Unterhaltung

Ich Schickte Während Meines Notkaiserschnitts Eine Nachricht An Den Falschen Mann – Als Ich Erwachte, Trug Meine Tochter Plötzlich Den Namen Des Gefürchtetsten Mafiabosses Berlins

Ich starrte auf Lukas’ Nachricht, bis die Buchstaben vor meinen Augen verschwammen. Danke, Emma. Jetzt weiß Matteo, wo Elena ist. Nicht wo ich war. Nicht wo das Schließfach lag. Wo Elena war. Meine erste Reaktion war keine Angst, sondern Wut. Eine heiße, klare Wut, die sogar den Schmerz meiner Operationswunde überlagerte.

„Du wusstest, dass Lukas für Matteo arbeitet“, sagte ich.

Elena senkte den Blick.

„Ich wusste, dass Matteo jemanden in deiner Nähe hatte. Erst vor acht Monaten fand ich heraus, wer.“

„Und trotzdem hast du mich nicht gewarnt?“

„Wenn ich Kontakt aufgenommen hätte, hätte Matteo gewusst, dass ich noch lebe.“

„Er weiß es jetzt sowieso!“

Meine Tochter erschrak über meine Stimme und begann zu weinen. Sofort verstummte ich. Ich nahm sie vorsichtig aus der Babyschale und drückte sie an mich. Elena machte instinktiv einen Schritt vorwärts, blieb dann jedoch stehen.

Sie hatte kein Recht, entschied ich in diesem Moment.

Und gleichzeitig schmerzte es, dass sie stehen blieb.


„Warum hat Matteo dich gesucht?“, fragte Moretti.

Elena betrachtete ihn lange. „Nicht mich.“

Ihr Blick wanderte zur Videokassette.

„Die Aufnahme.“

Moretti nahm sie in die Hand. „Was ist darauf?“

„Die Nacht des Brandes.“

Der Tresorraum schien plötzlich enger zu werden.

„Matteo hat den Täter gesehen“, sagte ich.

„Ja.“

„Dann ist er auf der Aufnahme?“


Elena nickte. „Aber nicht nur er.“

Sie setzte sich mir gegenüber. Ihre Hände zitterten.

„Deine leibliche Mutter hieß Sofia Bellini.“

Der Name traf mich seltsam. Ich kannte diese Frau nicht, und doch war sie plötzlich Teil meines Körpers, meines Gesichts, vielleicht sogar der Form meiner Hände.

„Wer war sie?“

„Meine beste Freundin.“

Elena schluckte.

„Sofia arbeitete im Haus der Morettis. Sie war keine Angestellte. Sie war dort, weil sie jemanden liebte.“

Mein Blick ging automatisch zu Moretti.

„Wen?“


Elena sah ihn nicht an.

„Das steht nicht im Brief.“

„Ich frage dich.“

„Und ich sage dir, dass die Antwort gefährlicher ist als die Frage.“

Ich lachte bitter. „Mein ehemaliger Freund wurde bezahlt, mich zu heiraten. Meine Mutter lebt, obwohl ich sie beerdigt habe. Mein Geburtsdatum ist falsch. Ich glaube, wir sind über den Punkt hinaus, an dem du mich schützen kannst, indem du schweigst.“

Elena schloss kurz die Augen.

Dann sagte sie: „Sofia hatte eine Affäre mit Vittorio Moretti.“

Moretti erstarrte.

„Meinem Vater.“

Elena nickte.


Mir wurde kalt.

Ich sah Moretti an. Dann meine Tochter. Dann wieder Elena.

„Dann war Vittorio mein Vater?“

„Das glaubte ich viele Jahre.“

„Glaubte?“

„Sofia behauptete es. Vittorio ebenfalls.“

Moretti setzte die Kassette langsam auf den Tisch. „Wenn das stimmt, ist Emma meine Halbschwester.“

Elena antwortete nicht.

Diese Stille war schlimmer als ein Nein.

„Was verschweigst du?“, fragte ich.


Bevor sie antworten konnte, klingelte Morettis Telefon.

Einer seiner Männer meldete, dass zwei Fahrzeuge vor der Bank aufgetaucht waren. Keine bekannten Kennzeichen. Die Männer darin stiegen nicht aus.

Moretti wurde sofort wieder zu dem kontrollierten Mann, der mein Krankenzimmer betreten hatte.

„Wir gehen.“

„Wohin?“

„Nicht zu Ihnen. Nicht zu Elena.“

„Und Lukas?“

„Den finde ich.“

Elena griff nach der Kassette. „Die kommt mit mir.“

Moretti legte seine Hand darauf.


„Nein.“

Ihre Blicke trafen sich.

„Dein Vater hat wegen dieser Aufnahme Menschen sterben lassen“, sagte Elena.

„Mein Vater ist tot.“

„Das macht die Wahrheit nicht ungefährlich.“

Ich stellte mich zwischen sie, so gut es mein Körper zuließ.

„Niemand nimmt sie.“

Beide sahen mich an.

„Die Kassette gehört zu meiner Geschichte. Also bleibt sie bei mir.“

Moretti ließ los.


Elena ebenfalls.

Eine halbe Stunde später befanden wir uns in einer Altbauwohnung in Charlottenburg, die offenbar Moretti gehörte, aber unter keinem seiner bekannten Namen registriert war. Die Fenster waren abgedunkelt. Zwei Männer bewachten den Eingang. Ein Arzt kontrollierte meine Wunde und bestand darauf, dass ich mich hinlegte.

Ich tat es nicht.

Moretti hatte einen alten Videorekorder besorgen lassen.

Als die Kassette endlich anlief, flimmerte Schnee über den Bildschirm.

Dann erschien ein Datum.

17. Oktober 1998.

Die Aufnahme war verwackelt. Offenbar stammte sie von einer Sicherheitskamera.

Ein Flur.

Menschen liefen durchs Bild.


Dann sah ich Elena.

Jünger. Panisch.

In ihren Armen hielt sie ein Neugeborenes.

Mich.

Ich presste eine Hand vor den Mund.

Hinter ihr erschien ein Junge.

Sieben Jahre alt.

Matteo.

Er weinte und zog Elena am Ärmel.

Dann trat ein Mann ins Bild.


Vittorio Moretti.

Moretti neben mir hörte auf zu atmen.

Vittorio packte Elena am Arm. Es gab keinen Ton, aber ihre Lippen bewegten sich. Sie schrie offenbar etwas.

Dann erschien Sofia.

Meine leibliche Mutter.

Selbst auf der körnigen Aufnahme erkannte ich etwas von mir in ihrem Gesicht.

Sie hielt eine Mappe an ihre Brust.

Plötzlich drehte sich Vittorio um.

Nicht zu Sofia.

Zu jemandem außerhalb des Bildes.


Ein zweiter Mann trat in den Flur.

Elena sprang auf und stoppte das Video.

„Nein.“

„Mach weiter“, sagte ich.

„Emma.“

„Weiter.“

Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Moretti drückte die Wiedergabetaste.

Der zweite Mann war jünger als Vittorio. Vielleicht Anfang dreißig. Dunkles Haar. Schlankes Gesicht.

Er trug denselben Ring, den Lukas heute trug.

Matteos Ring.

„Wer ist das?“, fragte ich.

Moretti antwortete nicht.

Doch Elena flüsterte: „Carlo Bellini.“

„Sofias Bruder?“

„Ja.“

Auf der Aufnahme übergab Sofia ihm die Mappe.

Dann geschah etwas Merkwürdiges.

Vittorio trat zurück.

Er wirkte nicht wütend.

Er wirkte verängstigt.

Carlo sagte etwas zu ihm.

Matteo stand nur wenige Meter entfernt und hörte alles.

Dann brach die Aufnahme plötzlich ab.

Schwarz.

„Das war’s?“, fragte ich.

Elena schüttelte den Kopf. „Nein. Es fehlen sieben Minuten.“

Moretti spulte vor.

Nichts.

Dann erschien wieder ein Bild.

Rauch erfüllte den Flur.

Elena rannte mit mir im Arm zur Tür.

Matteo folgte ihr.

Sofia war nicht mehr zu sehen.

Doch kurz bevor Elena die Kamera verließ, erschien eine weitere Person im Rauch.

Ich beugte mich näher.

„Stopp.“

Moretti hielt das Bild an.

Ein Mann stand im Hintergrund.

Jünger als heute, aber unverkennbar.

Johannes Keller.

„Keller war dort“, sagte ich.

Elena wurde bleich.

„Nein.“

„Das ist er.“

„Er hat mir geschworen, dass er erst später kam.“

Moretti fotografierte den Bildschirm.

„Dann hat Keller gelogen.“

In diesem Moment klingelte es an der Wohnungstür.

Einmal.

Zweimal.

Morettis Männer reagierten sofort.

Eine Stimme ertönte über die Gegensprechanlage.

„Ich möchte mit Emma sprechen.“

Ich erkannte sie.

„Keller.“

Moretti aktivierte die Kamera am Eingang.

Johannes Keller stand allein vor der Tür.

Sein Gesicht war verletzt, sein Mantel zerrissen.

„Lassen Sie mich rein“, sagte er. „Matteo weiß, dass Sie die Kassette haben.“

Moretti drückte die Sprechtaste. „Woher?“

Keller sah direkt in die Kamera.

„Weil Lukas sie ihm gezeigt hat.“

„Das ist unmöglich“, sagte ich. „Die Kassette war die ganze Zeit bei uns.“

Keller schüttelte den Kopf.

„Nicht diese.“

Elena stand abrupt auf.

„Was meint er?“

Kellers Stimme kam verzerrt aus dem Lautsprecher.

„Es gibt zwei Aufnahmen.“

Elena wurde vollkommen still.

„Nein.“

„Doch.“

„Wer hat die zweite?“

Keller blickte wieder in die Kamera.

„Matteo.“

Moretti öffnete schließlich die Tür, nachdem seine Männer das Treppenhaus überprüft hatten. Keller taumelte herein.

„Was zeigen die fehlenden sieben Minuten?“, fragte Moretti.

Keller sah zu Elena.

„Du hast es ihm nie gesagt.“

„Johannes, nicht.“

„Achtundzwanzig Jahre Lügen reichen.“

Ich trat vor ihn.

„Was ist in diesen sieben Minuten passiert?“

Keller atmete schwer.

Dann zog er einen kleinen USB-Stick aus seiner Tasche.

„Matteo hat mir gestern eine Kopie geschickt.“

„Warum?“

„Damit ich verstehe, was er will.“

Moretti nahm den Stick und steckte ihn in den Fernseher.

Das Bild erschien.

Der gleiche Flur.

Diesmal aus einem anderen Winkel.

Sofia stand Vittorio gegenüber.

Carlo Bellini hielt die Mappe.

Und dann hörten wir endlich den Ton.

Sofias Stimme war klar.

„Vittorio, sag ihnen die Wahrheit. Emma ist nicht deine Tochter.“

Mein ganzer Körper wurde kalt.

Moretti sah mich an.

Auf dem Bildschirm schrie Vittorio: „Dann wessen Kind ist sie?“

Sofia antwortete.

Doch genau in diesem Moment verzerrte sich der Ton.

Ein einziges Wort war unverständlich.

Keller stoppte die Aufnahme.

„Matteo hat diese Stelle absichtlich beschädigt.“

„Warum?“, fragte ich.

Keller sah auf meine Tochter.

„Weil die Identität Ihres Vaters das Einzige ist, womit er Sie kontrollieren kann.“

Mein Handy vibrierte.

Unbekannte Nummer.

Eine Audiodatei.

Ich drückte auf Wiedergabe.

Lukas’ Stimme erklang, panisch und leise:

„Emma, hör mir zu. Matteo hat mich benutzt, aber ich weiß jetzt, warum er dein Baby wollte. Geh nicht zur Polizei. Vertrau Moretti nicht vollständig. Und wenn Elena behauptet, sie kenne deinen Vater nicht, lügt sie.“

Ein Geräusch im Hintergrund.

Lukas atmete hektisch.

Dann sagte er:

„Dein Vater lebt. Und du hast ihn heute bereits gesehen.“

Die Aufnahme endete.

No comments yet