Unterhaltung

Acht Minuten Nach Unserer Scheidung Sagte Mein Ex: „Es Gibt Nichts Zu Teilen“ – Dann Öffnete Ich Die Mappe, Die Seine Ganze Familie Fürchtete

Anna hielt das Telefon so fest, dass ihre Finger schmerzten. „Gib ihm das Handy.“

„Anna—“

„Gib Lukas Reinhardt das Telefon.“

Im Hintergrund hörte sie Stimmen, Schritte, dann Benjamins gedämpftes „Sie will mit Ihnen sprechen“. Einige Sekunden vergingen. Schließlich meldete sich eine fremde Männerstimme.

„Anna?“

Sie erschrak darüber, wie selbstverständlich er ihren Namen aussprach.

„Wer sind Sie?“

Der Mann atmete langsam aus. „Das lässt sich nicht in einem Telefongespräch erklären.“

„Dann versuchen Sie es.“

Hoffmann stand wenige Schritte entfernt und starrte das Telefon an, als könnte er durch das Gerät einen Toten sehen.


„Warum glauben alle, Sie seien vor zehn Jahren gestorben?“, fragte Anna.

„Weil es damals sicherer war.“

„Für wen?“

„Für mehrere Menschen.“

„Sind Sie Jonas’ Vater?“

Stille.

Anna spürte, wie Katharina neben ihr erstarrte.

„Beantworten Sie meine Frage.“

„Ich weiß es nicht.“

„Sie haben geweint, als Sie sein Foto gesehen haben.“


„Weil er jemandem ähnlich sieht.“

„Wem?“

Doch bevor Reinhardt antwortete, hörte Anna eine Frau im Hintergrund schreien.

Sabine Berger.

„Lukas, kein Wort mehr!“

Dann wurde die Verbindung unterbrochen.

Anna starrte auf ihr Display.

„Wir müssen zurück“, sagte Katharina.

„Nein.“

Anna hob den Blick zur Anzeigetafel. Das Boarding wurde geschlossen.


„Anna, wenn Reinhardt wirklich dort ist—“

„Dann wird er in zwei Stunden auch noch dort sein. Richard wartet seit sieben Jahren darauf, mir etwas zu erzählen.“

Sie nahm Jonas und Emilia bei den Händen.

„Wir fliegen.“

Hoffmann zögerte. Dann nickte er.

Wenige Minuten später saßen sie im Flugzeug.

Erst als Frankfurt unter einer dichten Wolkendecke verschwand, öffnete Anna den restlichen Brief ihres Vaters.

Die zweite Seite war deutlich kürzer.

**Lukas Reinhardt war nicht nur mein Geschäftspartner. Er leitete die medizinische Stiftung, über die Benjamins Behandlung finanziert wurde. Als Richard mich vor Unregelmäßigkeiten warnte, überprüfte Lukas die Akten. Danach verschwand er. Drei Monate später erhielt ich seine Todesanzeige. Ich habe nie daran geglaubt.**

Anna las weiter.


**Wenn Jonas jemals betroffen sein sollte, vertraue keinem Ergebnis, das nur einen Berger als Vergleichsperson verwendet.**

Sie hielt inne.

„Warum schreibt er das?“

Hoffmann nahm die Seite.

Sein Blick blieb an dem Satz hängen.

„Vielleicht ging es nie darum, welcher Berger Jonas’ Vater ist.“

„Sondern?“

„Darum, wer überhaupt als Vater in Frage kam.“

Anna verstand nicht.

Hoffmann blätterte zur dritten Seite.


Dort befand sich keine Erklärung.

Nur eine Liste.

**Richard Berger.
Benjamin Berger.
Lukas Reinhardt.
Martin Keller.**

Anna starrte auf den letzten Namen.

Martin Keller.

Ihr Vater.

„Das ist unmöglich.“


Hoffmann wurde blass.

„Das muss etwas anderes bedeuten.“

„Warum steht mein Vater auf einer Liste möglicher Väter meines Sohnes?“

Ihre Stimme wurde lauter. Zwei Passagiere drehten sich um.

Hoffmann senkte die Stimme. „Vielleicht sind das Spender, Zeugen oder Personen, deren Proben im Labor waren.“

Anna wollte glauben, dass er recht hatte.

Dann bemerkte sie eine handschriftliche Notiz am unteren Rand.

**Nicht biologische Vaterschaft prüfen. Verwandtschaftsgrad prüfen.**

Ihr Magen zog sich zusammen.

Sie klappte den Brief zu.


Eine Stunde später landeten sie in London.

Ein Fahrer wartete mit einem Schild, auf dem lediglich A. Berger stand. Er brachte sie zu einem alten Bankgebäude in Kensington.

„Schließfach 314“, sagte Anna.

Der Schlüssel passte.

Ein Mitarbeiter führte sie in einen privaten Raum und stellte eine Metallkassette auf den Tisch.

Anna öffnete sie.

Darin lagen drei Dinge.

Eine Festplatte.

Ein versiegelter Umschlag.

Und eine kleine schwarze Schachtel.


Auf dem Umschlag stand:

**Für Anna. Erst ansehen, wenn Richard nicht mehr sprechen kann.**

„Dann lebt er“, sagte Anna.

„Oder lebte zumindest, als das hier hinterlegt wurde“, erwiderte Hoffmann.

Anna öffnete stattdessen die schwarze Schachtel.

Darin befanden sich vier beschriftete Probenröhrchen.

**Benjamin Berger.
Richard Berger.
Martin Keller.
Lukas Reinhardt.**


Anna wich zurück.

„Das sind die vier Namen.“

Hoffmann nickte langsam.

Unter den Röhrchen lag ein Laborbericht.

Anna nahm ihn heraus.

Die Untersuchung war erst drei Monate alt.

Jemand hatte die vier alten Proben erneut analysieren lassen.

Sie überflog die Ergebnisse, verstand die Fachbegriffe kaum und suchte nach Jonas’ Namen.

Er stand nirgendwo.

Stattdessen fand sie eine Tabelle über genetische Übereinstimmungen zwischen den vier Männern.


„Herr Hoffmann.“

Er trat näher.

Dann wurde auch sein Gesicht starr.

Richard Berger und Lukas Reinhardt wiesen einen Verwandtschaftsgrad auf, der mit Halbbrüdern vereinbar war.

Benjamin war erwartungsgemäß Richards Sohn.

Doch bei Martin Keller stand ebenfalls:

**Hohe Wahrscheinlichkeit einer biologischen Verwandtschaft ersten Grades mit Lukas Reinhardt.**

Anna verstand den Satz zunächst nicht.

„Erster Grad?“

Hoffmann setzte sich.

„Elternteil, Kind oder Geschwister.“

„Mein Vater und Lukas?“

„Ja.“

Anna dachte an Reinhardts Alter. Er musste ungefähr Mitte fünfzig sein.

Ihr Vater wäre heute zweiundsiebzig.

„Dann könnte Lukas…“

„Der Sohn Ihres Vaters gewesen sein.“

Anna bekam kaum Luft.

Ein unbekannter Halbbruder.

Ihr eigener Bruder.

Und plötzlich verstand sie, warum der Gedanke, Lukas könne Jonas’ Vater sein, noch schrecklicher war als alles zuvor.

„Nein.“

Hoffmann nahm den Bericht.

„Dieser Test beweist nicht, dass Lukas Jonas’ Vater ist.“

„Aber warum hat mein Vater geschrieben, man müsse den Verwandtschaftsgrad prüfen?“

Niemand antwortete.

Da klopfte es an der Tür.

Der Bankmitarbeiter trat ein.

„Frau Berger, ein Herr möchte Sie sprechen.“

Anna stand auf.

„Wer?“

Der Mitarbeiter trat zur Seite.

Ein alter Mann erschien im Türrahmen.

Dünner als Anna ihn erinnerte. Graues Haar. Ein Gehstock.

Richard Berger.

Jonas blickte neugierig auf.

„Opa Richard?“

Der alte Mann sah den Jungen an und seine Augen füllten sich mit Tränen.

„Hallo, Jonas.“

Anna stellte sich sofort zwischen sie.

„Sie erklären mir jetzt alles.“

Richard nickte.

„Das habe ich vor.“

Sein Blick fiel auf die geöffneten Proben.

„Dann hast du bereits herausgefunden, dass Lukas dein Halbbruder ist.“

Anna schluckte.

„Ist er Jonas’ Vater?“

Richard schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Er zog einen Stuhl heran.

„Das ist die erste Lüge, die Sabine dich glauben lassen will.“

„Warum?“

„Weil die Wahrheit sie ins Gefängnis bringen könnte.“

Richard öffnete seine Ledertasche und legte einen weiteren Laborbericht auf den Tisch.

„Benjamin hat den falschen Test bekommen.“

Anna sah auf das Dokument.

„Was bedeutet das?“

„Der Mann, den Benjamin bezahlt hat, gab ihm manipulierte Ergebnisse.“

Richard zeigte auf eine Zeile.

**Vaterschaftswahrscheinlichkeit: 99,9997 %.**

Daneben stand:

**Benjamin Berger – Jonas Berger.**

Anna starrte Richard an.

„Benjamin ist doch sein Vater?“

„Biologisch, ja.“

Eine Mischung aus Erleichterung und Wut durchfuhr sie.

„Dann warum dieses ganze Theater?“

Richard sah zu den Kindern und senkte seine Stimme.

„Weil Jonas nie das eigentliche Ziel war.“

Anna fühlte wieder diese Kälte.

„Wer dann?“

Richard blickte auf ihr Telefon.

„Vanessas Baby.“

Im selben Augenblick klingelte es.

Benjamin.

Anna nahm ab.

Diesmal sprach er nicht.

Sie hörte Vanessa weinen.

Dann Sabines Stimme.

„Du wirst Anna nichts sagen.“

Und schließlich Lukas Reinhardt:

„Es ist zu spät, Sabine. Der Test ist fertig.“

Anna hielt den Atem an.

Benjamin nahm das Telefon.

„Anna“, sagte er tonlos. „Vanessas Kind ist nicht von mir.“

Anna schloss die Augen.

„Von wem?“

„Das wissen wir noch nicht.“

Im Hintergrund schrie Vanessa: „Sag ihr den Rest!“

Benjamin schwieg.

„Welchen Rest?“, fragte Anna.

Vanessa riss ihm offenbar das Telefon aus der Hand.

Ihre Stimme bebte.

„Anna, ich habe Benjamin nie gesagt, dass das verwendete Material von ihm stammt.“

Anna verstand nicht.

„Was meinst du?“

Vanessa begann zu schluchzen.

„Seine Mutter hat es mir gegeben.“

Richard wurde kreidebleich.

„Frag sie nach der Kennzeichnung“, sagte er sofort.

Anna wiederholte die Frage.

Vanessa antwortete:

„MK-17.“

Richard schloss die Augen.

Hoffmann ließ den Laborbericht fallen.

Anna sah zwischen beiden Männern hin und her.

„Was bedeutet MK-17?“

Richard öffnete langsam die Augen.

„Martin Keller.“

Anna konnte sich nicht bewegen.

Richard sah sie an.

„Das war die eingefrorene Probe deines Vaters.“

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