Unterhaltung

Sechs Monate Nach Unserer Scheidung Präsentierte Meine Ex-Schwiegermutter Stolz Die Zwillinge Ihres Sohnes – Doch Ein Arzt Enthüllte Das Geheimnis, Das Unsere Ganze Familie Zerstörte

Wir brauchten weniger als zehn Minuten, um das Haus zu verlassen. Viktor wollte mitkommen, doch Miriam bestand am Telefon darauf, dass er und Daniel in Brandenburg blieben, bis ihre Kollegen dort eintrafen. Zwei Männer, die offiziell tot waren, konnten nicht einfach in einem Berliner Krankenhaus auftauchen, ohne eine Lawine auszulösen. Gabriel fuhr. Ich saß neben ihm und beobachtete auf Daniels Laptop die Protokolldaten des Schweizer Archivs. Der Zugriff war beendet worden, aber die Datei war bereits heruntergeladen. Jemand in meinem Krankenhaus besaß jetzt Informationen über eine biologische Probe, die ohne meine Zustimmung entnommen worden war.

„Matthias Keller arbeitet nicht bei uns“, sagte ich.

Gabriel hielt den Blick auf der Straße. „Nicht mehr.“

Ich drehte mich zu ihm.

„Was bedeutet das?“

„Er war bis vor neun Jahren Leiter des Zentrallabors. Dann verschwand er plötzlich aus allen klinischen Funktionen. Offiziell aus gesundheitlichen Gründen.“

„Und du hast mir nie von ihm erzählt?“

„Bis heute dachte ich, er sei nur der Arzt gewesen, der Daniel nach dem Unfall identifiziert hat.“

Gabriels Stimme wurde härter.

„Jetzt glaube ich, dass der Unfall nie ein Unfall war.“


Als wir das Krankenhaus erreichten, wartete Miriam am Mitarbeitereingang. Zwei IT-Spezialisten hatten den Zugriff inzwischen lokalisiert.

„Terminal C-14“, sagte sie. „Ehemaliger Bereich der Reproduktionsmedizin. Seit Jahren offiziell stillgelegt.“

Gabriel und ich sahen uns an.

Der alte Trakt lag zwei Stockwerke unter meinem Arbeitsbereich.

Miriam wollte, dass wir draußen blieben. Doch als die Beamten den Raum öffneten, war niemand darin.

Nur ein Computer lief.

Auf dem Bildschirm befand sich meine Akte.

Daneben stand ein kleiner Transportbehälter.

Leer.

„Die Reserveprobe“, flüsterte ich.


Ein IT-Mitarbeiter schüttelte den Kopf. „Nicht unbedingt. Laut Archivprotokoll wurde nur die Dokumentation heruntergeladen. Die physische Probe müsste noch in Zürich sein.“

Miriam öffnete den Verlauf.

Jemand hatte unmittelbar nach dem Download eine E-Mail verschickt.

Empfänger: Adrian Steinberg.

Betreff:

**LETZTE CHANCE.**

Der Inhalt bestand aus einem einzigen Satz.

*Wenn du den Namen deines biologischen Vaters weiterhin schützen willst, bring mir Berger bis Mitternacht.*

Gabriel las ihn zweimal.

„Berger?“


Miriam sah mich an. „Das könnte Sie bedeuten.“

„Oder die Probe“, sagte ich.

Ein Geräusch hinter uns ließ alle herumfahren.

Celina stand im Flur.

Ihr Gesicht war kreidebleich.

„Ich weiß, wo Adrian ist.“

Miriam trat auf sie zu. „Woher?“

„Er hat mich angerufen.“

„Wann?“

„Vor zwölf Minuten.“


Celina hielt ihr Telefon hoch. „Er sagte, ich solle ihm den Schlüssel zu seinem alten Büro bringen. Er klang… anders.“

„Wo ist dieses Büro?“

„Im Verwaltungsgebäude der Steinberg-Stiftung.“

Ich kannte das Gebäude. Nur wenige Straßen vom Krankenhaus entfernt.

Celina schluckte.

„Aber er hat noch etwas gesagt. Er fragte, ob Ingrid lebt.“

Mir zog sich der Magen zusammen.

„Warum?“

„Weil sie die Einzige sei, die ihm noch sagen könne, ob Keller die Wahrheit erzählt.“

Miriam organisierte sofort ein Team.


Ich wollte mitfahren.

„Nein“, sagte Gabriel.

„Wenn Adrian nach mir fragt, bin ich Teil davon.“

„Genau deshalb.“

„Gabriel, fünf Jahre lang haben andere Menschen entschieden, was ich wissen darf. Das passiert nicht noch einmal.“

Er sah mich lange an.

Dann nickte er widerwillig.

Im Gebäude der Steinberg-Stiftung war Adrians Büro leer.

Doch im Konferenzraum fanden wir ihn.

Er saß allein am langen Tisch.


Keine Waffe. Kein Fluchtversuch.

Vor ihm lag eine Akte.

Als ich eintrat, hob er den Kopf.

Er sah aus, als wäre er innerhalb eines Tages zehn Jahre gealtert.

„Du solltest nicht hier sein.“

„Du hast nach Berger gefragt.“

Er lachte bitter.

„Natürlich denkt jeder, damit wärst du gemeint.“

Dann schob er die Akte über den Tisch.

Auf dem Deckblatt stand:


**Dr. Johannes Berger.**

Mein Atem stockte.

Der Name meines Vaters.

„Was hat mein Vater damit zu tun?“

Adrian sah mich an.

„Mehr, als wir beide wussten.“

Mein Vater war vor zwölf Jahren gestorben. Ein stiller Allgemeinmediziner, der mit den Steinbergs angeblich niemals etwas zu tun gehabt hatte.

Ich öffnete die Akte.

Darin lagen Fotos aus dem ursprünglichen Forschungsprojekt.

Mein Vater.


Viktor Hartmann.

Matthias Keller.

Konrad Steinberg.

Vier Männer an einem Tisch.

„Keller behauptet, dein Vater habe das Projekt gegründet“, sagte Adrian.

„Das glaube ich nicht.“

„Ich auch nicht mehr.“

Er reichte mir einen Brief.

„Meine Mutter gab mir den vor drei Jahren. Ich sollte ihn erst öffnen, falls jemand namens Keller Kontakt zu mir aufnimmt.“

Die Handschrift war Konrad Steinbergs.


*Adrian, wenn Keller zurückkommt, wird er dir sagen, dass Blut darüber entscheidet, wer du bist. Glaube ihm nicht.*

Weiter unten stand:

*Johannes Berger versuchte als Erster, H-17 zu stoppen.*

Ich musste mich setzen.

Mein Vater hatte davon gewusst.

Vielleicht hatte er deshalb dafür gesorgt, dass ich an der Studie teilnahm. Oder vielleicht hatte er versucht, mich herauszuholen.

„Was will Keller?“, fragte Gabriel.

Adrian schüttelte den Kopf. „Nicht Geld.“

Er zeigte auf die letzte Seite.

Dort war eine Liste von sieben Teilnehmerinnen.


Mein Name war der einzige, der nicht durchgestrichen war.

Daneben stand:

**Lebende Zelllinie bestätigt.**

Mir wurde schlecht.

„Er will die Probe.“

„Ja.“

„Warum?“

Adrian sah auf meinen Bauch.

„Weil du schwanger bist.“

Gabriel trat vor ihn. „Erklär das.“

„Keller behauptet, die alten Zelllinien hätten einen genetischen Defekt verursacht. Er braucht Nathalies aktuelle DNA und die ihres Kindes, um zu beweisen, dass seine Methode nicht verantwortlich war.“

Plötzlich klingelte Adrians Telefon.

Unbekannte Nummer.

Miriam bedeutete ihm, den Lautsprecher einzuschalten.

Adrian nahm ab.

„Hallo?“

Eine Männerstimme.

„Du hast mich enttäuscht.“

Adrian wurde blass.

„Keller.“

Ich trat näher.

„Dr. Keller? Hier ist Nathalie Berger.“

Stille.

Dann ein leises Lachen.

„Johannes’ Tochter.“

„Warum meine Probe?“

„Weil dein Vater mir vor zwölf Jahren alles genommen hat.“

„Was?“

„Meine Karriere. Meine Forschung. Meine Zukunft.“

„Er hat Menschen geschützt.“

„Hat er dir das erzählt?“

„Er ist tot.“

„Ja“, sagte Keller. „Und du glaubst auch darüber die falsche Geschichte.“

Mein Herz begann schneller zu schlagen.

„Was soll das bedeuten?“

Keller schwieg.

Dann sagte er:

„Frag Viktor Hartmann, wer in jener Nacht bei deinem Vater war.“

Die Verbindung brach ab.

Fast gleichzeitig rief Miriam ein Beamter zu sich. Sie hörte einige Sekunden zu, dann sah sie mich an.

„Wir haben Keller lokalisiert.“

„Wo?“

„Nicht weit.“

Sie zögerte.

„Auf dem Friedhof, auf dem Ihr Vater beerdigt wurde.“

Vierzig Minuten später standen wir vor seinem Grab.

Die Grabplatte war verschoben.

Darunter befand sich kein Sarg.

Nur ein wasserdichter Metallbehälter.

Miriam ließ ihn öffnen.

Darin lagen alte Forschungsunterlagen, Tonbänder und ein versiegelter Brief mit meinem Namen.

Ich riss ihn auf.

Die ersten Zeilen waren von meinem Vater.

*Nathalie, wenn du das liest, habe ich es nicht geschafft, dir selbst die Wahrheit zu sagen. Ich brachte dich damals in die Steinberg-Studie, weil Keller bereits eine Probe von dir besaß. Ich wollte herausfinden, wie er an sie gekommen war.*

Meine Hände zitterten.

Dann kam der Satz, der alles veränderte.

*Als ich entdeckte, was H-17 wirklich bedeutete, war Adrian Steinberg nicht das einzige Kind, dessen Abstammung manipuliert worden war.*

Darunter standen zwei Namen.

**Adrian Steinberg.**

Und:

**Nathalie Berger.**

Ich konnte nicht mehr atmen.

Gabriel nahm das Blatt.

Doch auf der Rückseite hatte mein Vater noch einen letzten Satz geschrieben:

*Wenn Ingrid Steinberg noch lebt, kennt sie den Namen deiner biologischen Mutter.*

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