Unterhaltung

Als Lukas Die Zwillinge In Seiner Hotelsuite Fand, Entdeckte Er Ein Familiengeheimnis, Das Alles Veränderte

Lukas hörte den Satz, aber sein Verstand weigerte sich, ihn sofort zu begreifen.

„Ein drittes Kind?“

Sebastian blieb auf der Treppe stehen. Sein Gesicht war blass geworden, und zum ersten Mal seit Jahren sah Lukas etwas in den Augen seines Bruders, das er dort noch nie gesehen hatte: echte Angst.

„Ja.“

Anna schüttelte den Kopf. „Das ist nicht möglich.“

„Doch“, sagte Sebastian. „Und genau deshalb hat unsere Mutter alles riskiert.“

Lukas trat eine Stufe nach unten. „Du wirst mir jetzt alles erzählen.“

Sebastian sah kurz zu den Kindern. Sophie hielt Annas Hand so fest, dass ihre kleinen Finger ganz weiß geworden waren.

„Nicht hier.“

„Dann geh zur Seite.“


„Wenn wir hierbleiben, finden Keller uns.“

Daniel trat neben Lukas. „Er hat recht.“

Lukas sah ihn an.

„Woher weißt du das?“

„Weil Keller nicht allein arbeitet.“

Sebastian nickte langsam. „Er hat noch zwei Männer im Gebäude. Die Sicherheitskameras auf den oberen Etagen sind bereits manipuliert.“

Lukas spürte einen kalten Druck in der Brust.

„Und du?“

„Ich bin gekommen, um euch herauszubringen.“

„Warum sollte ich dir glauben?“


Sebastian lachte bitter. „Das solltest du nicht.“

Er zog sein Handy aus der Tasche und zeigte Lukas eine Aufnahme. Das Bild war körnig, offensichtlich von einer alten Überwachungskamera. Eine junge Clara saß in einem Krankenhauszimmer. Ihre Hände lagen schützend auf ihrem Bauch. Neben ihr stand Lukas’ Mutter.

Dann öffnete sich die Tür.

Viktor Reimann trat ein.

Lukas hielt den Atem an.

„Das wurde in derselben Nacht aufgenommen“, sagte Sebastian. „Vierzehnter November. Zimmer 312.“

Auf dem Video sprach seine Mutter mit Clara, doch der Ton war kaum zu verstehen.

Dann hörte Lukas plötzlich einen Satz.

„Wenn Lukas davon erfährt, wird er versuchen, euch zu retten.“

Clara weinte.


„Und genau deshalb darf er nichts wissen.“

Das Video endete.

Lukas starrte auf den Bildschirm.

„Warum?“

Sebastian steckte das Handy wieder ein.

„Weil Viktor Reimann gedroht hatte, Lukas umzubringen.“

Anna schloss die Augen.

„Das wusste ich nicht.“

„Du wusstest vieles nicht“, sagte Sebastian.

Lukas sah seinen Bruder an. „Was war in dieser Nacht wirklich passiert?“


Sebastian atmete tief ein.

„Clara hatte Zwillinge geboren. Sophie und Samuel.“

Lukas sah zu den Kindern.

„Das weiß ich.“

„Aber wenige Minuten nach der Geburt wurde ein weiteres Baby geboren.“

Stille.

„Ein Mädchen.“

Lukas’ Gesicht verlor jede Farbe.

„Clara hatte Drillinge?“

„Ja.“


Anna flüsterte: „Warum hat mir niemand davon erzählt?“

Sebastian sah sie an.

„Weil das dritte Baby kurz nach der Geburt aus dem Krankenhaus verschwunden ist.“

Lukas machte einen Schritt zurück.

„Verschwunden?“

„Jemand nahm das Kind aus Zimmer 312.“

„Wer?“

Sebastian schwieg.

Lukas packte ihn am Arm.

„Wer?“


„Unsere Mutter.“

Lukas ließ ihn los.

„Nein.“

„Doch.“

„Meine Mutter hätte niemals—“

„Sie hat das Baby nicht gestohlen.“

Sebastian sah ihm direkt in die Augen.

„Sie hat es versteckt.“

Lukas sagte nichts.

Daniel trat näher.


„Vor wem?“

„Vor Viktor Reimann.“

„Warum?“

Sebastian sah zu den Zwillingen.

„Weil das dritte Kind einen Namen trug, den Reimann um jeden Preis finden musste.“

Lukas spürte, wie sich sein Herz zusammenzog.

„Welchen Namen?“

Sebastian antwortete erst nach mehreren Sekunden.

„Mia.“

Anna begann zu weinen.


„Mia…“

Lukas sah sie an.

„Du kennst den Namen.“

Anna wischte sich hastig über das Gesicht.

„Ja.“

„Woher?“

Sie antwortete nicht.

„Anna.“

„Ich habe ihn in den Unterlagen gesehen.“

„Welche Unterlagen?“


„Die aus Reimanns Firma.“

Sebastian schüttelte den Kopf.

„Nein. Du hast nicht nur den Namen gesehen.“

Anna sah ihn erschrocken an.

„Du weißt davon?“

„Ich weiß, was du damals gefunden hast.“

Lukas sah zwischen ihnen hin und her.

„Was habt ihr mir noch verschwiegen?“

Anna presste die Lippen zusammen.

Dann sagte sie leise: „Mia war nicht einfach nur das dritte Kind.“


„Was bedeutet das?“

„Ihre Geburt wurde niemals offiziell registriert.“

Lukas erstarrte.

„Warum?“

Sebastian antwortete: „Weil jemand wollte, dass es so aussieht, als hätte Clara nur zwei Kinder bekommen.“

„Und wo ist Mia heute?“

Niemand antwortete.

Lukas’ Blick wanderte von Anna zu Sebastian.

„Wo ist sie?“

Sebastian senkte den Kopf.

„Wir wissen es nicht.“

In diesem Moment ertönte ein lautes Geräusch aus dem oberen Teil des Tunnels.

Eine Tür wurde aufgerissen.

Daniel fluchte leise.

„Sie sind hier.“

Sebastian zog einen kleinen Schlüssel aus seiner Tasche.

„Es gibt einen zweiten Ausgang.“

Lukas folgte ihm, doch nach wenigen Schritten blieb Anna plötzlich stehen.

„Warten Sie.“

Sie hatte den alten Kinderrucksack geöffnet.

Zwischen einem Bilderbuch und einem Paar Socken lag ein kleines, gefaltetes Stück Papier.

„Das war nicht da, als ich den Rucksack gepackt habe.“

Lukas nahm es.

Darauf stand nur:

**Mia ist nicht verschwunden.**

Darunter eine Adresse.

Lukas las sie.

Dann hob er langsam den Kopf.

„Das ist nicht weit von hier.“

Daniel sah auf die Adresse und wurde kreidebleich.

„Das ist das alte Kinderheim am Spreeufer.“

Sebastian schüttelte sofort den Kopf.

„Nein.“

„Was?“, fragte Lukas.

Sebastian sah ihn an.

„Das Heim wurde vor drei Jahren geschlossen.“

„Warum?“

Sebastian antwortete nicht.

Aus der Dunkelheit hinter ihnen ertönten plötzlich Schritte.

Dann eine Männerstimme.

„Sebastian!“

Keller.

Sebastian packte Lukas am Arm.

„Wir müssen sofort gehen.“

Doch Lukas starrte noch immer auf den Zettel.

Auf der Rückseite stand eine weitere Zeile, die er erst jetzt bemerkte.

**Wenn du wissen willst, wer Mia ist, frag deine Mutter, warum sie Clara am Tag ihres Todes angelogen hat.**

Lukas’ Hände begannen zu zittern.

Seine Mutter war tot.

Und trotzdem schien sie ihm noch immer etwas zu verheimlichen.

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