Unterhaltung

Ich Wurde Gezwungen, Einen Milliardär Im Koma Zu Heiraten – Doch In Der Hochzeitsnacht Flüsterte Er Meinen Namen Und Enthüllte Das Geheimnis Meiner Familie

Claire spürte, wie ihr das Handy beinahe aus der Hand glitt. Die Menschen im Zimmer verschwammen vor ihren Augen. Vivian sagte etwas, Jason bewegte sich, Dr. Keller trat einen Schritt auf sie zu, doch all das erreichte sie nur wie durch eine dicke Glasscheibe. Es gab nur diese Stimme. Etwas tiefer und müder als früher, aber unverkennbar. Claire hatte sie als Kind gehört, wenn sie nachts Fieber gehabt hatte. Sie hatte diese Stimme beim Kochen singen hören, bei Streitigkeiten scharf werden und in den letzten Monaten vor dem vermeintlichen Tod immer schwächer werden hören.

„Mama?“

Am anderen Ende folgte ein erstickter Atemzug.

„Claire.“

Ihre Knie gaben beinahe nach. Jason griff nach ihrem Arm, doch Claire riss sich sofort los.

„Nein.“ Ihre Stimme brach. „Nein, das kannst du nicht sein.“

„Ich weiß.“

„Meine Mutter ist tot.“

Niemand im Zimmer bewegte sich.

„Claire, hör mir bitte—“

„Ich habe dich beerdigt!“

Jetzt liefen die Tränen ungehindert.

„Ich stand an deinem Grab. Zwei Jahre lang! Ich habe jeden Sonntag Blumen gebracht.“

„Es tut mir leid.“

Diese vier Worte verwandelten ihre Verzweiflung in Wut.

„Wo bist du?“

Markus übernahm wieder das Telefon.

„Das können wir dir nicht sagen.“

„Gib mir Mama.“

„Claire—“

„GIB MIR MAMA!“

Ethan zuckte bei ihrem Schrei zusammen. Vivian blieb auffällig ruhig.

Dann war Elena wieder am Apparat.

„Du darfst niemandem sagen, wo wir miteinander gesprochen haben.“

Claire lachte fassungslos.

„Ich weiß nicht einmal, wo du bist.“

„Gut.“

„Gut?“

„Solange du es nicht weißt, kannst du es niemandem verraten.“

Claire blickte langsam zu Vivian.

Dann zu Jason.

„Warum hast du deinen Tod vorgetäuscht?“

Elena schwieg.

„Mama.“

„Weil jemand versucht hat, mich zu töten.“

Der Satz nahm dem Zimmer jede Luft.

Claire schloss die Augen.

„Wer?“

„Das wusste ich damals nicht.“

„Und jetzt?“

Wieder Schweigen.

Dann sagte Elena:

„Frag Ethan nach Projekt Winter.“

Claire drehte sich zum Bett.

Ethans Gesicht veränderte sich.

„Was ist Projekt Winter?“

Doch bevor jemand antwortete, ertönte aus dem Telefon ein dumpfes Geräusch.

Elena sagte plötzlich: „Markus, das Fenster.“

Schritte.

Dann hektisches Rascheln.

„Mama?“

„Claire, hör mir zu.“ Elenas Stimme war jetzt hastig. „Vertrau keinem Dokument, auf dem das blaue Hartmann-Siegel ist.“

„Warum?“

„Weil—“

Die Verbindung brach ab.

Claire starrte auf das Display.

„Mama?“

Sie rief zurück.

Das Telefon war ausgeschaltet.

Claire stand vollkommen reglos da.

Dann drehte sie sich zu Ethan.

„Projekt Winter.“

Ethan sah zu Vivian.

Diese kleine Bewegung entging niemandem.

„Was ist es?“, fragte Claire.

Vivian antwortete zuerst.

„Etwas, das mit deiner Ehe nichts zu tun hat.“

Claire lachte leise.

„Meine tote Mutter lebt. Mein Vater hat mich belogen. Ethan kannte beide vor seinem Unfall. Jemand hat ihre Krankenakte verändert, und jetzt nennt meine Mutter ein geheimes Projekt der Hartmanns. Ich glaube, wir sind weit über meine Ehe hinaus.“

Jason trat vor.

„Sie hat recht.“

Vivians Blick traf ihn.

„Du hältst dich daraus.“

„Das habe ich neun Monate getan.“

„Und du lebst noch. Vielleicht solltest du daraus etwas lernen.“

Jason lächelte diesmal nicht.

Ethan hob mühsam den Kopf.

„Genug.“

Alle sahen ihn an.

„Claire hat ein Recht darauf.“

Vivian wurde blass.

„Ethan.“

„Projekt Winter war eine interne Untersuchung.“

Claire setzte sich langsam neben das Bett.

„Worüber?“

„Über die Stiftung.“

„Die zweiundvierzig Millionen?“

Jason sah sie überrascht an.

„Woher weißt du davon?“

Claire ignorierte ihn.

Ethan sprach weiter.

„Das Geld war nur der Anfang. Deine Mutter entdeckte, dass über mehrere Firmen Vermögenswerte aus der Hartmann-Stiftung verschoben wurden.“

„Von wem?“

„Das wollten wir herausfinden.“

„Wir?“

„Elena und ich.“

Claire sah ihn fassungslos an.

„Ihr habt zusammengearbeitet.“

„Fast ein Jahr.“

„Und mein Vater?“

„Er half uns später.“

Claire stand wieder auf.

„Also kannte meine gesamte Familie dich, während ich keine Ahnung hatte, dass du existierst.“

Ethan senkte den Blick.

„Ja.“

„Und dann hast du beschlossen, mich zu heiraten.“

„Claire—“

„Nein. Diesmal redest du nicht um die Wahrheit herum.“

Sie zog die Fotos ihrer Mutter aus dem Umschlag und warf sie auf das Bett.

„Warum ich?“

Ethan antwortete nicht.

Jason tat es.

„Weil du etwas besitzt.“

Claire wandte sich zu ihm.

„Was?“

Jason sah Vivian an.

„Etwas, das Elena gestohlen hat.“

„Sie hat nichts gestohlen“, sagte Ethan scharf.

„Dann nennen wir es gesichert.“

Claire verlor die Geduld.

„Was besitze ich?“

Jason griff nach einem der Fotos und zeigte auf die Halskette ihrer Mutter. Ein unscheinbarer silberner Anhänger.

„Kennst du die?“

Claire nickte langsam.

„Mama hat sie mir kurz vor ihrem Tod gegeben.“

„Wo ist sie?“

„Bei meinen Sachen.“

Vivian trat plötzlich vor.

„Niemand berührt diese Kette.“

Claire sah sie an.

„Warum?“

Vivian schwieg.

Jason antwortete.

„Weil darin vermutlich der Zugang zu den Originaldaten von Projekt Winter steckt.“

Claire dachte an die kleine silberne Kette, die seit zwei Jahren in einer Schachtel zwischen ihren persönlichen Dingen lag. Sie hatte sie tausendmal in der Hand gehalten.

„Und deshalb wurde ich ausgewählt?“

Ethan schüttelte den Kopf.

„Nicht deshalb.“

„Dann warum?“

Bevor er antworten konnte, begann draußen ein Alarm zu ertönen.

Nicht Ethans Monitor.

Ein Sicherheitsalarm.

Jason ging sofort zum Fenster.

Im Garten liefen zwei Wachleute Richtung Westtor.

Vivian griff nach ihrem Telefon.

„Was ist passiert?“

Eine Stimme antwortete über den Lautsprecher.

„Jemand ist in das Anwesen eingedrungen.“

Claire erstarrte.

„Wo?“

„Im Gästezimmer von Frau Hartmann.“

Claire rannte los.

Jason folgte ihr. Als sie ihr Zimmer erreichten, stand die Tür offen. Zwei Sicherheitsleute durchsuchten bereits den Raum.

Ihre Koffer waren aufgerissen.

Kleidung lag auf dem Boden.

Claire stürzte zur kleinen Ledertasche, in der sie die persönlichen Dinge ihrer Mutter aufbewahrte.

Die Schachtel war geöffnet.

Leer.

„Die Kette“, flüsterte sie.

Jason fluchte.

Dann bemerkte Claire etwas auf ihrem Kopfkissen.

Ein Foto.

Sie nahm es mit zitternden Fingern hoch.

Es zeigte Elena.

Nicht vor zwei Jahren.

Nicht neun Monate zuvor.

Das Foto war von heute.

Ihre Mutter stand vor einem Bahnhof.

Auf der Rückseite befand sich eine handschriftliche Nachricht:

Wenn du deine Mutter lebend wiedersehen willst, finde heraus, warum Ethan dich bereits fünf Jahre vor seinem Unfall beobachten ließ.

Claire drehte sich langsam um.

Ethan stand nicht dort, um ihr zu antworten.

Doch Jason schon.

Und zum ersten Mal, seit sie ihn kennengelernt hatte, wirkte er nicht überlegen oder amüsiert.

Er wirkte erschrocken.

„Claire“, sagte er leise, „vor fünf Jahren kannte Ethan deine Mutter noch gar nicht.“

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