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Ich Wurde Gezwungen, Einen Milliardär Im Koma Zu Heiraten – Doch In Der Hochzeitsnacht Flüsterte Er Meinen Namen Und Enthüllte Das Geheimnis Meiner Familie

Claire las den Satz auf der Rückseite des Fotos ein zweites Mal. Dann ein drittes. Die Worte veränderten sich nicht. Warum Ethan dich bereits fünf Jahre vor seinem Unfall beobachten ließ. Vor fünf Jahren war sie zweiundzwanzig gewesen, hatte in Köln studiert, am Wochenende in einem kleinen Café gearbeitet und geglaubt, ihre größten Probleme seien Prüfungen, die steigende Miete und die Frage, ob ihre Mutter ihr irgendwann verzeihen würde, dass sie nicht häufiger nach Hause kam. Ethan Hartmann hatte in diesem Leben keinen Platz gehabt. Zumindest hatte Claire das bis vor wenigen Sekunden geglaubt.

„Was meinst du damit, er kannte meine Mutter damals noch nicht?“, fragte sie.

Jason schloss die Tür hinter den Sicherheitsleuten und nahm Claire das Foto nicht aus der Hand, obwohl sein Blick daran hängen blieb.

„Elena begann vor ungefähr vier Jahren offiziell für Hartmann zu arbeiten.“

„Und inoffiziell?“

„Soweit ich weiß, nicht viel früher.“

„Soweit du weißt.“

„Claire, ich bin vieles, aber ich werde dir keine Gewissheiten vorspielen, die ich nicht habe.“

Sie hasste, dass ausgerechnet Jason inzwischen manchmal wie der ehrlichste Mensch in diesem Haus klang.

Vivian erschien in der Tür.

„Das Anwesen wird abgeriegelt. Niemand verlässt das Grundstück.“

Claire hielt ihr das Foto hin.

Vivian las die Nachricht.

Nur eine winzige Bewegung ihrer Augen verriet, dass sie überrascht war.

„Wer wusste, dass ich die Kette hatte?“, fragte Claire.

„Offenbar zu viele Menschen“, sagte Vivian.

„Das war nicht meine Frage.“

Vivian sah sie an.

„Elena. Dein Vater. Ethan vermutlich.“

„Und Sie.“

Keine Antwort.

Claire trat näher.

„Sie wussten davon.“

„Ich wusste, dass Elena etwas gesichert hatte. Nicht, wo.“

„Warum wollten Sie nicht, dass jemand die Kette berührt?“

„Weil Menschen bereits für weniger gestorben sind.“

Claire lachte bitter.

„Interessant, wie plötzlich alle anfangen, die Wahrheit zu sagen, sobald etwas verschwunden ist.“

Sie ging zurück zu Ethan.

Er war noch wach. Dr. Keller hatte das Bett etwas aufgerichtet, und obwohl Ethan erschöpft wirkte, war sein Blick klarer als zuvor. Claire legte das Foto wortlos vor ihn.

Er las die Rückseite.

Seine Stirn legte sich in Falten.

„Das stimmt nicht.“

„Welche Stelle?“

„Ich habe dich vor fünf Jahren nicht beobachten lassen.“

„Jason sagt, du kanntest Mama damals noch nicht.“

„Das stimmt.“

Claire verschränkte die Arme.

„Dann erklärt mir jemand, warum ein Fremder behauptet, du hättest mich überwacht.“

Ethan betrachtete das Foto genauer.

„Wo wurde das aufgenommen?“

„Keine Ahnung.“

Jason, der hinter Claire eingetreten war, nahm es und vergrößerte mit seinem Handy einen Ausschnitt.

„Köln Messe/Deutz.“

Claire sah ihn an.

„Woher weißt du das?“

„Die Glasfassade im Hintergrund.“

Ethan wurde plötzlich still.

„Deutz.“

Claire bemerkte es sofort.

„Was?“

„Mein Unfall war in Deutz.“

„Das weiß ich.“

„Das alte Lagerhaus aus der Aufnahme liegt keine zwei Kilometer vom Bahnhof entfernt.“

Jason blickte Ethan an.

„Das Lagerhaus, zu dem du in jener Nacht gefahren bist?“

Ethan nickte.

„Dort sollten die Originalunterlagen liegen.“

Claire setzte sich.

„Und waren sie dort?“

„Ich bin nie angekommen.“

Jason zog sein Telefon hervor.

„Das Gebäude gehört inzwischen einer Immobiliengesellschaft.“

„Welcher?“, fragte Ethan.

Jason tippte.

Dann erstarrte er.

„Winter Immobilienverwaltung GmbH.“

Niemand sprach.

Projekt Winter.

Claire spürte, wie die einzelnen Zufälle langsam aufhörten, Zufälle zu sein.

„Wir fahren hin.“

„Nein“, sagten Ethan und Vivian gleichzeitig.

Claire sah beide an.

„Meine Mutter wurde heute dort fotografiert.“

„Genau deshalb gehst du nicht hin“, sagte Ethan.

„Seit meiner Hochzeit entscheiden alle, was ich tun darf. Damit ist Schluss.“

Jason steckte sein Telefon ein.

„Ich fahre mit ihr.“

Vivian wurde scharf.

„Du bleibst ebenfalls hier.“

„Großmutter, ich bin vierunddreißig.“

„Dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, dich entsprechend zu verhalten.“

Jason ignorierte sie.

Eine Stunde später saß Claire trotzdem neben ihm in einem dunklen Wagen. Sie hatten das Anwesen nicht heimlich verlassen; Ethan hatte schließlich nachgegeben, allerdings nur unter der Bedingung, dass zwei Sicherheitsleute in einem zweiten Fahrzeug folgten. Während Kölns Lichter an den Scheiben vorbeizogen, sagte Jason kaum etwas.

„Warum hat Ethan mich vor dir gewarnt?“, fragte Claire irgendwann.

Jason blickte weiter auf die Straße.

„Das musst du ihn fragen.“

„Ich frage dich.“

Er schwieg lange.

„Weil ich ihn verraten habe.“

Claire wartete.

„Drei Wochen vor seinem Unfall erzählte Ethan mir von Projekt Winter. Er wollte, dass ich ihm helfe.“

„Und?“

„Ich ging zu Vivian.“

„Warum?“

„Weil ich glaubte, Ethan sei paranoid. Er behauptete, jemand innerhalb der Familie manipuliere die Stiftung. Ich dachte, Großmutter müsse es wissen.“

„Was geschah danach?“

Jasons Hände spannten sich am Lenkrad an.

„Zwei Tage später verschwand Elena.“

Claire sah ihn an.

„Meine Mutter.“

„Ja.“

„Und Ethan wusste, dass du Vivian informiert hattest.“

„Deshalb vertraute er mir nicht mehr.“

Zum ersten Mal ergab seine Warnung Sinn.

Doch damit wurde Vivian gefährlicher.

Das Lagerhaus stand hinter einem verrosteten Tor in einer verlassenen Seitenstraße. Die Sicherheitsleute überprüften das Gelände zuerst. Niemand war dort.

Innen roch es nach Staub und feuchtem Beton.

Claire folgte Jason durch einen langen Korridor. An der hinteren Wand befanden sich alte Büroräume.

Eine Tür stand offen.

Dahinter fanden sie einen Tisch.

Darauf lag Claires gestohlene Halskette.

„Nicht anfassen“, sagte Jason.

Claire blieb stehen.

Neben der Kette lag ein Laptop.

Der Bildschirm war eingeschaltet.

Nur ein einziges Fenster war geöffnet.

IDENTITÄT BESTÄTIGEN.

Darunter:

CLAIRE WEBER – ZUGRIFFSSTUFE WINTER

Claire trat näher.

„Warum steht mein Name dort?“

Jason antwortete nicht.

Der Computer aktivierte plötzlich selbstständig eine Videodatei.

Elena erschien auf dem Bildschirm.

Jünger. Gesund. Das Aufnahmedatum lag fünf Jahre zurück.

Claire griff nach der Tischkante.

Ihre Mutter blickte direkt in die Kamera.

„Wenn du das hier siehst, Claire, ist etwas schiefgegangen.“

Claire konnte kaum atmen.

„Vor allem musst du wissen, dass Ethan Hartmann dich damals nicht beobachten ließ.“

Eine Pause.

„Ich war es.“

Claire starrte auf das Gesicht ihrer Mutter.

„Und Ethan kannte mich tatsächlich noch nicht.“

Elena senkte kurz den Blick.

„Aber sein Vater kannte dich.“

Jason wurde neben Claire vollkommen still.

Ethans Vater, Alexander Hartmann, war seit sechs Jahren tot.

Elena fuhr fort:

„Alexander fand dich, bevor ich für Hartmann arbeitete. Er ließ deine Vergangenheit überprüfen, weil er vermutete, dass du Anspruch auf etwas hast, das niemals bei den Hartmanns hätte landen dürfen.“

Claire flüsterte:

„Was für einen Anspruch?“

Als hätte die Aufnahme ihre Frage gehört, sah Elena wieder direkt in die Kamera.

„Claire, Markus ist der Mann, der dich großgezogen hat. Er liebt dich wie seine eigene Tochter.“

Claires Herz setzte einen Schlag aus.

„Aber er ist nicht dein biologischer Vater.“

Die Videodatei stoppte.

Auf dem Bildschirm erschien eine neue Zeile:

ZWEITE DATEI GESPERRT.

Darunter stand:

ZUR FREIGABE BENÖTIGT: DNA-PROFIL ALEXANDER HARTMANN.

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