Unterhaltung

Als Lukas Die Zwillinge In Seiner Hotelsuite Fand, Entdeckte Er Ein Familiengeheimnis, Das Alles Veränderte

Lukas sagte zunächst nichts. Seine Hand blieb um den Hörer geschlossen, während die Stimme am anderen Ende der Leitung noch einmal wiederholte: „Herr Hartmann, wir haben die Sicherheitsaufnahmen überprüft. Die Frau ist tatsächlich Anna Schneider. Aber die Kinder… ihre Identität stimmt nicht mit den Angaben überein.“ Lukas’ Blick blieb auf den Zwillingen liegen. Samuel saß inzwischen aufrecht im Bett und hielt seinen Stoffelefanten mit beiden Armen fest. Sophie hatte sich dicht an ihre Mutter gedrängt und beobachtete ihn mit großen, vorsichtigen Augen.

„Was genau wollen Sie damit sagen?“, fragte Lukas schließlich.

Am anderen Ende herrschte eine kurze Pause. „Wir haben die Namen Sophie und Samuel in unserem System gesucht. Es gibt keine entsprechenden Einträge im Gästeregister, keine Reservierung, keine Meldung von Anna Schneider über Kinder. Außerdem hat die Kamera im Flur etwas aufgezeichnet, das Ihnen wahrscheinlich nicht gefallen wird.“

Lukas richtete sich auf. „Was?“

„Anna Schneider hat die Suite nicht allein betreten.“

Sein Blick wanderte sofort zu Anna. Sie war inzwischen so blass geworden, dass ihre Lippen fast farblos wirkten.

„Wer war bei ihr?“

„Das wissen wir noch nicht. Die Person trägt eine Kapuze und war nur wenige Sekunden im Kamerawinkel. Aber sie hat einen Schlüssel benutzt.“

Lukas’ Stimme wurde härter. „Meinen Schlüssel?“

„Nein. Einen Master-Key.“


Anna machte einen Schritt zurück.

„Das ist nicht wahr“, flüsterte sie.

Lukas legte den Hörer langsam auf den Tisch. „Dann erklären Sie mir jetzt, warum jemand außer Ihnen mit einem Master-Key meine Suite betreten hat.“

„Ich habe keinen Master-Key benutzt.“

„Die Kamera sagt etwas anderes.“

„Dann ist die Kamera falsch.“

„Eine Kamera kann sich nicht irren, Frau Schneider. Sie kann nur falsch interpretiert werden.“

Anna presste die Hände gegen ihren Bauch. Für einen Moment sah es aus, als würde sie zusammenbrechen. Doch dann schüttelte sie heftig den Kopf.

„Ich habe die Kinder nicht hierhergebracht, um irgendetwas zu stehlen. Ich habe nur einen Ort gesucht, an dem sie sicher sind.“

„Vor wem?“


Anna antwortete nicht.

Lukas trat näher. „Vor wem, Anna?“

Samuel begann leise zu weinen. Sofort ging Anna zu ihm und nahm ihn auf den Arm. Der Junge versteckte sein Gesicht an ihrer Schulter. Sophie rutschte aus dem Bett und stellte sich neben ihre Mutter.

Lukas sah die drei an und spürte, wie sich seine Wut mit etwas anderem vermischte. Angst.

Nicht um sich selbst.

Um die Kinder.

„Sie haben mir gesagt, Sie hätten heute Morgen Ihre Wohnung verloren“, sagte er. „Aber Sie haben nicht gesagt, warum diese Kinder verfolgt werden.“

Annas Augen füllten sich mit Tränen.

„Weil ich Angst hatte, dass Sie mir nicht glauben.“

„Dann geben Sie mir endlich einen Grund, Ihnen zu glauben.“


Sie öffnete den Mund.

Doch in diesem Moment klopfte es an der Tür.

Drei kurze Schläge.

Lukas drehte sich um.

„Wer ist da?“

Keine Antwort.

Er ging zur Tür, ohne sie sofort zu öffnen. Sein Blick fiel auf das kleine elektronische Display. Kein Name. Keine Zimmernummer. Nur ein schwarzer Bildschirm.

Dann ertönte erneut ein Klopfen.

Anna erstarrte.

„Nicht öffnen“, flüsterte sie.


Lukas sah sie an.

„Warum?“

„Weil er es sein könnte.“

„Wer?“

Anna schloss die Augen.

„Der Mann, vor dem ich die Kinder verstecke.“

Lukas’ Nackenhaare stellten sich auf.

Er trat vom Eingang zurück und nahm sein Telefon. „Sicherheitsdienst.“

Noch bevor er die Nummer wählen konnte, vibrierte sein Handy.

Eine unbekannte Nachricht.


Nur ein Satz.

**Sie haben fünf Minuten, um mir die Kinder zu übergeben.**

Lukas las die Nachricht zweimal.

Dann sah er Anna an.

„Wer hat meine Nummer?“

Anna antwortete nicht.

„Anna.“

Sie begann zu weinen.

„Er.“

„Wer ist er?“


„Der Vater.“

Lukas’ Gesicht veränderte sich.

„Der Vater der Kinder?“

Anna nickte langsam.

„Er heißt Viktor Reimann.“

Lukas kannte den Namen.

Nicht persönlich. Aber aus den Nachrichten.

Viktor Reimann war Unternehmer, Investor und ehemaliger Eigentümer einer Sicherheitsfirma, die vor zwei Jahren wegen schwerer Verstöße gegen Datenschutz- und Bewachungsvorschriften untersucht worden war. Der Fall war nie vollständig aufgeklärt worden. Reimann selbst war danach aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Lukas sah wieder auf die Nachricht.

„Warum sollte ein Vater seine eigenen Kinder bedrohen?“


Anna schluckte.

„Weil sie nicht seine Kinder sind.“

Stille.

Sophie hob langsam den Kopf.

„Mama…“

Anna kniete sich vor sie.

„Es tut mir leid.“

„Warum bist du traurig?“

Anna strich ihrer Tochter über die Wange. „Weil ich euch etwas erzählen muss.“

Lukas wollte gerade fragen, was sie damit meinte, als plötzlich das Licht in der Suite ausging.


Samuel schrie auf.

Sophie griff nach Annas Hand.

Die Stadt hinter den Fenstern war weiterhin hell, doch in der Suite war es vollkommen dunkel.

Dann hörten sie ein Geräusch.

Ein leises elektronisches Signal.

Einmal.

Zweimal.

Dreimal.

Lukas wusste sofort, was es bedeutete.

Jemand hatte versucht, die elektronische Türsperre zu umgehen.


Er zog Anna und die Kinder instinktiv vom Eingang weg.

„Bleiben Sie hier.“

„Herr Hartmann…“

„Kein Wort.“

Das Signal ertönte erneut.

Dann sprang das Schloss auf.

Die Tür öffnete sich nur wenige Zentimeter.

Eine männliche Stimme drang aus dem dunklen Flur.

„Anna.“

Sie begann am ganzen Körper zu zittern.


Lukas stellte sich vor sie.

„Wer sind Sie?“

Die Tür öffnete sich langsam weiter.

Doch bevor Lukas das Gesicht des Mannes sehen konnte, sagte die Stimme ruhig:

„Ich bin nicht gekommen, um die Kinder zu holen.“

Eine kurze Pause.

„Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, warum Anna Schneider sie seit drei Jahren versteckt.“

Und dann schob der Fremde einen Umschlag unter der Tür hindurch.

Auf der Vorderseite stand nur ein Name.

**Lukas Hartmann.**

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