Der Kugelschreiber glitt langsam und in ungleichmäßigen Bewegungen über das Papier, während mein Vater mich mit einem triumphierenden Grinsen beobachtete. Jede Unterschrift wirkte zittrig genug, um sie zufriedenzustellen – genau so, wie meine Großmutter es mir Monate zuvor beigebracht hatte.
Jasmin riss die Dokumente vom Tisch, noch bevor die Tinte richtig getrocknet war.
„Endlich gehört alles uns“, flüsterte sie und presste die Mappe an ihre Brust.
Gisela ging mit ihrem Handy um mich herum, lachte und zoomte auf meinen geschwollenen Arm.
„Lächel, Alina. Das ist dein letzter Tag, an dem du so tun kannst, als wärst du eine reiche Erbin.“
Ich senkte den Blick und verbarg das schwache Lächeln, das mich beinahe verraten hätte.
Noch sieben Minuten.
Plötzlich klingelte das Handy meines Vaters.
Er warf einen Blick auf das Display, runzelte die Stirn und wies den Anruf ab.
„Wahrscheinlich wieder irgendein Mandant“, murmelte er und hob den Baseballschläger erneut. „Bringen wir das hier zu Ende, bevor wir sie ins Krankenhaus fahren.“
Der Schläger lag nun auf meiner linken Schulter.
„Weißt du“, sagte er kalt, „die Leute werden uns noch dafür bewundern, wie aufopferungsvoll wir uns um unsere psychisch labile Tochter kümmern.“
Jasmin nickte eifrig.
„Und sobald mich das Gericht zu ihrer gesetzlichen Betreuerin bestellt, wird niemand mehr etwas infrage stellen.“
Mein Handy vibrierte erneut in meiner Tasche.
Noch drei Minuten.
Ich hustete absichtlich und ließ ein paar Blutstropfen auf den Marmorboden fallen.
Gisela lachte nur noch lauter.
„Seht sie euch an. Sie glaubt tatsächlich, irgendjemand würde ihr diese Geschichte abnehmen.“
Mein Vater griff nach den unterschriebenen Papieren.
„Morgen früh gehören uns die Mehrfamilienhäuser in Leipzig, das Haus am Starnberger See, das Weingut … einfach alles.“
Er bemerkte die winzige rote Leuchte nicht, die in der schwarzen Brosche an meiner Bluse verborgen war.
Draußen war leise zu hören, wie Reifen über die Einfahrt rollten.
Keiner von ihnen reagierte.
Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt, ihren Sieg zu feiern.
Dann flackerten plötzlich sämtliche Lichter im Haus.
Vom Laptop meines Vaters, der auf der Küchenzeile stand, ertönte ein lautes elektronisches Signal.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich.
„Was war das?“
Bevor jemand antworten konnte, erwachten sämtliche Drucker im Haus gleichzeitig zum Leben.
Seite um Seite wurde ausgespuckt und fiel zu Boden.
Oben auf jedem einzelnen Blatt standen in großen, schwarzen Buchstaben dieselben beunruhigenden Worte:
**NOTFALL-BEWEISARCHIV AKTIVIERT. LIVE-ÜBERTRAGUNG ERFOLGREICH ABGESCHLOSSEN.**
Jasmin wurde kreidebleich.
Gisela ließ ihr Handy langsam sinken.
Mein Vater drehte sich gerade zu mir um, als die Haustür unter drei donnernden Schlägen erzitterte.
„Polizei! Öffnen Sie sofort die Tür!“
Zum ersten Mal an diesem Nachmittag lächelte ich, ohne Angst zu haben.
**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**







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