Unterhaltung

Der Millionär Schwor, Nur Die Frau Zu Heiraten, Die Sein Sohn Auswählte – Dann Nahm Der Junge Die Hand Einer Alleinerziehenden Mutter Und Enthüllte Das Letzte Geheimnis Seiner Toten Mutter

Mara starrte auf das Foto ihrer Tochter, als hätte sich der Rest des Raumes aufgelöst.

„Sophie.“

Der Name kam kaum hörbar über ihre Lippen.

Dann war jede Unsicherheit verschwunden. Sie griff nach ihrer Tasche, riss sie vom Stuhl und ging zur Tür.

Alexander stellte sich ihr nicht in den Weg.

„Ich komme mit.“

„Nein.“

„Mara—“

„Das ist meine Tochter.“

„Genau deshalb.“

Sie blieb stehen.

„Sie verstehen das nicht.“

„Doch.“

Alexander blickte kurz zu Leonhard.

„Mehr, als mir lieb ist.“

Mara sah ihn an. Wut, Angst und Misstrauen kämpften in ihrem Gesicht miteinander.

„Das Foto kann vor fünf Minuten aufgenommen worden sein.“

„Dann verlieren wir keine weitere Minute.“

Alexander nahm sein Telefon heraus und rief seinen Sicherheitschef an.

„Henrik, ich brauche sofort zwei Leute an einer Adresse.“

Mara nannte widerwillig Straße und Hausnummer.

„Keine Aufmerksamkeit. Niemand spricht Sophie an, solange Mara nicht dort ist. Prüft nur, ob jemand das Gebäude beobachtet.“

Er beendete den Anruf.

Denise stand noch immer neben dem Schreibtisch.

„Wenn diese Nachricht mit dem Schließfach zusammenhängt, weiß jemand, dass wir den Schlüssel haben.“

Alexander sah sie an.

„Oder jemand weiß, dass du ihn ein Jahr lang hattest.“

Denise wurde still.

Mara hob den Blick.

„Wer wusste davon?“

„Niemand.“

„Katharina wusste es.“

„Katharina ist tot.“

Der Satz hing schwer zwischen ihnen.

Leonhard senkte den Kopf.

Alexander schloss kurz die Augen.

„Wir fahren zu Sophie.“

Er wandte sich an seinen Sohn.

„Du bleibst hier.“

„Nein.“

„Leonhard.“

„Wenn jemand Sophie beobachtet, kann er auch mich beobachten.“

Alexander hatte keine Antwort darauf.

Am Ende blieb Leonhard nicht allein, sondern bei Jonas und zwei Sicherheitsleuten in der Villa. Erst nachdem Alexander ihm versprochen hatte, sofort anzurufen, stieg er mit Mara ins Auto.

Denise wollte mitkommen.

Alexander ließ es nicht zu.

Während der Fahrt nach Eimsbüttel saß Mara steif auf dem Beifahrersitz und versuchte immer wieder, Sophie anzurufen.

Beim vierten Versuch ging jemand ran.

„Mama?“

Mara schloss die Augen.

„Sophie. Wo bist du?“

„Zu Hause. Frau Neumann macht Nudeln.“

Mara atmete zum ersten Mal wieder richtig.

„Ist alles okay?“

„Ja. Warum?“

„Hat dich jemand angesprochen?“

Kurze Pause.

„Nein.“

„Hat dich jemand fotografiert?“

„Was?“

Mara bemerkte Alexanders Blick und änderte sofort den Ton.

„Schon gut. Ich komme gleich.“

Als sie auflegte, zitterten ihre Hände.

„Sie ist sicher“, sagte Alexander.

„Für den Moment.“

Zwölf Minuten später hielten sie vor einem unscheinbaren Mehrfamilienhaus. Einer von Alexanders Sicherheitsleuten wartete auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

„Keine auffälligen Personen“, berichtete er. „Aber die Aufnahme wurde vermutlich vom Gebäude gegenüber gemacht.“

Mara wurde blass.

Alexander sah hinauf.

Jemand hatte Sophie nicht zufällig fotografiert.

Jemand hatte gewartet.

In der Wohnung rannte das Mädchen ihrer Mutter entgegen. Sophie war klein für ihr Alter, mit braunen Haaren und einem ernsten Gesicht, das sich sofort entspannte, als Mara sie umarmte.

Alexander blieb an der Tür.

Er hatte plötzlich das Gefühl, in etwas sehr Privates eingedrungen zu sein.

Dann bemerkte Sophie ihn.

„Wer ist das?“

Mara zögerte.

„Alexander.“

Sophie musterte seinen Mantel, seine Schuhe und schließlich sein Gesicht.

„Der reiche Mann?“

Mara schloss die Augen.

„Sophie.“

„Was denn? Du hast gesagt, du arbeitest heute bei einem reichen Mann.“

Alexander musste trotz allem beinahe lächeln.

„Das dürfte ich sein.“

Sophie nickte, als wäre die Angelegenheit damit erledigt.

Dann wurde sie plötzlich nachdenklich.

„Mama, eine Frau hat heute nach dir gefragt.“

Mara erstarrte.

„Welche Frau?“

„Vor der Schule.“

Alexander trat näher.

„Wie sah sie aus?“

Sophie zuckte mit den Schultern.

„Älter. Graue Haare. Sie wusste meinen Namen.“

Mara kniete sich hin.

„Was hat sie gesagt?“

„Nur ob du noch in der Bäckerei arbeitest.“

„Und was hast du geantwortet?“

„Dass du überall arbeitest.“

Trotz der Angst huschte etwas Schmerzhaftes über Maras Gesicht.

Alexander verstand plötzlich mehr über sie als aus allen bisherigen Gesprächen.

Sie arbeitete nicht als Servicekraft, weil sie nichts anderes konnte.

Sie tat es, weil sie musste.

„Hat die Frau dir etwas gegeben?“

Sophie dachte nach.

Dann lief sie zu ihrem Schulranzen.

„Das hier.“

Sie zog einen zusammengefalteten Zettel heraus.

Mara nahm ihn.

Darauf stand eine Adresse in Hamburg-Harvestehude und darunter:

18:30 Uhr. Allein. Wenn du wissen willst, was Katharina wirklich gefunden hat.

Alexander sah auf seine Uhr.

17:52 Uhr.

„Sie gehen da nicht allein hin.“

Mara lachte fassungslos.

„Nachdem jemand meine Tochter fotografiert hat, glauben Sie wirklich, ich gehe überhaupt irgendwohin?“

„Wenn wir nicht gehen, verschwindet vielleicht unsere einzige Spur.“

„Unsere?“

Mara stand auf.

„Das ist genau das Problem. Für Sie ist das eine Spur. Für mich ist das Sophie.“

Alexander wollte widersprechen.

Dann sah er das Mädchen.

Und schwieg.

Eine halbe Stunde später war Sophie bei Frau Neumann, die Wohnung wurde überwacht, und Alexander saß mit Mara zwei Straßen von der angegebenen Adresse entfernt im Wagen.

Mara hatte schließlich selbst entschieden zu fahren.

Nicht weil Alexander sie überzeugt hatte.

Sondern weil sie sagte:

„Ich will wissen, wer den Namen meiner Tochter kennt.“

Das Haus war eine alte Stadtvilla hinter hohen Hecken.

18:29 Uhr.

„Ich gehe hinein“, sagte Mara.

„Wir gehen hinein.“

„Auf dem Zettel steht allein.“

Alexander zeigte auf sein Telefon.

„Meine Leute bleiben draußen. Ich bleibe bei Ihnen.“

„Sie können nicht immer alles kontrollieren.“

„Das versuche ich seit einem Jahr nicht mehr.“

Mara sah ihn kurz an.

Dann stiegen sie aus.

Die Haustür war nicht verschlossen.

Im Inneren roch es nach Staub und altem Holz. Keine Möbel. Keine Stimmen.

„Hallo?“

Keine Antwort.

Sie gingen durch einen schmalen Flur.

Im hinteren Zimmer stand nur ein Tisch.

Darauf lag ein brauner Aktenordner.

Mara blieb stehen.

Alexander öffnete ihn.

Die ersten Seiten enthielten Kopien der Überweisungen, die sie bereits kannten. Danach kamen Verträge, Kontoauszüge und mehrere Fotos.

Auf einem davon stand Katharina vor dem Hamburger Hauptbahnhof.

Neben ihr ein Mann, dessen Gesicht nur teilweise zu erkennen war.

Alexander blätterte weiter.

Dann stoppte er.

Eine Kopie von Katharinas Unfallbericht.

Jemand hatte eine Passage gelb markiert:

Bremssystem ohne technischen Defekt.

Darunter stand handschriftlich:

Dann such an der falschen Stelle.

Mara flüsterte:

„Was soll das bedeuten?“

Alexander blätterte um.

Auf der nächsten Seite befand sich ein Werkstattbericht ihres Wagens.

Datiert zwei Tage vor dem Unfall.

Ein Bauteil war ausgetauscht worden.

Nicht die Bremsen.

Der GPS-Tracker.

Alexander spürte, wie sein Magen sich zusammenzog.

Katharinas Auto war also kurz vor ihrem Tod mit einem neuen Ortungssystem ausgestattet worden.

„Wer hat das beauftragt?“, fragte Mara.

Alexander suchte die Unterschrift.

Unten stand:

Auftraggeber: Stein Familienverwaltung.

Darunter ein Name.

Alexander las ihn zweimal.

Dr. Friedrich von Stein.

Sein Vater.

„Das kann nicht sein.“

Mara blickte ihn an.

Alexander kannte diesen Namen besser als seinen eigenen.

Friedrich von Stein hatte das Familienunternehmen aufgebaut. Er hatte Alexander beigebracht, niemals Verträge zu unterschreiben, die er nicht gelesen hatte, niemals Menschen zu vertrauen, die zu schnell zustimmten, und niemals Schwäche vor Fremden zu zeigen.

Und er war sechs Monate vor Katharina gestorben.

„Ihr Vater?“

Alexander nickte langsam.

Dann hörten sie hinter sich ein Geräusch.

Die Tür.

Alexander drehte sich um.

Eine ältere Frau stand im Eingang.

Graues Haar.

Dunkler Mantel.

Mara erkannte sie offenbar sofort aus Sophies Beschreibung.

„Sie waren an der Schule meiner Tochter.“

Die Frau hob beide Hände.

„Ich wollte dem Mädchen nichts tun.“

„Wer sind Sie?“

Die Frau sah nicht Mara an.

Sie sah Alexander an.

Und plötzlich standen Tränen in ihren Augen.

„Mein Name ist Helene Krüger.“

Alexander kannte sie nicht.

Doch Helene sagte:

„Ich war siebenundzwanzig Jahre lang die persönliche Sekretärin Ihres Vaters.“

Alexander sah auf den Werkstattbericht.

„Hat mein Vater Katharina überwachen lassen?“

Helene antwortete nicht sofort.

„Ihr Vater hat den Tracker nicht einbauen lassen, um Katharina zu beobachten.“

„Warum dann?“

Helene trat in den Raum und schloss die Tür.

„Weil Katharina ihn darum gebeten hatte.“

Mara und Alexander sahen einander an.

„Warum sollte sie das tun?“

Helene nahm ein altes Mobiltelefon aus ihrer Manteltasche.

„Weil sie bereits wusste, dass jemand ihre Bewegungen verfolgte.“

Alexander spürte Kälte im Nacken.

„Wer?“

„Das versuchte Ihr Vater herauszufinden.“

Helene legte das Telefon auf den Tisch.

„Friedrich und Katharina haben fast ein Jahr lang gemeinsam ermittelt.“

Alexander konnte kaum glauben, was er hörte.

Sein Vater und seine Frau.

Hinter seinem Rücken.

„Warum wusste ich nichts davon?“

Helenes Blick wurde traurig.

„Weil Sie der wichtigste Teil des Problems waren.“

Alexander erstarrte.

„Was soll das heißen?“

Helene aktivierte das alte Telefon.

Auf dem Bildschirm erschien ein Foto.

Alexander beugte sich näher.

Es zeigte ihn selbst.

Vor einem Notariat.

Aufgenommen drei Jahre zuvor.

Neben ihm stand ein Mann, dessen Gesicht diesmal deutlich zu erkennen war.

Alexander kannte ihn.

„Das ist unmöglich.“

Mara blickte zwischen ihm und dem Foto hin und her.

„Wer ist das?“

Alexander brachte den Namen nur schwer heraus.

„Matthias Kern. Mein damaliger Finanzvorstand.“

Helene nickte.

„Der Mann, der sämtliche verdächtigen Firmen gegründet hat.“

Alexander sah sie an.

„Matthias ist seit vier Jahren tot.“

Helene schwieg.

Dann entsperrte sie das Telefon und öffnete eine Aufnahme.

Das Datum darunter war von gestern.

Darauf war derselbe Mann zu sehen.

Älter.

Mit grauem Bart.

Aber unverkennbar Matthias Kern.

Lebendig.

Und neben ihm stand Denise.

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