Unterhaltung

Der Milliardär Öffnete Die Falsche Tür – Und Entdeckte Das Geheimnis Seiner Verlobten

Ethan legte nicht sofort auf. Er stand mitten im Korridor, das Telefon am Ohr, während hinter der geschlossenen Tür die Gala in völliges Chaos geriet. Stimmen überschlugen sich, Stühle wurden zurückgeschoben, Journalisten drängten nach vorn und jemand rief nach dem Verantwortlichen für die Bildschirme. Adrian war verschwunden. Ich sah noch, wie zwei Sicherheitsleute in seine Richtung liefen, doch er hatte bereits eine Seitentür erreicht.

„Wer sind Sie?“, fragte Ethan.

Am anderen Ende blieb es still.

Dann sagte die Stimme: „Sie stellen die falsche Frage.“

„Welche wäre die richtige?“

„Warum wurde Anna nicht geschützt?“

Mein Atem stockte.

Ethan sah mich an.

„Woher kennen Sie ihren Namen?“

„Weil ich damals dabei war.“


Die Verbindung brach ab.

Ethan nahm das Telefon vom Ohr und starrte auf das Display.

„Was bedeutet das?“, fragte ich.

Er antwortete nicht sofort.

„Wir gehen nicht in den Keller.“

„Aber Sie wollten—“

„Ich wollte herausfinden, wer uns dort erwartet. Jetzt weiß ich, dass jemand versucht, mich dorthin zu locken.“

Er nahm mein Handgelenk, diesmal vorsichtig, und führte mich durch einen anderen Korridor. Ich merkte erst nach einigen Schritten, dass wir uns nicht in Richtung Ausgang bewegten.

„Wohin gehen wir?“

„In mein Büro.“


„Und Adrian?“

„Er ist nicht mehr das größte Problem.“

Diese Worte hätten mich beruhigen sollen.

Sie taten es nicht.

Als wir den privaten Aufzug erreichten, hielt Ethan plötzlich inne. Auf dem Boden lag ein kleiner schwarzer Gegenstand.

Ein USB-Stick.

Daneben ein handgeschriebener Zettel.

**Für Anna. Nicht für Ethan.**

Ich sah Ethan an.

„Ich nehme ihn nicht.“


„Das ist klug.“

„Aber da steht mein Name.“

„Genau deshalb ist es gefährlich.“

Er zog ein Taschentuch aus seiner Tasche, hob den Stick damit auf und steckte ihn in einen Umschlag.

„Wir öffnen ihn nicht hier.“

Der Aufzug brachte uns in die oberste Etage. Mein Herz schlug immer schneller. Ich hatte das Gefühl, dass jeder Schritt durch den leeren Flur mich weiter von dem Leben entfernte, das ich bis vor wenigen Stunden gekannt hatte.

In Ethans Büro stellte er den Umschlag auf den Tisch.

„Setzen Sie sich.“

Ich blieb stehen.

„Ich habe Angst.“


Er sah mich an.

„Ich auch.“

Diese Antwort überraschte mich.

„Sie?“

„Ja.“

Er ging zum Fenster. Unter uns glitzerte Frankfurt, während die Blaulichter der ersten Polizeifahrzeuge vor dem Tower erschienen.

„Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, Probleme zu lösen, bevor sie mich erreichen. Heute Abend bin ich einem Problem begegnet, das jemand seit Monaten direkt vor meinen Augen versteckt hat.“

Ich senkte den Blick.

„Ich habe es auch vor Ihnen versteckt.“

„Sie mussten nicht stark sein, Anna.“


„Doch.“

„Warum?“

Ich kämpfte gegen die Tränen.

„Weil ich dachte, wenn ich einmal anfange zu erzählen, hört es nie wieder auf.“

Ethan kam nicht näher.

„Dann erzählen Sie nur einen Satz.“

Ich sah ihn an.

„Ich wollte Adrian verlassen.“

Er schwieg.

„Mehrmals.“


„Warum haben Sie es nicht getan?“

„Beim ersten Mal hat er gedroht, meinen Bruder zu ruinieren. Beim zweiten Mal hat er behauptet, er würde sich etwas antun. Beim dritten Mal wusste er plötzlich, dass ich mit Ihnen gesprochen hatte.“

Ethan erstarrte.

„Wann?“

„Vor ungefähr sechs Wochen.“

„Was haben Sie mir damals gesagt?“

Ich erinnerte mich.

„Dass ich vielleicht kündigen würde.“

Ethan nickte langsam.

„Und am nächsten Tag hat Adrian Ihnen den Verlobungsring gegeben.“


„Ja.“

Er sah mich an.

„Er wollte verhindern, dass Sie gehen.“

Ich konnte nicht antworten.

Dann öffnete sich die Tür.

Ethan hatte sie abgeschlossen.

Niemand hätte hereinkommen dürfen.

Doch seine Sicherheitschefin Mara Vogel stand im Raum.

„Herr Hartmann.“

Ethan drehte sich um.


„Wie sind Sie hier hereingekommen?“

„Mit meinem Zugang.“

„Den habe ich vor zehn Minuten deaktiviert.“

Mara wurde blass.

„Das ist unmöglich.“

Sie sah zu mir.

„Anna, Sie müssen sofort mitkommen.“

Ethan stellte sich neben mich.

„Nein.“

„Herr Hartmann, hören Sie mir zu.“


Mara zog ihr Telefon heraus.

„Ich habe gerade die Sicherheitsaufzeichnungen geprüft.“

Sie legte das Gerät auf den Tisch.

Ein Video lief.

Der Korridor vor dem Umkleideraum.

19:12 Uhr.

Ich war bereits dort.

19:13 Uhr.

Adrian erschien.

Doch er ging nicht in den Umkleideraum.


Er blieb vor der Tür stehen.

Er telefonierte.

Dann kam jemand aus dem Schatten.

Ein Mann.

Er reichte Adrian einen Umschlag.

Ich beugte mich näher zum Bildschirm.

„Das ist Reinhardt.“

Ethan sah mich an.

„Sind Sie sicher?“

„Ja.“

Mara stoppte das Video.

„Das ist noch nicht alles.“

Sie öffnete eine zweite Aufnahme.

Sie zeigte denselben Korridor.

Nur drei Minuten später.

Adrian war verschwunden.

Der andere Mann stand noch dort.

Er sah direkt in die Überwachungskamera.

Dann hob er langsam eine Hand.

In seiner Hand hielt er ein Foto.

Mein Foto.

Mara flüsterte:

„Wir haben das Bild vergrößert.“

Sie zoomte hinein.

Auf der Rückseite des Fotos war etwas geschrieben.

Ein Datum.

Und darunter ein Name.

Ich kannte den Namen.

Ethan ebenfalls.

Wir sahen uns an.

**Richard Hartmann.**

Ethans Vater.

Der Mann, der vor acht Jahren offiziell an einem Herzinfarkt gestorben war.

„Das kann nicht sein“, sagte Ethan.

Mara schüttelte langsam den Kopf.

„Das Foto wurde heute um 18:47 Uhr aufgenommen.“

Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich.

Ethan nahm das Telefon.

„Mara.“

„Ja?“

„Zeigen Sie mir die Kameraaufnahme von 18:47 Uhr.“

Sie tat es.

Das Bild erschien.

Eine dunkle Gestalt betrat den Tower.

Gesicht verborgen.

Doch als die Person sich für einen Moment zur Kamera drehte, sah ich etwas, das mich sofort erkennen ließ, wer es war.

Nicht das Gesicht.

Die Uhr.

Eine alte silberne Armbanduhr.

Ich hatte sie schon einmal gesehen.

An Adrians Hand.

Ethan starrte auf den Bildschirm.

„Diese Uhr“, sagte er leise.

Ich nickte.

„Sie gehört Adrian.“

In diesem Augenblick ging das Licht aus.

Das Büro wurde vollkommen dunkel.

Und irgendwo im Gebäude begann ein Telefon zu klingeln.

Einmal.

Zweimal.

Dreimal.

Dann hörten wir eine Stimme aus dem Lautsprecher des Büros.

Adrian.

„Anna, wenn du Ethan wirklich vertraust, dann sag ihm endlich, was an dem Abend vor drei Monaten passiert ist.“

Eine Pause.

Dann:

„Denn ich war nicht derjenige, der dich verletzt hat.“

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