Unterhaltung

Der Restaurantleiter Feuerte Nina Vor Allen Gästen – Doch Dann Stand Der Neue Besitzer Auf Und Enthüllte Ein Geheimnis Über Ihren Toten Vater

Jan stand noch immer neben dem umgestoßenen Stuhl. Für einen Mann, der wenige Minuten zuvor eine Mitarbeiterin vor einem vollen Restaurant ohne sichtbares Zögern entlassen hatte, wirkte er plötzlich erstaunlich nervös. Sein Blick wanderte von Thomas zu Kathrin und schließlich zu Nina. „Da unten gibt es nichts“, sagte er. „Alte Rechnungen, Lieferverträge, Personalunterlagen. Zeug, das seit Jahren niemand braucht.“

„Dann dürfte es ja kein Problem sein, wenn wir nachsehen“, erwiderte Thomas.

Jan stellte sich vor die Bürotür. „Doch. Weil Sie noch nicht Eigentümer sind.“

Thomas blieb ruhig. „Stimmt. Deshalb zwinge ich Sie zu gar nichts.“ Dann wandte er sich an Nina. „Aber ich werde morgen früh den derzeitigen Eigentümer informieren. Bis dahin sollte niemand das Archiv betreten.“

Nina beobachtete Jan. Bei diesem Satz zuckte etwas in seinem Gesicht. Nur eine Sekunde, doch sie sah es deutlich. Angst. Nicht Ärger. Nicht verletzter Stolz. Angst.

Kathrin bemerkte es ebenfalls. „Jan, was ist da unten?“

„Ich habe es gerade gesagt.“

„Nein.“ Ihre Stimme wurde leiser. „Du hast gesagt, was dort sein sollte.“

Jan trat näher an sie heran. „Pass auf, Kathrin.“

„Ist das eine Drohung?“, fragte Thomas.

Jan drehte sich sofort zu ihm. „Sie interpretieren zu viel.“

„Und Sie erklären zu wenig.“

Nina nahm ihre Schürze vom Tisch. Sie wusste selbst nicht, warum sie das tat. Vielleicht weil sie nach sechs Jahren nicht ertragen konnte, dass Jan sie wie einen Gegenstand dort hatte liegen lassen. Sie faltete sie sorgfältig zusammen und legte sie über ihren Arm.

„Ich gehe nach Hause“, sagte sie.

Kathrin sah überrascht zu ihr. „Nina—“

„Ich bin offiziell entlassen worden, oder?“ Sie blickte Jan direkt an.

Er antwortete nicht.

„Dann habe ich hier im Moment nichts mehr zu suchen.“

Thomas nickte. „Ich begleite Sie hinaus.“

Auf dem Weg durch das Restaurant spürte Nina die Blicke der Gäste. Einige wandten sich schnell wieder ihren Tellern zu, andere sahen sie offen an. Mehmet erschien in der Küchentür und hob fragend die Hand. Nina schüttelte nur leicht den Kopf. Nicht jetzt. Sie wollte draußen sein. Luft bekommen. Verstehen, was gerade geschehen war.

Vor dem Restaurant lag die Düsseldorfer Innenstadt unter feinem Regen. Die Straßen glänzten im Licht der Laternen, Autos zogen über den nassen Asphalt. Nina blieb unter dem Vordach stehen.

„Sie hätten mich nicht begleiten müssen“, sagte sie.

Thomas stellte sich neben sie. „Doch.“

„Warum?“

Er sah durch den Regen auf die gegenüberliegende Straßenseite. „Weil Jan wahrscheinlich glaubt, dass Sie mehr wissen, als Sie tatsächlich wissen.“

Nina lachte kurz, ohne Humor. „Ich weiß überhaupt nichts.“

„Genau das könnte Ihr Vorteil sein.“

Sie drehte sich zu ihm. „Sie reden seit einer Stunde in halben Sätzen. Wenn Sie wirklich erwarten, dass ich Ihnen vertraue, sollten Sie damit aufhören.“

Thomas schwieg.

„Wer sind Sie wirklich?“, fragte Nina.

„Ich habe Ihnen die Wahrheit gesagt. Ich verhandle über die Übernahme.“

„Das meine ich nicht. Warum beobachten Sie dieses Restaurant seit acht Monaten? Warum bekommen Sie anonyme Berichte? Und warum steht mein Name darin?“

Thomas zog die Hände aus den Manteltaschen. „Weil die Zahlen dieses Restaurants nicht stimmen.“

Nina sagte nichts.

„Auf dem Papier“, fuhr er fort, „ist das Haus seit fast zwei Jahren deutlich weniger profitabel. Gleichzeitig sind Gästezahlen und Reservierungen kaum gesunken. Die Einkaufskosten dagegen sind ungewöhnlich stark gestiegen.“

„Vielleicht sind Lebensmittel teurer geworden.“

„Nicht um siebenunddreißig Prozent.“

Nina runzelte die Stirn.

Thomas sah sie an. „Jemand verliert hier Geld. Oder jemand sorgt dafür, dass es so aussieht.“

Plötzlich erschien die Nachricht über das Kellerarchiv in einem anderen Licht.

„Und Sie glauben, Jan…“

„Ich glaube gar nichts, solange ich keine Beweise habe.“

„Aber Sie verdächtigen ihn.“

Thomas antwortete nicht. Das genügte.

Nina wollte gerade etwas sagen, als die Restauranttür hinter ihnen aufging. Kathrin kam heraus. Sie hatte nicht einmal ihre Jacke angezogen.

„Nina.“

Etwas an ihrer Stimme ließ Nina sofort aufmerksam werden.

Kathrin blickte zurück zur Tür und ging dann einige Schritte mit ihnen vom Eingang weg. „Jan hat gerade telefoniert.“

„Mit wem?“

„Keine Ahnung. Aber ich habe gehört, was er gesagt hat.“

Thomas wurde aufmerksam.

Kathrin senkte die Stimme. „Er sagte: ‚Sie haben den Hinweis bekommen. Wir müssen es heute Nacht erledigen.‘“

Nina spürte Kälte, obwohl sie unter dem Vordach stand.

Thomas nahm sofort sein Telefon heraus. „Dann rufe ich den Eigentümer an.“

„Warten Sie“, sagte Kathrin.

„Warum?“

Sie sah zwischen Thomas und Nina hin und her. „Weil ich vielleicht weiß, was im Keller ist.“

Nina starrte sie an.

Kathrin erzählte, dass sie vor ungefähr drei Monaten spätabends noch im Restaurant gewesen war. Jan hatte geglaubt, alle Mitarbeiter seien gegangen. Als Kathrin ihre vergessenen Autoschlüssel holen wollte, hatte sie ihn gesehen, wie er zwei große Aktenkartons in den Keller trug. Am nächsten Morgen war die Tür zum hinteren Archivraum mit einem neuen Schloss versehen gewesen.

„Warum hast du nie etwas gesagt?“, fragte Nina.

„Weil Jan mir erzählt hat, dort lägen vertrauliche Personalunterlagen.“ Kathrin schluckte. „Und weil ich ihm damals noch geglaubt habe.“

Thomas tippte bereits eine Nummer ein. Doch bevor er anrufen konnte, vibrierte Ninas Handy.

Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Sie öffnete sie.

Geh nicht nach Hause.

Nina erstarrte.

Eine zweite Nachricht erschien.

Jan hat deine Adresse.

Thomas trat näher. „Was ist?“

Nina zeigte ihm das Display.

Dann kam eine dritte Nachricht.

Diesmal war es kein Text, sondern ein Foto.

Nina brauchte einige Sekunden, um zu erkennen, was darauf zu sehen war: ein vergilbtes Dokument auf einem Holztisch. Oben stand der Name des Restaurants. Darunter mehrere Zahlenkolonnen und Unterschriften.

Ganz unten befand sich ein Name, den Nina sofort erkannte.

Wolfgang Hoffmann.

Ihr Vater.

Nina spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich.

„Das kann nicht sein“, flüsterte sie.

Thomas sah sie an. „Wer ist das?“

„Mein Vater.“

„Arbeitet er hier?“

Nina schüttelte langsam den Kopf.

„Er ist seit neun Jahren tot.“

Kathrin trat näher an das Display. Nina vergrößerte das Foto mit zitternden Fingern. Neben der Unterschrift ihres Vaters stand ein Datum, das alles noch unmöglicher machte.

Das Dokument war vor drei Jahren unterschrieben worden.

Sechs Jahre nach seinem Tod.

Unter dem Foto erschien eine letzte Nachricht:

Wenn du wissen willst, warum dein Vater noch immer in den Büchern dieses Restaurants lebt, komm um 23:30 Uhr zum alten Lieferanteneingang. Allein.

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