„Lukas, warum sagst du so etwas?“ Meine Stimme brach.
Lukas blickte durch die Glastüren in Richtung Operationssaal, wo Sophie um ihr Leben kämpfte.
„Weil alle glauben, ich hätte Sophie aus Mitleid geheiratet“, flüsterte er. „Manche dachten sogar, ich würde dafür meine eigene Zukunft opfern.“
Meine Brust zog sich zusammen.
„War es denn nicht so?“
Lukas’ Gesichtsausdruck wurde ernst.
„Nein. Sophie hat meine Zukunft gerettet.“
Er griff in seine Jacke und zog ein zusammengefaltetes Foto heraus. Es zeigte uns als Kinder – Sophie in der Mitte, Lukas neben ihr und mich, wie ich breit in die Kamera grinste.
„Erinnerst du dich daran, als meine Mutter drei Tage lang verschwunden war, als wir zehn waren?“
Langsam nickte ich. Lukas hatte immer gesagt, sie sei krank gewesen.
„Sie war nicht krank. Sie war tablettenabhängig. Mein Vater war gewalttätig. An diesem Nachmittag saß ich hinter eurem Haus, weil ich nicht nach Hause wollte.“
Lukas schluckte schwer.
„Sophie hat mich gefunden.“
Ich starrte ihn an.
„Sie verstand nicht, warum ich weinte, also setzte sie sich einfach neben mich. Dann gab sie mir die Hälfte ihres Pausenbrots und sagte: ‚Du kannst bei uns bleiben. Familien sorgen dafür, dass man sicher ist.‘“
Lukas’ Augen füllten sich mit Tränen.
„Dieser eine Satz hat mich öfter am Leben gehalten, als du dir vorstellen kannst.“
Bevor ich etwas erwidern konnte, öffneten sich die Türen zum Operationsbereich.
Ein Chirurg kam hastig auf uns zu.
„Herr Wagner?“
Lukas sackte beinahe in sich zusammen.
„Ihre Töchter leben.“
„Und Sophie?“
Der Chirurg zögerte.
„Sie hat sehr viel Blut verloren. Wir konnten sie stabilisieren, aber sie ist bisher nicht wieder zu Bewusstsein gekommen.“
Lukas vergrub das Gesicht in den Händen.
Dann fügte der Arzt hinzu: „Da ist noch etwas. Vor der Operation hat Ihre Frau einer Pflegekraft einen Umschlag gegeben und ausdrücklich darum gebeten, dass er ausschließlich ihrer Schwester ausgehändigt wird.“
Mir wurde eiskalt.
Eine Pflegekraft kam auf mich zu und legte den Umschlag in meine zitternden Hände.
Auf der Vorderseite hatte Sophie meinen Namen geschrieben.
Darin befand sich nur ein einziges Blatt Papier.
Ich las den ersten Satz – und hörte auf zu atmen.
Lukas bemerkte meinen Gesichtsausdruck.
„Was hat sie geschrieben?“
Ich sah ihn an und war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob der Mann neben mir die ganze Wahrheit kannte.
Denn Sophies Brief begann mit den Worten:
„Bitte verzeih mir. Lukas hat sich nicht zuerst für mich entschieden. Ich habe ihn gebeten, mich zu heiraten – wegen dessen, was ich über dich herausgefunden habe.“
**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**







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