Unterhaltung

Als Ich Nach Monaten Vom KSK-Einsatz Heimkehrte, Lag Meine Frau Mit 31 Brüchen Auf Der Intensivstation

Jonas riss mir Müllers Telefon aus der Hand.

„Mach das Licht aus.“

Ich tat es.

Der Tunnel versank in Dunkelheit.

Nur das schwache rote Notlicht hinter uns blieb sichtbar.

Jonas zog ein kleines Gerät aus seiner Jackentasche und bewegte es langsam über Müller, Dominik und schließlich Tessa.

Ein leises Piepen.

Dann wurde es schneller.

Direkt an Tessas Schulter.

„Nicht bewegen.“


Ich legte sie vorsichtig auf eine alte Werkbank.

Jonas untersuchte den Verband unterhalb ihres Schlüsselbeins.

Zwischen zwei Lagen medizinischer Klebefolie steckte etwas, das aussah wie ein winziger Kunststoffsplitter.

Er löste es mit einer Pinzette heraus.

Ein Sender.

Kaum größer als ein Reiskorn.

Mein Blick ging zu Müller.

Sein Gesicht verriet nichts.

„Seit wann?“

Er lächelte.


„Vielleicht seit dem Krankenhaus.“

Ich ging auf ihn zu.

Jonas stellte sich zwischen uns.

„Nicht.“

„Er hat sie markieren lassen.“

„Genau deshalb will er, dass du die Kontrolle verlierst.“

Müllers Lächeln wurde breiter.

Ich blieb stehen.

Dann nahm ich den Sender.

„Sie wissen also, wo wir sind.“


„Sie wissen, wo der Sender ist“, sagte Jonas.

Ich verstand.

Fünf Minuten später befestigten wir ihn unter dem Fahrgestell eines Lieferwagens, der auf einer Straße oberhalb des Tunnels stand.

Jonas stellte das Fahrzeug in Bewegung, indem er den Fahrer zwang auszusteigen, ohne ihn zu verletzen.

Der Wagen fuhr nach Norden.

Wir gingen nach Süden.

Als Müllers Telefon erneut vibrierte, las Jonas die neue Nachricht.

**ZIEL BEWEGT SICH. TEAM ZWEI FOLGT.**

Zum ersten Mal an diesem Abend hatten wir einen Vorsprung.

Aber wir wussten nicht, wie lange.


Das Gutshaus lag vierzig Minuten entfernt.

Wir brauchten fast eine Stunde.

Tessa wurde schwächer.

Jeder Schlag auf der Straße ließ sie zusammenzucken.

Ich hielt sie auf der Rückbank in meinen Armen und konnte nichts tun, außer ihren Kopf zu stützen und ihr immer wieder zu sagen, dass wir bald da waren.

„Du solltest … nicht zurückgekommen sein“, flüsterte sie irgendwann.

Ich sah sie an.

„Das ist ein schlechter Zeitpunkt für Eheberatung.“

Ihre Lippen bewegten sich zu einem kaum sichtbaren Lächeln.

„Ich meine … aus dem Einsatz.“


„Warum?“

Sie sah zu Jonas, der vorne neben dem Fahrer saß.

Dann wieder zu mir.

„Sie wussten … wann.“

„Meine Rückkehr?“

Sie nickte.

„Schon Wochen vorher.“

Das bedeutete, Dominik hatte nicht gelogen.

Aber es bedeutete noch nicht, dass Hagedorn ihn informiert hatte.

„Woher wusstest du davon?“


„Unterlagen.“

Sie schloss kurz die Augen.

„Auf dem Datenträger.“

Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.

„Was genau hast du gefunden?“

„Dienstpläne. Routen. Namen.“

Ihre Stimme wurde schwächer.

„Nicht nur deine Einheit.“

Jonas drehte sich langsam um.

„Wie viele?“


Tessa öffnete die Augen.

„Jahre.“

Dann schlief sie wieder ein.

Niemand sprach mehr.

Als wir das Gutshaus erreichten, war es kurz vor Mitternacht.

Der Ort sah genauso aus wie bei unserer Hochzeit.

Weiße Fassade.

Dunkle Fenster.

Die alte Lindenallee.

Und hinter dem Hauptgebäude die kleine Kapelle, in der Tessa und ich uns damals gegenseitig versprochen hatten, niemals Geheimnisse voreinander zu haben.


Dieser Gedanke schmerzte inzwischen beinahe ironisch.

Jonas beobachtete das Gelände.

„Keine Fahrzeuge.“

„Das heißt nichts.“

„Nein.“

Dominik und Müller blieben gefesselt im Wagen.

Jonas hatte dafür gesorgt, dass beide nicht an ihre Telefone kamen.

Ich trug Tessa.

„Du bleibst bei ihr“, sagte Jonas.

„Und du?“


„Ich gehe zuerst rein.“

Ich packte seinen Arm.

„Wir haben elf Jahre verloren. Fang nicht wieder damit an, allein irgendwo hineinzugehen.“

Er sah auf meine Hand.

Dann nickte er.

Wir gingen gemeinsam.

Die Kapellentür war verschlossen.

Mein Schlüssel passte nicht.

Der Messingschlüssel schon.

Das Schloss klickte.


Tessa hatte jedes Detail vorbereitet.

Innen roch es nach altem Holz und Staub.

Mondlicht fiel durch die bunten Fenster.

Ich legte sie vorsichtig auf eine Bank.

Dann ging ich zum Altar.

Der historische Tresor befand sich noch immer darunter.

Damals hatte uns der Besitzer erzählt, dass dort vor Jahrzehnten Kirchenbücher und Schmuck aufbewahrt worden waren.

Jetzt lag meine Hand auf dem Zahlenschloss.

17.

18.

Unser Hochzeitstag.

Dann die vier Ziffern auf dem Schlüssel.

Das Schloss öffnete sich.

Im Tresor lag nur ein schwarzer Umschlag.

Keine Dokumente.

Kein Datenträger.

Mein Herz sank.

Jonas nahm den Umschlag heraus.

Darin befand sich eine Speicherkarte.

Und ein handgeschriebener Zettel.

Ich erkannte Tessas Schrift sofort.

**Wenn du das liest, konnte ich dir nicht mehr alles selbst erklären. Vertraue nicht darauf, wer einen Namen trägt. Vertraue darauf, was die Beweise zeigen.**

Darunter stand nur:

**J. hat mich gewarnt. H. hat ihn gerettet.**

Ich las es zweimal.

Dann ein drittes Mal.

Jonas sagte nichts.

„Hagedorn hat dich gerettet.“

„Ja.“

„Und du hast mich glauben lassen, ich müsste ihm misstrauen.“

„Du musst jedem misstrauen, bis du die Beweise hast.“

Ich wollte antworten.

Da hörten wir draußen einen Motor.

Dann noch einen.

Jonas löschte sofort seine Taschenlampe.

„Zu schnell.“

„Der Sender?“

„Kann nicht sein.“

Ich ging zum Fenster.

Zwei Fahrzeuge kamen die Zufahrt hinauf.

Keine Scheinwerfer.

Sie hielten direkt vor dem Gutshaus.

Vier Männer stiegen aus.

Dann ein fünfter.

Ich erkannte ihn.

Hagedorn.

Er taumelte.

Seine Hände waren hinter dem Rücken gefesselt.

Ein Mann stieß ihn vorwärts.

„Das ist nicht sein Team“, flüsterte Jonas.

Hagedorn hob den Kopf.

Blut lief an seiner Schläfe hinunter.

Dann sah er direkt zur Kapelle.

Als hätte er gewusst, dass wir dort waren.

Der Mann hinter ihm schlug ihn zu Boden.

Meine Hand ging zur Waffe.

Jonas hielt mich zurück.

„Sie wollen, dass du rauskommst.“

„Dann funktioniert ihr Plan.“

„Nein.“

Ich zeigte ihm die Speicherkarte.

„Wir haben, weswegen sie gekommen sind.“

Jonas sah auf das winzige Stück Plastik.

Dann begriff er.

„Kopie.“

„Genau.“

In der Sakristei stand noch ein alter Computer, den die Betreiber früher für Musik bei Trauungen benutzt hatten.

Zu meiner Überraschung funktionierte er.

Jonas steckte die Speicherkarte ein.

Mehrere verschlüsselte Ordner erschienen.

Einer öffnete sich mit unserem Hochzeitsdatum.

Tabellen.

Überweisungen.

Firmennamen.

Einsatznummern.

Koordinaten.

Ich scrollte.

Mein Atem stockte.

Da war mein letzter Einsatz.

Datum.

Route.

Abflugzeit.

Geplanter Zielpunkt.

Daneben eine Summe.

250.000 Euro.

Jemand hatte unseren Einsatz verkauft wie eine Ware.

Weiter unten standen weitere Missionen.

Manche kannte ich.

Bei manchen waren Menschen gestorben.

Jonas stand regungslos neben mir.

Dann zeigte er auf eine Spalte.

„Freigabecode.“

Ich las ihn.

Es war kein Name.

Es war eine digitale Kennung.

Jonas zog sein Gerät heraus und verglich sie mit einer Datei.

„Nicht Hagedorn.“

Ich sah ihn an.

„Bist du sicher?“

„Seine Kennung beginnt anders.“

Draußen wurde Hagedorn wieder auf die Beine gezogen.

Dann ertönte eine Stimme über einen Lautsprecher.

Viktor Wolf.

„Herr Weber.“

Mein Körper wurde starr.

„Sie haben etwas, das mir gehört.“

Ich trat nicht ans Fenster.

Viktor fuhr fort.

„Und ich habe jemanden, der Ihnen erklären kann, wie viele Menschen sterben werden, wenn Sie versuchen, diese Daten zu veröffentlichen.“

Jonas kopierte die Dateien.

„Noch dreißig Sekunden.“

Ich scrollte weiter.

Dann fand ich einen Ordner mit Tessas Namen.

Darin lagen Fotos ihrer Unterlagen.

Überwachungsbilder.

Telefonprotokolle.

Und eine interne Anweisung.

**Subjekt einschüchtern. Datenträger sichern. Keine tödliche Gewalt.**

Unterzeichnet digital von Viktor Wolf.

Darunter ein zweiter Vermerk.

Von Dominik.

**Ich kümmere mich persönlich darum.**

Jetzt hatten wir es.

Nicht nur Geldwäsche.

Nicht nur Einsatzdaten.

Den direkten Beweis dafür, dass Viktor den Angriff angeordnet hatte.

Und dass Dominik daraus beinahe einen Mord gemacht hatte.

„Kopie fertig“, sagte Jonas.

Ich nahm die Speicherkarte heraus.

„Zwei Kopien.“

„Wohin mit der zweiten?“

Ich sah zu Tessa.

Dann zu Hagedorn draußen.

„Dorthin, wo Viktor sie nicht mehr stoppen kann.“

Mein Telefon zeigte plötzlich Empfang.

Eine Nachricht war eingegangen.

Von Mats.

Nur ein Satz.

**Mein Vater weiß, dass ich aussagen werde. Ich habe alles aufgenommen.**

Darunter befand sich eine Audiodatei.

Jonas sah mich an.

Zum ersten Mal seit meiner Heimkehr hatten wir nicht nur Vermutungen.

Wir hatten Viktor.

Wir hatten Dominik.

Wir hatten Müller.

Und wir hatten den Beweis, dass jemand innerhalb des Systems militärische Geheimnisse verkauft hatte.

Draußen hob Viktor erneut das Megafon.

„Letzte Gelegenheit, Soldat.“

Ich steckte die Speicherkarte ein.

Dann sah ich meinen Bruder an.

„Nein.“

Er verstand.

Wir würden nicht mehr davonlaufen.

Diesmal sollten die Wölfe erfahren, wie es sich anfühlte, wenn sich das Rudel plötzlich auf der falschen Seite der Jagd befand.

**Es geht weiter — klicke auf Teil 8, um weiterzulesen.**

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