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Am Tag Vor Der Hochzeit Meiner Schwester Schnitt Meine Mutter Mir 50 Zentimeter Haare Ab – Am Nächsten Tag Kam Das BKA Wegen Des Bräutigams

Mein Vater starrte auf das Standbild, als hätte er Friedrich Keller nicht erkannt, obwohl ich wusste, dass das unmöglich war. Friedrich war bei fast jedem wichtigen Ereignis unserer Familie dabei gewesen. Geburtstage, Weihnachten, meine Abschlussfeier. Als ich achtzehn geworden war, hatte er mir eine Flasche Champagner geschenkt und lachend gesagt, er hoffe, niemals beruflich mit mir zu tun zu bekommen, weil glückliche Menschen selten einen Notar brauchten. Jetzt lief derselbe Mann mit meiner Schwester durch einen Hinterausgang und trug ein Dokument, von dessen Existenz ich bis vor einer Stunde nichts gewusst hatte.

„Wo fahren sie hin?“, fragte ich.

Krüger gab bereits Anweisungen über Funk. „Kennzeichen überprüfen. Kameras im Umkreis sichern. Banken informieren.“

Maximilian schüttelte den Kopf.

„Wenn Friedrich vorbereitet ist, benutzt er nicht sein eigenes Auto.“

Mein Vater fuhr zu ihm herum.

„Seit wann verdächtigst du ihn?“

„Seit ungefähr sechs Monaten.“

„Und du hast nichts gesagt?“

„Wem hätte ich es sagen sollen? Ihnen?“

Mein Vater verstummte.

Maximilian öffnete eine weitere Datei. Darin waren Überweisungen aufgeführt, die Jahre zurückreichten. Kleine Beträge zuerst. Hunderttausend. Zweihunderttausend. Später Millionen.

Immer wieder tauchte derselbe Name auf.

Keller Treuhandgesellschaft mbH.

„Friedrich verwaltete Teile der Stiftung“, sagte Maximilian. „Nicht offiziell. Er war die Verbindung zwischen dem Treuhänder und deiner Familie.“

„Welchem Treuhänder?“

Maximilian sah mich an.

„Das ist die Frage, wegen der diese Hochzeit überhaupt stattgefunden hat.“

Krüger trat näher.

„Herr von Steinberg, Sie werden uns jetzt alles geben, was Sie haben.“

„Das hatte ich ohnehin vor.“

„Warum erst jetzt?“

Maximilian lächelte müde.

„Weil ich bis heute nicht wusste, auf welcher Seite Sie stehen.“

Krügers Gesicht verhärtete sich.

Wieder dieser Zweifel.

Ich erinnerte mich an Maximilians Worte im Flur.

Frag Krüger, warum deine Firma schon drei Monate vor ihrer Gründung auf einer internen Beobachtungsliste stand.

„Was meint er?“

Krüger antwortete nicht.

Maximilian tat es.

„Jemand beim BKA hat Informationen über die Ermittlungen verkauft.“

Stille.

„Das ist eine Behauptung“, sagte Krüger.

„Nein.“

Maximilian öffnete eine E-Mail.

Absender und Empfänger waren anonymisiert, doch der Inhalt ließ keinen Zweifel.

Zielgesellschaft Hartmann Projektentwicklung wird ab Montag überwacht. Keine Transaktionen bis weitere Freigabe.

Datum: drei Tage vor der offiziellen internen Überwachung.

„Diese Information landete bei meinem Vater“, sagte Maximilian. „Deshalb wusste er, dass Lena benutzt werden sollte, bevor die Firma überhaupt gegründet war.“

Ich sah Krüger an.

„Wer hatte Zugriff darauf?“

„Mehrere Personen.“

„Sie auch?“

Sein Schweigen dauerte eine Sekunde zu lange.

„Ja.“

Meine Mutter setzte sich schwer auf einen Stuhl.

„Das ist Wahnsinn.“

Nein, dachte ich. Wahnsinn war die Schere gewesen. Das hier war organisiert.

Mein Handy klingelte.

Sophie.

Alle verstummten.

Ich nahm ab.

„Sophie?“

Zuerst hörte ich nur ihren Atem.

Dann:

„Lena, ich habe einen Fehler gemacht.“

Ihre Stimme klang anders. Kein Trotz. Keine Tränen, die jemanden überzeugen sollten. Nur Angst.

„Wo bist du?“

„Ich kann es nicht sagen.“

„Ist Friedrich bei dir?“

Stille.

„Sophie.“

„Er hat mich angelogen.“

„Worüber?“

„Über alles.“

Ich schaltete den Lautsprecher nicht ein, aber Krüger stand nah genug, um mitzuhören.

„Komm zurück.“

„Das geht nicht.“

„Warum?“

Sie begann zu weinen.

„Weil ich unterschrieben habe.“

„Die Überweisung?“

„Ich dachte, ich stoppe sie.“

Ich schloss die Augen.

Natürlich.

Jemand hatte ihr wahrscheinlich genau das erzählt, was sie hören musste.

„Was hat Friedrich gesagt?“

„Dass Maximilian mich nur benutzt. Dass die achtundvierzig Millionen verschwinden würden, wenn wir nichts tun. Er sagte, er könne das Geld auf ein Schutzkonto übertragen.“

„Auf den Cayman Islands?“

Sie schwieg.

„Sophie, hör mir zu. Wo bist du?“

Plötzlich hörte ich im Hintergrund eine Männerstimme.

Dann wurde die Verbindung unterbrochen.

Krüger nahm mein Handy.

„Kann die Nummer lokalisiert werden?“

Einer seiner Kollegen machte sich sofort daran.

Maximilian stand am Fenster.

„Friedrich braucht sie nicht mehr.“

Meine Mutter sprang auf.

„Was soll das heißen?“

„Die Überweisung ist autorisiert. Er hat den Originalvertrag. Sophie hat ihren Zweck erfüllt.“

Mein Vater ging auf Maximilian los.

„Wenn ihr etwas passiert—“

„Dann was?“

Maximilian stand ebenfalls auf.

„Sie haben Friedrich dreißig Jahre lang in Ihr Haus gelassen. Nicht ich.“

Mein Vater blieb stehen.

Die Worte trafen.

„Warum braucht er den Originalvertrag?“, fragte ich.

Maximilian sah mich an.

„Weil die achtundvierzig Millionen nicht das Ziel sind.“

„Was dann?“

Er deutete auf den Vertrag in meiner Hand.

„Das ist nur eine Kopie. Im Original befindet sich ein handschriftlicher Zusatz von Elisabeth Morgenfels.“

Mein Vater hob langsam den Kopf.

„Welcher Zusatz?“

Maximilian runzelte die Stirn.

„Sie kennen ihn nicht?“

„Nein.“

Zum ersten Mal wirkte Maximilian wirklich überrascht.

„Dann hat Friedrich sogar Sie belogen.“

„Was steht darin?“

Maximilian zögerte.

„Ich habe nur ein Foto davon gesehen. Mein Vater hatte es.“

„Was steht darin?“

„Dass die Stiftung aufgelöst werden kann, wenn die Begünstigte freiwillig auf ihre Ansprüche verzichtet.“

Mir wurde kalt.

„Ich werde auf nichts verzichten.“

„Das Problem ist“, sagte Maximilian, „dass offenbar bereits eine Verzichtserklärung existiert.“

Meine Mutter sah mich an.

„Mit ihrer gefälschten Unterschrift?“

„Nein.“

Maximilian schüttelte den Kopf.

„Elisabeth war nicht dumm. Der Verzicht muss persönlich und vor dem im Originalvertrag benannten Treuhänder erklärt werden.“

„Wer ist der Treuhänder?“

„Der Name steht nur im Original.“

Friedrich hatte ihn.

Krügers Kollege kam herein.

„Wir haben das Telefon.“

„Wo?“

„Etwa fünfunddreißig Kilometer entfernt. Richtung Königstein.“

Mein Vater wurde bleich.

„Was?“

„Kennen Sie dort etwas?“, fragte Krüger.

Mein Vater antwortete nicht sofort.

Dann:

„Das alte Morgenfels-Haus.“

Zwanzig Minuten später saß ich in einem Wagen des BKA. Krüger vorne, ich hinten. Mein Vater wollte mitkommen, doch Krüger hatte es verboten. Maximilian war ebenfalls im Hotel geblieben.

Der Regen begann, als wir Frankfurt verließen.

Ich dachte an Sophie.

An die Schwester, die morgens noch geglaubt hatte, ihre größte Sorge seien meine Haare.

Dann vibrierte mein Handy.

Eine Nachricht von Sophie.

Kein Text.

Nur ein Foto.

Es zeigte einen dunklen Raum. Einen langen Tisch. Darauf lag der Originalvertrag.

Am anderen Ende saß ein Mann.

Ich vergrößerte das Bild.

Mein Atem stockte.

Ich kannte dieses Gesicht.

Nicht persönlich.

Aber ich hatte es vor wenigen Stunden gesehen.

Auf einem alten Foto in Maximilians Unterlagen.

„Herr Krüger.“

Er drehte sich um.

Ich zeigte ihm das Display.

Sein Gesicht veränderte sich sofort.

„Woher hat sie dieses Foto?“

„Sie hat es gerade geschickt.“

„Das ist unmöglich.“

„Wer ist der Mann?“

Krüger sagte nichts.

Ich kannte die Antwort bereits.

Konrad von Steinberg.

Maximilians Vater.

Sophies leiblicher Vater.

Der Mann, von dem alle gesprochen hatten, als wäre er irgendwo weit entfernt.

Er saß bei Sophie.

Dann kam eine zweite Nachricht.

Diesmal Text.

Lena, komm nicht hierher. Papa hat dich über Elisabeth belogen. Frag ihn, warum auf deiner Geburtsurkunde ursprünglich ein anderer Vater eingetragen war.

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