Unterhaltung

Mein Mann Gab Mir Elf Jahre Die Schuld, Dass Wir Keine Kinder Hatten – Drei Jahre Später Betraten Unsere Drillinge Seine Hochzeit

Katharina las die Nachricht dreimal. Beim dritten Mal waren ihre Hände so kalt geworden, dass sie das Telefon kaum noch festhalten konnte. Neben ihr sprach Alexander noch immer mit seinem Fahrer, doch seine Stimme schien plötzlich weit entfernt. Nur ein Satz brannte sich in ihr Bewusstsein: Ihre Mutter starb nicht bei einem Unfall.

„Halten Sie an.“

Alexander drehte sich zu ihr. „Was?“

„Ich sagte, halten Sie den Wagen an.“

Der Fahrer sah in den Rückspiegel. Alexander hob die Hand, und der schwarze SUV rollte wenige Sekunden später an den Straßenrand. Katharina öffnete die Tür nicht. Sie blieb sitzen und hielt Alexander stattdessen das Display entgegen.

Er las die Nachricht. Die Farbe wich aus seinem Gesicht.

„Wer hat Ihnen das geschickt?“

„Das wollte ich gerade Sie fragen.“

„Ich kenne die Nummer nicht.“

„Aber Sie reagieren, als wüssten Sie, wovon diese Person spricht.“


Alexander schwieg einen Moment zu lange.

Katharina spürte, wie etwas in ihr zerbrach. Innerhalb weniger Stunden hatte Daniel sie verraten, ihre Vergangenheit hatte sich als Lüge erwiesen, und nun saß sie möglicherweise neben einem Mann, der ihr ebenfalls nur einen Teil der Wahrheit erzählte.

„Steigen Sie aus“, sagte sie.

„Katharina—“

„Bitte.“

Alexander sah sie an, dann öffnete er wortlos seine Tür. Katharina folgte ihm. Die Abendluft war kühl. Autos rauschten über die Straße, während München um sie herum weiterlebte, als wäre ihr eigenes Leben nicht gerade vollständig auseinandergebrochen.

„Meine Mutter“, sagte Katharina. „Was wissen Sie über ihren Tod?“

Alexander steckte die Hände in die Manteltaschen.

„Die Polizei ging von einem Unfall aus.“

„Das habe ich nicht gefragt.“


Er atmete langsam aus.

„Elisabeth hatte in den Wochen davor Angst.“

Katharina erstarrte.

„Vor wem?“

„Das hat sie mir nie gesagt. Sie behauptete nur, jemand habe entdeckt, dass sie Beweise gesammelt hatte.“

„Welche Beweise?“

„Ich vermutete, dass es mit Friedrich und dem Familienvermögen zusammenhing.“

Katharina musste plötzlich an das rote Buch denken.

„Und drei Tage später war sie tot.“

Alexander nickte.


„Warum haben Sie mir das verschwiegen?“

„Weil ich keine Beweise hatte. Und weil ich Sie gerade erst gefunden habe.“

„Nach vierzehn Jahren.“

Die Worte trafen ihn sichtbar.

Alexander wandte den Blick ab. „Ich habe damals einen Fehler gemacht. Nach Elisabeths Tod suchte ich Sie unter dem Namen Katharina Falkenberg. Zu diesem Zeitpunkt existierte dieser Name offiziell bereits nicht mehr. Als ich endlich herausfand, dass Sie Katharina König hießen, waren Sie verheiratet und trugen Hartmann als Nachnamen. Jemand hatte Ihre Spur sehr gründlich verwischt.“

Katharina wollte antworten, doch plötzlich wurde ihr schwindelig. Sie griff nach der Autotür.

Alexander war sofort bei ihr.

„Katharina?“

„Nicht anfassen.“

Er blieb stehen.


Sie schloss die Augen und atmete langsam. Das Kind. Egal, was geschah, sie durfte jetzt nicht zusammenbrechen.

„Ich muss zu einem Arzt.“

Alexander sah auf ihre Hand, die wieder auf ihrem Bauch lag.

Diesmal verstand er.

„Sie sind schwanger.“

Katharina öffnete die Augen.

Nach einem langen Schweigen nickte sie.

„Seit heute weiß ich es.“

Alexander sah sie fassungslos an.

„Und Daniel?“


„Weiß nichts.“

Sie erzählte ihm in wenigen Sätzen, was am Morgen geschehen war. Wie sie mit der Nachricht nach Hause gekommen war. Wie Vanessa dort gesessen hatte. Wie Daniel ihren Koffer hinausgestellt hatte.

Alexander sagte lange nichts.

„Dann sollte er es auch vorerst nicht erfahren.“

Katharina blickte ihn überrascht an.

„Warum?“

„Weil wir nicht wissen, wem Sie vertrauen können.“

Noch am selben Abend brachte Alexander sie in eine Privatklinik. Die Untersuchung dauerte länger als erwartet. Katharina lag regungslos auf der Liege, während die Ärztin auf den Monitor sah.

Dann runzelte sie die Stirn.

Katharinas Herz raste.


„Stimmt etwas nicht?“

Die Ärztin lächelte plötzlich.

„Doch. Nur etwas, womit ich nicht gerechnet habe.“

Sie bewegte den Schallkopf leicht.

„Hier.“

Ein winziger Herzschlag.

Dann ein zweiter.

Katharina hielt den Atem an.

„Zwillinge?“

„Ja.“


Tränen liefen ihr über die Schläfen. Nach elf Jahren voller negativer Tests und Schuldzuweisungen waren da plötzlich zwei kleine Leben.

Doch die Ärztin bewegte den Schallkopf erneut.

Ihr Lächeln verschwand.

„Moment.“

Katharina sah sie erschrocken an.

Dann zeigte die Ärztin auf einen weiteren Bereich des Bildschirms.

„Ich möchte noch nichts endgültig sagen. Es ist sehr früh. Aber möglicherweise sehen wir hier eine dritte Fruchthöhle.“

Katharina konnte nicht sprechen.

Drei.

Später saß sie mit Alexander in einem ruhigen Raum der Klinik. Vor ihr stand Tee, den sie nicht angerührt hatte.


„Daniel muss davon erfahren“, sagte sie schließlich.

„Irgendwann.“

„Er ist der Vater.“

Alexander antwortete ruhig: „Vaterschaft und Verantwortung sind nicht dasselbe.“

Bevor Katharina reagieren konnte, klingelte sein Telefon.

Alexander sah auf das Display.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Wer ist es?“

„Mein Sicherheitsdienst.“

Er nahm ab.


Katharina hörte nur Bruchstücke.

„Wann? … Ist etwas verschwunden? … Sind Sie sicher?“

Dann legte Alexander auf.

„Was ist passiert?“

„Jemand war in meinem Büro.“

„Ein Einbruch?“

„Nein.“

Seine Stimme war jetzt beinahe tonlos.

„Die Alarmanlage wurde mit einem gültigen Zugangscode deaktiviert.“

Katharina bekam eine Gänsehaut.


„Was wurde gestohlen?“

Alexander sah sie an.

„Nichts.“

„Dann verstehe ich nicht.“

„Jemand hat etwas dagelassen.“

Eine Stunde später standen sie in Alexanders Büro am Maximiliansplatz. Auf seinem Schreibtisch lag ein kleines Paket in braunem Papier.

Darauf stand nur ein Name.

**Katharina.**

Der Sicherheitsmann hatte es nicht geöffnet.

Katharina entfernte vorsichtig die Schnur.

Im Inneren lag ein alter Messingschlüssel.

Darunter befand sich ein Polaroidfoto.

Es zeigte ihre Mutter vor einem Bankschließfach.

Auf der Rückseite stand:

**Schließfach 317. München.**

Doch darunter hatte jemand mit roter Tinte einen zweiten Satz geschrieben.

**Das rote Buch liegt nicht mehr dort. Daniel Hartmann hat es.**

Katharina spürte, wie ihr der Boden unter den Füßen entglitt.

„Das ist unmöglich.“

Alexander nahm das Foto.

„Vielleicht nicht.“

Katharina sah ihn an.

„Daniel kannte meine Mutter nicht.“

Alexander schwieg.

Dann zog er langsam einen Ordner aus seinem Safe.

„Katharina“, sagte er, „es gibt etwas über Ihren Mann, das ich Ihnen bisher nicht erzählt habe.“

Er öffnete den Ordner.

Ganz oben lag ein Foto, aufgenommen sieben Monate vor Katharinas Hochzeit.

Darauf stand Daniel Hartmann vor dem Falkenberg-Anwesen.

Neben ihm: Friedrich von Falkenberg.

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