Unterhaltung

Auf Der Luxushochzeit Meines Ex-Mannes Setzte Ich Mich Mit Seinen Drei Geheimen Söhnen In Die Erste Reihe – Dann Erfuhr Seine Mutter, Wem Ihr Anwesen Wirklich Gehörte

Eleonore blickte nicht auf mich. Nicht auf Alexander. Ihr Blick hing ausschließlich an dem Foto in seiner Hand. Es war ein so kurzer Moment, dass jeder andere ihn vielleicht übersehen hätte, doch ich kannte diese Frau zu gut. Sie hatte keine Angst davor, dass wir eine alte Familiengeschichte entdeckten. Sie hatte Angst vor diesem Kind.

„Wer ist er?“, fragte Alexander.

Eleonore antwortete nicht.

Alexander hielt ihr das Foto entgegen.

„Du hast mir damals gesagt, er sei Hartmanns Sohn.“

„Das war er.“

„Dann warum steht auf der Rückseite, dass du niemals erfahren darfst, wer er wirklich ist?“

„Weil dein Vater gegen Ende seines Lebens paranoid wurde.“

Johann schüttelte langsam den Kopf. „Konstantin war vieles. Paranoid war er nicht.“

Eleonore warf ihm einen vernichtenden Blick zu.

Ich nahm Alexander das Foto wieder ab. Der Junge darauf hatte dunkles Haar. Sein Gesicht war teilweise im Schatten, aber irgendetwas daran kam mir seltsam vertraut vor. Nicht wie Leon, Noah oder Emil. Auch nicht wie Alexander. Trotzdem hatte ich das unangenehme Gefühl, dieses Gesicht bereits gesehen zu haben.

„Wann wurde dieses Foto aufgenommen?“, fragte ich.

Matthias betrachtete das Datum auf der Rückseite.

„Drei Monate nach der Geburt Ihrer Kinder.“

„Dann kann er unmöglich der vierte Embryo sein.“

„Natürlich nicht“, sagte Eleonore sofort.

Ihre Antwort kam zu schnell.

Ich sah sie an.

„Das habe ich auch nicht behauptet.“

Sie schwieg.

Ich legte das Foto auf den Schreibtisch und nahm den schwarzen USB-Stick aus dem Safe. „Wir verschwenden Zeit mit Vermutungen.“

Alexander nickte. „Im Bibliothekszimmer steht noch ein Computer.“

Eleonore trat vor die Tür.

„Niemand verlässt diesen Raum mit diesen Unterlagen.“

Ich musste beinahe lachen.

„Du hast offenbar noch nicht verstanden, wem dieses Anwesen inzwischen gehört.“

„Ein gekaufter Schuldtitel macht dich nicht zur Herrin meiner Familie.“

„Nein. Aber die vollstreckte Sicherungsübertragung macht mich zur Eigentümerin dieses Hauses.“

Ihre Lippen wurden weiß.

„Geh zur Seite, Eleonore.“

Sie bewegte sich nicht.

Dann stellte sich Alexander zwischen uns.

„Mutter.“

Nur dieses eine Wort.

Eleonore sah ihren Sohn lange an und trat schließlich zur Seite.

Wir gingen in die Bibliothek. Meine Sicherheitsleute sperrten den Raum ab. Die Jungen brachte meine Assistentin inzwischen in einen ruhigeren Bereich des Hauses. Ich wollte nicht, dass sie noch mehr von diesem Chaos mitbekamen.

Alexander steckte den USB-Stick in den Computer.

Vier Ordner erschienen.

TESTAMENT.

LABOR.

TREUHAND.

E.

„E?“, fragte ich.

Matthias wurde blass.

„Öffnen Sie zuerst das Testament.“

Alexander klickte darauf.

Mehrere eingescannte Dokumente erschienen. Konstantins Testament kannte ich bereits, doch eine Datei trug das Datum drei Tage vor seinem Tod.

Matthias begann zu lesen.

Nach wenigen Zeilen setzte er sich.

„Was ist?“, fragte Alexander.

„Ihr Vater hat eine zweite Treuhandstruktur eingerichtet.“

„Für wen?“

Matthias scrollte weiter.

„Für sämtliche biologischen Enkelkinder.“

Ich trat näher.

Dort stand tatsächlich, dass die kontrollierenden Anteile der Holding nicht einem einzelnen Erben zufallen sollten, solange Zweifel an der vollständigen Abstammungslinie bestanden. Bis zur Klärung sollten die Anteile durch einen unabhängigen Treuhänder verwaltet werden.

„Wer war der Treuhänder?“

Matthias scrollte bis zur Unterschrift.

Dann sah er mich an.

„Dr. Viktor Hartmann.“

Alexander fluchte leise.

„Ein toter Mann kontrolliert also theoretisch die Hälfte unserer Firma?“

„Wenn er wirklich tot ist.“

Johanns Worte ließen uns verstummen.

Ich öffnete den Ordner LABOR.

Darin befanden sich vier Dateien mit denselben Codes wie auf der handschriftlichen Notiz. A, B und C enthielten genetische Profile meiner Söhne beziehungsweise pränatale Proben.

D war anders.

„Kein vollständiges Profil“, sagte Matthias.

Darunter stand lediglich: Vergleich erforderlich.

Und ein zweiter Name.

ELEONORE VON FALKENBERG.

Alexander beugte sich vor.

„Warum wurde der vierte Embryo genetisch mit meiner Mutter verglichen?“

Niemand antwortete.

Ich öffnete die Ergebnisdatei.

Nur eine Seite.

Wahrscheinlichkeit biologischer Verwandtschaft über direkte maternale Linie: ausgeschlossen.

Ich las den Satz erneut.

Dann sah ich Eleonore an.

„Wenn D mein Kind und Alexanders Kind war, müsste eine genetische Verbindung zu dir bestehen.“

Matthias nickte langsam. „Wenn Herr von Falkenberg der biologische Vater wäre, ja.“

Alexander wich vom Bildschirm zurück.

„Willst du damit sagen, eines der vier Kinder war nicht von mir?“

„Nein.“

Ich spürte Wut in mir aufsteigen.

„Ich war mit keinem anderen Mann zusammen.“

„Ich beschuldige dich nicht.“

„Dann was bedeutet das?“

Matthias öffnete die nächste Datei.

Darin befand sich ein Schreiben von Dr. Hartmann.

„Vielleicht das.“

Er las laut:

„Die Probenzuordnung wurde manipuliert. Embryo D gehört nicht zur Schwangerschaft von Frau von Falkenberg.“

Mir wurde schlagartig klar, dass wir die falsche Frage gestellt hatten.

„Dann gab es nie vier Kinder.“

„Doch“, sagte Matthias. „Aber Nummer D gehörte zu einer anderen Frau.“

Alexander starrte seine Mutter an.

„Zu wem?“

Eleonore sagte nichts.

Ich öffnete den Ordner mit dem einzelnen Buchstaben E.

Darin befand sich nur eine Videodatei.

Das Datum lag fünf Jahre zurück.

Ich klickte darauf.

Das Bild flackerte. Dann erschien Konstantin von Falkenberg. Er saß genau in dieser Bibliothek. Er war sichtbar krank, aber seine Stimme war klar.

„Wenn jemand diese Aufnahme sieht, ist Viktor entweder verschwunden oder Eleonore hat verhindert, dass die Wahrheit ans Licht kommt.“

Alexander setzte sich langsam.

Konstantin blickte direkt in die Kamera.

„Alexander, falls du das siehst, musst du wissen, dass ich dir dein ganzes Leben lang etwas verschwiegen habe.“

Eleonore stürzte plötzlich zum Computer.

„Mach das aus!“

Alexander hielt sie zurück.

„Nein!“

Konstantin sprach weiter.

„Vor siebenunddreißig Jahren brachte Eleonore nicht ein Kind zur Welt.“

Alexander wurde vollkommen still.

„Was?“

Auf dem Video nahm Konstantin einen Umschlag hoch.

„Es waren Zwillinge.“

Eleonore begann zu zittern.

Alexander sah sie an.

„Ich habe einen Bruder?“

Konstantin schloss für einen Moment die Augen.

„Du hattest einen Bruder. Zumindest glaubten wir das viele Jahre.“

Das Video stockte plötzlich.

Dann sprang es einige Sekunden weiter.

Konstantins nächster Satz ließ selbst Matthias aufspringen.

„Vor fünf Jahren fand Viktor heraus, dass der zweite Junge nicht gestorben ist.“

Alexander starrte auf den Bildschirm.

Ich dagegen sah wieder auf das Foto des kleinen Jungen.

Plötzlich verstand ich, warum sein Gesicht mir bekannt vorgekommen war.

Nicht wegen meiner Söhne.

Sondern wegen eines Mannes, den ich nur wenige Stunden zuvor auf dem Anwesen gesehen hatte.

Ich griff nach meinem Telefon und öffnete eines der Fotos, die meine Sicherheitsleute bei der Ankunft aufgenommen hatten. Im Hintergrund, zwischen den Gästen, stand ein Mann in einem dunklen Anzug.

Ich vergrößerte sein Gesicht.

Matthias beugte sich über meine Schulter.

„Mein Gott.“

Alexander sah auf das Display.

„Wer ist das?“

Ich kannte seinen Namen.

Fast jeder in Deutschland kannte ihn.

„Das“, sagte ich langsam, „ist Charlottes Vater.“

Alexander nahm mir das Telefon aus der Hand.

Friedrich von Hohenberg.

Der Mann, dessen Tochter Alexander wenige Minuten zuvor beinahe geheiratet hätte.

Und wenn Konstantins Aufzeichnungen stimmten, bestand plötzlich die erschreckende Möglichkeit, dass diese Hochzeit niemals nur eine politische Verbindung zwischen zwei mächtigen Familien gewesen war.

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