Unterhaltung

Ich Wurde Gezwungen, Einen Milliardär Im Koma Zu Heiraten – Doch In Der Hochzeitsnacht Flüsterte Er Meinen Namen Und Enthüllte Das Geheimnis Meiner Familie

Claire starrte auf die Worte auf dem Bildschirm, bis die Buchstaben vor ihren Augen verschwammen. DNA-PROFIL ALEXANDER HARTMANN. Neben ihr sagte Jason nichts. Selbst die beiden Sicherheitsleute, die im Korridor warteten, schienen plötzlich weit entfernt. In Claires Kopf existierte nur noch der Satz ihrer Mutter: Markus ist nicht dein biologischer Vater.

„Das ist manipuliert“, sagte Claire schließlich.

Jason antwortete nicht.

Sie drehte sich zu ihm.

„Sag etwas.“

„Was soll ich sagen?“

„Dass das unmöglich ist.“

Jason betrachtete den Bildschirm.

„Ich weiß nicht, ob es unmöglich ist.“

Claire lachte kurz und hart.

„Natürlich.“

Sie griff nach der Halskette auf dem Tisch.

„Claire, warte.“

„Warum? Vielleicht explodiert sie? Vielleicht erscheint noch ein Familienmitglied und erklärt mir, dass mein ganzes Leben erfunden wurde?“

Ihre Finger berührten den Anhänger.

Nichts geschah.

Sie hob ihn an und bemerkte erstmals eine schmale Kerbe an der Seite. Mit dem Fingernagel drückte sie dagegen. Der Anhänger sprang auf.

Darin befand sich kein Foto.

Ein winziger Speicherchip steckte im Metall.

Jason beugte sich näher.

„Deshalb wollte jemand die Kette.“

„Dann warum wurde sie hier zurückgelassen?“

Diese Frage veränderte seinen Gesichtsausdruck.

Claire verstand es ebenfalls.

„Weil wir sie finden sollten.“

Jason nickte langsam.

„Jemand führt uns.“

Plötzlich erlosch der Laptop.

Gleichzeitig gingen im Lagerhaus sämtliche Lichter aus.

Einer der Sicherheitsleute rief aus dem Korridor:

„Herr Hartmann!“

Jason zog Claire instinktiv hinter den massiven Schreibtisch.

„Was passiert?“

„Bleib unten.“

„Ich werde nicht—“

Ein Motor startete draußen.

Dann ertönte über Funk die Stimme eines Wachmanns.

„Fahrzeug am Hinterausgang!“

Jason rannte zum Fenster. Claire folgte ihm trotz seines Blickes. Durch die schmutzige Scheibe sahen sie gerade noch die Rücklichter eines dunklen Wagens verschwinden.

Sekunden später sprang die Notbeleuchtung an.

Auf dem Boden unter dem Tisch lag etwas, das vorher nicht dort gewesen war.

Ein weißer Umschlag.

Claire hob ihn auf.

Darin befand sich nur ein Zettel.

Frag Vivian, wer am 14. Oktober 1999 im St.-Marien-Krankenhaus geboren wurde.

Claire fotografierte die Nachricht.

„Das ist mein Geburtstag.“

Jason sah sie an.

„Dann fahren wir zurück.“

„Nein.“

„Claire.“

„Wenn Vivian wirklich etwas weiß, möchte ich vorher wissen, ob sie lügt.“

Sie rief ihren Vater an.

Markus nahm nicht ab.

Noch einmal.

Nichts.

Beim dritten Versuch meldete sich Elena.

„Claire?“

„Wer ist mein Vater?“

Stille.

„Bitte nicht am Telefon.“

Claire schloss die Augen.

„Hör auf damit. Keine Geheimnisse mehr.“

„Es ist kompliziert.“

„Nein. Entweder Markus ist mein Vater oder nicht.“

Elena atmete hörbar aus.

„Biologisch nicht.“

Die Bestätigung traf Claire härter als die Aufnahme.

„Wer dann?“

„Ich kann es dir nicht sagen, solange ich nicht weiß, wer bei dir ist.“

Claire sah Jason an.

„Jason.“

Elena schwieg.

Dann flüsterte sie:

„Geh weg von ihm.“

Jason konnte die Worte hören.

Sein Gesicht verhärtete sich.

„Warum?“, fragte Claire.

„Weil ich nicht weiß, auf welcher Seite er steht.“

„Er sagt, er hätte dich gefährdet, weil er Vivian von Projekt Winter erzählt hat.“

Am anderen Ende herrschte lange Stille.

„Jason hat dir das erzählt?“

„Ja.“

„Dann hat er dir wenigstens einen Teil der Wahrheit gesagt.“

Jason nahm Claire vorsichtig das Telefon ab.

„Elena.“

Ihre Stimme wurde kalt.

„Jason.“

„Wer ist Claires Vater?“

„Du kennst die Antwort.“

Jason erstarrte.

Claire sah es.

„Was weißt du?“

Er gab ihr das Telefon zurück.

„Nichts Sicheres.“

„Lüg mich nicht an.“

Elena unterbrach sie.

„Claire, Alexander Hartmann war nicht dein Vater.“

Claire musste sich an der Tischkante festhalten. Eine Möglichkeit, die sie noch gar nicht vollständig zugelassen hatte, verschwand wieder.

„Warum braucht der Computer dann seine DNA?“

„Weil Alexander das Archiv geschützt hat.“

„Was hat das mit mir zu tun?“

„Alles.“

Im Hintergrund ertönte plötzlich eine Männerstimme. Markus.

„Elena, wir müssen los.“

„Mama, warte.“

„Claire, hör zu. Alexander hat kurz vor seinem Tod versucht, einen Fehler wiedergutzumachen. Deshalb begann er nach dir zu suchen.“

„Welchen Fehler?“

„Er hatte geholfen, deine Geburt zu verheimlichen.“

Die Verbindung brach erneut ab.

Diesmal schrie Claire nicht. Sie stand einfach da und sah auf das dunkle Display.

Zurück in der Villa wartete Vivian bereits in der Bibliothek.

Claire legte den Zettel vor sie.

„14. Oktober 1999. St.-Marien-Krankenhaus.“

Vivian brauchte keine Sekunde.

„Woher hast du das?“

„Beantworten Sie die Frage.“

Jason schloss hinter ihnen die Tür.

Vivian setzte sich langsam.

Zum ersten Mal wirkte die Frau alt.

„In jener Nacht wurden zwei Kinder geboren, deren Namen für unsere Familie wichtig wurden.“

Claire blieb stehen.

„Ich war eines davon.“

„Ja.“

„Wer war das andere?“

Vivian sah Jason an.

Jason wurde blass.

„Nein.“

Claire wandte sich zwischen beiden hin und her.

„Was?“

Vivian sprach leise.

„Das andere Kind war ein Junge.“

Jason trat zurück.

„Großmutter.“

„Seine Mutter war meine Tochter Isabelle.“

Claire kannte den Namen. Isabelle Hartmann, Vivians einzige Tochter, war jung bei einem Autounfall gestorben.

„Was hat das mit mir zu tun?“

Vivians Augen füllten sich mit etwas, das Claire bei ihr noch nie gesehen hatte.

Schuld.

„Isabelle brachte Zwillinge zur Welt.“

Jason flüsterte:

„Das ist unmöglich.“

Vivian ignorierte ihn.

„Einen Jungen und ein Mädchen.“

Claire hörte ihren eigenen Herzschlag.

„Was geschah mit dem Mädchen?“

Vivian sah sie direkt an.

„Sie verschwand aus dem Krankenhaus.“

Claire schüttelte langsam den Kopf.

„Nein.“

„Alexander fand Jahre später Hinweise darauf, dass das Kind nicht gestorben war, wie wir geglaubt hatten.“

Jason starrte Claire an.

Sein Gesicht hatte jede Farbe verloren.

„Wer war der Junge?“, fragte Claire.

Vivian schloss kurz die Augen.

Als sie sie wieder öffnete, sah sie Jason an.

„Du.“

Niemand bewegte sich.

Claire wich einen Schritt zurück.

„Dann behaupten Sie …“

„Ich behaupte noch gar nichts“, sagte Vivian. „Ohne DNA-Test werde ich keinen weiteren Fehler machen.“

Claire dachte an die gesperrte Datei. An Alexander. An ihre Mutter. An Markus.

Jason dagegen starrte Vivian an, als hätte sie ihm gerade sein gesamtes Leben genommen.

„Du hast mir immer gesagt, meine Mutter sei bei meiner Geburt gestorben.“

„Das stimmt.“

„Und meine Schwester?“

„Man sagte uns, sie habe nicht überlebt.“

„Wer sagte das?“

Vivian antwortete nicht.

Jason schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.

„WER?“

Die Bibliothekstür öffnete sich.

Ethan stand dort.

Nicht allein. Dr. Keller stützte ihn, und jeder Schritt schien ihn enorme Kraft zu kosten.

„Mein Vater“, sagte Ethan.

Alle sahen ihn an.

„Alexander war derjenige, der die Unterlagen unterschrieben hat.“

Claire konnte kaum sprechen.

„Warum?“

Ethan hielt ihren Blick.

„Das wollte er mir kurz vor seinem Tod erklären.“

„Und?“

„Er starb, bevor er es konnte.“

Dann zog Ethan einen alten versiegelten Umschlag aus seiner Jackentasche.

„Aber er hinterließ das.“

Auf der Vorderseite stand in verblasster Handschrift:

Für das Mädchen, das wir Hartmann genommen haben.

Claire öffnete den Umschlag mit zitternden Händen.

Darin befand sich ein Geburtsbericht.

Neben weibliches Kind stand ihr Geburtsdatum.

Darunter der Name der Mutter:

Isabelle Hartmann.

Doch bei Vater stand kein Hartmann.

Dort stand ein Name, den Claire noch nie gehört hatte.

Dr. Adrian Falk.

Dr. Keller, der Ethan bis eben gestützt hatte, ließ plötzlich dessen Arm los.

Der Geburtsbericht fiel Claire beinahe aus der Hand.

Denn Keller starrte auf den Namen, als hätte er einen Geist gesehen.

„Adrian Falk“, flüsterte er. „Das kann nicht sein.“

Claire sah ihn an.

„Sie kennen ihn?“

Keller hob langsam den Blick.

„Er war der Arzt, der vor zwei Jahren Elenas Tod bescheinigt hat.“

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