sie haben will.“ Ich wusste, dass er recht hatte. Trotzdem konnte ich den Gedanken nicht abschütteln, dass Benedikt um 22:40 Uhr auf Gleis 17 sein würde – und dass jemand offenbar wusste, dass ich inzwischen nach ihm suchte. „Rufen Sie die Polizei“, sagte ich. „Noch nicht“, widersprach mein Anwalt. „Wir wissen nicht, ob Benedikt tatsächlich in Gefahr ist oder ob er selbst hinter allem steckt.“ Ich sah Katharina an. „Und du?“ Sie stand mit verschränkten Armen neben dem Fenster. „Was willst du von mir hören?“ „Die Wahrheit.“ Sie schloss für einen Moment die Augen. „Dann fahr nicht zum Bahnhof.“ Diese Antwort war schlimmer als jede Warnung. „Warum?“ Sie schwieg. „Warum, Katharina?“ „Weil Benedikt dort nicht sein wird.“ Ich spürte, wie sich die Spannung in meinem Nacken verstärkte. „Woher weißt du das?“ Sie antwortete nicht.

Ich nahm meinen Mantel. „Dann komme ich eben trotzdem.“ Katharina stellte sich mir in den Weg. „Du verstehst nicht, was dort passiert.“ „Dann erklär es mir.“ „Ich kann nicht.“ „Du kannst nicht oder du willst nicht?“ Ihre Lippen begannen zu zittern. „Beides.“ Ich blieb stehen. Zum ersten Mal seit Beginn dieser Nacht sah ich keine arrogante, kontrollierte Frau vor mir, sondern jemanden, der tatsächlich Angst hatte. „Hat Benedikt dich bedroht?“ fragte ich. Sie sah mich an. „Nein.“ „Hat er dich erpresst?“ Eine lange Pause. „Nicht mich.“ Mein Herz schlug schneller. „Wen dann?“ Katharina wandte den Blick ab. „Dich.“

Noch bevor ich reagieren konnte, öffnete sich die Tür. Elena stand dort. Sofia war bei ihr. Das Mädchen hielt ihren rosafarbenen Rucksack vor der Brust. „Herr Wagner“, sagte Elena vorsichtig, „Sofia hat noch etwas.“ Ich ging zu ihr. Sofia griff in eine kleine Seitentasche ihres Rucksacks und holte ein gefaltetes Blatt Papier heraus. „Das lag heute Morgen in einem Umschlag bei meiner Mama.“ Elena sah erschrocken aus. „Ich wollte es wegwerfen, aber Sofia hat es gesehen.“ Ich nahm das Blatt. Es war eine Kopie eines Kontoauszugs. Oben stand der Name meiner Stiftung. Darunter mehrere Überweisungen. Doch eine Zeile ließ mich erstarren.

**Empfänger: Katharina Wagner.**

„Das ist nicht möglich“, sagte Katharina.

Ich sah weiter. Die Überweisung war vor sechs Monaten erfolgt. Betrag: 250.000 Euro. Verwendungszweck: Projekt 17.

„Was ist Projekt 17?“, fragte ich.

Katharina wurde kreidebleich.

Sofia antwortete an ihrer Stelle.

„Ich glaube, es hat etwas mit dem Raum im Keller zu tun.“


Ich hob langsam den Kopf. „Welcher Raum?“

„Der, in den mein Onkel gegangen ist.“

„Benedikt?“

Sofia nickte. „Vor drei Tagen.“

Mein Anwalt trat näher. „Herr Wagner, Ihre Villa hat keinen offiziell registrierten Kellerraum mit der Nummer 17.“

Ich sah ihn an.

„Dann finden wir heraus, was dort ist.“

Wir gingen gemeinsam durch den langen Flur. Die Bediensteten waren längst verschwunden. Nur das gedämpfte Licht der Wandlampen spiegelte sich auf dem Marmorboden. Katharina folgte uns schweigend. Als wir die Treppe zum Untergeschoss erreichten, blieb sie plötzlich stehen.

„Thomas.“

Ich drehte mich um.


„Wenn du diese Tür öffnest, gibt es kein Zurück.“

„Das hast du heute schon einmal gesagt.“

„Diesmal meine ich es ernst.“

Ich ging weiter.

Am Ende des Korridors befand sich eine unscheinbare Holztür, die ich in all den Jahren nie beachtet hatte. Mein Anwalt untersuchte das Schloss. „Alt. Aber kürzlich benutzt.“ Ich zog den kleinen Schlüssel mit der Nummer 17 aus meiner Tasche.

Er passte.

Das Schloss klickte.

Die Tür öffnete sich nur wenige Zentimeter.

Ein Geruch nach Papier, Staub und kalter Luft drang heraus.

Ich schob sie weiter auf.


An den Wänden standen Dutzende verschlossene Aktenschränke. In der Mitte des Raumes befand sich ein großer Tisch. Darauf lagen Ordner.

Einer davon trug meinen Namen.

Ich schlug ihn auf.

Die erste Seite zeigte ein Foto meines Vaters.

Die zweite ein Foto von Benedikt.

Die dritte ein Foto von Katharina.

Doch auf der vierten Seite war ein Name, den ich noch nie zuvor gehört hatte.

**Elena García.**

Ich erstarrte.

Hinter mir hörte ich Katharina scharf einatmen.


„Warum“, fragte ich langsam, „ist Elenas Name in einer geheimen Akte meiner Familie?“

Niemand antwortete.

Dann fiel aus einem der Ordner ein alter Brief zu Boden.

Auf dem Umschlag stand in der Handschrift meines Vaters:

**„Für Thomas – erst öffnen, wenn Elena die Wahrheit selbst gefunden hat.“**

Ich hob den Brief auf.

Und in diesem Moment klingelte erneut mein Telefon.

Diesmal war es Benedikt.

Ich nahm ab.

Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.


„Bruder, geh nicht zum Bahnhof.“

Ich hielt den Atem an.

„Wo bist du?“

Eine kurze Pause.

Dann sagte er:

„Im Keller unter deinem Haus.“

Hinter mir machte Katharina einen Schritt zurück.

Und plötzlich hörte ich aus dem verschlossenen Raum neben uns ein dumpfes Geräusch.

Einmal.

Dann noch einmal.


Jemand war dort.

**Und jemand klopfte von innen gegen die Tür.**

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