Unterhaltung

Die vierjährige Tochter eines Hausmädchens rettete Alejandro Moretti mit ihrem letzten EpiPen – dann enthüllte eine versteckte Kamera den vergifteten Wein

Sofias Stimme kam aus dem Lautsprecher, obwohl der Bildschirm schwarz blieb.

„Ihr habt zwölf Jahre gebraucht.“

Alejandro drückte die Sprechtaste.

„Wofür?“

Ein leises Lachen.

„Um euch zu fragen, warum eine tote Stiftung plötzlich wieder Geld erhält.“

Marco trat neben seinen Bruder.

„Unsere Mutter hat diese Stiftung geschlossen.“

„Nein“, sagte Sofia. „Man hat euch gesagt, sie sei geschlossen worden.“

Isabella setzte sich wieder an die Konsole.


„Die Registrierung wurde tatsächlich vor zwölf Jahren beendet.“

„Die öffentliche Registrierung“, antwortete Sofia. „Nicht die Konten dahinter.“

Alejandro sah Isabella an.

Sie tippte schnell.

„Es gibt Verbindungen zu mehreren Treuhandkonten. Sie wurden umbenannt, verschoben und unter anderen Gesellschaften weitergeführt.“

„Wofür?“, fragte Viktor.

Sofia schwieg kurz.

„Für Familien.“

„Welche Familien?“

„Die Familien der Menschen, die für die Morettis gearbeitet haben und danach vergessen wurden.“


Alejandros Gesicht verhärtete sich.

„Und deshalb sollte ich heute sterben?“

„Ich habe nicht versucht, dich zu töten.“

Marco lachte bitter.

„Das scheint heute jeder zu behaupten.“

„Du hast Alejandro die Substanz gegeben, Marco. Nicht ich.“

„Wer hat sie mir gegeben?“

Keine Antwort.

Marco schlug mit der Hand gegen die Konsole.

„Wer?“


Sofia sagte ruhig:

„Du hast nie ein Gesicht gesehen.“

Marco verstummte.

Alejandro drehte sich zu ihm.

„Stimmt das?“

Marco sah seinen Bruder an.

„Ich bekam die Spritze in einem Schließfach. Zusammen mit Anweisungen.“

„Und du hast sie benutzt.“

„Weil mir gesagt wurde, du würdest eine kontrollierbare Reaktion bekommen und der Arzt wäre vorbereitet.“

Der Privatarzt hob scharf den Kopf.


„Ich wusste von nichts.“

Marco sah ihn an.

„Dann war auch das gelogen.“

Alejandro trat näher an seinen Bruder.

„Du hast mein Leben auf die Zusage eines Unbekannten gesetzt.“

Marco wich seinem Blick nicht aus.

„Ich wollte die Person herauslocken, die Isabella bedrohte. Ich dachte, wenn die Villa abgeriegelt wird, könnten wir sie finden.“

„Und wenn Emma nicht gekommen wäre?“

Marco sah zu mir.

Zum ersten Mal hatte er keine Antwort.


Mama legte beide Arme um mich.

Alejandro sagte leise:

„Dann wäre ich tot.“

Niemand widersprach.

Sofia meldete sich wieder.

„Und genau das war der Plan.“

Marco wurde blass.

„Du hast gerade gesagt, du wolltest ihn nicht töten.“

„Ich nicht.“

Alejandro drückte die Taste.


„Dann sag endlich, wer.“

„Kommt in den Keller.“

Viktor schüttelte sofort den Kopf.

„Nein.“

„Dann stirbt Lucien.“

Auf dem Bildschirm erschien das Bild wieder.

Lucien saß noch immer gefesselt auf dem Stuhl.

Diesmal stand Sofia neben ihm.

Hinter ihnen war eine Metalltür geöffnet.

Dahinter führte ein dunkler Gang weiter.


„Alter Wartungstunnel“, sagte Marco.

Viktor sah ihn an.

„Wohin führt der?“

„Unter dem Garten hindurch bis zum ehemaligen Gästehaus.“

Alejandro nickte.

„Wir gehen.“

„Das ist eine Falle“, sagte Viktor.

„Natürlich.“

Alejandro sah ihn an.

„Aber zum ersten Mal wissen wir, wo sie ist.“


Mama schüttelte den Kopf.

„Emma kommt nicht mit.“

„Nein“, sagte Alejandro sofort.

Er wandte sich an zwei Wachleute.

„Ihr bleibt bei ihnen.“

Gabriel lachte plötzlich trocken.

„Sie verstehen es immer noch nicht.“

Viktor packte ihn am Kragen.

„Was jetzt?“

Gabriel sah zu Mama.


„Wenn die Kleine das Ziel ist, sind zwei Wachleute keine Sicherheit.“

Mama wurde bleich.

„Warum ist sie überhaupt ein Ziel?“

Gabriel schüttelte den Kopf.

„Weil sie etwas gesehen hat.“

„Was?“

„Das weiß ich nicht.“

Ich dachte an den Lieferwagen.

Gabriel.

Die schwarze Schachtel.


Die braunen Schuhe.

Den Stock.

Dann an meinen Stoffhasen.

Die Kamera darin.

„Vielleicht sollte ich etwas sehen“, sagte ich.

Alle blickten zu mir.

Mama kniete sich vor mich.

„Was meinst du?“

„Die Kamera war in meinem Hasen.“

Alejandro wurde still.

„Jemand hat eine Kamera in ein Spielzeug gesteckt, das in einem Personalraum lag“, sagte Isabella langsam. „Warum?“

Viktor sah auf den Bildschirm.

„Um das Personal zu überwachen.“

„Dann hätte man den Raum selbst verwanzt“, sagte Isabella. „Nicht ein Spielzeug, das jederzeit bewegt werden kann.“

Ich hielt meinen anderen Hasen hoch.

„Ich nehme sie manchmal mit.“

Mama sah mich an.

Dann verstand sie.

„Emma war mit dem Hasen überall im Personalbereich.“

Isabella stand abrupt auf.

„Küche. Wäscherei. Lieferzugang.“

„Versorgungskorridor“, ergänzte Viktor.

Alejandro blickte mich an.

„Und vielleicht hat die Kamera etwas aufgenommen, ohne dass jemand wusste, dass sie dort war.“

Der Raum wurde still.

Marco sah zum Bildschirm.

„Wo ist die Speicherkarte?“

Sofia antwortete aus dem Lautsprecher.

„Endlich.“

Sie hob den alten Stoffhasen vom Schoß Luciens.

„Deshalb musste ich ihn finden.“

„Was ist darauf?“, fragte Alejandro.

„Der Grund, warum heute alles passiert ist.“

Dann wurde die Verbindung getrennt.

Alejandro gab sofort Befehle.

Viktor, Marco, Isabella und vier bewaffnete Männer sollten mit ihm durch den alten Zugang in Richtung Keller gehen. Gabriel blieb gefesselt unter Bewachung.

Mama und ich sollten in den Kontrollraum zurück.

Doch bevor wir uns trennten, ging Alejandro vor mir auf ein Knie.

Er war noch blass.

„Emma.“

Ich sah ihn an.

„Du hast heute etwas getan, das kein Mensch von dir hätte verlangen dürfen.“

Sein Blick fiel kurz auf den leeren EpiPen.

„Ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder ohne einen bist.“

Mama öffnete den Mund.

Alejandro hob die Hand.

„Das ist keine Bezahlung.“

Dann sah er mich wieder an.

„Das ist eine Schuld.“

Er stand auf und ging.

Mama brachte mich zurück in den Kontrollraum.

Die Tür wurde von innen verriegelt.

Gabriel saß gefesselt an der Wand, bewacht von zwei Männern.

Eine Weile hörte man nur das Summen der alten Geräte.

Dann begann Gabriel zu weinen.

Ganz leise.

„Sie wird meine Schwester töten.“

Mama sagte nichts.

Ich sah ihn an.

„Wer?“

Er hob den Kopf.

„Ich weiß es nicht.“

„Aber du hast ihre Stimme gehört.“

Gabriel erstarrte.

Mama drehte sich zu mir.

„Emma?“

„Am Telefon.“

Ich zeigte auf ihn.

„Als Herr Moretti angerufen wurde, hast du die Stimme erkannt.“

Gabriel wurde weiß.

„Nein.“

„Doch.“

Ich erinnerte mich daran, wie er auf dem Boden gelegen hatte.

Nicht überrascht.

Verängstigt.

„Du kennst sie.“

Einer der Wachleute trat näher.

„Rede.“

Gabriel schüttelte den Kopf.

Dann flackerte einer der Monitore.

Ein neues Kamerabild erschien.

Der Keller.

Alejandro und die anderen erreichten gerade den Personalraum.

Sofia stand dort.

Lucien war verschwunden.

Sie hielt nur den Stoffhasen.

Alejandro richtete seine Waffe nicht auf sie.

„Wo ist Lucien?“

Sofia zeigte auf den geöffneten Wartungstunnel.

„Er ist gegangen.“

Viktor fluchte.

„Gefesselt?“

„Ich habe ihn freigelassen.“

„Warum?“

Sofia sah direkt in die Kamera.

„Weil Lucien nie mein Gefangener war.“

Im Kontrollraum begann Gabriel plötzlich heftig an seinen Fesseln zu ziehen.

„Nein.“

Mama wich zurück.

„Was ist los?“

„Schaltet die Kamera aus!“

Auf dem Bildschirm öffnete Sofia den Rücken des Stoffhasen.

Sie zog die kleine Kamera heraus.

Dann entfernte sie eine Speicherkarte.

„Vor sechs Wochen“, sagte sie, „hat dieses Kind etwas aufgenommen.“

Alejandro nahm die Karte entgegen.

„Was?“

„Lucien beim Lieferzugang.“

Viktor sah Sofia an.

„Mit wem?“

Sofia antwortete nicht.

Isabella nahm die Speicherkarte und steckte sie in ein Lesegerät der alten Konsole im Keller.

Das Video erschien gleichzeitig auf unserem Monitor.

Unscharf.

Niedrig aufgenommen.

Aus der Perspektive eines Stoffhasen.

Man sah Beine.

Kisten.

Gabriel.

Dann Luciens glänzende braune Schuhe.

Er stand neben einer zweiten Person.

Eine Frau.

Zuerst war nur ihr Rücken zu sehen.

Lucien gab ihr einen Umschlag.

Sie drehte sich um.

Mama neben mir gab einen erstickten Laut von sich.

Ich verstand nicht warum.

Ich kannte die Frau nicht.

Doch Viktor kannte sie.

Marco kannte sie.

Und Alejandro ebenfalls.

Sein Gesicht verlor jede Farbe.

„Unmöglich“, flüsterte Marco.

Sofia sah die Brüder an.

„Deshalb wurde die Stiftung nie wirklich geschlossen.“

Alejandro starrte auf das Gesicht der Frau im Video.

Dann sagte er nur ein einziges Wort.

„Mutter.“

Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 9, um weiterzulesen.

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