Unterhaltung

Ein Armes Kindermädchen Stieg Versehentlich In Den Privatjet Eines Milliardärs – Doch In Paris Erfuhr Sie, Dass Sie Seit 28 Jahren Für Tot Gehalten Wurde

Alexander nahm David das Tablet so abrupt aus der Hand, dass Sophie in seinen Armen zusammenzuckte. Sofort wurde sein Griff wieder sanfter. Er strich seiner Tochter über das Haar, doch sein Blick blieb auf dem Bildschirm hängen. Marie stand regungslos neben ihm. Der Name Amélie Laurent schien ihr entgegenzuspringen, als gehöre er gleichzeitig einer Fremden und ihr selbst.

„Das ergibt keinen Sinn“, sagte Alexander.

„Doch“, flüsterte Élodie.

Alle sahen sie an.

Die ältere Frau war noch blasser geworden. Ihre Hände zitterten nicht mehr. Diese plötzliche Ruhe beunruhigte Marie viel stärker.

„Was wissen Sie?“

Élodie senkte den Blick.

„Nicht hier.“

Marie spürte, wie Wut ihre Verwirrung verdrängte.

„Seit ich gelandet bin, erzählen mir alle nur die Hälfte. Erst bin ich angeblich eine Tote, dann erkennt Sophie meine Kindheit aus ihrem Blut wieder, und jetzt wollen Sie den Ort wechseln?“

„Marie—“, begann Alexander.

„Nein.“

Sie trat auf Élodie zu.

„Wenn ich wirklich Amélie bin, dann sagen Sie mir jetzt, was damals passiert ist.“

Élodie sah sie lange an.

„Der Wirkstoff wurde damals nicht zufällig in deinem Blut gefunden.“

Marie schluckte.

„Was bedeutet das?“

„Du wurdest sediert.“

Der Raum schien plötzlich kleiner zu werden.

„Von wem?“

Élodie schloss für einen Moment die Augen.

„Das weiß ich bis heute nicht.“

Marie lachte bitter.

„Natürlich.“

Doch David unterbrach sie.

„Wir müssen in die Klinik. Sofort.“

Sophies Zustand hatte sich verändert. Ihr Körper zitterte leicht, obwohl ihre Stirn glühte. Marie legte ihr zwei Finger an den Hals und spürte den viel zu schnellen Puls.

„Wir fahren.“

Keine Diskussion mehr.

Zwanzig Minuten später raste eine schwarze Limousine durch den Pariser Morgen. Marie saß hinten neben Sophie, während Alexander ihre kleine Hand hielt. Élodie fuhr in einem zweiten Wagen hinter ihnen. David telefonierte ununterbrochen und ließ sämtliche Unterlagen aus dem Jahr 1998 sichern.

In der Privatklinik wurde Sophie sofort übernommen.

Als die Türen des Behandlungsraums hinter ihr zufielen, blieb Alexander davor stehen.

Zum ersten Mal sah Marie echte Angst in seinen Augen.

„Sie wird wieder gesund“, sagte sie.

„Woher wissen Sie das?“

Marie wollte etwas Beruhigendes sagen.

Doch sie konnte nicht lügen.

„Ich weiß es nicht.“

Alexander nickte langsam.

„Danke.“

„Wofür?“

„Dass Sie nicht so tun, als würden Sie es wissen.“

Sie setzten sich schweigend in den Flur. Minuten wurden zu einer Stunde. Élodie wartete einige Meter entfernt, ohne Marie noch einmal anzusprechen.

Schließlich kam eine Ärztin heraus.

„Herr Falk?“

Alexander sprang auf.

„Ihre Tochter ist stabil. Wir haben die Wirkstoffe identifiziert und behandeln die Reaktion. Sie hatte Glück.“

Er schloss kurz die Augen.

„Kann ich zu ihr?“

„In wenigen Minuten.“

„Wie kam das Medikament in ihren Körper?“

Die Ärztin zögerte.

„Orale Einnahme. Wahrscheinlich in Flüssigkeit aufgelöst.“

Marie erinnerte sich sofort an etwas.

„Das Fläschchen.“

Alexander sah sie an.

„Welches?“

„Im Flugzeug stand neben Sophies Bett eine Trinkflasche.“

David griff bereits zum Telefon.

„Sie wird sichergestellt.“

Die Ärztin wandte sich zum Gehen, blieb dann jedoch stehen.

„Noch etwas. Die Dosierung war ungewöhnlich.“

Alexander wurde wieder angespannt.

„Zu hoch?“

„Nein.“

Die Ärztin schüttelte den Kopf.

„Sehr präzise. Das sieht nicht nach jemandem aus, der einem Kind gedankenlos etwas zum Schlafen gibt.“

Claire hatte am Telefon behauptet, nicht einmal zu wissen, welches Medikament sie verwendet hatte.

Marie und Alexander verstanden gleichzeitig, was das bedeutete.

„Sie hat gelogen“, sagte Marie.

David entfernte sich sofort, um seine Leute zum Terminal zu schicken.

Doch Élodie stand plötzlich auf.

„Alexander.“

Er wandte sich ihr zu.

„Was?“

„Wie lautet Claires vollständiger Name?“

„Claire Beaumont.“

Élodie wich zurück, als hätte man sie geschlagen.

Marie bemerkte es.

„Sie kennen den Namen.“

„Beaumont ist nicht selten.“

„Das habe ich nicht gefragt.“

Élodie sah zur Tür des Behandlungsraums und dann zu Marie.

„Der Ermittler, der 1998 den Fall deiner Entführung bearbeitet hat, hieß Gérard Beaumont.“

Stille.

Alexander runzelte die Stirn.

„Claires Vater hieß Gérard.“

Marie spürte Kälte in ihrem Rücken.

„War er Polizist?“

„Früher“, sagte Alexander. „Claire sagte, er habe den Dienst verlassen, bevor sie erwachsen war.“

Élodie setzte sich langsam wieder.

„Er hat den Dienst sechs Monate nach Amélies Verschwinden verlassen.“

Marie ging zu ihr.

„Und danach?“

Élodie sah sie an.

„Danach verschwand ein Teil der Ermittlungsakte.“

David kam zurück.

„Claire ist nicht mehr am Terminal.“

Alexanders Gesicht verhärtete sich.

„Findet sie.“

„Das versuchen wir. Ihr Telefon wurde zurückgelassen. Ihr Fahrer behauptet, sie sei vor ungefähr vierzig Minuten in ein anderes Fahrzeug gestiegen.“

Marie dachte an die Presse, die Verlobung, Sophies Medikament und den alten Fall. Zu viele Dinge verbanden sich plötzlich miteinander.

„Vielleicht wollte sie gar nicht, dass Sophie nur schläft“, sagte Marie.

Alexander sah sie scharf an.

„Was meinen Sie?“

„Was wäre passiert, wenn Sophie während des Fluges krank geworden wäre und ich nicht zufällig in Ihrem Flugzeug gesessen hätte?“

Niemand antwortete.

Da öffnete sich die Tür.

Sophie lag wach im Bett, blass, aber bei Bewusstsein. Alexander ging sofort hinein. Marie blieb zunächst zurück, doch Sophie streckte die Hand nach ihr aus.

„Marie.“

Sie trat näher.

„Ich bin hier.“

Sophie sah ihren Vater an.

„Papa, ich habe nichts getrunken.“

Alexander erstarrte.

„Was meinst du?“

„Claire hat gesagt, ich soll trinken. Aber es war bitter. Ich habe es ausgespuckt.“

Marie blickte zur Ärztin.

Wenn Sophie nur einen Teil aufgenommen hatte, erklärte das vielleicht, warum die Dosis in ihrem Körper geringer gewesen war.

„Hat Claire dir noch etwas gegeben?“, fragte Marie vorsichtig.

Sophie nickte.

„Ein Bonbon.“

Alexander wurde kreidebleich.

„Wann?“

„Bevor wir losgefahren sind.“

Sophie zögerte und zog dann Marie näher.

„Sie war böse.“

„Warum?“

„Weil ich in ihrem Zimmer war.“

Alexander setzte sich an die Bettkante.

„Was hast du dort gesehen?“

Sophie sah zur Tür, als fürchte sie, Claire könnte jeden Moment hereinkommen.

„Fotos.“

„Was für Fotos?“

„Von Marie.“

Maries Herz setzte einen Schlag aus.

„Von mir?“

Sophie nickte.

„Viele.“

„Bist du sicher?“

„Ja.“

Dann sagte sie etwas, das Marie endgültig den Boden unter den Füßen wegzog.

„Claire hat mit einem alten Mann telefoniert. Sie sagte: ‚Wenn die Frau in Hamburg wirklich Amélie ist, darf Alexander sie niemals sehen.‘“

Alexander und Marie sahen einander an.

Marie brachte nur eine Frage heraus.

„Wann war das?“

„Gestern.“

David, der gerade in der Tür erschienen war, blieb stehen.

Gestern.

Also bevor Marie den Privatjet betreten hatte.

Bevor Alexander ihr begegnet war.

Bevor irgendjemand behaupten konnte, ihr Zusammentreffen sei Zufall gewesen.

David hielt sein Telefon hoch.

„Dann haben wir ein noch größeres Problem.“

Auf dem Display war eine Aufnahme der Überwachungskamera vom Hamburger Privatterminal zu sehen. Marie erkannte sich selbst, wie sie völlig erschöpft auf das Flugzeug zuging.

Wenige Meter hinter ihr stand ein Mann in Flughafenuniform.

Er beobachtete sie.

Und öffnete ihr persönlich die eigentlich gesicherte Tür zum Privatbereich.

David vergrößerte sein Gesicht.

Élodie stieß einen erstickten Laut aus.

„Das ist unmöglich.“

Marie sah sie an.

„Wer ist das?“

Élodie brauchte mehrere Sekunden, bevor sie antwortete.

„Der Mann, der mir 1998 gesagt hat, dass meine Tochter tot sei.“

Gérard Beaumont.

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