Unterhaltung

Meine Tochter stand in ihrer Hochzeitsnacht blutüberströmt vor meiner Tür – weil sie ihre Eigentumswohnung nicht überschreiben wollte

Ich starrte Alexander an.

„Was soll das heißen?“

Die Aufzugtüren öffneten sich, aber er bewegte sich nicht sofort.

„Alexander.“

„Nicht hier.“

„Unsere Tochter sitzt irgendwo in einem Auto mit einer Frau, die offenbar an diesem Wahnsinn beteiligt ist. Sag mir endlich, was du weißt.“

Er trat aus dem Aufzug und sah noch einmal auf das Foto.

„Ich weiß noch nicht genug.“

„Dann sag mir, was du vermutest.“

Alexander schwieg einen Moment.


„Die Wohnung in Bogenhausen kam nicht ursprünglich von mir.“

Ich blieb stehen.

„Natürlich kam sie von dir. Du hast sie Sophie nach unserer Scheidung übertragen.“

„Übertragen, ja. Aber ich habe sie nicht gekauft.“

Ich spürte, wie sich etwas in mir zusammenzog.

„Woher kam sie dann?“

„Von meinem Vater.“

Alexander sprach den Satz so leise aus, als hätte er gehofft, ihn niemals sagen zu müssen.

Ich hatte seinen Vater nur wenige Male gesehen. Ein verschlossener Mann, der kurz vor unserer Scheidung gestorben war und über dessen Geschäfte Alexander nie gesprochen hatte.

„Warum hast du mir das nie erzählt?“


„Weil ich dachte, es spiele keine Rolle mehr.“

Sein Handy klingelte.

Unbekannte Nummer.

Alexander nahm sofort ab.

„Sophie?“

Eine Frauenstimme antwortete.

„Nein.“

Laura.

Alexander schaltete den Lautsprecher ein.

„Wo ist meine Tochter?“


„Bei mir. Und bevor Sie irgendetwas tun: Ich habe Sophie nicht entführt.“

„Dann bring sie zurück.“

„Das werde ich. Aber wenn ich sie jetzt zurückbringe, bevor sie versteht, was passiert, wird sie wieder niemandem glauben.“

Ich konnte mich nicht länger beherrschen.

„Laura, du hast Informationen über Sophies Wohnung beschafft.“

Stille.

Dann:

„Ja.“

„Du hast am Hotel mit diesem Notar gesprochen.“

„Ja.“


„Und du erwartest, dass wir glauben, du willst Sophie helfen?“

Laura atmete hörbar aus.

„Ich habe einen Fehler gemacht.“

„Einen Fehler?“

„Ich dachte, ich würde herausfinden, was Jonas vorhat.“

Alexander unterbrach mich.

„Wo seid ihr?“

„Ich schicke Sophie gleich zurück. Aber vorher müssen Sie etwas wissen, Herr Berger.“

„Was?“

„Jonas wollte Sophie nicht wegen der Wohnung heiraten.“


Alexander sah mich an.

Laura fuhr fort:

„Die Wohnung war nur der Zugang.“

Dann wurde die Verbindung beendet.

Sekunden später erschien eine Standortfreigabe auf Alexanders Telefon.

Ein Parkplatz an der Isar.

Wir fuhren sofort los.

Während der Fahrt rief Alexander jemanden an und gab nur den Standort durch.

„Keine Annäherung“, sagte er. „Nur beobachten.“

Als wir den Parkplatz erreichten, stand dort ein schwarzer Wagen.


Sophie saß auf einer Bank wenige Meter entfernt.

Allein.

Ich sprang aus dem Auto.

„Sophie!“

Sie stand auf und fiel mir in die Arme.

„Mama.“

„Hat sie dir etwas getan?“

„Nein.“

Ich hielt ihr Gesicht zwischen meinen Händen.

„Wo ist Laura?“


Sophie zeigte auf den schwarzen Wagen.

Laura stieg aus.

Alexander ging direkt auf sie zu.

„Erklären Sie mir alles.“

Laura wirkte völlig anders als auf der Hochzeit. Kein perfektes Make-up, kein Lächeln. Ihre Hände zitterten.

„Vor zwei Monaten hat Jonas mich angerufen.“

Sophie sah sie an.

„Warum?“

„Er sagte, er wolle dich überraschen. Er brauchte Informationen über die Wohnung, angeblich für eine Hochzeitsplanung.“

„Und du hast sie ihm gegeben.“


Laura senkte den Blick.

„Am Anfang ja.“

Sophie wich zurück.

„Du warst meine beste Freundin.“

„Ich weiß.“

„Du hast meine Unterlagen weitergegeben.“

„Ich dachte, es wären nur Daten.“

„Und der Antrag beim Grundbuchamt?“

Laura schloss die Augen.

„Den habe ich gestellt.“


Ich sah, wie Sophie die Hände zu Fäusten ballte.

„Warum?“

„Weil Jonas mich darum gebeten hat. Danach wurde ich misstrauisch.“

Laura griff in ihre Tasche und zog einen USB-Stick heraus.

„Deshalb habe ich angefangen, alles zu speichern.“

Alexander nahm ihn nicht.

„Was ist darauf?“

„Nachrichten. Audiodateien. Dokumente.“

„Von Jonas?“

„Von Jonas und Sabine.“


Sophie starrte sie an.

„Du hast gewusst, was sie mit mir machen wollten?“

„Nein.“

Lauras Stimme brach.

„Ich wusste, dass sie dich zur Unterschrift drängen wollten. Ich wusste nicht, dass sie dich schlagen würden.“

„Du warst im Hotel.“

„Weil ich versucht habe, den Notar aufzuhalten.“

Alexander blickte sie scharf an.

„Der Umschlag.“

Laura nickte.

„Ich habe ihm Beweise gegeben, dass die Unterlagen unter falschen Voraussetzungen vorbereitet worden waren. Ich dachte, wenn er wusste, dass Sophie nicht freiwillig unterschreiben würde, würde er gehen.“

„Aber er ging nicht sofort.“

„Nein.“

Laura schluckte.

„Weil er bereits bezahlt worden war.“

Alexander wurde still.

„Von wem?“

Laura sah ihn direkt an.

„Nicht von Sabine.“

Dann öffnete sie die hintere Tür ihres Wagens und nahm die Mappe heraus, die wir auf dem Foto gesehen hatten.

Sie legte sie auf die Motorhaube.

„Jonas hat diese Unterlagen vor drei Wochen bei mir vergessen.“

Alexander öffnete die Mappe.

Auf der ersten Seite stand sein vollständiger Name.

Darunter eine Liste von Gesellschaften.

Ich kannte keine davon.

Alexander offenbar schon.

Seine Augen blieben an einer Zeile hängen.

„Woher haben Sie das?“

„Ich habe es Ihnen gerade gesagt.“

„Diese Informationen sind nicht öffentlich.“

„Dann fragen Sie Jonas, woher er sie hat.“

Sophie trat näher.

„Papa, was sind das für Firmen?“

Alexander blätterte weiter.

„Beteiligungen.“

„Von dir?“

„Teilweise.“

Ich starrte ihn an.

„Wie viel Geld reden wir hier eigentlich?“

Er antwortete nicht.

Laura tat es.

„Sehr viel.“

Alexander sah sie sofort an.

„Sie wissen nicht, wovon Sie sprechen.“

„Doch.“

Laura nahm ihr Handy heraus.

„Weil Jonas darüber gesprochen hat.“

Sie spielte eine Aufnahme ab.

Jonas’ Stimme.

Deutlich.

„Sophie glaubt immer noch, es geht nur um ihre Wohnung.“

Dann Sabines Stimme:

„Lass sie das glauben.“

Jonas lachte.

„Und wenn Berger merkt, was wir wirklich suchen?“

Sabine antwortete:

„Bis dahin gehört seine Tochter zu unserer Familie.“

Die Aufnahme endete.

Niemand sprach.

Sophie sah ihren Vater an.

„Was suchen sie?“

Alexander blätterte schneller durch die Mappe.

Plötzlich hielt er inne.

Eine Seite fehlte.

Man konnte sehen, dass sie herausgerissen worden war.

„Wo ist die letzte Seite?“

Laura wurde blass.

„Die war schon weg.“

Alexander überprüfte die Nummerierung.

Dann fluchte er zum ersten Mal an diesem Abend.

„Was stand darauf?“, fragte ich.

„Wenn ich das wüsste, würde ich nicht fragen.“

Sein Telefon vibrierte.

Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Nur ein Bild.

Darauf war ein Safe zu sehen.

Darunter:

**Sie haben etwas, das uns gehört. Wir haben etwas, das Berger gehört.**

Alexander starrte auf das Foto.

Dann vergrößerte er es.

Ich verstand zunächst nicht, was ihn so erschreckte.

Bis Sophie auf eine kleine Gravur an der Seite des Safes zeigte.

„Papa?“

Alexander sagte nichts.

„Kennst du den?“

Er nickte.

„Er stand im Arbeitszimmer meines Vaters.“

Mir wurde kalt.

„Aber dein Vater ist seit Jahren tot.“

„Ja.“

„Wo ist der Safe jetzt?“

Alexander sah auf die Nachricht.

„Er sollte seit zwölf Jahren leer sein.“

Eine zweite Nachricht erschien.

Diesmal nur eine Adresse.

Ein altes Lagergebäude am Münchner Stadtrand.

Und ein Satz:

**Bringen Sie die Mappe. Allein.**

Sophie packte seinen Arm.

„Du gehst da nicht hin.“

Alexander sah seine Tochter an.

„Doch.“

„Papa!“

„Aber nicht so, wie sie erwarten.“

Vierzig Minuten später standen wir nicht vor dem Lagerhaus.

Wir befanden uns in einem unscheinbaren Gebäude zwei Straßen weiter.

Mehrere Monitore zeigten Kamerabilder der Umgebung.

Alexander hatte die Mappe auf den Tisch gelegt.

Laura und Sophie saßen hinter uns.

„Du hast das vorbereitet?“, fragte ich.

„Nein.“

Alexander sah auf die Monitore.

„Aber jemand anderes offenbar schon.“

Auf einem Bildschirm erschien Bewegung.

Ein Wagen hielt vor dem Lagerhaus.

Die Fahrertür öffnete sich.

Jonas stieg aus.

Sophie erstarrte.

Doch er war nicht allein.

Eine zweite Person kam aus dem Wagen.

Als Alexander sie erkannte, verlor sein Gesicht jede Farbe.

Ich hatte diesen Mann nie zuvor gesehen.

Er war ungefähr sechzig, trug einen dunklen Mantel und ging mit einem Stock.

Alexander flüsterte:

„Das ist unmöglich.“

„Wer ist das?“

Er antwortete nicht sofort.

Auf dem Monitor blieb der Mann vor dem Lagerhaus stehen und sah direkt in eine der versteckten Kameras.

Als hätte er genau gewusst, wo sie war.

Dann lächelte er.

Alexander griff nach der Tischkante.

„Mein Vater.“

Sophie sah ihn fassungslos an.

„Dein Vater ist tot.“

Alexander wandte den Blick nicht vom Bildschirm.

„Das dachte ich auch.“

**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 6, um weiterzulesen.**

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