Unterhaltung

Ich Zog 22 Jahre Lang Meine Drillingsnichten Groß – Doch Bei Ihrer Abschlussfeier Enthüllten Sie Ein Geheimnis Über Ihren Vater

Lukas bewegte sich nicht. Die rote Mappe lag vor seinen Füßen, halb geöffnet, als hätte jemand sie absichtlich genau dort platziert. Für einige Sekunden hörte er nur das leise Summen der alten Neonröhre über ihnen. Dann ging Lea an ihm vorbei und kniete sich hin.

„Nicht anfassen“, sagte Katharina plötzlich.

Lea hielt inne.

„Warum?“

Katharina sah auf die Mappe, und in ihrem Gesicht lag eine Angst, die Lukas bisher noch nicht gesehen hatte.

„Weil ich nicht weiß, wer sie dort hingelegt hat.“

„Dann finden wir es heraus“, sagte Lukas.

Er nahm ein Taschentuch aus seiner Jackentasche, wickelte es um seine Hand und hob die Mappe vorsichtig auf. Sie war schwerer, als sie aussah. Innen befanden sich mehrere Dokumente, ein kleiner USB-Stick und ein Foto, das mit einer Büroklammer an der ersten Seite befestigt war.

Lukas nahm das Foto.

Sein Atem stockte.

Es zeigte seine Schwägerin, wenige Tage vor ihrem Tod. Sie saß auf einer Bank vor dem Krankenhaus und hielt eine Hand auf ihren Bauch. Neben ihr stand ein Mann, den Lukas nicht kannte.

„Wer ist das?“, fragte Sophie.

Katharina trat näher.

„Das ist…“

Sie verstummte.

„Sie kennen ihn“, sagte Lea sofort.

Katharina schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Sie haben ihn erkannt.“

„Ich sagte nein.“

Lukas drehte das Foto um. Auf der Rückseite stand eine handschriftliche Notiz.

Er weiß, dass die Mädchen nicht seine einzigen Kinder sind.

Anna schlug sich die Hand vor den Mund.

„Was soll das heißen?“

Lukas starrte auf den Satz.

„Vielleicht ist damit euer Vater gemeint.“

Katharina nahm ihm das Foto aus der Hand.

Ihre Augen weiteten sich.

„Nein.“

„Was?“, fragte Lukas.

Sie drehte das Foto um und zeigte auf eine winzige Nummer in der unteren Ecke.

„Diese Kennzeichnung stammt nicht aus der Patientenakte.“

„Woher dann?“

Katharina schluckte.

„Aus der Kinderwunschklinik.“

Stille.

Lea sah sie fassungslos an.

„Unsere Mutter war in einer Kinderwunschklinik?“

„Nicht nur sie“, sagte Katharina.

Lukas spürte, wie seine Knie nachgaben. Er setzte sich auf die Kante eines alten Aktenschranks.

„Was wissen Sie?“

Katharina antwortete diesmal ohne Ausweichen.

„Ihre Schwägerin konnte keine Drillinge auf natürlichem Weg bekommen.“

Anna sah ihre Schwestern an.

„Das wussten wir nicht.“

„Weil es niemand erzählt hat.“

Lukas blätterte hektisch durch die Mappe. Zwischen Laborberichten und alten Formularen fand er eine Kopie eines Behandlungsplans. Drei Namen waren geschwärzt. Ein vierter Name jedoch nicht.

Dr. Matthias Reuter.

Lukas hob den Kopf.

„Sie waren nicht nur ihr Arzt.“

Reuter stand noch immer am Ende des Korridors. Sein Gesicht war unbeweglich.

„Nein“, sagte er.

„Was waren Sie dann?“

Reuter sah auf die drei Frauen.

„Ich war derjenige, der versucht hat, ihre Mutter zu schützen.“

Lea trat auf ihn zu.

„Vor wem?“

Reuter antwortete nicht.

„Vor wem?“, wiederholte sie schärfer.

Er sah schließlich Lukas an.

„Vor Ihrem Bruder.“

Lukas sprang auf.

„Sie haben gerade gesagt, mein Bruder hätte uns nicht verlassen.“

„Er hat die Kinder nicht verlassen“, sagte Reuter. „Aber er hat etwas getan, das alles verändert hat.“

„Was?“

Reuter schloss kurz die Augen.

„Er hat herausgefunden, dass die Schwangerschaft nicht so verlaufen war, wie man ihm erzählt hatte.“

Lukas blickte auf die drei Schwestern.

„Ihr seid Drillinge. Aber die biologische Geschichte dahinter…“

Er brach ab.

„Was?“, fragte Anna.

Reuter sah sie an.

„Eure Mutter wollte, dass ihr drei zusammenbleibt. Um jeden Preis.“

Sophie schüttelte den Kopf.

„Das beantwortet nichts.“

„Nein“, sagte Reuter. „Aber es erklärt, warum jemand zweiundzwanzig Jahre lang verhindern wollte, dass ihr diese Akte findet.“

Plötzlich ertönte ein dumpfer Schlag aus dem Archiv.

Katharina fuhr herum.

„Da ist jemand.“

Lukas ging zur Tür.

Im selben Moment fiel die Tür hinter ihnen zu.

Lea rüttelte am Griff.

„Sie ist verriegelt!“

Anna begann panisch zu atmen.

„Wir sitzen fest.“

Reuter ging nicht zur Tür. Stattdessen griff er in seine Manteltasche und zog einen kleinen Schlüssel hervor.

Lukas starrte ihn an.

„Sie wussten, dass wir hierherkommen.“

Reuter sah ihn ruhig an.

„Ja.“

„Und Sie haben die rote Mappe hierhergebracht.“

„Nein.“

Er deutete auf die Mappe in Lukas' Händen.

„Die war schon hier.“

Lukas öffnete die nächste Seite.

Dort lag ein einzelnes Blatt.

Nur ein Satz.

Wenn Lukas diese Mappe findet, bedeutet das, dass die drei Mädchen endlich wissen, wer ihr wirklicher Vater ist.

Darunter stand ein Name.

Lukas las ihn.

Dann ließ er das Blatt langsam sinken.

„Das kann nicht sein.“

Lea nahm ihm das Dokument ab.

Sie las den Namen.

Ihr Gesicht erstarrte.

Denn dort stand nicht der Name ihres verstorbenen Vaters.

Dort stand:

Lukas Weber.

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