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Sechs Monate Nach Unserer Scheidung Präsentierte Meine Ex-Schwiegermutter Stolz Die Zwillinge Ihres Sohnes – Doch Ein Arzt Enthüllte Das Geheimnis, Das Unsere Ganze Familie Zerstörte

Ich weiß nicht, wie lange ich auf das Foto starrte. Vielleicht waren es zehn Sekunden, vielleicht mehrere Minuten. Das Mädchen stand zwischen Viktor und Daniel vor einem unscheinbaren Haus, beide Hände um die Träger eines roten Rucksacks gelegt. Dunkelblondes Haar fiel ihr bis auf die Schultern. Sie lächelte nicht. Was mich jedoch nicht losließ, waren ihre Augen. Nicht weil sie meinen besonders ähnlich sahen, sondern weil ich plötzlich versuchte, in einem fremden Kind etwas von mir zu finden.

„Genetisches Material bedeutet nicht, dass sie deine Tochter ist“, sagte Gabriel ruhig.

Ich hob den Blick. „Aber genau das soll ich denken.“

„Ja.“

Er nahm das Foto und betrachtete die Rückseite erneut.

„Und genau deshalb sollten wir nicht allein zu dieser Adresse fahren.“

Wir informierten Miriam Vogt. Sie widersprach sofort, als ich sagte, ich wolle zu dem Treffen. Nach zwanzig Minuten Diskussion fanden wir einen Kompromiss: Gabriel und ich würden hineingehen, Ermittler blieben außerhalb des Grundstücks. Der Schlüssel aus dem Archiv wurde vorher fotografiert und registriert.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Brandenburg.

Die Adresse führte zu einem abgelegenen Haus an einem kleinen See. Keine Klinik. Keine Sicherheitsanlage. Nur ein verwitterter Zaun und Birken, deren Äste im Wind gegeneinanderschlugen.

Um Punkt achtzehn Uhr öffnete sich die Haustür.


Daniel Hartmann stand davor.

Gabriel blieb mitten auf dem Kiesweg stehen.

Ich hatte Daniel nur von Fotografien gekannt. In Wirklichkeit sah er älter aus, als ich erwartet hatte. Eine Narbe verlief von seiner linken Schläfe bis zum Ohr. Er stützte sich leicht auf einen Stock.

„Du bist wirklich am Leben“, sagte Gabriel.

Daniel nickte.

Gabriel ging auf ihn zu.

Für einen Moment dachte ich, er würde seinen Bruder umarmen.

Stattdessen packte er ihn am Kragen.

„Acht Jahre.“

Daniel wehrte sich nicht.


„Ich weiß.“

„Mutter ist gestorben und glaubte, du wärst tot.“

Daniels Gesicht brach beinahe auseinander.

„Ich weiß.“

Gabriel ließ ihn los.

„Dann fang an zu reden.“

Im Wohnzimmer wartete Viktor Hartmann.

Gabriels Vater.

Der Mann, dessen Beerdigung Gabriel vor drei Jahren besucht hatte.

Gabriel blieb zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten wie angewurzelt stehen.


„Nein.“

Viktor erhob sich langsam.

„Gabriel.“

„Sag meinen Namen nicht.“

Ich hatte selten solchen Hass in Gabriels Stimme gehört.

Viktor senkte den Blick.

„Ihr verdient Antworten.“

„Dann erklären Sie zuerst das Mädchen“, sagte ich.

Viktor zeigte auf einen Stuhl.

Ich blieb stehen.


„Sie heißt Emilia“, begann er. „Sie ist fünf Jahre alt. Und ja, sie besitzt genetisches Material von Ihnen.“

Mir wurde kalt.

„Ist sie meine biologische Tochter?“

„Nein.“

Das Wort kam sofort.

„Dann was?“

Daniel antwortete.

„Emilia hat eine seltene mitochondriale Erkrankung. Vor ihrer Geburt wurde im Rahmen eines damals experimentellen Verfahrens gesundes Zellmaterial verwendet.“

„Meines?“

Viktor nickte.


„Ein kleiner Teil. Sie ist nicht Ihr Kind. Ihre Eltern sind andere Menschen. Aber das Verfahren war in dieser Form nicht genehmigt.“

Ich dachte an den Satz auf dem Foto. Bewusst so formuliert, dass ich das Schlimmste vermuten musste.

„Warum haben Sie mir das geschickt?“

„Weil ich beweisen musste, dass die Proben nicht vollständig vernichtet worden waren.“

Gabriel trat vor seinen Vater.

„Und Nathalies Schwangerschaft?“

Viktor setzte sich.

Plötzlich wirkte er sehr alt.

„Das war mein größter Fehler.“

Er erzählte uns von der Studie. Von Adrians Vater, Konrad Steinberg, der Millionen in Reproduktionsmedizin investiert hatte, weil er besessen von genetischer Nachfolge gewesen war. Von heimlich gelagerten Eizellen mehrerer Teilnehmerinnen.


Auch von mir.

„Warum ich?“

„Sie hatten außergewöhnlich gute medizinische Parameter.“

Mir wurde übel bei der Nüchternheit dieser Antwort.

„Ich war einundzwanzig.“

„Und ich hätte Sie schützen müssen.“

„Stattdessen haben Sie meinen Körper ohne meine Zustimmung benutzt.“

Viktor nickte.

Keine Ausrede.

„Ja.“


Gabriel wandte sich ab.

„Wer war der Spender? Daniel?“

Daniel schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Dann warum steht auf deinem Foto ‚Spender bestätigt‘?“

Viktor antwortete. „Daniel sollte überprüfen, ob H-17 als Spender geeignet war.“

Da war es wieder.

H-17.

„Wer ist H-17?“

Viktor ging zu einem Schrank.


„Den Schlüssel.“

Gabriel zog ihn aus seiner Tasche.

Viktor nahm ihn und öffnete damit eine kleine Metallkassette.

Darin lagen Akten.

Keine geheimnisvollen Proben. Keine Fotos.

Patientenakten.

Obenauf stand:

**H-17 – Adrian Steinberg.**

Ich verstand zunächst nicht.

„Adrian?“


„H-17 war sein Studiencode“, sagte Viktor.

Gabriel blätterte durch die Akte.

Dann hielt er inne.

„Das kann nicht stimmen.“

Ich trat neben ihn.

Dort stand eine genetische Untersuchung aus Adrians Jugend.

Keine gewöhnliche Fruchtbarkeitsdiagnostik.

Ein Abstammungstest.

Konrad Steinberg war nicht Adrians biologischer Vater.

„Wusste Ingrid davon?“


„Nein“, sagte Viktor. „Bis vor wenigen Jahren nicht.“

Plötzlich ergab Adrians Angst vor seiner eigenen Unfruchtbarkeit einen anderen Sinn. Seine Besessenheit von Erben. Die Panik, nicht als „echter“ Steinberg zu gelten.

Aber eine Frage blieb.

„Wenn Adrian H-17 war, warum bezeichnet der gefälschte DNA-Bericht meines ungeborenen Kindes H-17 als Spenderlinie?“

Viktor sah mich lange an.

„Weil jemand versucht, Gabriel glauben zu lassen, Ihr Kind stamme genetisch aus diesem Projekt.“

„Wer?“

„Adrian.“

Daniel schüttelte den Kopf.

„Nicht nur Adrian.“

Viktor wurde still.

Daniel zog einen Laptop hervor und öffnete eine Datei.

„Vor sechs Wochen hat jemand versucht, Zugriff auf die alten Probenarchive in Zürich zu bekommen. Adrian stellte den Antrag. Aber die Vollmacht kam von jemand anderem.“

Auf dem Bildschirm erschien eine eingescannte Unterschrift.

Ingrid Steinberg.

„Sie wusste davon?“

„Mehr als sie zugegeben hat“, sagte Daniel.

Ich erinnerte mich an ihre Warnung: Vertraut niemandem, nur weil er einen weißen Kittel trägt.

Vielleicht hatte sie nicht vor Viktor gewarnt.

Vielleicht hatte sie vor jemand anderem gewarnt.

Mein Telefon klingelte.

Miriam.

Ich nahm sofort ab.

„Nathalie, kommen Sie nicht zurück ins Krankenhaus.“

„Warum?“

„Wir haben Ingrid Steinberg dort gefunden.“

„Und?“

Miriam schwieg eine Sekunde zu lange.

„Sie wurde bewusstlos in Ihrem Büro entdeckt. Jemand hat sämtliche Unterlagen zu H-17 durchsucht.“

Mir wurde kalt.

„Lebt sie?“

„Ja. Sie ist auf der Intensivstation.“

Dann hörte ich Papier rascheln.

„Aber bevor sie das Bewusstsein verlor, hat sie etwas auf Ihren Schreibtisch geschrieben.“

„Was?“

„Nur einen Namen.“

Miriam sprach ihn langsam aus.

**Dr. Matthias Keller.**

Gabriel hob ruckartig den Kopf.

Daniel ließ den Laptop zuklappen.

Viktor wurde kreidebleich.

Ich sah von einem zum anderen.

„Wer ist Matthias Keller?“

Niemand antwortete.

Dann sagte Gabriel leise:

„Der Mann, der vor acht Jahren Daniels Tod festgestellt hat.“

Viktor schüttelte den Kopf.

„Das ist nicht das Entscheidende.“

Er sah mich an.

„Matthias Keller leitete damals die Studie, bevor ich sie übernahm.“

Daniel ergänzte mit tonloser Stimme:

„Und wenn Ingrid seinen Namen geschrieben hat, weiß sie endlich, wer Nathalies Eizellen tatsächlich aus dem Studienarchiv gestohlen hat.“

Viktor schloss die Metallkassette.

„Wir müssen zurück nach Berlin.“

Doch in diesem Moment vibrierte Daniels Laptop.

Eine Sicherheitsmeldung erschien.

Jemand hatte sich gerade mit Viktors alten Zugangsdaten in das Schweizer Probenarchiv eingeloggt.

Gabriel öffnete die Zugriffsliste.

Eine einzige Datei war heruntergeladen worden.

**BERGER, NATHALIE – RESERVEPROBE 01.**

Daneben stand der Standort des Zugriffs.

Berlin.

Unser Krankenhaus.

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