Unterhaltung

Mein Stiefvater Schlug Meine Zwillingsschwester Und Mich Jeden Tag – Bis Ein Arzt Die Tür Verriegelte Und Sofort Die Polizei Rief

Sondern misstrauisch.

Dr. Köhler blieb zwischen meiner Mutter und den beiden Liegen stehen. Draußen auf dem Flur hörte ich schnelle Schritte, gedämpfte Stimmen und das kurze Knacken eines Funkgeräts. Erik hingegen wirkte plötzlich vollkommen ruhig. Diese Ruhe kannte ich. Sie kam immer dann, wenn er glaubte, eine Situation noch drehen zu können.

„Meine Frau steht unter Schock“, sagte er und legte Brigitte eine Hand auf die Schulter. „Die Mädchen auch. Sie wissen nicht, was sie sagen.“

Meine Mutter zuckte unter seiner Berührung zusammen.

Dr. Köhler bemerkte es.

„Herr Kaiser“, sagte er ruhig, „nehmen Sie bitte die Hand von Ihrer Frau.“

Erik lächelte dünn. „Sie überschreiten gerade eine Grenze.“

„Nein“, antwortete der Arzt. „Ich ziehe eine.“

Ich sah zu Klara. Ihr Gesicht war blass, unter ihrem linken Auge zeichnete sich bereits eine dunkle Schwellung ab. Trotzdem suchte sie meinen Blick. Wir brauchten keine Worte. Seit wir Kinder waren, hatten wir eine Art lautlose Sprache entwickelt: ein Blinzeln, ein kaum sichtbares Kopfnicken, eine bestimmte Bewegung der Finger.

Klara bewegte zweimal ihren Zeigefinger.


Das Handy.

Mein Magen zog sich zusammen.

Das alte Telefon lag noch unter der Bodendiele zu Hause. Wenn Erik begriff, dass wir Beweise gesammelt hatten, würde er alles vernichten.

Die Tür öffnete sich. Zwei Polizeibeamte betraten das Zimmer, eine Frau und ein Mann. Die Beamtin stellte sich als Hauptkommissarin Lena Hartmann vor. Sie sah zuerst uns an, dann Erik, schließlich unsere Mutter.

„Herr Kaiser, treten Sie bitte zur Seite.“

„Auf welcher Grundlage?“, fragte Erik.

„Auf Grundlage dessen, was wir hier sehen.“

Zum ersten Mal erschien etwas in seinen Augen, das ich dort selten gesehen hatte.

Unsicherheit.

Hartmann bat darum, mit Klara und mir getrennt zu sprechen. Erik widersprach sofort. Meine Mutter ebenfalls, allerdings viel leiser.


„Die Mädchen brauchen uns.“

„Genau das werden wir feststellen“, sagte Hartmann.

Als Erik hinausgeführt wurde, drehte er sich zu mir um. Sein Blick traf mich wie eine kalte Hand.

„Frida“, sagte er, „überleg dir sehr genau, was du erzählst.“

Hartmann blieb stehen.

„War das eine Drohung?“

Erik lächelte wieder. „Eine väterliche Sorge.“

„Sie sind nicht unser Vater“, sagte Klara.

Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.

Ich hatte mir diesen Augenblick hundertmal vorgestellt. Ich hatte geglaubt, sobald jemand Erik endlich stoppte, würde ich Erleichterung empfinden. Stattdessen zitterten meine Hände so stark, dass ich sie unter der Krankenhausdecke verstecken musste.


Denn Erik hatte recht mit einer Sache: Die Wahrheit war gefährlich.

Hauptkommissarin Hartmann setzte sich neben meine Liege.

„Frida, ich werde dir eine einfache Frage stellen. Hat Erik Kaiser dir diese Verletzungen zugefügt?“

Meine Kehle wurde trocken.

Durch das kleine Fenster in der Tür konnte ich meine Mutter erkennen. Sie stand auf dem Flur, die Arme um sich geschlungen. Erik war einige Meter entfernt bei dem zweiten Polizisten.

Dann sah meine Mutter mich an.

Und schüttelte kaum merklich den Kopf.

Bitte nicht.

Siebzehn Jahre lang hatte ich geglaubt, meine Mutter sei schwach. In den letzten zwei Jahren hatte ich sie dafür gehasst. Für jedes Mal, wenn sie den Fernseher lauter gestellt hatte. Für jedes Frühstück danach, an dem sie uns nicht angesehen hatte. Für jeden Arzttermin, den sie abgesagt hatte.

Doch jetzt bemerkte ich etwas Seltsames.


Ihre Lippen formten lautlos zwei Wörter.

Nicht hier.

Ich erstarrte.

Hartmann folgte meinem Blick, konnte aber offenbar nicht erkennen, was zwischen uns geschehen war.

„Frida?“

Ich atmete ein.

„Ja.“

Auf dem Flur wurde es still.

„Wie lange?“

„Fast zwei Jahre.“


Klara begann zu weinen.

Nicht laut. Nur Tränen liefen über ihre Schläfen ins Haar.

Ich erzählte Hartmann von den verschlossenen Türen, den Vorhängen, dem Fernseher. Vom Ehering, den Erik jedes Mal abnahm. Davon, wie er darauf achtete, keine sichtbaren Verletzungen zu hinterlassen, wenn wir am nächsten Tag Schule hatten. Von seinen Regeln.

Dann erzählte ich ihr vom alten Handy.

Hartmann richtete sich auf.

„Wo befindet es sich?“

„Unter einer Bodendiele in meinem Zimmer.“

„Sind die Aufnahmen nur dort gespeichert?“

„Nein. Sie werden hochgeladen.“

„Wohin?“


„In einen Cloud-Speicher meines Vaters.“

Jetzt veränderte sich auch ihr Gesicht.

„Wer hat Zugang?“

„Ich. Vielleicht Klara. Und möglicherweise jemand, von dem Erik nichts weiß.“

Klara sah mich verwundert an.

Ich hatte ihr diesen Teil nie erzählt.

Vor drei Wochen hatte ich mich zum ersten Mal in Papas altes Konto eingeloggt. Zwischen den Audiodateien war ein Ordner aufgetaucht, den ich nicht angelegt hatte.

**DW – FALL KAISER**

Darin befanden sich Dokumente, die Jahre älter waren als die Ehe meiner Mutter mit Erik.

Damals hatte ich nicht verstanden, was das bedeutete.


Jetzt begann ich es zu begreifen.

Vielleicht war Erik nicht zufällig in unser Leben gekommen.

Hartmann ließ sofort Beamte zu unserem Haus schicken. Als sie Erik darüber informierte, verschwand sämtliche Farbe aus seinem Gesicht.

„Sie haben keinen Durchsuchungsbeschluss.“

„Den bekommen wir.“

„In diesem Haus befinden sich vertrauliche Geschäftsunterlagen.“

Hartmann sah ihn lange an. „Interessant. Von einem Telefon habe ich gar nichts gesagt.“

Erik schwieg.

Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.

Er wusste davon.


Eine Stunde später wurde er vorläufig festgehalten. Meine Mutter durfte nicht mit uns allein sein, bis ihre Rolle geklärt war. Dr. Köhler ordnete weitere Untersuchungen an, während eine Mitarbeiterin des Jugendamtes verständigt wurde.

Kurz nach zwei Uhr morgens kam Hartmann zurück.

Ihr Gesicht verriet mir sofort, dass etwas passiert war.

„Das Telefon ist weg.“

Klara setzte sich trotz ihrer Schmerzen auf.

„Unmöglich.“

„Die Bodendiele war geöffnet. Jemand war vor unseren Beamten dort.“

Ich sah durch das Fenster zur Sitzgruppe auf dem Flur.

Der Platz, auf dem meine Mutter gewartet hatte, war leer.

„Wo ist Brigitte?“, fragte Hartmann.


Niemand antwortete.

Dann vibrierte das Krankenhaus-Handy, das man mir vorübergehend gegeben hatte. Eine unbekannte Nummer hatte eine Nachricht geschickt.

**Frida, hör mir genau zu. Erik ist nicht hinter eurem Geld her. Er sucht etwas, das euer Vater vor seinem Tod versteckt hat. Öffne den Ordner DW nicht im Krankenhaus. Vertraue niemandem. Auch nicht der Polizei.**

Darunter stand nur ein Buchstabe.

**M.**

Ich starrte darauf.

Klara beugte sich zu mir.

„Wer ist M.?“

Bevor ich antworten konnte, erschien eine zweite Nachricht.

Diesmal mit einem Foto.


Es zeigte unseren Vater David vor elf Jahren vor einem Bürogebäude. Neben ihm stand ein deutlich jüngerer Erik Kaiser.

Und zwischen ihnen stand Hauptkommissarin Lena Hartmann.

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