Die Verbindung brach ab.
Ich hielt das Handy noch einige Sekunden ans Ohr.
„Jonas?“
Nichts.
Nur Stille.
Dann das gleichmäßige Tuten einer beendeten Verbindung.
Lena sah mich an.
Ihr unverletztes Auge war weit geöffnet.
Sie hatte an meinem Gesicht erkannt, dass etwas passiert war.
Ich trat näher an ihr Bett.
„Jonas hat angerufen.“
Ihre Finger krallten sich sofort in die Decke.
„Er sagte, jemand hätte ihn gefunden.“
Lena schloss die Augen.
Ich sah, wie ihr Brustkorb schneller auf und ab ging.
„Und er sagte, die Festplatte sei nicht bei ihm.“
Ihre Augen öffneten sich wieder.
Diesmal lag etwas anderes darin.
Nicht nur Angst.
Dringlichkeit.
Sie griff nach dem Block.
Ich gab ihr den Stift.
**Nicht Jonas.**
„Was meinst du?“
Sie schrieb weiter.
**Er sollte sie nur weitergeben.**
„An wen?“
Lena hielt inne.
Dann schrieb sie einen Namen.
**Miriam.**
Ich erinnerte mich an den Zettel von Krüger.
Jonas Keller.
Miriam Vogt.
Tobias Engel.
Alle drei waren aus der Zeugenliste verschwunden.
„Hat Miriam die Festplatte?“
Lena schüttelte den Kopf.
Dann schrieb sie:
**Vielleicht.**
Das war nicht genug.
Wenn Jonas gerade angegriffen worden war, durfte ich nicht darauf warten, dass die Polizei irgendwann entschied, ob eine Gefahr vorlag.
Ich nahm mein Handy.
„Ich rufe Krüger an.“
Lena griff sofort nach meinem Arm.
So plötzlich, dass ich innehielt.
Sie schüttelte heftig den Kopf.
„Warum nicht?“
Sie zeigte auf den Block.
**Nicht Telefon.**
Ich verstand.
Wenn jemand Zugriff auf universitäre Systeme hatte, möglicherweise Polizeiprotokolle beeinflusste und wusste, wo Jonas war, dann musste ich davon ausgehen, dass mehr überwacht wurde als nur ein Campusnetzwerk.
Ich steckte das Handy ein.
„Dann fahre ich.“
Lenas Gesicht veränderte sich.
„Ich bleibe nicht lange weg.“
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich muss herausfinden, ob Jonas noch lebt.“
Sie schrieb mit Mühe.
**Nicht allein.**
Ich hätte fast gesagt, dass ich mein ganzes Leben lang gelernt hatte, allein zurechtzukommen.
Aber das wäre dumm gewesen.
Denn genau diese Haltung hatte Männer in meiner früheren Einheit Fehler machen lassen.
Menschen, die glaubten, Erfahrung mache sie unverwundbar.
Das tat sie nie.
Erfahrung sagte einem nur, wann man Hilfe brauchte.
Ich drückte den Rufknopf.
Wenige Minuten später kam eine Pflegekraft.
„Ich muss das Krankenhaus für kurze Zeit verlassen.“
Sie sah mich überrascht an.
„Ihre Tochter wird gleich für weitere Untersuchungen vorbereitet.“
„Ich weiß.“
„Möchten Sie nicht warten?“
„Nein.“
Ich beugte mich zu Lena.
„Wenn irgendjemand kommt, den du nicht kennst, reagierst du nicht. Niemand nimmt dein Handy mit. Niemand stellt dir Fragen ohne Polizei oder Arzt im Raum.“
Die Pflegekraft hob die Augenbrauen.
„Herr Weber, sie ist hier sicher.“
Ich sah sie an.
„Dann sorgen Sie bitte dafür, dass es so bleibt.“
Draußen im Flur schrieb ich auf einen Zettel:
**Nora Krüger. Dringend. Daniel Weber. Jonas Keller.**
Ich ging zum Empfang.
„Können Sie das bitte einer Polizeibeamtin übergeben, falls sie zurückkommt?“
Die Frau nickte.
„Natürlich.“
Ich verließ das Krankenhaus.
Der Morgen über Hannover war grau.
Der Regen hatte aufgehört, aber die Straßen glänzten noch nass.
Ich setzte mich in mein Auto und blieb einige Sekunden hinter dem Lenkrad sitzen.
Jonas hatte von Verkehr gesprochen.
Von einem Auto.
Dann waren Schritte gekommen.
Das half mir kaum.
Aber ich hatte seine Nummer.
Und ich hatte etwas, das viele Menschen unterschätzten.
Geduld.
Ich öffnete nicht irgendeine Ortungssoftware.
Ich rief auch keinen alten Kameraden an, um Gesetze zu umgehen.
Stattdessen tat ich etwas sehr viel Einfacheres.
Ich suchte Jonas Keller öffentlich.
Innerhalb weniger Minuten fand ich ein Profil des Fachbereichs.
Tutor für organische Chemie.
Ein älteres Foto vom Hochschulsport.
Ein studentisches Projekt.
Dann einen Beitrag von vor drei Tagen.
Jonas stand mit mehreren Studenten vor einem kleinen Café nahe dem Königsworther Platz.
Unter dem Bild hatte jemand kommentiert:
**Wie immer Freitag um acht?**
Jonas hatte geantwortet:
**Wenn Miriam nicht wieder zu spät kommt.**
Heute war Freitag.
Ich blickte auf die Uhr.
07:36 Uhr.
Vielleicht war der Anruf nicht zufällig von dort gekommen.
Ich fuhr los.
Das Café lag in einer Seitenstraße.
Als ich ankam, war es noch geschlossen.
Vor der Tür standen zwei Fahrräder.
Ein Lieferwagen parkte ein Stück weiter.
Keine Spur von Jonas.
Ich ging nicht direkt hinein.
Ich stellte mich auf die gegenüberliegende Straßenseite und beobachtete.
Nach weniger als einer Minute fiel mir etwas auf.
Ein schwarzer Audi stand mit laufendem Motor am Ende der Straße.
Der Fahrer saß regungslos hinter dem Lenkrad.
Kein Blinker.
Keine Warnleuchte.
Keine Lieferung.
Er wartete.
Ich ging weiter, ohne hinzusehen.
Zwei Straßen weiter bog ich ab und kehrte durch einen Innenhof zurück.
Alte Gewohnheiten verschwanden nie ganz.
Von dort hatte ich einen besseren Winkel auf den Audi.
Kennzeichen aus Hannover.
Der Fahrer telefonierte.
Dann stieg er aus.
Mitte dreißig.
Dunkle Jacke.
Kurze Haare.
Kein Student.
Er ging zum Café.
Zog an der Tür.
Geschlossen.
Dann sah er sich um.
Nicht wie jemand, der einen Kaffee wollte.
Wie jemand, der einen Menschen suchte.
Ich fotografierte ihn aus der Entfernung.
Dann verschwand ich, bevor er mich sehen konnte.
Auf der anderen Seite des Blocks fand ich einen Hintereingang zum Café.
Daneben führte eine schmale Treppe zu Wohnungen über dem Laden.
Am Klingelschild stand:
**Vogt**
Ich blieb stehen.
Miriam.
Ich klingelte nicht sofort.
Zuerst sah ich nach oben.
Im zweiten Stock bewegte sich eine Gardine.
Dann verschwand jemand vom Fenster.
Ich klingelte.
Nichts.
Noch einmal.
Dann hörte ich Schritte.
„Wer ist da?“
Eine junge Frauenstimme.
„Daniel Weber.“
Stille.
„Lenas Vater.“
Wieder Stille.
Dann wurde der Türsummer betätigt.
Ich trat ein.
Im Treppenhaus roch es nach Kaffee und feuchtem Stein.
Die Wohnungstür im zweiten Stock öffnete sich nur einen Spalt.
Eine junge Frau mit dunklen Locken sah mich an.
Blass.
Übernächtigt.
„Ausweis.“
Ich zeigte ihn ihr.
Erst dann öffnete sie die Tür.
„Schnell.“
Ich ging hinein.
Sie schloss zweimal ab.
„Wo ist Jonas?“, fragte sie sofort.
„Das wollte ich Sie fragen.“
Ihr Gesicht verlor jede Farbe.
„Er hat mich angerufen.“
„Wann?“
„Vor ungefähr zwanzig Minuten.“
„Und?“
„Jemand hat ihn gefunden.“
Miriam presste eine Hand vor den Mund.
„Nein.“
„Was ist passiert?“
Sie ging zum Fenster, hielt aber Abstand von der Scheibe.
„Gestern Abend hat Jonas gesagt, dass er glaubt, verfolgt zu werden.“
„Von wem?“
„Er wusste es nicht.“
„Warum ist er überhaupt noch hiergeblieben?“
„Weil Lena im Krankenhaus liegt und er sich schuldig fühlt.“
„Wofür?“
Miriam sah mich an.
„Dafür, dass wir nicht früher zur Polizei gegangen sind.“
„Warum seid ihr nicht gegangen?“
Sie lachte einmal bitter.
„Wir sind gegangen.“
Ich sagte nichts.
„Vor sechs Wochen.“
„Zu wem?“
„Zur Polizei.“
Mein Magen zog sich zusammen.
„Mit welchen Beweisen?“
„Nicht mit allem. Nur mit Kopien von Laborprotokollen.“
„Und?“
„Zwei Tage später wusste Professor Hartmann genau, welche Unterlagen wir gezeigt hatten.“
Jetzt verstand ich, warum Lena ihr Telefon nicht benutzen wollte.
„Wer hat eure Aussage aufgenommen?“
Miriam wandte den Blick ab.
„Feldmann.“
Da war er wieder.
Der Name.
„Was geschah danach?“
„Jonas bekam Probleme mit seiner Stelle. Tobias verlor den Zugang zum Labor. Lena wurde aus dem Projekt genommen.“
„Und Sie?“
„Meine Abschlussarbeit wurde plötzlich wegen angeblicher methodischer Mängel zurückgestellt.“
Sie trat einen Schritt zurück.
„Sie mussten uns nicht bedrohen. Sie haben uns gezeigt, dass sie alles kontrollieren können.“
„Aber Lena hat weitergemacht.“
Miriam nickte.
„Lena war die Einzige, die nicht aufhören wollte.“
Das klang nach meiner Tochter.
Hartnäckig.
Manchmal bis zur Selbstzerstörung.
„Was genau habt ihr gefunden?“
Miriam setzte sich an den Küchentisch.
Ich blieb stehen.
„NeuroChem testet eine neue Wirkstoffklasse für neurologische Erkrankungen.“
„Das weiß ich.“
„Offiziell lief eine frühe klinische Studie unter strenger Kontrolle.“
„Und inoffiziell?“
„Es gab schwere Nebenwirkungen.“
„Wie viele?“
Sie schluckte.
„Wir kennen mindestens neun Fälle, die in den internen Daten anders klassifiziert wurden.“
„Anders wie?“
„Aus einer schweren Reaktion wurde eine leichte. Aus einem Abbruch wurde ein freiwilliger Rückzug.“
„Und die Todesfälle?“
Miriam sah mich scharf an.
„Wer hat Ihnen davon erzählt?“
„Jonas.“
Sie schloss kurz die Augen.
„Dann ist es schlimmer, als ich dachte.“
„Wie viele?“
„Drei, die wir sicher zuordnen konnten.“
Der Raum wurde still.
„Drei Menschen sind gestorben?“
„Ja.“
„Und Hartmann hat die Daten verändert?“
„Er hat die Änderungen freigegeben.“
„Max?“
Ihr Gesicht verhärtete sich.
„Max war derjenige, der dafür sorgte, dass Studenten den Mund hielten.“
„Wie?“
„Drohungen. Gerüchte. Druck.“
„Gewalt?“
Miriam antwortete nicht.
„Hat er Lena geschlagen?“
„Ich weiß es nicht.“
„Aber Sie glauben es.“
Sie sah mich an.
„Ich glaube, dass Max sehr viel schlimmer ist, als sein Vater wahrhaben will.“
Ich trat näher.
„Wo ist die Festplatte?“
Miriam erstarrte.
„Welche Festplatte?“
„Jonas sagte am Telefon, sie sei nicht bei ihm.“
Ihr Blick glitt zur Wohnungstür.
Dann wieder zu mir.
„Sie hätten nicht hierherkommen dürfen.“
„Zu spät.“
„Nein.“
Ihre Stimme zitterte.
„Sie verstehen nicht.“
„Dann erklären Sie es.“
Sie stand auf.
„Jonas sollte sie gestern Abend an Tobias weitergeben.“
„Hat er das getan?“
„Ich weiß es nicht.“
„Warum Tobias?“
„Weil er Hannover verlassen wollte.“
„Wohin?“
„Hamburg. Zu seinem Bruder.“
„Adresse?“
Miriam öffnete den Mund.
In diesem Moment klingelte es unten.
Sie erstarrte.
Einmal.
Dann noch einmal.
Niemand sagte etwas.
Miriam ging nicht zur Gegensprechanlage.
Das Klingeln hörte auf.
Ich trat zum Fenster, blieb aber seitlich.
Unten stand der Mann aus dem schwarzen Audi.
Er blickte direkt auf den Hauseingang.
„Kennen Sie ihn?“, fragte ich.
Miriam kam näher.
Als sie ihn sah, wich sie sofort zurück.
„Oh Gott.“
„Wer ist das?“
„Ich kenne seinen Namen nicht.“
„Aber Sie kennen ihn.“
Sie nickte.
„Er arbeitet für Hartmann.“
„Woher wissen Sie das?“
„Ich habe ihn zweimal im Institut gesehen.“
Dann hörten wir die Haustür unten.
Sie wurde geöffnet.
Jemand hatte ihn hereingelassen.
Miriam flüsterte:
„Er kommt hoch.“
Ich sah mich in der Wohnung um.
Eine Haustür.
Keine Hintertreppe.
Ein Balkon zum Innenhof.
Zweiter Stock.
Nicht ideal.
Aber wir mussten nicht kämpfen.
Wir mussten nur verhindern, dass er bekam, was er suchte.
„Haben Sie einen zweiten Ausgang?“
„Nein.“
„Dann nehmen Sie nur das Wichtigste.“
„Was?“
„Ausweis. Handy. Schlüssel.“
„Wohin sollen wir?“
„Nicht nachdenken. Machen.“
Sie gehorchte.
Schritte im Treppenhaus.
Langsam.
Ohne Eile.
Das verriet mir mehr als Rennen es getan hätte.
Der Mann glaubte, dass wir nirgendwohin konnten.
Ich öffnete die Balkontür.
Unter uns lag ein kleiner Innenhof.
Rechts verlief ein schmales Metalldach über den Mülltonnen bis zum Nachbarhaus.
Miriam sah mich an.
„Das meinen Sie nicht ernst.“
„Doch.“
„Das ist viel zu hoch.“
„Wir springen nicht.“
Die Schritte kamen näher.
Zweiter Stock.
Ich stieg über das Geländer auf das Metalldach.
Es gab unter meinem Gewicht ein leises Knacken von sich.
Ich streckte Miriam die Hand entgegen.
„Kommen Sie.“
Sie zögerte.
Dann hämmerte jemand an die Wohnungstür.
„Frau Vogt?“
Eine freundliche Männerstimme.
Zu freundlich.
„Universitätssicherheit.“
Miriam sah mich an.
„Die haben keinen Grund, hier zu sein.“
„Genau.“
Das Hämmern wurde lauter.
Ich zog Miriam über das Geländer.
In dem Moment krachte hinter uns die Wohnungstür.
Wir bewegten uns über das Dach.
Langsam.
Miriam hielt meine Hand so fest, dass ihre Fingernägel sich in meine Haut bohrten.
Hinter uns öffnete sich die Balkontür.
„Bleiben Sie stehen!“
Ich blickte nicht zurück.
Noch drei Meter.
Zwei.
Dann erreichten wir den Balkon des Nachbarhauses.
Die Tür dort stand gekippt.
Ich drückte sie auf.
Eine ältere Frau in einem Bademantel schrie erschrocken auf.
„Entschuldigung“, sagte ich. „Rufen Sie die Polizei.“
Dann zog ich Miriam durch die Wohnung zum Treppenhaus.
Wir rannten nach unten.
Als wir auf die Straße traten, hörte ich hinter uns eine Tür schlagen.
„Mein Auto steht zwei Straßen weiter.“
„Nein“, sagte Miriam.
Ich blieb stehen.
„Was?“
„Wenn die wirklich für Hartmann arbeiten, wissen sie längst, welches Auto Sie fahren.“
Sie hatte recht.
Ich mochte sie sofort ein wenig mehr.
„Dann nehmen wir die Straßenbahn.“
Wir liefen zur nächsten Haltestelle.
Erst als wir zwischen anderen Fahrgästen standen, atmete Miriam wieder normal.
„Wo fahren wir hin?“, fragte sie.
„Zu jemandem, dem ich zumindest im Moment mehr vertraue als Feldmann.“
„Krüger?“
„Ja.“
Miriam wurde blass.
„Nein.“
„Warum?“
„Weil Krüger vor sechs Wochen auch dort war.“
Ich sah sie an.
„Bei eurer Aussage?“
„Nicht im Raum.“
„Wo dann?“
„Auf dem Flur.“
„Das beweist nichts.“
„Nein.“
Miriam griff in ihre Tasche.
„Aber das vielleicht.“
Sie zog ihr Handy hervor.
Öffnete ein Foto.
Es zeigte einen Parkplatz vor dem Polizeigebäude.
Datum: vor sechs Wochen.
Auf dem Bild stand Feldmann neben einem dunkelblauen Mercedes.
Neben ihm Professor Sebastian Hartmann.
Und auf der anderen Seite des Wagens stand Nora Krüger.
Alle drei sahen aus, als würden sie miteinander sprechen.
„Warum haben Sie mir das nicht sofort gezeigt?“
„Weil ich erst wissen wollte, ob Sie wirklich Lenas Vater sind.“
Ich vergrößerte das Bild.
Krüger stand etwas abseits.
Ihre Haltung war schwer zu deuten.
Vielleicht Teil des Gesprächs.
Vielleicht Beobachterin.
Aber eines war jetzt klar.
Ich konnte niemandem blind vertrauen.
Mein Handy vibrierte.
Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.
Nur ein Bild.
Ich öffnete es.
Jonas Keller saß auf einem Stuhl.
Seine Hände waren hinter seinem Rücken gebunden.
Blut lief aus seiner Nase.
Unter dem Foto stand:
**Hör auf zu suchen, Herr Weber.**
Eine zweite Nachricht erschien.
**Sonst ist Ihre Tochter beim nächsten Mal nicht mehr so glücklich.**
Miriam sah den Bildschirm.
„Sie wissen, wer Sie sind.“
Ich steckte das Handy ein.
„Gut.“
Sie starrte mich an.
„Gut?“
„Bis jetzt haben sie bestimmt, wann wir reagieren.“
Ich blickte aus dem Fenster der fahrenden Straßenbahn.
„Ab jetzt ändern wir das.“
Denn zum ersten Mal seit Lenas Einlieferung wusste ich nicht nur, dass jemand versuchte, die Wahrheit zu begraben.
Ich wusste auch, wovor diese Menschen Angst hatten.
Vor der Festplatte.
Und wenn Jonas sie tatsächlich an Tobias weitergegeben hatte, dann gab es irgendwo noch etwas, das Professor Hartmann nicht kontrollieren konnte.
Beweise.
Ich sah Miriam an.
„Rufen Sie Tobias nicht an.“
„Warum nicht?“
„Weil sie darauf warten.“
„Was wollen Sie dann tun?“
„Wir finden ihn, bevor sie es tun.“
Als die Straßenbahn an der nächsten Haltestelle hielt, stiegen wir aus.
Und zum ersten Mal in dieser Nacht war ich nicht mehr nur der Vater, der auf Antworten wartete.
Ich begann, selbst Entscheidungen zu treffen.







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