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Als Lukas Die Zwillinge In Seiner Hotelsuite Fand, Entdeckte Er Ein Familiengeheimnis, Das Alles Veränderte

Lukas spürte, wie sich sein ganzer Körper anspannte. Vor der Tür stand Martin Keller, der Sicherheitschef des Grand Hotels Wellington. Ein Mann, dem Lukas seit Jahren vertraute. Er hatte Keller selbst eingestellt, nachdem dieser bereits für mehrere internationale Hotelkonzerne gearbeitet hatte. Keller kannte jede Sicherheitskamera, jeden Zugangscode und jeden Notausgang des Hauses.

Und genau deshalb war die Erkenntnis so erschreckend.

Wenn Daniel die Wahrheit sagte, hatte Lukas gerade einem Mann die Kontrolle über seine eigene Sicherheit gegeben, der möglicherweise seit Jahren auf der anderen Seite stand.

„Herr Hartmann?“, ertönte Kellers Stimme erneut. „Ist alles in Ordnung?“

Lukas sah zu Anna. Sie hatte Sophie und Samuel inzwischen hinter sich gezogen.

„Kein Wort“, sagte er leise.

Daniel trat näher und flüsterte: „Wenn er wirklich beteiligt ist, dürfen Sie ihn nicht wissen lassen, dass wir das wissen.“

Lukas nickte.

Dann ging er zur Tür.

„Einen Moment, Keller.“


„Natürlich.“

Lukas blieb direkt vor der Tür stehen, öffnete sie aber nicht.

„Warum sind Sie hier?“

„Wir haben einen Sicherheitsalarm auf dieser Etage erhalten. Außerdem wurde mir gemeldet, dass sich eine unbefugte Person in Ihrer Suite befindet.“

Lukas blickte zu Daniel.

Der Fremde hob eine Augenbraue.

„Interessant.“

„Was ist interessant?“, fragte Lukas.

„Dass er behauptet, Sie hätten ihn hereingelassen.“

Keller schwieg kurz.


„Wer hat Ihnen das gemeldet?“

„Die Überwachung.“

„Welche Kamera?“

„Kamera 47-B.“

Lukas wusste, dass diese Kamera nicht existierte.

Er hatte vor zwei Jahren persönlich die komplette Sicherheitsarchitektur der Etage ändern lassen. Die Kameras waren nummeriert, und 47-B war ein alter Code, der seit der Renovierung nicht mehr verwendet wurde.

Keller hatte gerade einen Fehler gemacht.

Einen kleinen.

Aber einen tödlichen.

„Verstehe“, sagte Lukas ruhig.


„Dann öffnen Sie bitte.“

Lukas legte die Hand auf den Türgriff.

„Natürlich.“

Er drehte ihn langsam.

Doch statt die Tür zu öffnen, zog er sie nur wenige Zentimeter zurück und sah durch den Spalt.

Martin Keller stand allein im Flur.

Dunkler Anzug. Schwarze Krawatte. Ruhiges Gesicht.

An seinem rechten Zeigefinger glänzte ein goldener Ring.

Sophie hatte ihn erkannt.

Lukas ebenfalls.


Er schloss die Tür sofort wieder.

„Verdammt“, flüsterte Anna.

„Was jetzt?“, fragte Daniel.

Lukas dachte nach.

Der normale Aufzug befand sich am Ende des Korridors. Die Treppe war hinter der Sicherheitsschleuse. Der private Aufzug des Präsidentenbereichs konnte nur von innen aktiviert werden.

Keller kontrollierte die Etage.

Aber Lukas kontrollierte die Suite.

Er ging zum Schreibtisch, öffnete eine verborgene Schublade und nahm eine kleine schwarze Fernbedienung heraus.

Anna sah ihn verwundert an.

„Was ist das?“


„Ein alter Notfallzugang.“

Er drückte einen Knopf.

Tief in der Wand ertönte ein mechanisches Klicken.

Hinter einem Bücherregal öffnete sich eine schmale Tür.

Anna starrte ihn an.

„Ihr Hotel hat einen geheimen Ausgang?“

„Nicht für Gäste.“

Daniel trat näher.

„Wohin führt er?“

„Direkt in den privaten Konferenzraum zwei Stockwerke tiefer.“


„Dann gehen wir.“

Lukas sah zu den Kindern.

Samuel war bereits eingeschlafen, den Stoffelefanten fest an seine Brust gedrückt. Sophie hielt Annas Hand.

„Sie zuerst.“

Anna schüttelte den Kopf.

„Nein. Sie bleiben bei uns.“

Lukas sah sie an.

„Warum?“

„Weil ich Ihnen inzwischen vertraue.“

Diese Worte trafen ihn unerwartet.


Er wollte etwas erwidern, doch plötzlich krachte draußen etwas gegen die Tür.

Sophie schrie auf.

Samuel wachte erschrocken auf.

„Zurück!“, rief Lukas.

Ein zweiter Schlag.

Das Schloss vibrierte.

„Er versucht, die Tür aufzubrechen“, sagte Daniel.

Lukas zog die Kinder schnell zur Geheimtür.

„Los!“

Anna nahm Samuel auf den Arm. Sophie lief neben ihr.


Daniel ging hinterher.

Lukas warf noch einen Blick zurück.

Dann hörte er Kellers Stimme.

„Lukas! Du verstehst nicht, was du gerade tust!“

Lukas blieb für einen Sekundenbruchteil stehen.

„Doch“, murmelte er.

„Zum ersten Mal vielleicht.“

Er schloss die Geheimtür.

Im engen Gang war es dunkel. Nur kleine Bodenlichter führten nach unten. Anna atmete schwer, während Samuel sein Gesicht an ihren Hals drückte.

„Wie lange ist dieser Weg?“, fragte Daniel.


„Drei Minuten.“

„Und wenn Keller den Ausgang kennt?“

„Dann haben wir ein Problem.“

Sie erreichten die Treppe.

Lukas öffnete die schwere Brandschutztür.

Doch bevor sie den nächsten Stock betreten konnten, blieb Anna plötzlich stehen.

„Warten Sie.“

„Was ist?“

Sie deutete auf die Wand.

Dort hing ein altes, gerahmtes Foto.


Lukas kannte es.

Es zeigte die Eröffnung des ersten Hartmann-Hotels in Berlin.

Sein Vater stand in der Mitte.

Seine Mutter links.

Sebastian rechts.

Doch zwischen seinen Eltern stand eine vierte Person.

Eine junge Frau.

Lukas trat näher.

Sein Herz begann schneller zu schlagen.

„Das ist Clara.“

Daniel nickte.

„Ja.“

Lukas sah auf das Foto.

Clara war vielleicht zweiundzwanzig gewesen. Sie lächelte in die Kamera. Neben ihr stand seine Mutter mit einer Hand auf Claras Schulter.

Aber etwas anderes ließ Lukas erstarren.

Auf Claras Bauch lag eine Hand.

Nicht ihre.

Die Hand seiner Mutter.

Und auf dem unteren Rand des Fotos war mit einem Kugelschreiber eine Zahl geschrieben.

**312.**

Lukas erinnerte sich an das Foto aus dem Umschlag.

Zimmer 312.

Das Krankenhaus.

„Meine Mutter wusste es“, sagte er.

„Ja.“

„Schon damals.“

Daniel nickte.

Anna trat näher.

„Herr Hartmann… es gibt einen Grund, warum Ihre Mutter Clara geholfen hat.“

Lukas sah sie an.

„Welchen?“

Anna senkte die Stimme.

„Weil Clara nicht nur schwanger war.“

„Was dann?“

Anna sah zu Sophie und Samuel.

„Sie war auf der Flucht vor jemandem aus Ihrer Familie.“

Plötzlich vibrierte Daniels Handy.

Er zog es heraus.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Was ist?“, fragte Lukas.

Daniel zeigte ihm den Bildschirm.

Eine neue Nachricht.

**Ihr seid nicht allein im Fluchttunnel.**

Lukas sah den Text an.

Dann hörte er es.

Schritte.

Nicht von oben.

Von unten.

Jemand kam ihnen auf der Treppe entgegen.

Anna zog Sophie näher an sich.

Samuel begann leise zu wimmern.

Lukas hob eine Hand.

Alle verstummten.

Die Schritte wurden lauter.

Ein Schatten erschien auf der unteren Treppenstufe.

Dann trat ein Mann ins Licht.

Lukas erkannte ihn sofort.

Es war Sebastian Hartmann.

Sein eigener Bruder.

Sebastian sah zuerst Lukas an.

Dann Anna.

Dann die Kinder.

Und schließlich blieb sein Blick an Sophie und Samuel hängen.

Für einige Sekunden sagte er nichts.

Dann flüsterte er:

„Ihr habt sie tatsächlich gefunden.“

Lukas’ Stimme war kaum wiederzuerkennen.

„Wen?“

Sebastian hob langsam den Blick.

„Die beiden Kinder, wegen denen unsere Mutter sterben musste.“

Anna schnappte nach Luft.

Lukas wurde blass.

„Was hast du gerade gesagt?“

Sebastian sah ihn an.

„Ich habe gesagt, dass du endlich erfahren solltest, warum unsere Mutter wirklich gestorben ist.“

Er trat eine Stufe höher.

„Aber bevor ich dir das erzähle, musst du verstehen, dass Clara nicht die einzige Person war, die sie schützen wollte.“

Dann sah er zu den Kindern.

„Es gab noch ein drittes Kind.“

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