Unterhaltung

Mein Stiefvater Schlug Meine Zwillingsschwester Und Mich Jeden Tag – Bis Ein Arzt Die Tür Verriegelte Und Sofort Die Polizei Rief

Für einige Sekunden konnte ich nur auf den Namen unter dem Foto starren. Dr. Markus Köhler. Matthias Dorn. Zwei Namen für denselben Mann. Und plötzlich bekam jede Bewegung der vergangenen Nacht eine andere Bedeutung: die Art, wie er unsere nahezu identischen Verletzungen betrachtet hatte, sein sofortiger Entschluss, die Tür zu verriegeln, sogar dieser kurze Blick, den er Erik zugeworfen hatte. Ich hatte ihn für den Blick eines erfahrenen Arztes gehalten, der einen Täter erkannte. Vielleicht hatte er aber einen Mann wiedererkannt, vor dem er selbst seit siebzehn Jahren davonlief.

„Wo ist Köhler jetzt?“, fragte ich.

Hartmann griff sofort nach ihrem Funkgerät. „Er hätte noch Dienst haben müssen.“

Die Antwort kam wenige Sekunden später. Dr. Köhler hatte die Klinik vor siebenundzwanzig Minuten verlassen. Angeblich wegen eines familiären Notfalls.

„Natürlich“, murmelte Klara.

Hartmann ging zur Tür.

„Sie bleiben hier.“

„Nein“, sagte ich.

Sie drehte sich um.

„Frida—“


„Seit gestern sagen uns Erwachsene, wir sollen irgendwo bleiben und warten, während jeder von euch einen anderen Teil der Wahrheit versteckt. Damit ist Schluss.“

„Das hier ist keine Familienangelegenheit mehr.“

„Das war es nie.“

Hartmann hielt meinem Blick stand, dann senkte sie die Stimme. „Matthias Dorn war Davids wichtigste Quelle. Wenn Köhler tatsächlich Dorn ist, hat er siebzehn Jahre unter falscher Identität gelebt. Das bedeutet, dass Menschen sehr viel getan haben, um ihn verschwinden zu lassen.“

„Und Papa half ihm dabei.“

„Offenbar.“

Klara zog die Knie an. „Warum hat er uns dann gestern nicht gesagt, wer er ist?“

Diese Frage ließ auch Hartmann verstummen.

Eine halbe Stunde später kam sie zurück. Köhlers Wohnung war leer. Sein Auto stand jedoch noch in der Tiefgarage des Krankenhauses.

Er war also nicht gefahren.


Er hatte sich irgendwohin bringen lassen.

Kurz darauf brachte eine Beamtin die Speicherkarte aus Papas Umschlag zurück. Hartmann hatte zugestimmt, sie in unserer Anwesenheit auf einem isolierten Laptop auszulesen.

Darauf befand sich nur eine Datei.

Eine Tabelle.

Hunderte Überweisungen, Firmennamen und Kontonummern. Viele waren rot markiert. Eine Spalte trug die Überschrift Begünstigte.

Klara las die Namen leise vor.

Dann stoppte sie.

„Lena Hartmann.“

Ich sah zur Kommissarin.

Ihr Name stand dort neben einer Zahlung über 48.000 Euro.


Hartmann wurde blass.

„Das ist nicht möglich.“

„Sie stehen da“, sagte ich.

„Ich habe niemals Geld von diesen Firmen erhalten.“

„Dann beweisen Sie es.“

Sie trat näher an den Bildschirm. Neben ihrem Namen stand ein Datum.

18. Juni 2009.

Einen Tag nachdem Matthias Dorn offiziell gestorben war.

Hartmann setzte sich.

Zum ersten Mal wirkte sie nicht wie eine Polizistin.


„An diesem Tag bekam ich 48.000 Euro.“

Klara wich zurück.

„Sie haben gerade gesagt—“

„Von meinem Vater.“

Hartmann schluckte. „Er starb drei Wochen später. Ich hielt es für mein Erbe.“

„Und wenn es keines war?“

Hartmann antwortete nicht.

Ich scrollte weiter.

Noch ein Name.

**Andreas Wagner – 120.000 Euro.**


Dann:

**Brigitte Wagner – 75.000 Euro.**

Meine Hände wurden kalt.

Fast jeder Erwachsene, dem wir vertrauen sollten, stand in dieser Tabelle.

Nur Erik nicht.

„Warum fehlt Erik?“, fragte Klara.

Hartmann beugte sich vor.

Ich scrollte bis ans Ende.

Dort befand sich eine letzte Zeile.

Kein Personenname.


Nur eine Firma.

**Kaiser Treuhand Beratung GmbH – 2.400.000 Euro.**

Status: nicht ausgeführt.

Darunter stand eine Notiz unseres Vaters:

**Zahlung blockiert. Empfänger ist nicht E.K. Auftraggeber identifizieren.**

Erik war also möglicherweise nicht derjenige gewesen, der das Netzwerk kontrollierte.

Er arbeitete für jemanden.

In diesem Moment klingelte das Telefon im Zimmer.

Nicht mein Handy.

Das Festnetz.


Hartmann nahm ab.

„Hartmann.“

Sie hörte zu.

Ihr Gesicht veränderte sich.

„Wann?“

Noch eine Pause.

Dann legte sie auf.

„Erik Kaiser ist nicht mehr im Polizeigewahrsam.“

Klara wurde kreidebleich.

„Was bedeutet nicht mehr?“


„Während seiner Verlegung behauptete er, Brustschmerzen zu haben. Der Transport wurde gestoppt. Jemand mit gefälschten Rettungsdienstpapieren übernahm ihn.“

„Er ist geflohen?“

„Jemand hat ihn herausgeholt.“

Mein Telefon vibrierte.

Unbekannte Nummer.

Ein Video.

Ich öffnete es.

Dr. Köhler saß in einem dunklen Raum auf einem Stuhl. Seine Hände waren nicht sichtbar. Hinter ihm stand Erik.

Aber Erik lächelte nicht.

Er sah selbst verängstigt aus.


Dann trat eine dritte Person ins Bild.

Eine Frau.

Nur ihre Hand war zunächst zu sehen. Sie legte einen Gegenstand auf den Tisch.

Das alte Handy.

„Ihr habt bis Mitternacht“, sagte ihre Stimme. „Bringt den Halbmond und Davids Speicherkarte.“

Ich kannte diese Stimme.

Klara ebenfalls.

Wir sahen gleichzeitig zu Hartmann.

Denn die Frau im Video trat jetzt vollständig ins Licht.

Es war unsere Mutter.


Brigitte sah direkt in die Kamera.

„Und bevor ihr glaubt, Erik sei derjenige, vor dem ihr euch fürchten müsst“, sagte sie ruhig, „fragt ihn, wer ihm vor elf Jahren befohlen hat, David Wagner zu beobachten.“

Erik hob langsam den Kopf.

Dann sagte er einen Namen.

„Andreas.“

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