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Der Millionär Schwor, Nur Die Frau Zu Heiraten, Die Sein Sohn Auswählte – Dann Nahm Der Junge Die Hand Einer Alleinerziehenden Mutter Und Enthüllte Das Letzte Geheimnis Seiner Toten Mutter

Alexander hatte sich oft vorgestellt, was er seinem Vater noch sagen würde, wenn er nur fünf Minuten mit ihm bekäme.

Nach Friedrichs Beerdigung hatte er nachts manchmal allein im Arbeitszimmer gesessen und in Gedanken ganze Gespräche geführt. Er hatte ihm von Leonhard erzählt. Von Katharinas Schlaflosigkeit. Von den Problemen im Unternehmen. Später, nach ihrem Tod, hatte er ihm sogar stumm vorgeworfen, ihn allein gelassen zu haben.

Nun stand Friedrich drei Meter vor ihm.

Lebendig.

Und Alexander fand kein einziges der Worte wieder.

„Du bist tot.“

Friedrichs Gesicht verzog sich kaum.

„Offiziell.“

Alexander ging auf ihn zu.

„Ich habe dich beerdigt.“

„Ich weiß.“

„Ich habe an deinem Grab gestanden.“

„Alexander—“

„Leonhard hat an deinem Grab gestanden!“

Jetzt brach seine Stimme.

„Dein Enkel hat monatelang gefragt, warum Opa einfach eingeschlafen ist und nicht wiederkommt.“

Friedrich senkte den Blick.

„Das war nicht geplant.“

Alexander lachte bitter.

„Deine Beerdigung war nicht geplant?“

„Mein Verschwinden.“

„Nenn es nicht Verschwinden.“

Alexander trat so nah an ihn heran, dass Friedrich ihm direkt in die Augen sehen musste.

„Du hast deinen Tod vorgetäuscht.“

Mara stand im Türrahmen. Sie sagte nichts.

Friedrich sah kurz zu ihr.

„Mara Berger.“

Sie versteifte sich.

„Woher kennen Sie mich?“

„Katharina hat von Ihnen erzählt.“

„Dann wissen Sie vermutlich auch, dass jemand meine Tochter beobachtet.“

Friedrichs Blick wurde scharf.

„Was?“

Mara zeigte ihm die Nachricht.

Als Friedrich das Foto sah, veränderte sich sein Gesicht.

„Wann kam das?“

„Vor ungefähr einer Stunde.“

Er gab ihr das Telefon zurück und wandte sich sofort an Helene.

„Kern.“

„Vielleicht.“

„Nein. Das ist seine Methode.“

Alexander packte seinen Vater am Arm.

„Du erklärst mir jetzt alles.“

Friedrich sah auf Alexanders Hand und dann in sein Gesicht.

„Dafür haben wir nicht genug Zeit.“

„Dann fang mit dem Wichtigsten an.“

Ein langer Moment verging.

Schließlich setzte Friedrich sich.

Zum ersten Mal wirkte er alt.

„Vor knapp zwei Jahren entdeckte ich Unregelmäßigkeiten in mehreren Tochtergesellschaften. Zunächst dachte ich, jemand würde Geld unterschlagen. Dann fand Katharina heraus, dass die Sache größer war.“

„Die Stiftung.“

„Nicht nur die Stiftung.“

Friedrich sah seinen Sohn an.

„Das Familienunternehmen.“

Alexander schwieg.

„Kern hatte über Jahre ein Netz aus Scheinfirmen aufgebaut. Immobilien wurden zu falschen Bewertungen verkauft, Beratungshonorare gezahlt, Stiftungsgelder umgeleitet. Immer kleine Teile. Nie genug, um sofort aufzufallen.“

„Wie viel?“

„Mindestens achtzehn Millionen.“

Mara sog hörbar Luft ein.

Alexander dagegen dachte an etwas anderes.

„Warum meine Unterschrift?“

Friedrich antwortete leise:

„Weil Kern nicht nur Geld wollte.“

„Was dann?“

„Deine Position.“

Der Satz traf Alexander unerwartet.

„Er wollte mich ruinieren.“

„Er wollte, dass es so aussieht, als hättest du die Firma systematisch ausgeplündert.“

„Warum?“

Friedrich sah zu Helene.

„Weil er glaubte, ihm gehöre ein Teil davon.“

Alexander runzelte die Stirn.

„Warum sollte er das glauben?“

„Das gehört zu dem Teil, den du im Schließfach finden wirst.“

Wut stieg in Alexander auf.

„Hör auf damit.“

„Womit?“

„Mit diesen halben Wahrheiten! Katharina ist tot. Du hast deinen Tod vorgetäuscht. Matthias Kern lebt. Denise trifft ihn heimlich. Jemand beobachtet ein achtjähriges Mädchen. Und du sitzt hier und entscheidest immer noch, welche Informationen ich verkrafte.“

Friedrich sah ihn lange an.

Dann nickte er.

„Du hast recht.“

Es war vielleicht das erste Mal in Alexanders Leben, dass sein Vater diesen Satz ohne Einschränkung sagte.

„Katharina und ich wollten Kern überführen. Er hatte bereits Verdacht geschöpft. Als ich einen schweren Herzinfarkt erlitt, verbreitete mein Arzt auf meine Bitte hin die Nachricht, ich hätte ihn nicht überlebt.“

„Dein Arzt hat mitgemacht?“

„Er war mein Freund.“

„Und die Beerdigung?“

Friedrich sah weg.

„Der Sarg war leer.“

Alexander musste sich am Tisch abstützen.

Ein leerer Sarg.

Leonhard hatte eine weiße Rose daraufgelegt.

„Katharina wusste es?“

„Ja.“

Das tat fast noch mehr weh.

„Meine Frau wusste, dass du lebst.“

„Sie musste.“

„Und mir hat sie nichts gesagt.“

„Um dich zu schützen.“

Alexander schüttelte den Kopf.

„Alle schützen mich ständig, indem sie mich belügen.“

Darauf hatte Friedrich keine Antwort.

Mara unterbrach die Stille.

„Was geschah am Tag von Katharinas Unfall?“

Friedrichs Gesicht wurde hart.

„Sie sollte mich treffen.“

„Am Hauptbahnhof?“

„Ja. Schließfach 314 war unser Übergabepunkt.“

Alexander hob den Schlüssel.

„Was liegt darin?“

„Die Beweise gegen Kern.“

„Dann holen wir sie.“

Friedrich stand sofort auf.

„Nein.“

„Warum?“

„Weil Kern das Schließfach kennt.“

Alexander dachte an die Nachricht an Mara.

Lass Schließfach 314 geschlossen.

„Dann wartet er vielleicht darauf, dass wir hingehen.“

„Genau.“

Mara sah Friedrich an.

„Und Denise?“

Zum ersten Mal zögerte er.

Alexander bemerkte es sofort.

„Was ist mit ihr?“

„Ich weiß nicht, auf welcher Seite sie steht.“

„Sie trifft Kern.“

„Das weiß ich.“

„Seit wann?“

„Seit drei Wochen.“

Alexander starrte ihn an.

„Und du hast nichts getan?“

„Ich wollte wissen, warum.“

„Du hättest sie fragen können.“

Friedrich lächelte traurig.

„Du glaubst immer noch, Fragen würden in dieser Familie ehrliche Antworten erzeugen.“

Alexander wollte etwas erwidern, als sein Telefon klingelte.

Jonas.

Er nahm sofort ab.

„Was ist passiert?“

Am anderen Ende hörte er hektische Stimmen.

„Herr von Stein, Leonhard ist weg.“

Alexander erstarrte.

„Was?“

„Er war in der Bibliothek. Einer der Sicherheitsleute stand vor der Tür. Als er hineinging, war das Fenster offen.“

Alexander konnte plötzlich nichts mehr hören außer seinem Herzschlag.

„Sucht das gesamte Grundstück ab.“

„Tun wir bereits.“

„Kameras.“

„Wir prüfen sie.“

Alexander legte auf und ging zur Tür.

Mara folgte sofort.

Friedrich ebenfalls.

Dann klingelte Alexanders Telefon erneut.

Unbekannte Nummer.

Er nahm ab.

Keine Stimme.

Nur ein Video.

Leonhard saß darin auf einer Bank.

Unverletzt.

Hinter ihm war eine große Anzeigetafel zu erkennen.

Hamburg Hauptbahnhof.

Der Junge blickte direkt in die Kamera.

Dann trat jemand hinter ihn.

Denise.

Alexander hielt den Atem an.

Seine Schwester legte Leonhard eine Hand auf die Schulter.

„Alexander“, sagte sie in die Kamera, „hör mir jetzt genau zu. Leonhard ist bei mir und ihm geht es gut. Ich habe ihn hierhergebracht, weil ich keine andere Möglichkeit mehr hatte.“

Friedrich trat näher.

Denise sprach weiter:

„Vater lebt. Wenn du das inzwischen weißt, hat er dir wahrscheinlich erzählt, Kern sei der Feind.“

Sie schüttelte langsam den Kopf.

„Glaub ihm nicht.“

Alexander sah zu Friedrich.

Sein Vater war plötzlich vollkommen still.

Im Video griff Denise in ihre Tasche und hielt einen zweiten Schlüssel hoch.

Ebenfalls mit der Nummer 314.

„Katharina hat nicht einen Schlüssel hinterlassen“, sagte Denise.

„Sie hat zwei hinterlassen.“

Dann blickte Leonhard in die Kamera.

„Papa, Tante Denise sagt, Mama hat etwas für mich ins Schließfach gelegt.“

Alexander spürte, wie Mara neben ihm den Atem anhielt.

Denise beugte sich zur Kamera.

Ihre letzten Worte waren nur noch ein Flüstern.

„Und wenn Vater dir erzählt hat, Katharina habe gewusst, dass er seinen Tod vortäuschen würde, dann frag ihn, warum ihre letzte Nachricht an mich lautete: ‚Friedrich darf nicht erfahren, was in 314 liegt.‘“

Das Video endete.

Alexander hob langsam den Blick zu seinem Vater.

Friedrichs Gesicht hatte jede Farbe verloren.

„Was liegt wirklich in diesem Schließfach?“

Friedrich antwortete nicht.

Alexander machte einen Schritt auf ihn zu.

„Vater.“

Friedrich sah ihn an.

Und in seinen Augen lag etwas, das Alexander bei diesem Mann noch nie gesehen hatte.

Scham.

„Die Wahrheit darüber“, sagte Friedrich leise, „warum Matthias Kern überhaupt in unsere Familie kam.“

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