Unterhaltung

Ich Wurde Gezwungen, Einen Milliardär Im Koma Zu Heiraten – Doch In Der Hochzeitsnacht Flüsterte Er Meinen Namen Und Enthüllte Das Geheimnis Meiner Familie

Claire brauchte nur wenige Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen.

„Ich fahre nach Bonn.“

Ethan hob sofort den Kopf. „Nicht allein.“

„Ich habe zwei Jahre geglaubt, meine Mutter sei tot. Jetzt weiß ich, dass sie weniger als vierzig Kilometer entfernt ist und dass mein Vater verhindert, dass sie mich sieht. Niemand hält mich diesmal auf.“

„Ich halte dich nicht auf“, sagte Ethan ruhig. „Ich sage nur, dass du nicht allein fahren solltest.“

Jason stand bereits auf.

„Ich komme mit.“

Claire sah ihn an. Vor wenigen Stunden war Jason für sie noch der Mann gewesen, vor dem Ethan sie gewarnt hatte. Jetzt sollte er möglicherweise ihr Zwillingsbruder sein. Allein der Gedanke fühlte sich fremd an.

„Nein.“

Jason erstarrte.

„Das ist keine Ablehnung von dir“, sagte Claire leiser. „Ich muss sie zuerst allein sehen.“

Ethan verstand.

„Dann fährt der Sicherheitsdienst mit Abstand hinter dir.“

Claire wollte widersprechen, ließ es aber. Zehn Minuten später saß sie im Wagen.

Die Fahrt nach Bonn dauerte kaum vierzig Minuten, doch für Claire fühlte sie sich länger an als die vergangenen zwei Jahre. Erinnerungen kamen zurück: Elena, die ihr morgens die Haare flocht; Elena, die beim Kochen immer zu viel Knoblauch benutzte; Elena im Krankenhausbett, dünn und müde.

War selbst dieses Krankenhaus Teil der Lüge gewesen?

Die Privatklinik lag hinter hohen Bäumen am Rand eines ruhigen Wohnviertels. Kein großes Schild, nur eine kleine Messingplatte neben dem Eingang:

Privatklinik Rosenhöhe.

Claire betrat die Rezeption.

„Ich möchte zu Elena Weber.“

Die Mitarbeiterin tippte den Namen ein.

Ihr Gesicht veränderte sich kaum merklich.

„Eine Patientin dieses Namens befindet sich nicht bei uns.“

Claire legte ihr Handy auf den Tresen und zeigte die Akte.

„Dann erklären Sie mir das.“

„Woher haben Sie dieses Dokument?“

„Ich bin ihre Tochter.“

Die Frau stand auf.

„Einen Moment.“

Sie verschwand durch eine Seitentür.

Claire wartete.

Eine Minute.

Zwei.

Dann bemerkte sie einen Mann im dunklen Anzug am Ende des Korridors.

Kein Arzt.

Er sah sie an und griff nach seinem Telefon.

Claire spürte sofort, dass etwas nicht stimmte.

Sie ging nicht zurück zum Ausgang, sondern durch die Tür, hinter der die Empfangsdame verschwunden war.

„Entschuldigung!“

Claire ignorierte den Ruf.

Der Flur führte zu einem Aufzug. Sie drückte den Knopf.

Hinter ihr kamen Schritte.

Die Türen öffneten sich.

Claire trat hinein und drückte wahllos die dritte Etage.

Kurz bevor sich die Türen schlossen, schob sich eine Hand dazwischen.

Claire wich zurück.

Doch es war einer von Ethans Sicherheitsleuten.

„Frau Hartmann.“

Sie atmete aus.

„Sie sollten Abstand halten.“

„Das haben wir, bis der Mann unten Verstärkung gerufen hat.“

Im dritten Stock herrschte auffällige Stille. Die Türen hatten keine Namen, nur Nummern.

Claire erinnerte sich an die Akte.

Zimmer 314.

Sie fand es am Ende des Flurs.

Verschlossen.

Der Sicherheitsmann wollte eingreifen, doch Claire klopfte.

Keine Antwort.

„Mama?“

Stille.

Dann ein Geräusch.

Ganz schwach.

Claire klopfte erneut.

„Mama, ich bin es.“

Ein Stuhl schabte über den Boden.

Sekunden später öffnete sich die Tür einen Spalt.

Claire vergaß zu atmen.

Elena stand vor ihr.

Lebendig.

Ihr Haar war kürzer. Silberne Strähnen zogen sich durch das Dunkelbraun. Ihr Gesicht war schmaler, älter, als Claire es in Erinnerung hatte.

Aber es war ihre Mutter.

„Claire.“

Mehr brachte Elena nicht hervor.

Claire schlug ihr die Arme um den Körper.

Für einen Moment existierten keine Hartmanns, keine Stiftung, kein Projekt Winter. Nur der vertraute Geruch ihrer Mutter und zwei Jahre Trauer, die plötzlich keinen Platz mehr hatten.

Dann löste Claire sich.

Und schlug Elena mit der flachen Hand gegen die Schulter.

Nicht hart.

Verzweifelt.

„Wie konntest du das tun?“

Elena begann zu weinen.

„Es tut mir leid.“

„Zwei Jahre!“

„Ich weiß.“

„Nein, du weißt es nicht. Ich habe dich beerdigt.“

Elena zog Claire ins Zimmer und schloss die Tür.

„Die Frau im Grab war nicht ich.“

„Wer dann?“

„Niemand.“

Claire verstand nicht.

„Der Sarg war leer.“

Sie musste sich setzen.

Elena setzte sich gegenüber.

„Falk hat alles organisiert.“

„Adrian Falk.“

Elena erstarrte.

„Du weißt von ihm.“

„Ich weiß, dass er mein biologischer Vater sein soll.“

Elena schloss die Augen.

„Dann ist Winter geöffnet worden.“

„Jason ist mein Bruder.“

Ein langsames Nicken.

Claire kämpfte gegen neue Tränen.

„Warum wurde ich weggegeben?“

„Du wurdest nicht weggegeben.“

Elena nahm ihre Hände.

„Du wurdest gerettet.“

„Von wem?“

„Von Alexander.“

Claire zog ihre Hände zurück.

„Die Aufnahme sagt, Alexander habe euch gezwungen, uns zu trennen.“

„Adrian glaubte das damals.“

„Und du nicht?“

„Ich weiß inzwischen mehr.“

Elena stand auf und ging zum Fenster.

„Isabelle war nach der Geburt sehr schwach. Adrian wollte mit euch beiden verschwinden. Aber jemand wusste bereits von den Zwillingen.“

„Wer?“

„Derjenige, der Winter kontrollierte.“

„Vivian?“

Elena drehte sich um.

„Nein.“

Claire spürte Erleichterung, obwohl sie nicht wusste, warum.

„Alexander brachte Jason zu den Hartmanns und ließ dich offiziell als Kind von Markus und mir registrieren. Er glaubte, getrennt wärt ihr sicherer.“

„Warum war Jason dann sicher bei den Hartmanns?“

Elena lächelte traurig.

„Weil Winter nicht hinter den Kindern her war.“

„Was dann?“

„Hinter Adrian.“

Ein Geräusch auf dem Flur ließ Elena verstummen.

„Wir müssen gehen.“

„Nicht bevor du mir alles sagst.“

„Claire—“

„Warum hält Papa dich von mir fern?“

Elena sah sie lange an.

„Markus hält mich nicht hier fest.“

Claire erinnerte sich an die Patientenakte.

„Da steht ausdrücklich seine Anweisung.“

„Diese Akte ist gefälscht.“

„Warum?“

„Damit du herkommst.“

Claire erstarrte.

„Was?“

Elena trat zu einer Schublade und holte einen kleinen Umschlag heraus.

„Ich bin gestern freiwillig hierhergekommen, weil Adrian mich kontaktiert hat.“

„Er lebt.“

„Ja.“

„Wo ist er?“

Elena sah zur Tür.

„Das weiß ich nicht. Er wollte mich heute treffen.“

„Warum?“

„Weil jemand begonnen hat, die letzten Winter-Dateien zu löschen.“

Claire dachte an den externen Zugriff.

„Wer?“

„Das wollte Adrian herausfinden.“

Plötzlich öffnete sich die Tür.

Der Sicherheitsmann trat ein.

„Frau Hartmann, wir müssen sofort weg. Unten sind mehrere Fahrzeuge angekommen.“

Elena wurde blass.

„Zu spät.“

„Wer kommt?“, fragte Claire.

Elena griff nach ihrem Mantel.

„Wenn ich das wüsste, hätte ich mich nicht zwei Jahre versteckt.“

Sie gingen über ein hinteres Treppenhaus. Im Erdgeschoss führte ein Ausgang in einen kleinen Innenhof.

Dort stand bereits jemand.

Markus.

Claire blieb abrupt stehen.

„Papa.“

Er sah erschöpft aus.

„Claire, bitte.“

Sie ging auf ihn zu.

„Du hast gewusst, dass Mama lebt.“

„Ja.“

„Du hast mich an ihrem leeren Grab weinen lassen.“

Sein Gesicht zerbrach beinahe.

„Ja.“

„Und dann hast du mich Ethan heiraten lassen.“

„Weil wir keine Zeit mehr hatten.“

„Wofür?“

Markus sah Elena an.

„Der dreißigste Geburtstag.“

Claire verstand nicht.

„Ethans?“

„Nein.“

Elena wurde plötzlich vollkommen still.

Markus zog ein Dokument aus seiner Jacke.

„Deiner.“

Claire starrte ihn an.

„Ich bin siebenundzwanzig.“

„Nach deinen Papieren.“

Elena flüsterte:

„Markus, nicht hier.“

Doch er gab Claire das Dokument.

Es war eine Kopie ihres ursprünglichen Geburtsregisters.

Das Datum lautete nicht 14. Oktober 1999.

Sondern:

14. Oktober 1996.

Claire sah zwischen beiden hin und her.

„Warum wurde mein Alter geändert?“

Markus antwortete:

„Weil die Stiftung eine zweite Klausel enthält.“

„Welche?“

„Falls das verschwundene weibliche Kind von Isabelle Hartmann vor seinem dreißigsten Geburtstag rechtmäßig verheiratet ist, erhält es automatisch Isabelles ursprünglichen Anteil.“

Claire wurde schwindelig.

„Wie viel?“

Markus schluckte.

„Einundfünfzig Prozent der Familienstiftung.“

Jetzt verstand Claire plötzlich, warum ihre Ehe so dringend gewesen war.

Doch Elena schüttelte den Kopf.

„Das ist nicht der gefährliche Teil.“

Sie nahm das Dokument und drehte es um.

Auf der Rückseite stand eine weitere Klausel.

Claire las sie.

Dann noch einmal.

Bei bestätigter Rückkehr der weiblichen Erbin werden sämtliche Vollmachten des derzeitigen Stiftungsvorstands mit sofortiger Wirkung ausgesetzt.

Claire hob den Blick.

„Wer leitet den Stiftungsvorstand?“

Markus antwortete nicht.

Elena schon.

„Vivian.“

In diesem Moment klingelte Claires Telefon.

Ethan.

Sie nahm ab.

Doch es war Jason, der sprach.

Seine Stimme klang angespannt.

„Claire, komm nicht zurück zur Villa.“

„Warum?“

Im Hintergrund hörte sie einen Alarm.

Dann Ethans Stimme, weiter entfernt.

Jason sagte:

„Vivian ist verschwunden.“

Eine kurze Pause.

„Und sie hat sämtliche Originalakten von Projekt Winter mitgenommen.“

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