Unterhaltung

Nach Zwei Jahren Im Auslandseinsatz Fand Ich Meine Frau Bewusstlos Im Schnee – Während Meine Familie Drinnen Lachte

Eine Stunde später saß ich hinter einer Einwegscheibe im Polizeipräsidium.

Hannah war im Krankenhaus geblieben. Martin saß neben mir, die schwarze Akte meines Vaters auf den Knien.

Auf der anderen Seite des Glases wurde Paula in den Vernehmungsraum geführt.

Ohne Make-up, ohne die selbstsichere Haltung, mit der sie noch wenige Stunden zuvor hinter unserer Mutter gestanden hatte.

Sie sah plötzlich viel jünger aus.

Und verängstigt.

Der Ermittler setzte sich ihr gegenüber.

„Sie haben um Schutz gebeten.“

Paula nickte.

„Wenn ich Ihnen alles erzähle, wird sie mich finden.“


„Sabine Keller?“

Paulas Kopf schnellte hoch.

Allein die Reaktion genügte.

„Sie wissen von ihr.“

„Wir wissen genug, um zu verstehen, dass Sie Angst haben.“

Paula rieb sich über die Handgelenke.

„Mama dachte immer, Sabine würde ihr helfen.“

Ich spürte, wie Martin neben mir erstarrte.

„Wobei?“, fragte der Ermittler.

„Das Haus zurückzubekommen.“


„Zurück?“

Paula lachte bitter.

„Mama hat nie akzeptiert, dass Papa es Lukas überlassen wollte. Als sie von der Treuhand erfahren hat, sagte sie, Hannah hätte Papa gegen sie aufgehetzt.“

„Stimmte das?“

„Nein.“

Das Wort kam sofort.

Zum ersten Mal seit meiner Rückkehr hörte ich meine Schwester etwas sagen, das nicht wie eine vorbereitete Lüge klang.

„Papa hatte schon lange kein Vertrauen mehr zu Mama.“

Paula sah auf ihre Hände.

„Er wusste, dass Geld fehlte.“


Martin beugte sich nach vorne.

„Welches Geld?“

Natürlich konnte Paula ihn nicht hören.

Aber der Ermittler stellte beinahe dieselbe Frage.

„Aus der Firma?“

Sie nickte.

„Sabine hat damals in Martins Kanzlei gearbeitet, aber vorher kannte sie Papa schon. Sie hat für verschiedene Firmen Unterlagen vorbereitet. Buchhaltung, Verträge, solche Sachen.“

Martin flüsterte:

„Das hat sie mir nie erzählt.“

Paula fuhr fort.


„Papa hat irgendwann Unstimmigkeiten entdeckt. Überweisungen an Gesellschaften, die es gar nicht richtig gab.“

„Und Sabine Keller war beteiligt?“

„Mama auch.“

Ich schloss kurz die Augen.

Das erklärte etwas.

Nicht alles.

Aber genug.

„Papa wollte zur Polizei“, sagte Paula. „Dann wurde er krank.“

„Und nach seinem Tod?“

„Sabine verschwand.“


„Sie starb angeblich.“

Paula schüttelte den Kopf.

„Das war gelogen.“

Martin atmete scharf ein.

„Woher wissen Sie das?“

„Weil sie zwei Monate nach ihrer eigenen Beerdigung bei uns in der Küche stand.“

Mir lief ein Schauer über den Rücken.

Paula begann schneller zu sprechen, als hätte sie jahrelang auf diesen Moment gewartet.

Sabine habe meiner Mutter erklärt, sie müsse für einige Zeit verschwinden, weil mein Vater Beweise gesammelt habe.

Sie habe versprochen, später alles zu „bereinigen“.


Dann sei sie tatsächlich jahrelang weg gewesen.

Bis kurz nach meinem Auslandseinsatz.

„Warum kam sie zurück?“

Paula blickte auf.

„Wegen Hannah.“

Mein Kiefer spannte sich an.

„Sie sagte, solange Hannah im Haus lebt, könnten bestimmte Unterlagen nicht verändert werden. Und sobald ein Kind da wäre, wäre alles endgültig blockiert.“

Der Ermittler schob ihr ein Foto der gefälschten Vollmacht hin.

„Haben Sie geholfen, das zu erstellen?“

Paulas Lippen bebten.


„Ich habe Hannahs Unterschrift fotografiert.“

Mir wurde übel.

„Wofür?“

„Sabine sagte, sie brauche nur eine Vorlage.“

„Und die Briefe?“

Paula begann zu weinen.

„Mama hat sie abgefangen.“

„Und Sie?“

Lange Stille.

„Ich habe einige versteckt.“


Ich sprang auf.

Martin packte meinen Arm.

„Lukas.“

Ich wollte durch die Tür gehen.

Wollte Paula ins Gesicht fragen, wie sie zwei Jahre lang meine Briefe verstecken konnte, während Hannah glaubte, ich hätte sie vergessen.

Doch dann sagte Paula etwas, das mich wieder auf den Stuhl zwang.

„Sabine hat mir dafür Geld gegeben.“

Der Ermittler legte Kontoauszüge vor sie.

„Diese Zahlungen?“

„Ja.“


„Wofür genau?“

Paula wischte sich über das Gesicht.

„Briefe. Fotos. Termine. Wer Hannah besucht. Wann sie das Haus verlässt.“

„Sie haben Ihre Schwägerin überwacht.“

Paula nickte.

„Am Anfang dachte ich, es geht nur um das Haus.“

„Und später?“

Ihre Schultern begannen zu zittern.

„Später wusste ich, dass etwas anderes dahintersteckt.“

„Was?“


Paula hob den Blick zur Einwegscheibe.

Ich wusste, dass sie mich nicht sehen konnte.

Trotzdem hatte ich das Gefühl, sie blickte direkt zu mir.

„Eva König.“

Martin und ich sahen uns an.

„Was ist mit ihr?“, fragte der Ermittler.

„Sie kam vor drei Wochen zu mir.“

„Warum?“

„Sie wusste von den Zahlungen.“

„Und?“

„Sie bot mir eine Chance.“

Paula holte tief Luft.

„Wenn ich ihr alles gebe, würde sie versuchen, mich da rauszuhalten.“

„Haben Sie ihr etwas gegeben?“

„Fotos. Nachrichten. Eine Kopie von Sabines Nummer.“

Mein Herz begann schneller zu schlagen.

„Was geschah danach?“

Paula schwieg.

Der Ermittler wartete.

Schließlich flüsterte sie:

„Sabine hat es herausgefunden.“

„Woher?“

„Ich weiß es nicht.“

„Was hat sie getan?“

„Sie kam zu mir.“

Paulas Gesicht verlor jede Farbe.

„Sie sagte, Eva hätte denselben Fehler gemacht wie Lukas' Vater.“

Martin starrte auf die Scheibe.

„Welchen Fehler?“

Der Ermittler sprach die Frage laut aus.

Paula antwortete:

„Zu glauben, Beweise wären genug.“

Stille.

„Hat Sabine Eva etwas angetan?“

„Ich weiß es nicht.“

„Wo ist Eva?“

„Ich weiß es wirklich nicht.“

Der Ermittler beugte sich vor.

„Warum verlangen Sie dann Zeugenschutz?“

Paula schloss die Augen.

„Weil Sabine gestern Abend angerufen hat.“

„Nach Hannahs Angriff?“

„Ja.“

„Was wollte sie?“

„Sie wollte wissen, ob Hannah noch lebt.“

Ich spürte, wie mein Blut gefror.

„Was haben Sie gesagt?“

„Dass ich es nicht weiß.“

„Und dann?“

Paula begann wieder zu weinen.

„Dann sagte sie, wenn Hannah überlebt, müsse Plan B beginnen.“

Martin stand auf.

Ich ebenfalls.

Der Ermittler fragte ruhig:

„Was ist Plan B?“

Paula schüttelte den Kopf.

„Ich kenne nur einen Teil.“

„Welchen?“

Sie sah zur Tür.

„Sabine braucht Lukas.“

Mein Herz schlug hart gegen meine Rippen.

„Wofür?“

Paula antwortete kaum hörbar.

„Seine Unterschrift.“

In diesem Moment vibrierte Martins Telefon.

Er sah auf den Bildschirm.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Was?“, fragte ich.

Er drehte mir das Telefon zu.

Eine automatische Sicherheitsmeldung der Treuhand.

Jemand hatte vor sieben Minuten versucht, über ein altes Kanzleikonto eine Änderung der Treuhandstruktur einzureichen.

Der Antrag war abgelehnt worden.

Aber darunter stand eine zweite Meldung.

Treuhänderidentität bestätigt.

Ich starrte darauf.

„Das ist unmöglich.“

Martin sah mich an.

„Lukas … das System glaubt, du hättest dich persönlich authentifiziert.“

Und plötzlich verstand ich, warum Sabine nicht nur Hannah beobachtet hatte.

Sie hatte auf meine Rückkehr gewartet.

Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 7, um weiterzulesen.

No comments yet