Unterhaltung

Auf Der Luxushochzeit Meines Ex-Mannes Setzte Ich Mich Mit Seinen Drei Geheimen Söhnen In Die Erste Reihe – Dann Erfuhr Seine Mutter, Wem Ihr Anwesen Wirklich Gehörte

Ich nahm den Brief entgegen, aber meine Finger wollten sich nicht um das Papier schließen. Konstantins Handschrift war unverkennbar. Ich hatte sie jahrelang auf Weihnachtskarten, Geburtstagsbriefen und den kurzen Notizen gesehen, die er während meiner Ehe manchmal morgens neben meiner Kaffeetasse liegen ließ. Er war der einzige Mensch in dieser Familie gewesen, der mich nie offen hatte spüren lassen, dass mein Nachname für ihn wichtiger war als mein Charakter. Und doch hielt ich jetzt einen Brief in der Hand, den er offenbar für einen Tag vorbereitet hatte, von dem niemand hätte wissen können, dass er jemals kommen würde.

„Woher hast du den?“, fragte ich den Jungen.

Er sah kurz zu Friedrich.

„Von Dr. Hartmann.“

Alexander trat näher. „Du kennst ihn?“

Der Junge nickte.

Matthias starrte ihn an. „Dr. Viktor Hartmann?“

„Ja.“

„Wann hast du ihn zuletzt gesehen?“

Der Junge dachte nach.

„Heute Morgen.“

Johann ließ hörbar die Luft aus seinen Lungen entweichen.

„Er lebt.“

Friedrich von Hohenberg schloss die Eingangstür hinter sich und sah uns ernst an. Von dem wütenden Politiker, der Charlotte vor wenigen Minuten vom Anwesen geführt hatte, war nichts mehr übrig.

„Hartmann lebt“, bestätigte er. „Und wenn wir nicht aufhören, hier vor hundert Gästen Familiengeheimnisse auszutragen, wird er vielleicht nicht mehr lange sicher sein.“

„Wer bedroht ihn?“, fragte ich.

Friedrichs Blick wanderte zu Eleonore.

Sie reagierte sofort.

„Sie werden mich nicht dafür verantwortlich machen.“

„Diesmal nicht“, sagte Friedrich.

Das überraschte uns alle.

Ich blickte wieder auf den Brief.

„Wer ist der Junge?“

Friedrich legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter.

„Er heißt Felix.“

„Felix was?“

Der Junge antwortete selbst.

„Felix Hartmann.“

Alexander runzelte die Stirn.

„Du bist Viktors Sohn?“

„Nein.“

Felix sagte es so selbstverständlich, dass es beinahe noch beunruhigender wirkte.

„Er sagt immer, er sei nur der Mann, der auf mich aufpasst.“

Ich sah Eleonore an.

Sie hatte sämtliche Farbe verloren.

„Öffne den Brief“, sagte sie.

Zum ersten Mal klang ihre Stimme nicht befehlend.

Sie klang erschöpft.

Ich brach das Siegel.

Darin lagen zwei Seiten.

Ich begann zu lesen.

„Liebe Helena, wenn du diesen Brief erhältst, sind zwei Dinge geschehen, auf die ich nur hoffen konnte: Du hast meine Enkelkinder beschützt, und du bist irgendwann stark genug geworden, zurückzukehren.“

Ich musste kurz aufhören.

Alexander sah mich an.

„Lies weiter.“

Ich tat es.

„Was dir während deiner Ehe widerfahren ist, war nicht allein Eleonores Werk. Ich habe zu spät verstanden, dass jemand unsere Familie gegeneinander ausspielt und dabei alte Geheimnisse benutzt, um Kontrolle über die Holding zu gewinnen.“

Mein Blick ging automatisch zu Matthias.

Er schüttelte sofort den Kopf.

„Lesen Sie.“

„Eleonore hat Fehler begangen. Schreckliche Fehler. Aber sie war nicht die Person, die deine medizinischen Unterlagen manipulieren ließ.“

Eleonore schloss die Augen.

Alexander flüsterte:

„Wer dann?“

Ich las weiter.

„Der Mensch, dem ich am meisten vertraute.“

Darunter stand nur ein Name.

Dr. Viktor Hartmann.

Niemand bewegte sich.

Johann schüttelte den Kopf.

„Nein. Das ergibt keinen Sinn.“

„Doch“, sagte Friedrich plötzlich.

Wir sahen ihn an.

„Hartmann war nicht nur Konstantins Arzt.“

„Was war er noch?“, fragte Alexander.

Friedrich zögerte.

„Der Mann, der vor siebenunddreißig Jahren die Wahrheit über eure Geburt kannte.“

Eleonore trat auf ihn zu.

„Wo ist Viktor?“

„An einem sicheren Ort.“

„Bring mich zu ihm.“

„Nein.“

„Er hat meinen Sohn gesehen!“

„Und vielleicht dafür gesorgt, dass Sie ihn niemals wiederfinden.“

Eleonore schlug die Hand vor den Mund.

Ich las den letzten Absatz.

„Wenn Viktor behauptet, den verlorenen Sohn gefunden zu haben, glaube ihm nicht, bevor die genetischen Daten unabhängig überprüft wurden. Der Junge, den er euch zeigen wird, ist wichtig – aber nicht aus dem Grund, den er nennen wird.“

Ich sah Felix an.

Er stand vollkommen still.

„Felix“, fragte ich vorsichtig, „weißt du, wer deine Eltern sind?“

Er schüttelte den Kopf.

„Viktor sagt, meine Mutter ist tot.“

„Und dein Vater?“

Felix griff in seine Tasche.

„Er hat gesagt, mein Vater wird mich erkennen.“

Mein Herz zog sich zusammen.

„Woran?“

Der Junge zog eine kleine silberne Kette hervor.

Daran hing ein Medaillon.

Alexander erstarrte.

„Das gehört mir.“

Eleonore sah ihn an.

„Was?“

Alexander nahm das Medaillon vorsichtig.

„Helena hat mir das geschenkt.“

Ich erinnerte mich sofort.

Unser zweiter Hochzeitstag.

Eine kleine Gravur auf der Rückseite: A & H.

„Ich habe es seit fünf Jahren nicht mehr gesehen“, sagte Alexander.

Ich wusste, wann es verschwunden war.

In der Nacht, in der ich das Anwesen verlassen hatte.

„Woher hast du das?“, fragte Alexander.

„Dr. Hartmann.“

„Was hat er dir darüber gesagt?“

Felix sah Alexander direkt an.

„Dass mein Vater es meiner Mutter gegeben hat.“

Alexander wurde kreidebleich.

„Das ist unmöglich.“

Ich spürte denselben Schock, aber etwas passte nicht.

Felix war ungefähr zehn.

Alexander und ich waren damals bereits verheiratet gewesen.

Ich sah ihn an.

Er verstand sofort, was ich dachte.

„Helena, ich habe dich nie betrogen.“

„Ich habe nichts gesagt.“

„Aber du denkst es.“

„Ich denke, dass jemand möchte, dass wir genau das glauben.“

Friedrich nickte.

„Deshalb bin ich zurückgekommen.“

Er zog eine kleine Mappe aus seinem Mantel.

„Ich habe Charlotte nach München geschickt. Danach ließ ich einen Mitarbeiter eine Sache überprüfen, die mich seit Jahren beschäftigt.“

Er legte die Mappe auf den Tisch.

Darin befand sich eine alte Fotografie.

Eleonore nahm sie.

Ihre Knie gaben beinahe nach.

Auf dem Bild waren zwei junge Frauen vor einer Münchner Klinik zu sehen.

Eine davon war Eleonore.

Die andere sah ihr erstaunlich ähnlich.

„Wer ist das?“, fragte Alexander.

Eleonore setzte sich.

Lange sagte sie nichts.

Dann strich sie mit einem Finger über das Gesicht der zweiten Frau.

„Meine Schwester.“

Alexander starrte sie an.

„Du hast keine Schwester.“

„Doch.“

„Wie heißt sie?“

Eleonore hob den Blick.

„Elisabeth.“

Matthias griff plötzlich nach der Tischkante.

Seine Reaktion war so heftig, dass ich sie sofort bemerkte.

„Sie kennen diesen Namen.“

„Nein.“

„Lügen Sie mich nicht an.“

Er schwieg.

Friedrich öffnete die Mappe weiter.

„Elisabeth verschwand kurz vor Alexanders Geburt. Danach taucht ihr Name in keinem offiziellen Dokument der Familie mehr auf.“

Eleonore begann zu weinen. Lautlos, fast regungslos.

„Sie ist nicht verschwunden.“

„Was geschah mit ihr?“, fragte ich.

Eleonore sah Felix an.

„Mein Vater ließ sie verschwinden.“

Alexander schüttelte fassungslos den Kopf.

„Warum?“

„Weil sie schwanger war.“

Plötzlich hörten wir schnelle Schritte aus dem Korridor.

Einer meiner Sicherheitsleute kam herein und hielt ein Telefon in der Hand.

„Frau von Falkenberg, wir haben gerade einen Videoanruf auf der privaten Leitung des Hauses erhalten.“

„Von wem?“

„Der Mann sagt, er heißt Viktor Hartmann.“

Felix drehte sich sofort um.

Der Bildschirm leuchtete auf.

Ein älterer Mann erschien.

Lebendig.

Dr. Hartmann.

Er sah nicht Eleonore an.

Nicht Alexander.

Sondern Matthias.

„Matthias“, sagte er ruhig, „du solltest längst verschwunden sein.“

Matthias wurde weiß.

Dann griff er plötzlich in seine Jackentasche.

Nicht nach einem Telefon.

Nach einem zweiten USB-Stick.

Und rannte zur Tür.

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