Unterhaltung

Mein Mann wollte mir bei der Scheidung alles nehmen – dann zog ich vor Gericht meinen Mantel aus

Ich starrte auf Daniels Gesicht.

„Was verschweigst du mir?“

Er antwortete nicht sofort.

Dieser eine Augenblick genügte.

Seit Beginn des Verfahrens hatte Daniel jede Frage ohne Zögern beantwortet. Er hatte mich durch die Ermittlungen geführt, Beweise gesichert und mir immer wieder versichert, dass Markus’ Einfluss nicht grenzenlos sei.

Jetzt wich er meinem Blick aus.

Eva bemerkte es ebenfalls.

„Herr Berger“, sagte sie ruhig. „Treten Sie bitte vom Laptop zurück.“

Daniel hob beide Hände.

„Eva, Sie machen einen Fehler.“


„Dann erklären Sie uns, warum Frau Weber gerade eine Warnung vor Ihnen erhalten hat.“

Ich zeigte ihm die Nachricht.

**Vertrau Daniel nicht.**

Sein Gesicht wurde blass.

„Woher kommt das?“

„Das wollte ich gerade dich fragen.“

„Ich weiß es nicht.“

„Aber du weißt etwas.“

Daniel atmete langsam aus.

Dann setzte er sich.


„Ja.“

Dieses eine Wort tat fast mehr weh als eine Lüge.

„Wie lange?“

„Iris, bitte hör erst zu.“

„Wie lange kennst du Katharina?“

Er schloss kurz die Augen.

„Seit acht Jahren.“

Mir wurde schwindelig.

Acht Jahre.

Ein Jahr vor ihrem angeblichen Tod.


Eva stellte sich zwischen Daniel und die Tür.

„Weiter.“

Daniel sah nur mich an.

„Katharina kam damals zu mir. Nicht als Mandantin. Sie suchte jemanden, der ihr erklären konnte, wie sie Beweise gegen Markus sichern konnte, ohne dass er davon erfuhr.“

„Und du hast mir sieben Jahre lang nichts gesagt?“

„Sie hat mich darum gebeten.“

Ich lachte bitter.

„Meine Schwester war angeblich tot.“

„Ich wusste nicht, wo sie war.“

„Aber du wusstest, dass sie möglicherweise lebte.“


„Ja.“

Die Antwort schnitt durch mich.

Ich trat einen Schritt zurück.

Plötzlich erschien mir jede Unterhaltung mit Daniel in einem anderen Licht.

Jede vorsichtige Formulierung.

Jede Frage nach Katharina.

Jeder Moment, in dem er mich gebeten hatte, geduldig zu sein.

„Warum sollte sie mir das antun?“

Daniel schluckte.

„Weil sie glaubte, dass Markus dich beobachten ließ.“


„Er hat mich beobachtet.“

„Nicht nur dich.“

Er deutete auf den Laptop.

„Die Helios Stiftung war größer, als Katharina zunächst dachte. Markus benutzte sie nicht nur, um Vermögenswerte und Patente zu verschieben. Über verbundene Firmen wurden Ärzte, Berater und technische Dienstleister bezahlt.“

Mein Blick fiel wieder auf die gefälschten medizinischen Unterlagen.

„Meine Ärzte.“

„Einige davon.“

Eva unterbrach ihn.

„Wo ist Frau Weber jetzt?“

„Ich weiß es nicht.“


„Und wann hatten Sie zuletzt Kontakt zu ihr?“

Daniel schwieg.

Eva wurde schärfer.

„Herr Berger.“

„Vor drei Jahren.“

Er griff langsam in seine Jackentasche.

Zwei Beamte reagierten sofort.

„Langsam.“

Daniel zog einen kleinen Schlüssel heraus und legte ihn auf den Tisch.

Daran hing ein Metallschild.


**214.**

„Katharina gab mir den Schlüssel mit der Anweisung, ihn Iris nur dann auszuhändigen, wenn Markus öffentlich die Kontrolle verliert.“

Ich nahm ihn nicht.

„Was öffnet er?“

„Ein Schließfach.“

„Wo?“

„Hauptbahnhof.“

Eva nahm den Schlüssel in einen Beweisbeutel.

„Dann fahren wir hin.“

Eine Stunde später standen wir in einem gesicherten Bereich des Bahnhofs.


Schließfach 214 war klein.

Darin befand sich keine Akte.

Kein Geld.

Keine Waffe.

Nur ein altes rotes Notizbuch und ein Mobiltelefon.

Ich erkannte das Buch sofort.

Katharina hatte es immer bei sich getragen.

Auf der ersten Seite stand in ihrer Handschrift:

**Falls Iris das liest, ist Markus endlich zu weit gegangen.**

Meine Augen brannten.


Ich blätterte weiter.

Katharina hatte alles dokumentiert.

Die gefälschten Patentübertragungen.

Zahlungen über Helios.

Manipulierte medizinische Studien.

Und Markus’ Versuch, einen Prototypen auf den Markt zu bringen, obwohl interne Tests schwere technische Fehler gezeigt hatten.

Dann fand ich meinen Namen.

**Iris darf nichts wissen. Noch nicht. Markus benutzt sie als Druckmittel gegen mich.**

Ich musste mich am Tisch festhalten.

Eine Seite später änderte sich Katharinas Handschrift.


Die Buchstaben waren hastiger.

**Daniel kennt nur einen Teil. Ich kann ihm nicht alles sagen. Es gibt einen Informanten in Markus’ Umfeld. Wenn Markus merkt, wer es ist, wird jemand sterben.**

Eva las über meine Schulter.

„Wer war der Informant?“

Auf der nächsten Seite fehlte ein Stück Papier.

Sauber herausgeschnitten.

Daniel schüttelte den Kopf.

„Das war damals nicht so.“

Ich drehte mich zu ihm.

„Du hast dieses Buch schon gesehen?“

„Nur die ersten Seiten. Katharina verschloss es selbst im Fach.“

Eva untersuchte die Schnittkante.

„Das wurde später entfernt.“

Dann vibrierte das alte Mobiltelefon.

Wir erstarrten.

Der Akku hätte nach Jahren längst leer sein müssen.

Doch das Gerät war eingeschaltet.

Eine neue Nachricht erschien.

**Iris?**

Meine Hände zitterten.

Ich tippte:

**Katharina?**

Drei Punkte erschienen.

Dann:

**Ja.**

Ich musste mich setzen.

**Wo bist du?**

Die Antwort kam sofort.

**Nicht sicher. Markus sucht mich.**

Ich schrieb:

**Warum hast du mich sieben Jahre glauben lassen, du wärst tot?**

Diesmal dauerte es länger.

**Weil du sonst wirklich gestorben wärst.**

Mir liefen Tränen über die Wangen.

Eva bedeutete mir weiterzuschreiben.

**Wer hat dir geholfen?**

Die drei Punkte erschienen.

Verschwanden.

Erschienen erneut.

Dann kam die Antwort:

**Laura.**

Ich las das Wort zweimal.

„Das kann nicht sein.“

Daniel trat näher.

„Was?“

Ich zeigte ihnen das Display.

Laura König.

Markus’ Geliebte.

Die Frau, die an seinem Arm in den Gerichtssaal gekommen war.

Die Frau, die mich bemitleidet hatte.

Eva griff sofort zum Telefon.

„Wir müssen zurück zum Gericht.“

Doch bevor sie jemanden erreichte, klingelte ihr eigenes Handy.

Sie nahm ab.

Ich sah, wie sich ihr Gesicht veränderte.

„Wann?“

Kurze Pause.

„Ist sie verletzt?“

Dann legte sie auf.

„Laura ist verschwunden.“

„Was?“

„Sie sollte zur Befragung gebracht werden. Der Wagen wurde vor zwanzig Minuten leer gefunden.“

Mein altes Telefon vibrierte erneut.

Eine Nachricht von Katharina.

**Markus glaubt, Laura habe ihn verraten.**

Dann eine zweite:

**Aber Laura ist nicht der Informant, vor dem ich ihn schützen musste.**

Ich tippte sofort:

**Wer dann?**

Diesmal kam keine Textnachricht.

Stattdessen erschien eine Datei.

Ein Foto.

Aufgenommen vor sieben Jahren.

Markus stand darauf vor seinem Büro.

Neben ihm Katharina.

Und zwischen ihnen ein Mann, dessen Gesicht ich sofort erkannte.

Daniel.

Doch das war nicht das Schlimmste.

Auf der Rückseite des eingescannten Fotos hatte Katharina einen Satz geschrieben:

**Wenn mir etwas passiert, frag Daniel, warum er Markus damals gewarnt hat.**

Ich hob langsam den Blick.

Daniel stand keine zwei Meter von mir entfernt.

„Iris“, sagte er.

Aber diesmal wich ich zurück.

„Du erklärst mir jetzt alles.“

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 6, um weiterzulesen.**

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