Unterhaltung

Meine Familie Nannte Mich Eine Versagerin – Bis Ich Meinen Großvater Eingesperrt Im Schuppen Fand Und Den Sofortigen Zugriff Befahl

Der Schuss hallte noch durch das Haus, als ich mich instinktiv gegen die Kellerwand drückte.

Oben hörte ich meine Mutter schreien.

Dann etwas Schweres, das auf den Boden fiel.

„Mutter!“

Keine Antwort.

Weiss hob eine Hand.

„Nicht hochgehen.“

Ich hielt ihm die Seite mit den vier Namen hin.

„Dann sagen Sie mir jetzt, wer Viktor Reimann ist.“

Über uns bewegten sich Schritte.


Langsam.

Kontrolliert.

Der Mann, der meine Mutter mitgebracht hatte, wusste, dass wir im Keller festsaßen.

Weiss sah auf den Namen.

Sein Gesicht war plötzlich härter als zuvor.

„Dr. Viktor Reimann leitete vor sechsundzwanzig Jahren ein geheimes forensisches Programm.“

„Für Ihre Behörde?“

„Nicht offiziell.“

Natürlich nicht.

„Was für ein Programm?“


„Biometrische Identifikation. Genetische Zuordnung. Damals war die Technik noch längst nicht so weit wie heute, aber Reimann erkannte früh, welche Bedeutung DNA eines Tages für Geheimdienstoperationen haben würde.“

Ich sah wieder auf die Seite.

„Und was hat das mit mir zu tun?“

Weiss schwieg eine Sekunde zu lange.

„Er arbeitete mit Falk.“

Mein Magen zog sich zusammen.

„Zusammen?“

„Falk beschaffte ihm Daten.“

„Von wem?“

„Informanten. Agenten. Kriminelle. Menschen, die für verdeckte Operationen benutzt wurden.“


Oben knackte eine Diele.

Ich senkte die Stimme.

„Und Reimann sammelte ihre DNA.“

Weiss nickte.

„Er wollte ein Archiv schaffen, mit dem man Identitäten nicht mehr fälschen konnte.“

„Das klingt zunächst nicht wie ein Verbrechen.“

„Bis man erkennt, dass dieselben Daten auch benutzt werden können, um Menschen aufzuspüren, Familienlinien zu verfolgen und verdeckte Identitäten aufzudecken.“

Da verstand ich.

„Das Archiv, von dem Sie gesprochen haben.“

„Ein Teil davon.“


Meine Finger schlossen sich fester um die Seite.

„Und meine DNA ist der Schlüssel.“

„Offenbar.“

„Warum?“

Weiss sah mich an.

„Weil jemand dafür gesorgt hat, dass Sie in dieses System eingebaut wurden, bevor Sie überhaupt wussten, dass es existiert.“

Plötzlich knackte mein Ohrhörer.

Miriams Stimme.

Sehr leise.

„Elena, wir sind dreihundert Meter westlich. Wärmebild zeigt vier Personen im Haus. Eine weitere Person liegt im Erdgeschoss. Keine klare Identifizierung.“


Meine Mutter.

Vielleicht.

„Nicht antworten“, sagte Miriam. „Wir warten auf Ihr Signal.“

Ich berührte zweimal die Seitennaht meiner Jacke.

Unser vorher vereinbartes stummes Zeichen.

Bereit.

Dann steckte ich die Liste ein.

„Wir gehen hoch.“

Weiss sah mich an, als hätte ich den Verstand verloren.

„Warum?“


„Weil sie glauben, ich hätte Unterlagen über Reimann gefunden.“

„Haben Sie aber nicht.“

„Das wissen sie nicht.“

Ich nahm die Kiste mit meinem Namen.

Dann legte ich einige belanglose Fotos und alte Dokumente hinein.

„Wenn sie die Kiste wollen, bekommen sie die Kiste.“

Weiss verstand.

„Zeit gewinnen.“

„Und herausfinden, wo Großvater ist.“

Wir stiegen die Kellertreppe hinauf.


Langsam.

Meine Waffe hielt ich gesenkt, aber schussbereit.

„Ich komme hoch!“, rief ich.

„Waffe auf den Boden!“

„Erst will ich meine Mutter sehen.“

Stille.

Dann hörte ich sie.

„Elena …“

Ihre Stimme war schwach.

Aber sie lebte.


Ich erreichte die letzte Stufe.

Im Wohnzimmer standen drei bewaffnete Männer.

Meine Mutter kniete neben dem Esstisch.

Blut lief über ihre Schläfe.

Der Schuss hatte sie nicht getroffen.

Offenbar hatte die Kugel nur knapp neben ihr in die Wand eingeschlagen.

Ein Mann stand hinter ihr und hielt eine Pistole an ihren Kopf.

Den Anführer erkannte ich an der Stimme.

„Die Kiste“, sagte er.

Ich stellte sie auf den Boden.


„Wo ist mein Großvater?“

„Sicher.“

„Das ist keine Adresse.“

„Die bekommen Sie, wenn wir haben, was wir brauchen.“

„Dann haben wir ein Problem.“

Seine Augen wurden schmal.

„Sie sind nicht in der Position, Bedingungen zu stellen.“

„Doch.“

Ich deutete auf die Kiste.

„Denn Sie wissen nicht, welches Dokument darin wichtig ist.“


Sein Blick glitt kurz hinunter.

Genau darauf hatte ich gewartet.

„Reimann hat mehrere Identitäten benutzt“, sagte ich. „Wenn Sie die falsche Akte mitnehmen, hilft sie Ihnen gar nichts.“

Das war eine Lüge.

Aber eine gute.

Der Mann zögerte.

„Welche Identität?“

„Sagen Sie mir zuerst, wer Sie bezahlt.“

„Falk.“

„Schon wieder diese Antwort.“

Ich lächelte kalt.

„Sie haben Adrian Falk nie getroffen.“

Sein Gesicht blieb ruhig.

Aber einer der Männer rechts von ihm sah kurz zu ihm hinüber.

Fehler.

Ich sah es.

Weiss sah es ebenfalls.

„Ihr Auftraggeber ist nicht Falk“, sagte ich.

Der Anführer hob die Pistole ein Stück höher.

„Seien Sie vorsichtig.“

„Reimann.“

Jetzt veränderte sich sein Blick.

Nur minimal.

Aber genug.

Meine Mutter begann plötzlich zu zittern.

„Nein“, flüsterte sie.

Ich sah zu ihr.

„Du kennst ihn.“

Sie schüttelte sofort den Kopf.

„Mutter.“

„Ich kenne den Namen.“

Der Mann hinter ihr packte sie an den Haaren.

„Still.“

Ich machte einen Schritt vor.

„Nehmen Sie die Hand von ihr.“

„Noch einen Schritt, und—“

„Und was?“

Meine Stimme war völlig ruhig.

„Sie erschießen die einzige Person hier, die offenbar weiß, wer Reimann wirklich ist?“

Der Mann erstarrte.

Meine Mutter sah mich mit tränengefüllten Augen an.

„Elena“, sagte sie. „Reimann war der Arzt.“

„Welcher Arzt?“

„Bei deiner Geburt.“

Die Welt schien für einen Moment stillzustehen.

„Was?“

„Er war im Krankenhaus.“

Der bewaffnete Mann riss sie nach hinten.

„Genug!“

Doch jetzt konnte sie nicht mehr aufhören.

„Dein Großvater brachte ihn! Er sagte, es gäbe Komplikationen. Er sagte, niemand dürfe erfahren, wer dein Vater sei.“

Mein Blick wanderte zu Weiss.

Sein Gesicht zeigte echte Überraschung.

„Das wusste ich nicht“, sagte er.

„Natürlich nicht“, sagte meine Mutter bitter. „Ihr alle dachtet immer, ihr hättet das ganze Spiel verstanden.“

Der Anführer drückte die Pistole gegen ihre Schläfe.

„Letzte Warnung.“

Ich hörte Miriams Stimme im Ohr.

„Wir haben freie Sicht auf zwei. Beim dritten kein sicherer Winkel.“

Noch nicht.

Ich brauchte den Mann hinter meiner Mutter aus seiner Position.

„Also gut“, sagte ich.

Ich kniete mich langsam hin und öffnete die Kiste.

„Sie wollen Reimanns Unterlagen?“

Der Mann trat einen halben Schritt näher.

„Langsam.“

Ich nahm eines der alten Fotos heraus.

„Hier.“

Er sah darauf.

„Was ist das?“

„Der erste Hinweis.“

„Wer?“

„Kommen Sie näher.“

Er zögerte.

Dann machte er einen Fehler.

Er gab dem Mann hinter meiner Mutter ein Zeichen.

„Hol es.“

Der Mann nahm die Pistole von ihrem Kopf und kam zwei Schritte auf mich zu.

Freier Winkel.

Ich berührte den Boden mit zwei Fingern.

Signal.

Alles geschah gleichzeitig.

Die Fenster zerbarsten.

„POLIZEI! WAFFEN RUNTER!“

Miriams Team stürmte von zwei Seiten herein.

Der Mann vor mir griff nach seiner Pistole.

Ich rammte ihm die Kiste gegen die Knie.

Er fiel.

Weiss brachte den zweiten zu Boden.

Der Anführer packte meine Mutter und zog sie vor sich.

„Zurück!“

Mehrere Waffen richteten sich auf ihn.

„Waffe fallen lassen!“

Er presste den Lauf gegen ihre Kehle.

„Ich gehe mit ihr.“

„Nein“, sagte ich.

Er sah mich an.

„Dann stirbt sie.“

Meine Mutter schluchzte.

Ich trat einen Schritt vor.

„Sie wissen nicht, wo die Unterlagen sind.“

„Ich brauche die Unterlagen nicht.“

Diese Antwort ließ mich innehalten.

„Was brauchen Sie dann?“

Sein Blick fiel auf mich.

„Sie.“

Weiss wurde bleich.

„Elena, zurück.“

Der Mann lächelte.

„Reimann braucht nur eine lebende Vale.“

Da begriff ich.

Nicht die Kiste.

Nicht die Urkunden.

Nicht einmal das Forsthaus.

Sie hatten mich hierhergelockt.

„Warum?“

„Weil der Zugriff nicht nur DNA verlangt.“

Er grinste.

„Sondern eine aktive biometrische Bestätigung.“

Mein Herz schlug schneller.

„Von mir.“

„Ja.“

Dann ertönte draußen ein einzelner Schuss.

Der Mann zuckte zusammen.

Meine Mutter biss ihm in die Hand.

Seine Waffe rutschte.

Ich stürzte vor.

Zwei Sekunden später lag er am Boden.

Miriam trat herein.

„Alle gesichert!“

Ich kniete mich sofort neben meine Mutter.

Sie zitterte am ganzen Körper.

„Wo ist Großvater?“

Sie packte meine Jacke.

„Ich weiß es wirklich nicht.“

„Dann sag mir alles über Reimann.“

Ihre Augen füllten sich mit Panik.

„Ich habe ihn nur einmal nach deiner Geburt wiedergesehen.“

„Wann?“

„Vor sechs Jahren.“

Sechs Jahre.

Genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Zahlungen an meine Eltern begonnen hatten.

„Warum kam er?“

Sie begann zu weinen.

„Er sagte, Adrian Falk sei tot.“

„Und?“

„Er sagte, die Sache könne endlich beendet werden, wenn wir deinen Großvater dazu bringen würden, seine Vermögenswerte zu übertragen.“

„Warum?“

„Weil dein Großvater etwas besaß, das Reimann brauchte.“

„Was?“

Sie sah mich an.

„Eine zweite Hälfte.“

Ich runzelte die Stirn.

„Wovon?“

„Von dem Zugangscode.“

Hinter mir fluchte Weiss leise.

Meine Mutter fuhr fort.

„Reimann sagte, eine Hälfte sei in deinem genetischen Profil verborgen.“

„Und die andere?“

Ihre Lippen zitterten.

„Dein Großvater trug sie bei sich.“

Plötzlich verstand ich den Messingschlüssel.

Den Keller.

Die Kisten.

Doch Miriam schüttelte den Kopf.

„Der Schlüssel öffnet nur den Raum.“

Meine Mutter sah sie an.

„Nicht dieser Schlüssel.“

Stille.

„Welcher dann?“, fragte ich.

Meine Mutter flüsterte:

„Der Schlüssel, den dein Großvater seit deiner Geburt um den Hals trägt.“

Mein Blut wurde kalt.

Als wir ihn im Schuppen gefunden hatten, hatte er keine Kette getragen.

Ich erinnerte mich genau.

Jemand hatte sie ihm abgenommen.

In diesem Moment kam einer von Miriams Ermittlern aus dem Keller.

„Frau Oberstaatsanwältin, Sie müssen das sehen.“

In der Hand hielt er ein kleines schwarzes Speichermodul.

„Wir haben es hinter der VALE-Kiste gefunden.“

Er reichte es mir.

Auf der Rückseite stand eine einzige Zeile in der Handschrift meines Großvaters:

Wenn Elena das hier liest, hat Reimann mich gefunden.

Darunter:

**Adrian Falk ist nicht ihr Vater. Viktor Reimann ist es auch nicht. Die Wahrheit liegt in Aufnahme 27.**

Wir schlossen das Speichermodul an den alten Computer im Keller an.

Sechsundzwanzig Videodateien erschienen.

Dann eine siebenundzwanzigste.

Auf dem Standbild sah ich meine Mutter in einem Krankenhausbett.

Mein Großvater stand neben ihr.

Und zwischen ihnen befand sich ein Mann, den ich sofort erkannte.

Direktor Konrad Weiss.

Jung.

Aber eindeutig er.

Ich drehte mich langsam zu ihm um.

Weiss starrte auf den Bildschirm, als hätte er einen Geist gesehen.

„Das kann nicht sein“, flüsterte er.

Dann begann die Aufnahme zu laufen.

Und die erste Stimme, die wir hörten, war die meines Großvaters:

„Konrad, wenn Elena eines Tages die Wahrheit erfährt, muss sie wissen, dass wir über ihre Herkunft gelogen haben, um sie vor ihrem wirklichen Vater zu schützen.“

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 8, um weiterzulesen.**

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