Unterhaltung

Ich kam früher nach Hause und fand meine Frau bewusstlos – während meine Mutter seelenruhig ihr Abendessen aß

Ich war schon auf dem Flur, bevor Neumann meinen Namen rief.

Zwei Feldjäger bewegten sich gleichzeitig mit mir zum Aufzug. Neumann telefonierte hinter uns mit der Krankenhausleitung und verlangte, dass sämtliche Zugänge zur Station kontrolliert wurden.

„Keller“, sagte er, als wir die Aufzugtür erreichten. „Sie gehen nicht allein zu Ihrer Frau.“

„Das hatte ich nicht vor.“

Das war gelogen.

In diesem Moment hätte mich kaum etwas davon abgehalten, zu Klara zu gelangen.

Der Aufzug war zu langsam.

Ich nahm die Treppe.

Als wir die Station erreichten, standen die beiden Feldjäger noch vor Klaras Zimmer.

Mein erster Gedanke war Erleichterung.


Mein zweiter galt dem leeren Besucherstuhl gegenüber.

„Ist jemand hier gewesen?“

Einer der Feldjäger schüttelte den Kopf.

„Niemand ist ins Zimmer gekommen.“

Ich öffnete die Tür.

Klara saß halb aufgerichtet im Bett. Unser Sohn schlief neben ihr.

Sie sah mein Gesicht.

„Was ist passiert?“

„Wir müssen euch verlegen.“

„Warum?“


Ich ging zu ihr und nahm ihre Hand.

„Daniel Vogt ist hier.“

Sie runzelte die Stirn.

„Daniel?“

Natürlich kannte sie ihn.

Vogt hatte bei unserer Hochzeit neben meinen Kameraden gestanden. Er hatte uns zur Geburt gratuliert. Vor vier Tagen hatte er mir noch geschrieben, ich solle mir wegen des Dienstes keine Sorgen machen.

„Wir glauben, dass er mit Brenner zusammenarbeitet.“

Klara wurde blass.

„Matthias.“

„Was?“


„Daniel war gestern hier.“

Ich erstarrte.

„Im Krankenhaus?“

Sie nickte.

„Kurz vor meiner Entlassung.“

„Warum hast du mir das nicht gesagt?“

„Weil ich dachte, du hättest ihn geschickt.“

Mir wurde kalt.

„Was hat er gemacht?“

„Er brachte Blumen. Dann sagte er, du wärst in einer Besprechung und hättest ihn gebeten, nach mir zu sehen.“


„Ich habe ihn nicht geschickt.“

Klara sah zum Baby.

„Er hat mit deiner Mutter gesprochen.“

Die Tür hinter mir öffnete sich.

Neumann war angekommen.

„Worüber?“, fragte er.

Klara schloss kurz die Augen.

„Ich weiß es nicht. Sie gingen auf den Flur. Vielleicht fünf Minuten.“

Neumann nahm sofort sein Telefon heraus.

„Wir brauchen die Aufnahmen von gestern. Entbindungsstation, alle Flure.“


Dann sah er mich an.

„Vogt kennt möglicherweise nicht nur den Plan. Er war an der Vorbereitung beteiligt.“

Ein Funkgerät knackte.

„Person im Parkhaus lokalisiert. Ebene zwei.“

Ich machte einen Schritt zur Tür.

Neumann stellte sich vor mich.

„Nein.“

„Er gehört zu meiner Einheit.“

„Und deshalb bleiben Sie hier.“

„Er kennt meine Frau.“


„Genau deshalb.“

Die nächsten Minuten waren unerträglich.

Dann kam die Meldung.

Vogts Fahrzeug war gefunden worden.

Leer.

Der Motor noch warm.

Auf dem Beifahrersitz lag seine Uniformjacke.

Sein Dienstausweis war im Handschuhfach.

Von Vogt selbst fehlte jede Spur.

Das Krankenhaus wurde durchsucht.


Während Klara mit unserem Sohn in einen gesicherten Bereich gebracht wurde, sah ich auf jedem Flur Männer und Frauen, die ich kannte.

Sanitätspersonal.

Soldaten.

Zivile Mitarbeiter.

Plötzlich fragte ich mich bei jedem Gesicht, ob Brenner noch jemanden hatte.

Neumann kam zwanzig Minuten später zu mir.

„Wir haben die Aufnahmen.“

Auf seinem Tablet zeigte er mir das Video vom Vortag.

14:18 Uhr.

Vogt betrat die Station mit einem Blumenstrauß.


14:27 Uhr.

Meine Mutter kam aus Klaras Zimmer.

Vogt folgte.

Sie gingen in eine Ecke außerhalb des direkten Sichtfeldes der Kamera.

14:33 Uhr.

Vogt erschien wieder.

Allein.

Er sah auf sein Handy und ging.

„Wo war meine Mutter?“

Neumann wischte zum nächsten Video.


Eine Kamera am Seitenausgang zeigte sie zwei Minuten später.

Sie trug etwas unter ihrem Mantel.

Eine kleine schwarze Tasche.

Ich erkannte sie.

„Die Tasche aus unserem Schlafzimmer.“

Neumann nickte.

Damit war bewiesen, dass die gefälschten Beweise schon vor Klaras Entlassung vorbereitet worden waren.

Doch dann spielte er ein weiteres Video ab.

„Das hier ist von heute.“

17:31 Uhr.


Unsere Wohnungstür.

Daniel Vogt trat hinein.

Er trug Handschuhe.

Nach vier Minuten kam er wieder heraus.

„Vier Minuten“, sagte ich. „Was hat er gemacht?“

„Das wissen wir noch nicht.“

„Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt dort.“

„Laut ihrer Aussage war sie in der Küche.“

Ich erinnerte mich an die Einkaufstüten, das Geschirr, das schreiende Baby.

Das Chaos hatte Vogt Deckung gegeben.

„Hat sie ihn gesehen?“

„Sie behauptet nein.“

Ich wusste nicht mehr, was ich ihr glauben sollte.

Neumann stoppte das Video.

Vogt hielt beim Verlassen etwas in der Hand.

Einen kleinen schwarzen Gegenstand.

„Vergrößern.“

Das Bild wurde unscharf.

Aber die Form war erkennbar.

Ein Handy.

„Klaras Handy war später in der Tasche meiner Mutter.“

„Das hier ist ein anderes.“

Ich dachte an mein eigenes Telefon.

Es war die ganze Zeit bei mir gewesen.

Dann begriff ich.

„Ein Zweitgerät.“

Neumann nickte.

„Oder etwas, das wie eines aussieht.“

Sein Telefon klingelte.

Während er sprach, veränderte sich sein Gesicht.

„Wo?“

Pause.

„Nichts anfassen.“

Er legte auf.

„Die Durchsuchung Ihrer Wohnung hat etwas ergeben.“

Wir fuhren unter Begleitung zurück.

Klara und unser Sohn blieben bewacht im Krankenhaus.

In unserer Wohnung war das Abendessen meiner Mutter noch immer auf dem Tisch.

Der Teller war inzwischen abgedeckt und als Teil der Spurensicherung markiert.

Ein Techniker kniete neben dem Bücherregal.

„Hier.“

Hinter einem Familienfoto war ein winziges Gerät befestigt.

Mikrofon.

„Noch eins im Schlafzimmer“, sagte der Techniker.

„Wie lange sind die dort?“

„Kann ich noch nicht sagen.“

Dann zeigte er auf eine kleine schwarze Box.

„Aber dieses Modell kann Daten übertragen.“

Mir wurde klar, was das bedeutete.

Brenner musste nicht nur Informationen von Vogt erhalten haben.

Er konnte unsere Gespräche gehört haben.

Unsere Pläne.

Klaras Ängste.

Unsere Diskussionen über meine Mutter.

Vielleicht sogar den Moment, in dem wir beschlossen hatten, ihr nach der Geburt Grenzen zu setzen.

„Das ist also der Grund, warum er so viel wusste.“

Neumann antwortete nicht.

Ein Feldjäger kam aus dem Schlafzimmer.

„Wir haben noch etwas.“

Unter dem Bett befand sich ein zweites Gerät.

Kein Mikrofon.

Eine kleine Kamera.

Klaras Gesicht erschien in meinen Gedanken.

Meine Frau hatte sich hier gestillt.

Umgezogen.

Geschlafen.

Ich musste mich zwingen, ruhig zu bleiben.

„Wie lange?“

„Wir prüfen die Speicherkarte.“

Neumann legte mir eine Hand auf die Schulter.

„Keller.“

Ich sah ihn an.

„Finden Sie Vogt.“

„Das werden wir.“

„Bevor ich es tue.“

Er verstand.

Und er verstand ebenso gut, warum ich diesen Satz nicht hätte sagen sollen.

Kurz vor Mitternacht kam der erste Bericht von der Speicherkarte.

Die Kamera war seit acht Tagen aktiv.

Damit war sie installiert worden, bevor Klara entbunden hatte.

Doch die wichtigste Aufnahme stammte vom Nachmittag.

17:32 Uhr.

Vogt erschien im Schlafzimmer.

Er ging direkt zum Kleiderschrank.

Keine Suche.

Keine Unsicherheit.

Er wusste genau, wo die Tasche lag.

Er öffnete sie, nahm den gefälschten Brief heraus und fotografierte ihn.

Dann legte er etwas hinein.

Die zweite Medikamentenflasche.

Danach kniete er neben dem Bett und überprüfte die Kamera.

Bevor er das Zimmer verließ, zog er sein Handy hervor und wählte eine Nummer.

Die Kamera zeichnete keinen Ton auf.

Aber sie zeigte seine Lippen.

Ein Spezialist las die Worte später mehrfach vom Video ab.

Vogt hatte gesagt:

„Alles vorbereitet. Keller ist unterwegs.“

Dann hörte er offenbar die Antwort.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Nein“, sagte er.

Pause.

„Das war nicht vereinbart.“

Noch eine Pause.

Dann:

„Seine Frau und das Kind waren nie Teil davon.“

Vogt steckte das Handy ein und verließ das Schlafzimmer.

Ich sah Neumann an.

„Er bekommt Zweifel.“

„Möglicherweise.“

„Dann könnte er deshalb ins Krankenhaus gekommen sein.“

„Möglicherweise.“

Neumanns Telefon vibrierte.

Eine Nachricht.

Er las sie und stand sofort auf.

„Wir haben Vogt.“

„Wo?“

„Nicht weit vom Krankenhaus.“

„Lebend?“

Neumann sah mich einen Moment zu lange an.

„Ja.“

Ich atmete aus.

„Was sagt er?“

„Noch nichts.“

„Dann lassen Sie mich mit ihm reden.“

„Nein.“

„Neumann—“

„Er hat ausdrücklich nach Ihnen verlangt.“

Das überraschte mich.

„Warum?“

Neumann hielt mir sein Telefon hin.

Darauf war ein Foto von Vogt zu sehen, wie er von zwei Beamten zu einem Fahrzeug geführt wurde.

In seiner Hand hatte er einen zusammengefalteten Zettel getragen.

Auf der Vorderseite stand mein Name.

„Er sagt, Brenner hat noch jemanden innerhalb Ihrer Einheit.“

Ich sah Neumann an.

„Wer?“

„Den Namen will er nur Ihnen nennen.“

Ich griff nach meiner Jacke.

Doch Neumann hielt mich zurück.

„Das ist noch nicht alles.“

Er vergrößerte das Foto.

Auf dem Zettel unter meinem Namen stand eine zweite Zeile.

Nur vier Wörter.

*Fragen Sie nach Morgen 06:30.*

Ich sah auf die Uhr.

00:17 Uhr.

„Was passiert um halb sieben?“

Neumann steckte das Telefon ein.

„Genau das müssen wir herausfinden.“

Sechs Stunden und dreizehn Minuten.

Zum ersten Mal ging es nicht mehr darum herauszufinden, was Brenner bereits getan hatte.

Wir hatten eine Frist.

**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 7, um weiterzulesen.**

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