Unterhaltung

Mein Stiefvater Schlug Meine Zwillingsschwester Und Mich Jeden Tag – Bis Ein Arzt Die Tür Verriegelte Und Sofort Die Polizei Rief

Ich starrte so lange auf das Foto, dass die Gesichter darauf verschwammen. Mein Vater, jünger als in meiner Erinnerung, trug seinen dunkelgrauen Mantel und hielt eine schwarze Aktentasche in der linken Hand. Erik stand rechts von ihm, damals noch ohne die kleinen grauen Strähnen an den Schläfen. Und Lena Hartmann stand zwischen beiden. Nicht zufällig im Hintergrund. Nicht als Fremde, die gerade vorbeiging. Sie sah direkt in die Kamera.

„Frida?“ Klara berührte meinen Arm. „Was ist los?“

Ich drehte das Display zu ihr. Ihr Gesicht veränderte sich sofort.

„Das ist Papa.“

„Ja.“

„Und Erik.“

Ich nickte.

Klara sah zur Tür. „Und Hartmann.“

Genau in diesem Moment bewegte sich draußen ein Schatten. Ich sperrte das Display und schob das Krankenhaus-Handy unter meine Decke. Sekunden später trat Hauptkommissarin Hartmann herein.

„Wir müssen über eure Mutter sprechen.“


Ich beobachtete jedes Detail an ihr. Ihre Hände. Ihre Stimme. Die Art, wie sie uns ansah. Vor wenigen Minuten hatte ich mich in ihrer Gegenwart zum ersten Mal seit Jahren sicher gefühlt. Jetzt fragte ich mich, ob dieses Gefühl nur eine weitere Falle gewesen war.

„Wo ist sie?“, fragte Klara.

„Verschwunden.“

„Wie kann jemand aus einem Krankenhaus verschwinden, während die Polizei hier ist?“

Hartmann verzog keine Miene. „Sie war zu diesem Zeitpunkt nicht festgenommen.“

„Aber sie ist Zeugin.“

„Und möglicherweise selbst ein Opfer.“

Ich musste an die Nachricht denken.

**Vertraue niemandem. Auch nicht der Polizei.**

„Kannten Sie unseren Vater?“, fragte ich.


Hartmann erstarrte.

Nur für einen Augenblick.

Aber ich sah es.

„Warum fragst du das?“

„Beantworten Sie einfach die Frage.“

Sie setzte sich langsam. „Ja.“

Klara sog hörbar Luft ein.

„Sie haben uns vorhin nichts davon erzählt.“

„Weil es für das, was euch heute Nacht passiert ist, zunächst keine Rolle spielte.“

„Und Erik?“, fragte ich. „Kannten Sie Erik damals auch?“


Hartmann schwieg.

Damit hatte ich meine Antwort.

Sie schloss die Tür und zog den Stuhl näher heran. „Euer Vater arbeitete vor ungefähr elf Jahren an einem Fall. Ich war damals noch bei der Kriminalpolizei in Frankfurt. David Wagner hatte Unregelmäßigkeiten in mehreren Firmen entdeckt. Briefkastenunternehmen, gefälschte Rechnungen, verschwundene Gelder. Erik Kaiser war damals Finanzberater bei einer der Firmen.“

Mir wurde kalt.

„Papa hat gegen ihn ermittelt?“

„Nicht direkt. Zumindest nicht offiziell.“

„Was bedeutet das?“

Hartmann sah zur Tür, bevor sie leiser weitersprach. „Der Fall wurde eingestellt. Ein wichtiger Zeuge zog seine Aussage zurück, Unterlagen verschwanden und euer Vater erklärte plötzlich, dass seine ursprünglichen Berechnungen möglicherweise fehlerhaft gewesen seien.“

„Papa hätte das niemals getan“, sagte Klara sofort.

„Das dachte ich auch.“


Ich erinnerte mich an den Ordner.

**DW – FALL KAISER.**

„Wann starb unser Vater?“

Hartmann sah mich an.

„Acht Monate später.“

Im Zimmer war plötzlich nur noch das Summen der Neonbeleuchtung zu hören.

Offiziell war Papa bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nasse Straße. Zu hohe Geschwindigkeit. Kontrollverlust. Das hatte man uns erzählt. Ich war sechs gewesen und erinnerte mich hauptsächlich an den Geruch von Kaffee bei der Beerdigung und daran, wie Klara meine Hand so fest gehalten hatte, dass unsere Finger schmerzten.

„Glauben Sie, Erik hatte etwas mit Papas Tod zu tun?“, fragte Klara.

„Ich habe keine Beweise dafür.“

„Aber Sie haben es vermutet.“


Hartmann antwortete nicht.

Ich zog das Telefon unter der Decke hervor.

„Dann erklären Sie mir das.“

Ich zeigte ihr das Foto.

Ihre Reaktion war anders, als ich erwartet hatte. Nicht Angst.

Schmerz.

„Woher hast du das?“

„Unbekannte Nummer.“

Sie griff nicht nach dem Telefon. „Was wurde noch geschickt?“

Ich zeigte ihr die Nachrichten.


Als sie den Buchstaben M sah, presste sie die Lippen zusammen.

„Sie wissen, wer das ist“, sagte ich.

„Ich habe eine Vermutung.“

„Wer?“

„Euer Onkel Andreas hatte früher einen Geschäftspartner namens Matthias Dorn.“

Der Name sagte mir nichts.

„Was hat er mit Papa zu tun?“

„Mehr, als euch gefallen wird.“

Hartmann stand auf. „Ich muss überprüfen, ob die Nummer zurückverfolgt werden kann.“

„Nein.“


Sie blieb stehen.

„Das Handy bleibt bei mir.“

„Frida, wenn jemand Kontakt mit dir aufnimmt—“

„Dann entscheide ich diesmal selbst, wem ich vertraue.“

Hartmann betrachtete mich lange. Schließlich nickte sie.

„Das kann ich dir nicht verdenken.“

Als sie gegangen war, flüsterte Klara: „Glaubst du ihr?“

„Teilweise.“

„Und Mama?“

Darauf hatte ich keine Antwort.


Kurz vor vier Uhr morgens erhielten wir eine weitere Nachricht. Diesmal kam sie nicht von M.

Sie kam von unserer Mutter.

**Es tut mir leid. Ich hätte euch viel früher die Wahrheit sagen müssen. Ich habe das Handy genommen. Erik darf die letzte Aufnahme nicht hören.**

Darunter befand sich eine Audiodatei.

Klara und ich sahen uns an.

Ich setzte die Lautstärke fast ganz herunter und drückte auf Wiedergabe.

Zuerst hörten wir nur Rauschen. Dann Eriks Stimme aus unserem Wohnzimmer. Die Aufnahme musste vom Abend zuvor stammen.

„Noch vier Monate“, sagte er.

Eine zweite Stimme antwortete.

Männlich.


Unbekannt.

„Dann werden die Zwillinge achtzehn.“

„Ich weiß.“

„Wenn David ihnen wirklich den Zugang hinterlassen hat, finden sie das Konto.“

Eine Pause.

Dann Erik: „Deshalb brauche ich beide Unterschriften vorher.“

„Und Brigitte?“

Erik lachte leise.

„Brigitte macht, was sie seit elf Jahren macht.“

Mein Herz schlug gegen meine Rippen.


Dann sagte der unbekannte Mann einen Satz, der mir den Atem nahm.

„Sie hat damals schließlich auch Davids Autoschlüssel ausgetauscht.“

Die Aufnahme endete.

Klara wurde kreidebleich.

„Was bedeutet das?“

Ich konnte nicht antworten.

Denn in diesem Augenblick erschien unter der Audiodatei eine weitere Nachricht unserer Mutter.

**Wenn ihr wissen wollt, warum euer Vater wirklich gestorben ist, fragt Andreas, warum er elf Jahre lang im Ausland geblieben ist.**

Wenige Sekunden später klingelte das Telefon.

Auf dem Display stand ein Name, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte.

**Onkel Andreas.**

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