Unterhaltung

Der Mafiaboss Stürmte Bewaffnet Ins Krankenhaus – Doch Eine Blutende Reinigungskraft Beschützte Seinen Sohn Vor Den Killern

Elena bewegte sich nicht. Ihr Gesicht hatte jede Farbe verloren, während Klara nur wenige Schritte entfernt stand, lebendig, älter als auf den Bildern, aber unverkennbar dieselbe Frau, deren Grab wir vor weniger als einer Stunde besucht hatten. Elf Jahre Trauer lagen plötzlich wie eine Lüge zwischen ihnen. Ich zog meine Waffe. Klara reagierte kaum. Sie hob nur langsam beide Hände.

„Wenn ich dich töten wollte, Gabriel, wärst du nicht bis hierher gekommen.“

„Das sagen erstaunlich viele Menschen kurz bevor sie sterben.“

„Gabriel“, sagte Elena heiser.

Nicht aus Sorge um Klara. Sie brauchte Antworten.

Ich ließ die Pistole sinken, steckte sie aber nicht weg.

Elena machte einen Schritt vor.

„Ich habe dich beerdigt.“

Klaras Gesicht brach beinahe auseinander.

„Ich weiß.“

„Ich habe vor deinem Sarg gestanden.“

„Er war leer.“

„Warum?“

„Weil Menschen mich gesucht haben.“

Elena schlug ihr ins Gesicht.

Der Knall hallte durch den schmalen Raum.

Klara nahm ihn hin.

„Das war für elf Jahre“, flüsterte Elena.

Tränen liefen über Klaras Wangen.

„Du hättest mehr verdient.“

„Hör auf, so zu reden, als wärst du mein Opfer.“

Margarete stand hinter uns wie versteinert.

Klara bemerkte sie.

„Du bist also noch bei den Morettis.“

„Und du bist noch immer eine Lügnerin.“

Klara lächelte traurig.

„Dann sind wir wenigstens beide konsequent geblieben.“

„Genug“, sagte ich. „Orpheus. Daniel. Jetzt.“

Klara sah mich lange an.

„Daniel war nie das eigentliche Ziel.“

„Man hat gerade zweimal versucht, meinen Sohn zu töten.“

„Weil das Projekt außer Kontrolle geraten ist.“

„Wer kontrolliert es?“

Sie schwieg.

Ich hob die Pistole.

„Ein Name.“

„Wenn ich ihn dir gebe, wirst du sofort losziehen und ihn töten.“

„Das klingt nach einem Problem für ihn.“

„Und dann wirst du nie erfahren, wie du Daniel retten kannst.“

Das stoppte mich.

Klara griff langsam in ihren Mantel.

Ich richtete die Waffe auf ihre Brust.

„Langsam.“

Sie zog einen kleinen Datenträger hervor.

„Darauf sind die ursprünglichen Orpheus-Protokolle. Vittorio Bellandi glaubte, Elenas genetische Besonderheit könne bestimmte toxische Stoffwechselreaktionen neutralisieren. Er wollte daraus eine Therapie entwickeln.“

Elena starrte sie an.

„Du hast an mir experimentiert.“

„Ja.“

Keine Ausrede.

Keine Beschönigung.

Das machte die Antwort fast schlimmer.

„Wie alt war ich?“

„Vier.“

Elena schloss die Augen.

„Und Sofia?“

„Sie wusste zunächst nichts davon. Als sie es herausfand, wollte sie dich zurückholen. Vittorio verhinderte es.“

„Und du hast mich mitgenommen.“

„Auf seinen Befehl.“

„Warum hast du mich dann großgezogen?“

Klaras Stimme wurde leiser.

„Weil ich irgendwann begriff, dass du für ihn kein Kind warst. Nur Material.“

Elena lachte bitter.

„Wie edel.“

„Nein. Zu spät.“

Ich nahm Klara den Datenträger ab.

„Daniel.“

„Daniel erbte dieselbe Variante. Als Adler sie bei einer Routineuntersuchung entdeckte, wurde Orpheus reaktiviert.“

„Wer gab den Befehl?“

Wieder dieses Zögern.

Dann sagte Klara:

„Sofia.“

Ich trat so schnell auf sie zu, dass Elena zwischen uns sprang.

„Meine Frau war tot.“

„Nicht als Orpheus reaktiviert wurde.“

Margarete schüttelte den Kopf.

„Das ist eine Lüge.“

„Nein. Sofia wollte Daniel nicht krank machen. Sie glaubte, sie könne Orpheus von innen zerstören. Sie ließ Adler glauben, sie würde kooperieren.“

„Dann warum starb sie?“

Klara sah Margarete an.

„Weil jemand sie verraten hat.“

Margarete wurde bleich.

„Sag es nicht.“

„Du hast Gabriel sechs Jahre lang glauben lassen, Sofia sei bei einem Unfall gestorben.“

Ich drehte mich zu Margarete.

„Was meint sie?“

„Gabriel…“

„Was meint sie?“

Margaretes Lippen bebten.

„Sofia hatte keinen Unfall.“

Ich fühlte nichts.

Noch nicht.

„Wie starb sie?“

„Sie wurde vergiftet.“

Elena setzte sich langsam.

„Mit derselben Substanz wie Daniel?“

Margarete nickte.

Der Raum wurde still.

„Wer?“, fragte ich.

Margarete begann zu weinen.

„Ich weiß es nicht.“

Klara lachte bitter.

„Doch.“

„Halt den Mund.“

„Du warst dort.“

Ich packte Margarete an den Schultern.

„Wo?“

„In Mailand.“

Das Hotelbild.

Sofia und die Frau mit Klaras Ring.

Ich sah zu Klara.

„Das warst du.“

Sie nickte.

„Sofia traf mich, weil sie Elena sehen wollte. Wir hatten Beweise gesammelt. Sie wollte dir alles erzählen.“

„Warum tat sie es nicht?“

Klara blickte direkt zu Margarete.

„Weil Margarete sie überzeugt hat, noch eine Nacht zu warten.“

Ich ließ Margarete los.

Sie sank auf den Stuhl.

„Ich wollte Daniel schützen.“

„Vor wem?“

Sie antwortete nicht.

Mein Telefon klingelte.

Vincent.

„Gabriel, du musst zurückkommen.“

„Daniel?“

„Stabil. Aber wir haben etwas gefunden.“

„Was?“

„Adlers Daten enthalten eine Liste mit Zahlungen. Jemand hat ihn seit sechs Jahren bezahlt.“

„Name.“

„Kein Name. Eine Firma.“

„Welche?“

Vincent nannte sie.

Ich kannte sie.

Moretti Sicherheit und Logistik GmbH.

Meine Firma.

„Das ist unmöglich.“

„Die Zahlungen wurden mit deiner digitalen Freigabe bestätigt.“

Wieder meine Unterschrift.

Wieder mein Unternehmen.

Jemand benutzte mein Imperium gegen meinen Sohn.

„Wer hatte Zugriff?“

Vincent schwieg.

„Vincent.“

„Außer dir? Drei Personen.“

„Namen.“

„Ich. Dein damaliger Finanzchef. Und…“

Er verstummte.

Ich wusste die Antwort, bevor er sie aussprach.

„Meine Schwester.“

„Ja.“

Isabella.

Meine einzige Schwester.

Daniels Patentante.

Die dritte Person, die meine private Telefonnummer kannte.

Ich sah Margarete an.

Ihr Gesicht bestätigte es.

„Du wusstest es.“

„Ich hatte Angst.“

„Vor Isabella?“

Margarete flüsterte:

„Nicht vor ihr.“

„Vor wem dann?“

Bevor sie antworten konnte, vibrierte mein Handy erneut.

Eine Nachricht von Isabella.

Nur ein Foto.

Daniel schlief in seinem Krankenhausbett.

Neben ihm saß Isabella und hielt seine Hand.

Darunter stand:

Komm allein zurück. Wir müssen endlich über Sofia sprechen.

Ich wollte bereits gehen, als Klara sagte:

„Gabriel.“

Ich drehte mich um.

Sie sah auf das Foto.

„Sie trägt eine Halskette.“

Ich vergrößerte das Bild.

Um Isabellas Hals hing ein kleines goldenes Symbol.

Ein Kreis, durchzogen von drei Linien.

Dasselbe Symbol, das auf jeder Orpheus-Akte stand.

Elena flüsterte:

„Sie gehört zu ihnen.“

Klara schüttelte langsam den Kopf.

„Nein.“

Ihre Augen blieben auf Isabella gerichtet.

„Sie gehört nicht zu Orpheus.“

Eine Pause.

„Orpheus gehört ihr.“

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