Unterhaltung

Der Restaurantleiter Feuerte Nina Vor Allen Gästen – Doch Dann Stand Der Neue Besitzer Auf Und Enthüllte Ein Geheimnis Über Ihren Toten Vater

Nina hielt den Brief so fest, dass das Papier zwischen ihren Fingern knisterte. Thomas wartete auf ihre Antwort, doch sie konnte den Namen nicht sofort aussprechen. Plötzlich wirkte der kleine Archivraum enger. Der Geruch nach Staub und altem Papier, Jans Anwesenheit hinter ihnen, die Benzinkanister im Nebenraum – alles schien sich zu einem Bild zusammenzufügen, dessen wichtigste Teile noch fehlten.

„Wer ist es?“, fragte Thomas.

Nina sah ihn an. „Konrad Stein.“

Thomas' Gesicht veränderte sich.

„Der derzeitige Eigentümer?“, fragte Mehmet.

Thomas nickte langsam. „Der Mann, mit dem ich seit vier Monaten über den Kauf verhandle.“

Jan stieß ein trockenes, beinahe verzweifeltes Lachen aus. „Jetzt versteht ihr vielleicht, warum ich meinen Mund gehalten habe.“

Nina drehte sich zu ihm. „Du hast für Stein gearbeitet.“

„Ich arbeite für das Restaurant.“

„Hör auf.“

Ihre Stimme hallte zwischen den Metallwänden.

„Du hast Beschwerden gefälscht. Du wolltest Unterlagen verschwinden lassen. Und als Thomas angekündigt hat, morgen mit dem Eigentümer herzukommen, hattest du Angst. Also noch einmal: Arbeitest du für Konrad Stein?“

Jan blickte zu Boden. „Seit er mich zum Leiter gemacht hat.“

Thomas trat näher. „Stein hat Sie persönlich eingesetzt?“

„Ja.“

„Warum?“

Jan hob den Kopf. „Damit bestimmte Dinge nicht wieder auftauchen.“

Nina spürte einen kalten Druck in der Brust. „Mein Vater.“

Jan schüttelte den Kopf. „Von deinem Vater wusste ich bis vor drei Wochen fast nichts. Stein hat nie seinen Namen erwähnt. Er sagte nur, es gebe alte Unterlagen, die bei einer Übernahme Probleme verursachen könnten.“

„Und dann?“

„Dann bekam ich ein Foto von dir.“

Nina erstarrte.

„Von mir?“

Jan nickte. „Mit deinem vollständigen Namen und der Anweisung, deine Personalakte so vorzubereiten, dass eine fristlose Trennung plausibel wirkt.“

„Warum erst vor drei Wochen? Ich arbeite seit sechs Jahren hier.“

„Das habe ich mich auch gefragt.“

Thomas' Stimme wurde hart. „Wer schickte das Foto?“

„Stein.“

Nina sah wieder auf den Brief. Ihr Vater hatte gewusst, dass sie möglicherweise eines Tages hier arbeiten würde. Ihre Mutter hatte sie davor warnen wollen. Und trotzdem hatte sechs Jahre lang offenbar niemand reagiert. Erst jetzt, unmittelbar vor Thomas' geplanter Übernahme, war sie plötzlich zum Problem geworden.

„Weil jemand Angst hatte, dass ich dieses Archiv finde“, sagte sie.

„Vielleicht“, erwiderte Thomas. „Oder dass ich es finde und Ihre Verbindung zu Wolfgang erkenne.“

Nina blätterte weiter. Der Brief umfasste vier Seiten. Ihr Vater schrieb von Scheinlieferanten, manipulierten Rechnungen und Geld, das über mehrere Gesellschaften aus dem Restaurant abgezogen worden sei. Heinrich Berger hatte offenbar Kapital bereitgestellt, um gemeinsam mit Wolfgang Beweise zu sichern. Doch an einer Stelle wurde Wolfgang ungewöhnlich vorsichtig.

Konrad ist nicht allein. Er wäre ohne Hilfe niemals in der Lage gewesen, dieses System so lange zu schützen. Die gefährlichste Person ist nicht diejenige, deren Name auf den Verträgen steht, sondern diejenige, die Zugang zu allen Konten hatte.

Darunter fehlte ein Stück Papier.

Nina fuhr mit dem Finger über die ausgefranste Kante. Jemand hatte einen Teil der Seite herausgerissen.

„Hier fehlt etwas.“

Thomas nahm den Brief vorsichtig entgegen. „Nicht alt.“

„Was?“

„Der Riss.“ Er zeigte auf die hellere Papierkante. „Das wurde nicht vor neun Jahren herausgerissen.“

Jan wurde plötzlich unruhig.

Nina bemerkte es. „Du warst schon hier drin.“

„Nein.“

„Du hast den Raum erkannt, sobald du den Schlüssel gesehen hast.“

„Weil Stein mir davon erzählt hat.“

„Was hast du herausgenommen?“

„Nichts.“

Mehmet stellte sich vor die Tür. Nicht drohend, aber eindeutig.

„Jan“, sagte er ruhig, „heute kommst du mit Lügen nicht mehr weit.“

Jan sah von einem zum anderen. Schließlich sank seine Haltung in sich zusammen.

„Ich war vor einer Woche hier.“

Nina trat näher. „Wie? Du hattest keinen Schlüssel.“

„Stein hatte einen zweiten.“

Thomas runzelte die Stirn. „Und was sollten Sie holen?“

„Eine Seite.“

Nina zeigte ihm den Brief. „Diese?“

Jan nickte.

„Wo ist sie?“

„Ich habe sie Stein gegeben.“

„Was stand darauf?“

„Ich habe sie nicht gelesen.“

Nina glaubte ihm nicht.

„Jan.“

„Ich schwöre.“

Plötzlich klingelte Thomas' Telefon.

Alle verstummten.

Thomas blickte auf das Display.

Sein Gesicht wurde ernst.

„Konrad Stein.“

Niemand bewegte sich.

„Geh ran“, sagte Nina.

Thomas nahm den Anruf an und stellte den Lautsprecher ein.

„Herr Stein.“

Die Stimme am anderen Ende klang freundlich, beinahe gut gelaunt.

„Thomas. Entschuldigen Sie die späte Störung. Ich habe gehört, es gibt heute Abend Probleme im Restaurant.“

Thomas sah Jan an.

„Wer hat Ihnen das erzählt?“

Kurze Pause.

„Das spielt keine Rolle. Ich würde Ihnen dringend empfehlen, das Gebäude zu verlassen.“

Nina spürte, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten.

Thomas blieb ruhig. „Warum?“

„Weil Sie gerade Dinge sehen, die Sie falsch interpretieren könnten.“

„Zum Beispiel Unterlagen meines Vaters?“

Diesmal dauerte die Pause länger.

Dann verschwand die Freundlichkeit aus Steins Stimme.

„Thomas, manche Familiengeschichten sollte man ruhen lassen.“

Nina griff nach dem Telefon.

„Herr Stein.“

Am anderen Ende herrschte plötzlich Stille.

„Hier ist Nina Hoffmann.“

Sie hörte einen Atemzug.

„Ich habe den Brief meines Vaters.“

Jan schloss die Augen.

Stein sagte mehrere Sekunden nichts.

Dann antwortete er erstaunlich ruhig: „Nein, Frau Hoffmann. Sie haben einen Teil davon.“

Nina blickte auf die herausgerissene Stelle.

„Was stand auf der fehlenden Seite?“

„Etwas, das Ihr Vater Ihnen niemals erzählen wollte.“

„Dann erzählen Sie es mir.“

Stein lachte leise. „Fragen Sie Ihre Mutter.“

Die Verbindung brach ab.

Nina wählte sofort die Nummer ihrer Mutter. Wieder keine Antwort.

Ein ungutes Gefühl wurde stärker.

„Ich fahre zu ihr.“

Thomas steckte den Brief und die wichtigsten Unterlagen in einen Karton. „Wir fahren gemeinsam.“

„Nein.“

„Nach diesem Anruf diskutiere ich darüber nicht.“

Nina wollte widersprechen, doch ihr Handy vibrierte.

Diesmal war es eine Nachricht ihrer Mutter.

Nur vier Wörter:

Nina, komm bitte allein.

Darunter stand:

Thomas darf nichts erfahren.

Nina hob den Blick zu ihm, sagte aber nichts.

Eine weitere Nachricht erschien.

Dein Vater hat Heinrich Berger nicht zufällig kennengelernt.

Und wenige Sekunden später kam die dritte.

Nina las sie zweimal, bevor sie verstand, was dort stand.

Thomas und du seid schon einmal miteinander verbunden gewesen. Lange bevor ihr euch heute Abend begegnet seid.

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