Unterhaltung

Der Milliardär kam früher nach Hause und fand die dreijährige Tochter seiner kranken Haushaltshilfe dabei, wie sie sein Hemd wusch

Der Kurier wurde nicht durch das Haupttor gelassen.

Zwei Sicherheitsleute brachten das Paket stattdessen in einen abgesperrten Nebentrakt der Villa, wo es untersucht werden konnte.

Luca beobachtete die Kamerabilder aus dem Sicherheitsraum.

Eine schlichte schwarze Schachtel.

Keine sichtbaren Drähte.

Keine Absenderadresse.

Nur eine weiße Karte mit einem einzigen Buchstaben.

**K.**

Harland saß zwei Räume weiter unter Bewachung.

Matteo kam herein.


„Keine Sprengstoffspuren. Keine elektronischen Komponenten.“

„Fingerabdrücke?“

„Wird geprüft.“

„Der Kurier?“

„Arbeitet für einen regulären Lieferdienst. Auftrag wurde online bezahlt. Falscher Name.“

Luca nickte zur Schachtel.

„Öffnen.“

Ein Sicherheitsmann hob vorsichtig den Deckel.

Darin lag ein Mobiltelefon.

Sonst nichts.


Das Display leuchtete auf.

Ein Countdown erschien.

**00:29**

**00:28**

„Alle zurück“, sagte Matteo.

Der Techniker untersuchte das Gerät.

„Kein Sprengsatz. Sieht nach einem normalen Telefon aus.“

Der Countdown erreichte null.

Das Telefon klingelte.

Luca streckte die Hand aus.


„Nein“, sagte Matteo.

„Er hat es für mich geschickt.“

Luca nahm den Anruf an.

„Ferraro.“

Eine Männerstimme antwortete.

Verzerrt.

„Sie sind heute früh nach Hause gekommen.“

Luca blickte zu Matteo.

Der GPS-Sender.

„Offenbar.“


„Das war unpraktisch.“

„Für wen?“

Ein leises Lachen.

„Harland hat einen Fehler gemacht.“

„Nur einen?“

Stille.

Dann:

„Geben Sie mir den Laptop.“

Luca sagte nichts.

„Den Laptop aus dem Keller“, fuhr die Stimme fort. „Und alle Unterlagen.“


„Kessler.“

Am anderen Ende entstand eine kurze Pause.

Genau darauf hatte Luca gewartet.

„Harland redet also.“

„Mehr als Sie denken.“

„Dann ist er nutzlos geworden.“

Luca blickte durch die Glasscheibe in Richtung des Flurs.

„Sie haben ein Kind beobachten lassen.“

„Ich beobachte Risiken.“

Lucas Finger schlossen sich fester um das Telefon.


„Sie ist drei Jahre alt.“

„Und trotzdem hat sie Dinge gesehen, die Ihre Männer übersehen haben.“

„Wenn Sie Nora oder ihre Mutter auch nur—“

„Drohungen sind Zeitverschwendung, Ferraro.“

Die Stimme blieb ruhig.

„Sie haben etwas von mir. Ich habe etwas von Ihnen.“

Luca wurde vollkommen still.

„Was?“

„Sehen Sie in Ihr privates Archiv.“

Der Anruf endete.


Luca gab Matteo das Telefon.

„Was meint er?“

Doch Luca war bereits unterwegs.

Sein privates Archiv befand sich hinter dem Arbeitszimmer.

Nur Luca und Matteo kannten den Zugangscode.

Zumindest hatte Luca das geglaubt.

Die schwere Tür öffnete sich.

Auf den ersten Blick war nichts verändert.

Dokumente.

Tresore.


Datenträger.

Matteo überprüfte die Schränke.

„Hier.“

Ein Fach stand wenige Millimeter offen.

Luca zog es heraus.

Leer.

Sein Blick wurde kalt.

„Was war darin?“, fragte Matteo.

„Eine Sicherungskopie.“

„Wovon?“


Luca schwieg einen Moment.

„Finanzunterlagen. Verträge. Namen von Firmen, die versucht haben, über meine Unternehmen Geld zu waschen.“

Matteo verstand.

„Beweise.“

„Genug, um mehrere Leute nervös zu machen.“

„Wann hast du das Fach zuletzt geöffnet?“

„Vor ungefähr vier Monaten.“

Matteo sah ihn an.

„Dann könnte Kessler die Daten seit Monaten haben.“

„Nein.“


Luca zeigte auf einen winzigen Kontakt im Inneren des Fachs.

„Der Datenträger war verschlüsselt. Ohne meinen Schlüssel ist er wertlos.“

„Und wo ist der Schlüssel?“

Luca antwortete nicht.

Matteos Gesicht veränderte sich.

„In deinem Schlafzimmer.“

Luca nickte.

Das Abhörgerät.

Plötzlich ergab alles Sinn.

Der Eindringling hatte nicht nach dem Datenträger gesucht.

Er hatte ihn bereits.

Er hatte darauf gewartet, dass Luca irgendwann den Zugangsschlüssel erwähnte oder benutzte.

„Prüfen Sie die gespeicherten Aufnahmen“, sagte Luca.

Matteo griff sofort zum Telefon.

In diesem Moment erschien einer der Sicherheitsleute in der Tür.

„Herr Ferraro.“

„Was?“

„Elena möchte mit Ihnen sprechen.“

Luca ging sofort in den Ostflügel.

Elena saß aufrecht im Bett. Ihre Haut war noch blass, doch das Fieber schien etwas gesunken zu sein.

Nora schlief neben ihr.

„Was ist passiert?“, fragte Luca.

Elena hielt einen kleinen Stoffrucksack auf ihrem Schoß.

„Nora hatte den heute Morgen dabei.“

Sie öffnete ihn.

Malstifte.

Ein Stoffhase.

Ein zerknittertes Bilderbuch.

Dann zog Elena etwas heraus.

Einen kleinen silbernen Gegenstand.

Luca erstarrte.

„Woher hat sie das?“

„Ich weiß es nicht.“

Er nahm ihn vorsichtig.

Es war kein Spielzeug.

Ein USB-Stick.

Auf einer Seite befand sich ein eingraviertes Symbol.

Ein Kreis mit einem K darin.

Elena sah ihn an.

„Ist das wichtig?“

„Vielleicht.“

Nora bewegte sich im Schlaf.

Dann öffnete sie die Augen.

„Das gehört dem Ringmann.“

Luca kniete sich neben das Bett.

„Wo hast du es gefunden?“

„Unter deinem Bett.“

Elena hielt den Atem an.

„Wann?“

„Als der Mann weg war.“

„Vor drei Monaten?“

Nora nickte schläfrig.

„Warum hast du es genommen?“

Das Mädchen zuckte mit den Schultern.

„Es hat geglitzert.“

Luca sah auf den Stick.

Kessler hatte etwas unter seinem Bett installiert.

Und dabei offenbar etwas verloren.

Etwas, von dem er möglicherweise nicht wusste, dass Nora es gefunden hatte.

„Hast du jemandem davon erzählt?“

Nora schüttelte den Kopf.

„Mama sagt, Sachen, die nicht mir gehören, soll ich zurückgeben.“

Sie sah ihn ernst an.

„Bin ich jetzt böse?“

„Nein.“

Lucas Antwort kam sofort.

„Du hast nichts falsch gemacht.“

Er stand auf und gab Matteo, der gerade ins Zimmer kam, den Stick.

„Offline-System. Keine Verbindung zum Netzwerk.“

Matteo nickte.

Eine Stunde später saßen sie in einem abgeschirmten Raum vor einem isolierten Computer.

Der USB-Stick war verschlüsselt.

Doch nicht besonders gut.

„Das ist kein Archiv“, sagte Matteo nach einigen Minuten.

Auf dem Bildschirm erschienen Ordner.

Fotos.

Kontonummern.

Personalakten.

Zahlungslisten.

Aufzeichnungen über Lucas Bewegungen.

Dann ein Ordner mit dem Namen:

**FERRARO – PHASE 2**

Matteo öffnete ihn.

Darin befanden sich mehrere Dokumente.

Das erste war ein Plan der Villa.

Das zweite zeigte Sicherheitsrouten.

Das dritte enthielt eine Liste von Namen.

Harland stand darauf.

Mehrere Angestellte ebenfalls.

Doch ganz oben befand sich ein anderer Name.

Luca las ihn zweimal.

Dann ein drittes Mal.

Matteo wurde still.

„Das kann nicht stimmen.“

Luca öffnete die dazugehörige Datei.

Ein Foto erschien.

Ein Mann in einem maßgeschneiderten Anzug.

Etwa sechzig Jahre alt.

An seiner rechten Hand trug er einen breiten silbernen Ring.

Darunter stand:

**Konrad Kessler.**

Und direkt unter seinem Namen:

**Ferraro-Gruppe – externer Finanzberater, Zugangsstufe Alpha.**

Matteo sah Luca an.

„Er hatte offiziellen Zugang.“

Luca kannte das Gesicht jetzt.

Nicht aus seiner Villa.

Aus Besprechungsräumen.

Aus Geschäftsessen.

Aus Verträgen.

Konrad Kessler hatte jahrelang für mehrere Unternehmen seines Konzerns gearbeitet.

Nie auffällig.

Nie wichtig genug, um Lucas Aufmerksamkeit zu erregen.

Genau deshalb war er gefährlich gewesen.

Matteo öffnete die nächste Datei.

Eine Tabelle erschien.

Überweisungen.

Millionenbeträge.

Briefkastenfirmen.

Und immer wieder dieselben Firmen, deren Namen Luca aus seinem verschwundenen Archiv kannte.

„Er war Teil des Geldwäschenetzwerks“, sagte Matteo.

„Nein.“

Luca zeigte auf die Daten.

„Er hat es organisiert.“

Ganz unten befand sich eine Datei, die erst vor vier Tagen erstellt worden war.

**ABSCHLUSSPLAN.**

Matteo öffnete sie.

Nur drei Zeilen.

**Datenschlüssel beschaffen.**

**Ferraro kompromittieren.**

**Zeugin und Mutter entfernen.**

Niemand sprach.

Luca las die letzte Zeile erneut.

Zeugin.

Nicht Nora.

Aber es konnte niemand anderes gemeint sein.

Sein Telefon klingelte.

Unbekannte Nummer.

Luca nahm ab.

Diesmal war die Stimme nicht verzerrt.

„Jetzt wissen Sie, wer ich bin.“

Konrad Kessler.

Luca sah auf den Bildschirm.

„Ja.“

„Dann wissen Sie auch, dass das Mädchen etwas besitzt, das mir gehört.“

Luca blickte zu Matteo.

Kessler wusste vom USB-Stick.

„Sie kommen nicht an sie heran.“

Kessler lachte leise.

„Herr Ferraro.“

Eine kurze Pause.

„Wer sagt, dass ich noch kommen muss?“

In diesem Moment ertönte im gesamten Ostflügel ein Alarm.

Matteo sprang auf.

Lucas Telefon blieb am Ohr.

Kessler sagte nur noch zwei Worte:

„Zu spät.“

Die Verbindung brach ab.

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 8, um weiterzulesen.**

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