Lukas hielt das Mikrofon mit beiden Händen fest. Sein Gesicht wirkte blass im Licht des Festsaals, doch seine Haltung blieb ruhig. Fast dreihundert Gäste saßen schweigend da und warteten darauf, dass er den Mann verteidigte, der mich gerade vor allen gedemütigt hatte.
Stattdessen wandte er sich Thomas zu.
„Vor acht Monaten habe ich eine Kopie meiner ursprünglichen Geburtsurkunde angefordert“, sagte er. „Dein Name stand dort nicht als mein Vater.“
Ein entsetztes Raunen ging durch den Saal.
Das Sektglas in Thomas’ Hand geriet gefährlich in Schieflage.
„Das ist doch lächerlich“, fuhr er ihn an. „Da muss irgendein Fehler beim Amt passiert sein.“
Lukas griff unter seine Abschlussrobe und zog ein zusammengefaltetes Dokument hervor.
„Das dachte ich zuerst auch. Dann habe ich meine leibliche Mutter gefunden.“
Thomas’ Gesicht erstarrte.
Mir war, als hätte sich der Boden unter meinen Stiefeln verschoben.
Lukas sah mich an, und seine Stimme wurde sanfter.
„Mama, sie heißt Rebecca Mertens. Sie hat mich nie verlassen. Achtzehn Jahre lang glaubte sie, ich sei kurz nach meiner Geburt gestorben.“
Entsetzte Rufe und scharfes Einatmen erfüllten den Festsaal.
Thomas machte einen Satz auf das Mikrofon zu, doch Lukas wich zurück.
„Du hast Krankenhausunterlagen gefälscht“, fuhr er fort. „Du hast jemanden dafür bezahlt, Rebecca zu erzählen, ihr Baby hätte nicht überlebt. Und danach hast du Claudia eingeredet, Rebecca sei bei der Geburt gestorben.“
Zum ersten Mal, seit Thomas die Bühne betreten hatte, sah ich Angst in seinem Gesicht.
„Du verstehst das nicht“, flüsterte er.
„Doch“, erwiderte Lukas. „Ich verstehe alles.“
In der Nähe des Eingangs standen zwei Männer ruhig auf. Einer von ihnen öffnete seine Jacke gerade weit genug, dass ein Dienstausweis der Bundespolizei sichtbar wurde.
Thomas sah ihn.
Und schien für einen Augenblick das Atmen zu vergessen.
Lukas wandte sich wieder mir zu.
„In dem gelben Umschlag, der zu uns nach Hause geschickt wurde, befinden sich Kopien der Überweisungen, die gefälschten Adoptionsunterlagen und die Aussage der Krankenschwester, die ihm geholfen hat.“
Sofort dachte ich an den ungeöffneten Umschlag unter den Einladungen zur Abschlussfeier.
Plötzlich lachte Thomas, doch sein Lachen klang brüchig und gezwungen.
„Das ist ein familiäres Missverständnis. Claudia hat ihn rechtsgültig adoptiert. Alles andere spielt keine Rolle.“
Die beiden Beamten setzten sich in Richtung Bühne in Bewegung.
Dann sagte Lukas die Worte, die Thomas auch noch den letzten Rest Farbe aus dem Gesicht trieben.
„Da ist noch etwas. Rebecca war nie deine Geliebte.“
Thomas starrte ihn an.
„Sie war die Frau deines Geschäftspartners – und du hast mich gestohlen, um ihren Mann dazu zu zwingen, Immobilien im Wert von mehreren Millionen Euro an dich zu überschreiben.“
Der Festsaal brach in Aufruhr aus.
Als die Beamten die Bühne erreichten, öffneten sich hinter ihnen die Türen, und eine Frau mit silbergrauem Haar trat ein.
Lukas flüsterte:
„Mama … das ist Rebecca.“
Doch sie sah nicht ihn an.
Sie starrte direkt mich an.
**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**







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