Unterhaltung

Bei Der Beerdigung Meines Vaters Flüsterte Der Totengräber: „Der Sarg Ist Leer“ – Dann Erfuhr Ich, Wer Mein Wahrer Vater War

Die Tür von Einheit 17 bebte unter dem nächsten Schlag. Ich hörte das Metall ächzen und gleichzeitig das Blut in meinen Ohren rauschen. Doch nichts davon war so laut wie der eine Satz, der sich in meinem Kopf festgesetzt hatte.

*Sie ist nicht unsere Tochter.*

Ich sah auf das Aufnahmegerät, als könnte mein Vater jeden Augenblick aus dem kleinen Lautsprecher treten und mir erklären, dass ich etwas falsch verstanden hatte. Doch das Gerät schwieg. Nur das rote Licht blinkte weiter.

„Natalie.“ Clara packte mich an der Schulter. „Wir müssen hier raus.“

Ich zog ihren Arm weg.

„Nein. Nicht bevor ich weiß, was das bedeutet.“

„Wenn die Männer da draußen zu denen gehören, vor denen Ihr Vater Sie warnen wollte, haben wir keine Zeit.“

„Dann sorgen Sie dafür, dass wir Zeit bekommen.“

Clara musterte mich einige Sekunden. Dann nickte sie knapp. „Drei Minuten.“

Sie griff nach dem USB-Stick aus der ersten Kiste und steckte ihn ein. Ich nahm währenddessen das Aufnahmegerät. Etwas daran ließ mich nicht los. Mein Vater hatte diese Aufnahme nicht zufällig hier platziert. Er wollte, dass ich genau diesen Satz hörte.


Aber warum?

Wenn ich nicht seine Tochter war, warum hatte er mich zwanzig Jahre lang wie seine eigene behandelt? Warum hatte er meine gesamte Ausbildung unterstützt? Warum hatte er mir an meinem achtzehnten Geburtstag eine alte silberne Uhr meiner Großmutter geschenkt und gesagt: „Du bist die stärkste Entscheidung, die deine Mutter und ich jemals getroffen haben“?

Eine Bewegung vor dem Fenster riss mich aus meinen Gedanken.

Der Mann aus der Limousine stand jetzt direkt vor dem Gebäude.

Er blickte durch die Scheibe.

Und ich kannte ihn.

Nicht persönlich. Aber ich hatte sein Gesicht schon einmal gesehen.

Auf einem Foto.

In einer der Akten.

„Clara.“


Sie folgte meinem Blick.

„Wer ist das?“

„Sagen Sie es mir.“

Clara zog die Augenbrauen zusammen. „Das ist Dr. Viktor Falk.“

Der Name traf mich wie ein Schlag.

Falk war kein Soldat. Kein Politiker. Kein Geheimdienstmitarbeiter. Er war offiziell Berater mehrerer deutscher Rüstungsunternehmen gewesen. Vor fünf Jahren war sein Name im Zusammenhang mit einer parlamentarischen Untersuchung aufgetaucht. Danach war er aus der Öffentlichkeit verschwunden.

„Was will er hier?“

Clara antwortete nicht.

Stattdessen nahm sie eine der Beweiskisten und öffnete einen versteckten Boden.

Darunter lag ein Umschlag.


Auf ihm stand wieder meine Handschrift.

Nicht die meines Vaters.

Meine.

Ich starrte darauf.

„Das habe ich nie geschrieben.“

Clara öffnete ihn vorsichtig. Darin befand sich ein altes Foto.

Ich erkannte sofort meine Mutter.

Sie war vielleicht dreißig Jahre alt, jünger als auf meinen frühesten Erinnerungsfotos. Neben ihr stand mein Vater. Zwischen ihnen eine Frau, die ich noch nie gesehen hatte.

Und auf dem Arm dieser Frau lag ein Baby.

Auf der Rückseite des Fotos stand:


**Koblenz, 14. September 1998.**

Darunter drei Namen.

**Raymond Berger. Elisabeth Berger. Anna Keller.**

Ich schluckte.

„Wer ist Anna Keller?“

Clara sah mich an.

„Das wollte ich Sie gerade fragen.“

Ein weiterer Schlag erschütterte die Tür.

Dann hörten wir eine Stimme.

„Oberst Berger! Hier spricht die Polizei. Öffnen Sie sofort!“


Clara schüttelte den Kopf.

„Das ist keine Polizei.“

Ich blickte auf das Foto.

„Woher wissen Sie das?“

„Weil ich vor zehn Minuten die Polizei informiert habe. Sie sind noch nicht hier.“

Dann ging das Licht aus.

Für einen Moment war alles schwarz.

Clara zog mich hinter den Metalltisch.

Draußen wurde es still.

Zu still.


Dann hörte ich Schritte.

Eine Tür.

Ein leises Flüstern.

Und plötzlich erklang die Stimme meiner Mutter aus dem Telefon, das noch immer in meiner Manteltasche lag.

Ich hatte den Anruf nicht angenommen.

Trotzdem war eine Sprachnachricht eingegangen.

Ich drückte auf Wiedergabe.

„Natalie“, sagte meine Mutter mit zitternder Stimme. „Wenn du das hörst, dann bist du bei Einheit 17. Dein Vater hat dir Dinge hinterlassen, die du niemals erfahren solltest. Aber bitte glaub mir eines: Ich habe ihn nicht verraten.“

Ich sah Clara an.

Die Nachricht lief weiter.


„Ich habe ihn nicht getötet.“

Mein Herz schlug schneller.

„Aber ich weiß, wer es getan hat.“

Eine Pause.

Dann flüsterte meine Mutter:

„Und Natalie… Anna Keller ist deine leibliche Mutter.“

Die Nachricht endete.

Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Doch Clara hatte bereits den USB-Stick an ihren Laptop angeschlossen.

Auf dem Bildschirm erschien eine einzige Datei.


**PROJEKT 17 – SUBJEKT NATALIE KELLER**

Ich starrte auf meinen eigenen Namen.

Dann hörte ich draußen einen Schlüssel im Schloss.

Nicht irgendeinen Schlüssel.

Einen Messingschlüssel.

Jemand versuchte, Einheit 17 von außen zu öffnen.

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