Unterhaltung

Nach Zwei Jahren Im Auslandseinsatz Fand Ich Meine Frau Bewusstlos Im Schnee – Während Meine Familie Drinnen Lachte

Martin blieb mit dem Rücken zur geschlossenen Tür stehen.

„Dein Vater hat kurz vor seinem Tod eine Zusatzanordnung hinterlegt“, sagte er. „Sie war weder für das Nachlassgericht noch für die Familie bestimmt.“

Ich sah ihn ungläubig an.

„Wie kann ein Teil eines Testaments geheim bleiben?“

„Gar nicht, wenn es Teil des eigentlichen Testaments ist.“

Er öffnete langsam seinen Lederkoffer.

„Deshalb war es auch keiner.“

Martin zog eine dünne schwarze Akte heraus.

„Es war ein separater Treuhandauftrag.“

Hannah sah ihn an, als hätte sie diesen Moment schon lange gefürchtet.


„Erklär es ihm.“

Martin setzte sich auf den Stuhl am Fenster.

„Dein Vater wusste, dass deine Mutter versuchen würde, die Kontrolle über das Haus und Teile des Vermögens zurückzubekommen. Aber er war sich nicht sicher, wie weit sie gehen würde.“

„Also hat er jemanden auf Hannah angesetzt?“

„Nicht angesetzt.“

Martin verzog das Gesicht.

„Beschützt.“

Ich lachte kurz auf.

Es war kein echtes Lachen.

„Hannah lag bewusstlos im Schnee. Hervorragender Schutz.“


„Ich weiß.“

Martin öffnete die Akte.

„Und genau deshalb ist jetzt alles aktiv.“

Er legte ein Dokument vor mich.

Oben stand der Name meines Vaters.

Darunter:

Schutzmandat für Hannah Berger.

Meine Kehle wurde trocken.

„Was ist das?“

„Eine private Sicherheitsvereinbarung.“


Martin deutete auf die nächste Seite.

„Dein Vater hat eine ehemalige Ermittlerin beauftragt. Eva König. Früher Kriminalpolizei. Später private Ermittlungen und Vermögensschutz.“

Hannah nickte.

„Sie hat mich vor acht Monaten zum ersten Mal kontaktiert.“

Ich drehte mich zu ihr.

„Acht Monate?“

„Unter einem anderen Namen.“

„Und du hast mir nichts davon erzählt.“

Hannahs Blick sank.

„Ich wusste anfangs nicht, ob ich ihr trauen konnte.“


Martin fuhr fort.

„Eva durfte sich nur zu erkennen geben, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt waren: versuchte Besitzübertragung, Bedrohungen gegen Hannah oder ein ungeklärter Zugriff auf die Treuhandunterlagen.“

Ich sah wieder auf die Akte.

„Und diese Bedingungen sind jetzt alle erfüllt.“

„Ja.“

Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in meinem Magen aus.

„Wo ist diese Frau?“

Martin schwieg.

Hannah antwortete.

„Verschwunden.“


Ich starrte sie an.

„Was?“

„Seit drei Tagen.“

Der Raum schien plötzlich kleiner zu werden.

„Was heißt verschwunden?“

„Sie sollte mich vorgestern treffen.“

Hannahs Stimme zitterte.

„Sie kam nicht.“

Martin nahm ein Mobiltelefon aus der Innentasche seines Mantels.

Nicht sein normales.


Ein altes Gerät.

„Eva hatte nur eine Aufgabe“, sagte er. „Falls sie glaubte, dass Hannah unmittelbar gefährdet sei, sollte sie alle gesammelten Beweise an mich übermitteln.“

„Hat sie?“

Martin hielt mir den Bildschirm hin.

Eine Nachricht.

Gesendet vor drei Tagen um 22:14 Uhr.

Wenn ich mich bis Freitag 18 Uhr nicht melde, öffne Datei K-17.

Keine weitere Erklärung.

„Was ist K-17?“

„Das wissen wir noch nicht.“


Ich sah ihn scharf an.

„Du hast gerade gesagt, sie sollte dir die Beweise schicken.“

„Hat sie möglicherweise auch.“

Er öffnete einen verschlüsselten Anhang.

Ein Passwortfeld erschien.

„Aber ich komme nicht hinein.“

„Und das Passwort?“

Martin sah Hannah an.

Sie wurde blass.

„Ich glaube, ich kenne es.“


„Dann sag es.“

Sie zögerte.

„Lukas, bevor wir das öffnen, musst du noch etwas wissen.“

Ich spürte, wie sich alles in mir verspannte.

„Was jetzt noch?“

„Eva hat mir gesagt, dass deine Mutter nicht allein handelt.“

Martin hob sofort den Kopf.

„Wann hat sie das gesagt?“

„Vor ungefähr zwei Wochen.“

„Warum hast du mir das nicht erzählt?“


„Weil Eva mich ausdrücklich gewarnt hat.“

„Vor wem?“

Hannah sah von ihm zu mir.

„Vor jemandem, der Zugriff auf die Treuhand hatte.“

Niemand sagte etwas.

Martin wurde kreidebleich.

Ich dachte an das Dokument im Schließfach.

Vier Personen hatten damals Zugriff gehabt.

Mein Vater war tot.

Meine Mutter saß in Polizeigewahrsam.


Martin stand vor mir.

Und dann gab es noch seine ehemalige Angestellte.

„Wie hieß die Frau, die damals in deiner Kanzlei gearbeitet hat?“

Martin antwortete nicht sofort.

„Sabine Keller.“

Hannah schloss die Augen.

„Das ist der Name.“

Mein Blick schnellte zu ihr.

„Welcher Name?“

„Eva hat ihn mir genannt.“

Martin stand so abrupt auf, dass der Stuhl nach hinten rutschte.

„Das ist unmöglich.“

„Warum?“

Er sah aus, als hätte ihm jemand die Luft aus der Lunge geschlagen.

„Weil Sabine Keller seit fünf Jahren tot ist.“

Stille.

Dann lachte ich trocken.

„Offenbar haben wir heute viele Tote, die weiterhin erstaunlich viel Einfluss auf unser Leben haben.“

Martin hörte mich kaum.

Er starrte auf das Handy.

„Sabine starb bei einem Autounfall. Ich war auf ihrer Beerdigung.“

Hannah flüsterte:

„Eva sagte, dieser Name taucht bei Zahlungen auf.“

„Welche Zahlungen?“

„An Paula.“

Ich drehte mich zu ihr.

„Was?“

„Monatliche Überweisungen. Kleine Beträge. Immer unter verschiedenen Verwendungszwecken.“

Martin begann auf seinem Telefon zu tippen.

„Wie viel?“

„Meistens neunhundert oder tausend Euro.“

„Seit wann?“

„Mindestens anderthalb Jahre.“

Mir wurde kalt.

Paula hatte immer behauptet, sie lebe von ihrem Teilzeitjob.

Sie hatte ständig über Geld geklagt.

Und gleichzeitig hatte sie unsere Mutter dabei unterstützt, Hannah zu isolieren.

„Das war also bezahlt.“

Hannah schüttelte den Kopf.

„Vielleicht.“

Martin sah auf.

„Oder sie wurde für etwas Bestimmtes bezahlt.“

Ich trat ans Fenster.

Draußen begann es wieder zu schneien.

Zwei Jahre lang hatte ich geglaubt, meine Familie sei einfach schwierig.

Kontrollierend.

Gierig.

Grausam vielleicht.

Aber das hier war organisiert.

Jemand hatte Unterlagen gestohlen.

Medizinische Informationen beschafft.

Briefe abgefangen.

Geld verteilt.

Und eine Ermittlerin war verschwunden.

„Das Passwort“, sagte ich.

Hannah nickte langsam.

Sie nahm Martins Handy.

Dann tippte sie sechs Zeichen ein.

Das Programm öffnete sich.

Ein Ordner erschien.

K-17.

Darin lagen Audiodateien, Kontoauszüge, Fotos und gescannte Dokumente.

Ganz oben eine Videodatei.

Martin drückte auf Wiedergabe.

Das Bild zeigte offenbar das Innere eines Cafés.

Das Datum lag sechs Wochen zurück.

Dann erschien meine Mutter im Bild.

Sie setzte sich an einen Tisch.

Eine zweite Person kam dazu.

Eine Frau.

Etwa sechzig Jahre alt.

Dunkler Mantel.

Kurzes graues Haar.

Martin griff nach der Tischkante.

„Nein.“

Ich sah ihn an.

„Was?“

Er zeigte auf den Bildschirm.

„Das ist Sabine Keller.“

Mein Herz schlug gegen meine Rippen.

„Du hast gesagt, sie sei tot.“

„Das dachte ich.“

Auf dem Video schob Sabine meiner Mutter einen Umschlag über den Tisch.

Dann sagte sie etwas.

Der Ton war schwach.

Martin erhöhte die Lautstärke.

Dieses Mal konnten wir es verstehen.

„Sobald Hannah unterschreibt, gehört der Weg wieder euch.“

Meine Mutter fragte:

„Und wenn sie sich weigert?“

Sabine lehnte sich zurück.

„Dann sorgen wir dafür, dass sie nicht mehr als Begünstigte infrage kommt.“

Hannahs Hand fuhr zu ihrem Bauch.

Ich stand wie erstarrt.

Dann klopfte es erneut an der Tür.

Derselbe Ermittler wie zuvor trat herein.

Sein Gesicht war angespannter als beim ersten Mal.

„Herr Berger, wir haben gerade Nachricht aus der Untersuchungshaft bekommen.“

„Was ist passiert?“

„Ihre Schwester möchte eine Aussage machen.“

„Gut.“

„Allerdings nur unter einer Bedingung.“

„Welche?“

Der Beamte sah zuerst mich, dann Martin an.

„Sie verlangt Zeugenschutz.“

Martin wurde bleich.

„Wovor hat sie Angst?“

Der Beamte antwortete leise:

„Nicht vor Ihrer Mutter.“

Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 6, um weiterzulesen.

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