Unterhaltung

Mein Mann Gab Mir Elf Jahre Die Schuld, Dass Wir Keine Kinder Hatten – Drei Jahre Später Betraten Unsere Drillinge Seine Hochzeit

Katharina konnte den Blick nicht von dem Foto lösen. Daniel war deutlich jünger, vielleicht Ende zwanzig, doch es bestand kein Zweifel. Dieselben dunklen Augen, dieselbe Haltung, sogar die silberne Uhr an seinem Handgelenk, die er später jahrelang getragen hatte. Neben ihm stand Friedrich von Falkenberg, ein hochgewachsener Mann mit schmalem Gesicht und weißem Haar. Hinter ihnen erhob sich ein Anwesen, das Katharina nur aus den Unterlagen kannte, die Alexander ihr wenige Stunden zuvor gezeigt hatte.

„Sieben Monate vor unserer Hochzeit?“, fragte sie tonlos.

Alexander nickte.

„Woher haben Sie das?“

„Von einem ehemaligen Mitarbeiter Ihrer Mutter.“

Katharina hob den Kopf. „Und Sie wollten mir das wann erzählen? Nachdem Sie noch zehn weitere Geheimnisse ausgepackt haben?“

Alexander nahm ihre Wut schweigend hin.

„Ich wusste nicht, welche Bedeutung Daniel hatte. Das Foto habe ich erst vor zwei Wochen bekommen. Deshalb habe ich begonnen, seinen Hintergrund überprüfen zu lassen.“

„Zwei Wochen?“ Katharina lachte bitter. „Sie wussten also bereits, wer ich bin.“

„Ich hatte einen Verdacht. Gewissheit bekam ich erst gestern durch den Abgleich alter Unterlagen.“


Katharina trat ans Fenster. Unter ihr glänzten die Straßen Münchens im Regen. Elf Jahre Ehe liefen wie beschädigte Filmaufnahmen durch ihren Kopf: Daniels zufällige Fragen über ihre Mutter. Sein ungewöhnliches Interesse an alten Familienpapieren. Seine Behauptung, er wolle „Ordnung schaffen“, als er nach ihrer Hochzeit sämtliche Dokumente in einen gemeinsamen Safe gelegt hatte.

Damals hatte sie darin Fürsorge gesehen.

Jetzt sah alles anders aus.

„Ich muss mit Daniel sprechen.“

Alexander schüttelte sofort den Kopf.

„Nein.“

„Sie entscheiden nicht über mein Leben.“

„Das möchte ich auch nicht. Aber wenn Daniel tatsächlich mit Friedrich verbunden ist, dürfen Sie ihm nicht zeigen, was Sie wissen.“

Katharina nahm das Foto.

„Dann finde ich heraus, was er weiß, ohne ihm etwas zu sagen.“


Am nächsten Vormittag fuhr sie allein nach Grünwald. Alexander hatte darauf bestanden, dass ein Sicherheitsmann ihr unauffällig folgte. Katharina hatte schließlich zugestimmt, aber nur unter der Bedingung, dass niemand eingriff, solange sie nicht ausdrücklich darum bat.

Ihr Koffer stand nicht mehr vor dem Tor.

Stattdessen öffnete Vanessa die Haustür.

Sie trug Daniels Hemd.

Für einen kurzen Augenblick stach der Anblick tiefer als Katharina erwartet hatte.

Vanessa verschränkte die Arme.

„Was willst du?“

„Ein paar persönliche Unterlagen.“

„Daniel ist nicht da.“

„Das ist mein Haus ebenfalls noch.“


Vanessas Lächeln wurde dünn. „Nicht mehr lange.“

Katharina wollte an ihr vorbeigehen, doch Vanessa blieb stehen.

„Du solltest endlich akzeptieren, dass es vorbei ist.“

„Das habe ich.“

Die Ruhe in Katharinas Stimme irritierte sie.

„Dann unterschreib.“

„Warum diese Eile?“

Vanessa zögerte.

Nur eine Sekunde.

Aber Katharina bemerkte es.


„Weil Daniel und ich heiraten wollen.“

„Du bist schwanger. Ihr könnt auch nach der Scheidung heiraten.“

Vanessas Hand wanderte instinktiv zu ihrem Bauch.

Katharina sah die Bewegung und empfand überraschenderweise keinen Neid. Nur eine seltsame Distanz.

„Wie weit bist du?“

Vanessa wurde blass.

„Das geht dich nichts an.“

„Natürlich nicht.“

Katharina ging an ihr vorbei.

Im Arbeitszimmer stand der Safe noch immer hinter dem Gemälde. Sie gab den Code ein.


Fehlermeldung.

Noch einmal.

Wieder falsch.

Daniel hatte ihn geändert.

„Suchst du etwas Bestimmtes?“

Seine Stimme kam von der Tür.

Katharina drehte sich langsam um.

Daniel stand dort, den Autoschlüssel noch in der Hand.

„Meine Geburtsurkunde.“

„Wofür?“


„Für meinen Anwalt.“

Sein Blick blieb an ihrem Gesicht hängen. Zum ersten Mal seit langer Zeit schien er sie wirklich anzusehen.

„Wo hast du letzte Nacht geschlafen?“

Katharina musste beinahe lachen.

„Das interessiert dich jetzt?“

„Ich frage nur.“

„Bei Freunden.“

Daniel trat näher.

„Katharina, mach die Scheidung nicht kompliziert.“

„Warum? Hast du Angst, Vanessa bekommt ihr Kind, bevor du sie heiraten kannst?“


Sein Kiefer spannte sich an.

Dann sagte er etwas Merkwürdiges.

„Manche Dinge müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen sein.“

Katharina wurde innerlich still.

Nicht ich möchte Vanessa heiraten.

Nicht wir wollen neu anfangen.

Abgeschlossen.

„Welche Dinge?“

„Die Ehe.“

Sie sah zum Safe.


„Du hast den Code geändert.“

„Es liegen Geschäftsunterlagen darin.“

„Auch meine Dokumente.“

Daniel öffnete den Safe selbst, nahm eine Mappe heraus und reichte sie ihr.

Katharina blätterte scheinbar beiläufig darin.

Geburtsurkunde.

Versicherungen.

Alte Zeugnisse.

Doch ein Dokument fehlte.

Die Sterbeurkunde ihrer Mutter.


„Wo ist Mamas Sterbeurkunde?“

Daniel erstarrte kaum merklich.

„Keine Ahnung.“

„Sie war hier.“

„Dann hast du sie vielleicht genommen.“

Katharina sah ihn an.

Elf Jahre hatte sie diesen Mann gekannt.

Oder geglaubt, ihn zu kennen.

„Daniel.“

„Was?“


„Hast du meine Mutter jemals getroffen?“

Sein Gesicht blieb vollkommen ruhig.

Zu ruhig.

„Natürlich nicht.“

Katharina nickte, nahm die Mappe und ging.

Erst draußen erlaubte sie sich wieder zu atmen.

Am Nachmittag traf sie Alexander in einer kleinen Privatbank nahe dem Odeonsplatz. Der Messingschlüssel passte tatsächlich zu Schließfach 317.

Ein Bankdirektor überprüfte alte Unterlagen und bestätigte, dass das Fach ursprünglich auf Elisabeth von Falkenberg registriert gewesen war.

Katharina steckte den Schlüssel hinein.

Das Schloss klickte.

Im Fach lag kein rotes Buch.

Nur eine schmale Holzkassette.

Darin befanden sich mehrere Briefe ihrer Mutter, ein USB-Stick und eine versiegelte Laborakte.

Katharina nahm zuerst die Laborakte.

Auf der Vorderseite stand ihr eigener Name.

Darunter ein Datum aus dem Jahr, in dem ihre Kinderwunschbehandlungen begonnen hatten.

Sie öffnete sie.

Mehrere Blutwerte, Untersuchungen und medizinische Befunde.

Dann entdeckte sie einen Bericht.

**Patientin: Katharina Hartmann. Befund: Keine medizinische Ursache für vollständige Infertilität feststellbar. Weitere Untersuchung des männlichen Partners dringend empfohlen.**

Katharina hörte ihren eigenen Herzschlag.

„Alexander.“

Er trat näher.

Sie blätterte weiter.

Auf der nächsten Seite befand sich Daniels Untersuchung.

Oder vielmehr eine Kopie davon.

Das Ergebnis war eindeutig.

Daniel hatte bereits neun Jahre zuvor gewusst, dass seine eigene Fruchtbarkeit stark eingeschränkt war.

Und trotzdem hatte er Katharina weiter die Schuld gegeben.

Elf Jahre lang.

Doch ganz unten befand sich eine handschriftliche Notiz ihrer Mutter, die Katharina noch mehr erschütterte:

**Daniel weiß, dass Katharina nicht unfruchtbar ist. Friedrich bezahlt ihn trotzdem weiter. Ich muss herausfinden, warum.**

Katharina setzte sich.

„Meine Mutter wusste von ihm.“

Alexander nahm den USB-Stick.

„Dann könnte hier die Erklärung sein.“

Sie steckten ihn in einen gesicherten Laptop.

Nur eine einzige Videodatei befand sich darauf.

Das Datum lag vier Tage vor Elisabeths Tod.

Das Bild erschien.

Katharinas Mutter saß in einem dunklen Raum und blickte direkt in die Kamera.

„Katharina“, begann sie mit zitternder Stimme, „wenn du das siehst, habe ich nicht mehr genug Zeit gehabt.“

Katharina presste die Hand vor den Mund.

Elisabeth sah über ihre Schulter, als hätte sie draußen ein Geräusch gehört.

Dann sprach sie schneller.

„Friedrich will nicht nur dein Erbe. Es gibt einen Grund, warum er verhindern muss, dass du jemals eigene Kinder bekommst. Denn sobald du ein leibliches Kind hast, verliert er—“

Das Video brach ab.

Schwarzer Bildschirm.

Katharina starrte darauf.

Alexander versuchte die Datei erneut zu öffnen.

Dasselbe Ende.

Dann erschien plötzlich ein verborgenes zweites Verzeichnis.

Darin lag ein eingescanntes Dokument.

Ein Vertrag.

Katharina öffnete ihn.

Auf der letzten Seite standen zwei Unterschriften.

**Friedrich von Falkenberg.**

Und darunter:

**Daniel Hartmann.**

Neben Daniels Namen stand eine Summe.

**2.000.000 Euro.**

Als Vertragszweck war nur ein einziger Satz angegeben:

**Sicherstellung, dass Katharina König ohne leibliche Nachkommen bleibt.**

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