Unterhaltung

Der Arzt Zeigte Mir Den Sechsfach Gebrochenen Kiefer Meiner Tochter – Dann Entdeckte Ich, Wer Den Angriff Vertuschen Wollte

Wir fanden Tobias Engel nicht in seiner Wohnung.

Die Tür war verschlossen.

Sein Briefkasten quoll über.

Auf dem Klingelschild stand sein Name noch immer, aber niemand reagierte.

Miriam sah mich an.

„Er wollte gestern Abend weg.“

„Dann ist er vielleicht schon in Hamburg.“

„Oder sie waren schneller.“

Ich antwortete nicht.

Im Treppenhaus war es still.


Zu still.

Ich ging nicht näher an die Wohnungstür.

Wenn jemand Tobias beobachtete, war dieser Ort genau der falsche Platz, um lange herumzustehen.

„Hat er Familie hier?“

„Nein. Nur seinen Bruder in Hamburg.“

„Freunde?“

Miriam dachte nach.

„Eine Freundin. Früher zumindest.“

„Name?“

„Sophie Albrecht.“


„Wohnt sie hier?“

„In Linden, glaube ich.“

„Dann gehen wir nicht zu ihr.“

Miriam runzelte die Stirn.

„Warum nicht?“

„Weil jeder, der Tobias kennt, wahrscheinlich überwacht wird.“

Wir verließen das Haus.

Draußen war die Stadt längst wach.

Menschen eilten zur Arbeit.

Straßenbahnen quietschten über nasse Schienen.


Ein Lieferfahrer stellte Getränkekisten vor einem Kiosk ab.

Diese Normalität fühlte sich beinahe beleidigend an.

Meine Tochter lag mit einem zertrümmerten Kiefer im Krankenhaus.

Jonas war gefesselt.

Und irgendwo da draußen bewegten sich Männer durch dieselbe Stadt, als wäre nichts passiert.

„Tobias hat mir einmal erzählt, dass sein Bruder bei einer Logistikfirma arbeitet“, sagte Miriam plötzlich.

„Name der Firma?“

„Weiß ich nicht mehr.“

„Dann finden wir es heraus.“

Wir setzten uns in eine kleine Bäckerei.


Nicht weil ich Hunger hatte.

Weil es dort voll war.

Menschen waren Deckung.

Miriam öffnete ihren Laptop.

Ich behielt den Eingang im Blick.

Sie suchte in alten Nachrichten.

Nach wenigen Minuten fand sie etwas.

„Hier.“

Sie drehte den Bildschirm zu mir.

Ein Chat von vor drei Monaten.


**Tobias:** Wenn alles schiefgeht, kann ich bei Jan unterkommen. Er arbeitet bei NordTransit in Hamburg-Wilhelmsburg.

„Jan Engel?“

„Ja.“

Ich nahm mein Handy nicht heraus.

„Wir fahren zum Bahnhof.“

Miriam sah mich an.

„Nach Hamburg?“

„Noch nicht.“

„Was dann?“

„Wir müssen zuerst herausfinden, ob Tobias überhaupt dorthin gefahren ist.“


Am Hauptbahnhof kauften wir keine Tickets.

Stattdessen gingen wir zu den Schließfächern.

Miriam blieb stehen.

„Warum hier?“

„Hat Tobias je etwas über einen sicheren Ort gesagt?“

Sie schüttelte den Kopf.

„Nur dass er Beweise nie mit nach Hause nehmen würde.“

„Und Studenten besitzen selten Bankschließfächer.“

Sie verstand.

„Bahnhof.“


„Oder Universität. Oder Bibliothek. Aber der Bahnhof ist besser, wenn man schnell verschwinden will.“

Wir gingen die Reihen entlang.

„Kennen Sie eine Nummer?“

„Nein.“

Dann blieb Miriam stehen.

Sie starrte auf ein Schließfach.

Nummer 317.

„Was?“

„Das ist Lenas Geburtstag.“

Ich sah sie an.


„Sicher?“

„31. Juli.“

Ein Zufall war möglich.

Aber ich glaubte schon lange nicht mehr an bequeme Zufälle.

„Hat Tobias das gewusst?“

„Natürlich.“

Wir standen vor Fach 317.

Kein Schlüssel.

Digitales Schloss.

„Code?“


Miriam schüttelte den Kopf.

„Keine Ahnung.“

Dann fiel mir etwas ein.

Lenas Handycode.

4193.

Ich dachte an die Zahlen.

Vier.

Eins.

Neun.

Drei.


„Tobias kannte Lenas Code?“

„Nein.“

Gut.

Dann war es etwas anderes.

Ich probierte nichts aus.

Drei falsche Versuche konnten das Fach sperren.

Miriam öffnete erneut ihre Nachrichten.

„Vielleicht hat er etwas geschickt.“

Sie suchte nach Tobias.

Der letzte Chat war gestern Abend.

**Tobias:** Falls Jonas es schafft, mache ich den Rest.

Miriam hatte gefragt:

**Was heißt das?**

Keine Antwort.

Dann eine weitere Nachricht von Tobias.

Nur vier Wörter.

**Wie damals am Maschsee.**

Miriam starrte darauf.

„Ich dachte, er wäre betrunken.“

„Was war damals am Maschsee?“

Sie überlegte.

Dann schlug sie sich mit der Hand gegen die Stirn.

„Letzten Sommer. Wir waren zu viert dort. Lena, Jonas, Tobias und ich.“

„Und?“

„Wir hatten Fahrräder gemietet.“

„Code?“

„Nein.“

„Schließfach?“

Sie dachte weiter.

Dann sah sie mich an.

„Wir hatten unsere Taschen in einem Schließfach beim Strandbad.“

„Nummer?“

„Weiß ich nicht mehr.“

„Was hat Lena damals gemacht?“

Miriam lächelte zum ersten Mal.

Nur ganz kurz.

„Sie hat sich über Tobias lustig gemacht, weil er seinen PIN vergessen hatte.“

„Welcher PIN?“

„Er hatte das Jahr seiner Einschulung genommen.“

„Wann wurde er eingeschult?“

„Keine Ahnung.“

„Alter?“

„Einundzwanzig.“

Ich rechnete.

Vielleicht 2011.

Vielleicht 2012.

Wir versuchten 2011.

Falsch.

2012.

Das Schloss klickte.

Miriam starrte mich an.

„Sie machen mir langsam Angst.“

„Gut.“

Das Schließfach öffnete sich.

Darin lag kein Gepäck.

Nur ein brauner Umschlag.

Und ein billiges Prepaid-Handy.

Miriam griff danach.

„Nicht anfassen.“

Sie zog die Hand zurück.

Ich betrachtete den Umschlag.

Auf der Vorderseite stand:

**Falls ich es nicht schaffe.**

Darunter:

**Für Lena.**

Ich spürte einen Druck in der Brust.

„Das hat Tobias geschrieben.“

„Ja.“

Miriam zog ein Taschentuch aus ihrer Tasche und nahm damit den Umschlag heraus.

Darin befand sich ein USB-Stick.

Keine Festplatte.

Außerdem ein gefalteter Zettel.

Ich las.

**Jonas hatte recht. Die große Platte ist zu gefährlich. Ich habe die wichtigsten Dateien kopiert. Wenn Hartmann merkt, was fehlt, wird er alles vernichten.**

Darunter stand:

**Die Originale liegen nicht in Hannover.**

Miriam sah mich an.

„Was heißt das?“

Ich las weiter.

**Dr. Brandt hat seit Monaten Kopien außerhalb des Instituts gespeichert. Er wollte sich absichern.**

Felix Brandt.

Der Name aus Hartmanns E-Mail.

„Brandt ist einer von ihnen“, sagte Miriam.

„Vielleicht.“

„Er stand in der E-Mail.“

„Das beweist nicht, dass er loyal ist.“

Ich las die letzte Zeile.

**Wenn Lena verletzt wird, sucht Brandt. Er weiß, warum.**

Miriam wurde blass.

„Tobias wusste, dass etwas passieren würde.“

„Er wusste zumindest, dass sie bedroht wurde.“

Das Prepaid-Handy vibrierte plötzlich im Schließfach.

Wir beide erstarrten.

Eine Nachricht erschien auf dem Display.

**Zu spät.**

Dann klingelte das Telefon.

Ich nahm es mit dem Taschentuch heraus.

„Nicht rangehen“, flüsterte Miriam.

Ich sah auf die Nummer.

Unterdrückt.

Ich nahm ab.

„Ja.“

Eine Männerstimme.

Ruhig.

Gebildet.

„Herr Weber.“

Ich sagte nichts.

„Sie sind schwieriger, als man mir beschrieben hat.“

„Wer sind Sie?“

Ein leises Lachen.

„Sie haben etwas genommen, das Ihnen nicht gehört.“

„Meine Tochter gehört auch niemandem.“

Stille.

Dann:

„Geben Sie den Datenträger zurück.“

„Welchen?“

„Spielen Sie nicht mit mir.“

„Dann spielen Sie auch nicht mit meiner Tochter.“

Seine Stimme wurde kälter.

„Sie verstehen nicht, worum es geht.“

„Drei Tote.“

Diesmal schwieg er länger.

Miriam sah mich scharf an.

„Woher haben Sie diese Zahl?“, fragte der Mann.

Da war es.

Nicht Wut.

Angst.

Nur einen Augenblick.

Aber genug.

„Danke“, sagte ich.

„Wofür?“

„Jetzt weiß ich, dass sie stimmt.“

Ich legte auf.

Miriam starrte mich an.

„Sie haben ihn provoziert.“

„Nein.“

Ich steckte das Prepaid-Handy in den Umschlag.

„Ich habe ihn getestet.“

„Und?“

„Die drei Todesfälle sind real.“

Wir verließen den Bahnhof getrennt.

Miriam zuerst.

Ich fünf Minuten später.

Wir trafen uns in einem Parkhaus zwei Straßen weiter.

„Was jetzt?“, fragte sie.

„Brandt.“

„Wo finden wir ihn?“

„Nicht an der Universität.“

„Warum?“

„Weil er entweder überwacht wird oder längst verschwunden ist.“

Miriam suchte nach ihm.

Dr. Felix Brandt.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Neuropharmakologie.

Mehrere Veröffentlichungen.

Eine alte Konferenzseite enthielt eine private Praxisadresse seiner Frau.

Dr. Katharina Brandt.

Neurologin.

Langenhagen.

„Wir fahren hin.“

„Sie wollen seine Frau da hineinziehen?“

„Nein. Ich will herausfinden, ob er sie bereits hineingezogen hat.“

Wir nahmen ein Taxi.

Ich ließ uns zwei Straßen vor der Praxis aussteigen.

Schon aus der Entfernung sah ich den Streifenwagen.

Miriam ebenfalls.

„Polizei.“

„Bleiben Sie hier.“

„Allein?“

„Ja.“

Ich näherte mich von der gegenüberliegenden Straßenseite.

Vor der Praxis standen zwei Beamte.

Nicht Feldmann.

Krüger auch nicht.

Ein Krankenwagen parkte daneben.

Dann öffnete sich die Tür.

Eine Frau wurde herausgeführt.

Mitte vierzig.

Weiße Bluse.

Sie weinte.

Ein Sanitäter stützte sie.

Ich ging näher.

„Was ist passiert?“, fragte ich einen älteren Mann, der vor einer Apotheke stand.

„Keine Ahnung. Irgendwas mit ihrem Mann.“

„Dr. Brandt?“

„Ja.“

„Ist er verletzt?“

Der Mann sah mich an.

„Sie kennen ihn?“

„Flüchtig.“

Er senkte die Stimme.

„Der ist weg.“

„Weg?“

„Heute Morgen nicht zur Arbeit gekommen. Seine Frau sagt wohl, er sei nachts verschwunden.“

Ich sah zurück zur Praxis.

Katharina Brandt sprach mit einem Polizisten.

Dann trat ein dritter Mann aus der Tür.

Mein Körper spannte sich an.

Markus Feldmann.

Er legte Katharina Brandt eine Hand auf die Schulter.

Vertraut.

Fast beruhigend.

Dann gab er einem Beamten Anweisungen.

Ich zog mich zurück, bevor er mich sehen konnte.

Im Parkhaus erzählte ich Miriam nichts über meine Vermutung.

Nur die Fakten.

„Brandt ist verschwunden.“

„Feldmann ist dort?“

„Ja.“

„Dann arbeitet Brandt vielleicht wirklich gegen Hartmann.“

„Oder er ist Teil davon und hat Angst bekommen.“

„Wie finden wir ihn?“

Ich zog Tobias' Zettel heraus.

**Die Originale liegen nicht in Hannover.**

„Wir finden nicht Brandt.“

„Was dann?“

„Wir finden heraus, wo er die Kopien gelagert hat.“

Miriam dachte nach.

„Er kommt aus Celle.“

„Familie?“

„Seine Mutter lebt dort.“

„Zu offensichtlich.“

„Er besitzt ein Ferienhaus.“

Ich sah sie an.

„Woher wissen Sie das?“

„Er hat uns im Labor davon erzählt. Irgendwo im Harz.“

„Ort?“

Sie suchte in alten Nachrichten.

Nach fast zehn Minuten fand sie ein Foto aus einer Arbeitsgruppe.

Brandt stand vor einem Holzhaus.

Im Hintergrund ein Schild.

Nur teilweise sichtbar.

**...tal**

Miriam vergrößerte es.

„Vielleicht Zellerfeld?“

„Oder irgendein anderer Ort.“

Dann sah ich etwas auf der Fensterbank hinter Brandt.

Eine kleine Holzfigur.

Ein Bergmann.

Typisch Harz.

Aber das half uns kaum.

„Wir brauchen mehr.“

Miriam scrollte.

Ein anderer Student hatte kommentiert:

**Felix und sein Versteck in Altenau.**

Da war es.

„Altenau.“

Miriam sah auf.

„Sie wollen jetzt in den Harz fahren?“

„Wenn die Originale dort liegen, ja.“

„Und Lena?“

Die Frage traf mich.

Ich nahm mein Handy heraus.

Zum ersten Mal seit Stunden wählte ich das Krankenhaus.

Die Pflegekraft meldete sich.

„Zimmer 214, bitte.“

Eine Pause.

Dann hörte ich eine andere Stimme.

„Herr Weber?“

Krüger.

Ich schwieg.

„Ihre Tochter ist in Ordnung“, sagte sie sofort.

„Warum sind Sie bei ihr?“

„Weil jemand versucht hat, Zugang zu ihrem Zimmer zu bekommen.“

Mein Körper wurde kalt.

„Wer?“

„Ein Mann mit gefälschtem Mitarbeiterausweis.“

„Wo ist er?“

„Weg.“

„Sie haben ihn entkommen lassen?“

„Er ist geflohen, bevor wir ihn festhalten konnten.“

Ich schloss die Augen.

„Lena?“

„Unverletzt.“

„Sind Sie allein bei ihr?“

„Zwei uniformierte Beamte stehen vor der Tür.“

„Von wem angefordert?“

„Von mir.“

„Und Feldmann?“

Stille.

„Nicht hier.“

Ich sah Miriam an.

„Krüger.“

„Ja?“

„Ich habe eine Frage.“

„Dann fragen Sie.“

„Standen Sie vor sechs Wochen mit Feldmann und Hartmann auf dem Parkplatz des Präsidiums?“

Am anderen Ende wurde es vollkommen still.

Miriam hielt den Atem an.

Dann sagte Krüger:

„Woher wissen Sie davon?“

„Antworten Sie.“

„Ja.“

Mein Griff um das Handy wurde fester.

„Warum?“

„Weil ich Hartmann beobachtet habe.“

„Und Feldmann?“

„Weil Feldmann ihn gewarnt hatte.“

Ich sagte nichts.

Krügers Stimme wurde leiser.

„Ich hatte damals keinen Beweis. Nur einen Verdacht.“

„Jetzt?“

„Jetzt habe ich einen.“

„Welchen?“

„Feldmann hat heute Morgen ohne richterliche Anordnung versucht, den Zugriff auf Lenas Handyprotokolle anzufordern.“

Ich sah durch die Betonöffnungen des Parkhauses auf die Straße.

„Warum?“

„Das möchte ich auch wissen.“

„Schützen Sie meine Tochter.“

„Das tue ich.“

„Nein.“

Meine Stimme wurde hart.

„Sie schützen sie nicht als Zeugin. Sie schützen sie als Ziel.“

Krüger schwieg.

„Verstanden“, sagte sie schließlich.

Ich legte auf.

Miriam sah mich an.

„Glauben Sie ihr?“

„Teilweise.“

„Was bedeutet das?“

„Dass wir keine Zeit mehr haben.“

Wir mieteten einen Wagen unter Miriams Namen.

Nicht weil das unsichtbar machte.

Nur weil ich meinen eigenen Wagen nicht mehr benutzen wollte.

Die Fahrt Richtung Harz dauerte über eine Stunde.

Währenddessen sagte kaum einer von uns etwas.

Kurz vor Altenau begann es wieder zu regnen.

Die Straßen wurden schmaler.

Wald schloss sich um uns.

Miriam hatte schließlich über ein altes Immobilienregister die Adresse gefunden.

Ein kleines Ferienhaus außerhalb des Ortes.

Als wir ankamen, war die Haustür offen.

Das gefiel mir überhaupt nicht.

„Bleiben Sie im Auto.“

„Das sagen Sie ständig.“

„Und trotzdem leben Sie noch.“

Sie verdrehte die Augen, blieb aber sitzen.

Ich näherte mich dem Haus.

Keine Geräusche.

Keine Bewegung.

Die Tür stand nur wenige Zentimeter offen.

Ich drückte sie mit dem Fuß weiter auf.

„Dr. Brandt?“

Keine Antwort.

Das Wohnzimmer war verwüstet.

Schubladen herausgerissen.

Papier auf dem Boden.

Ein Laptop lag zerbrochen neben dem Kamin.

Jemand war bereits hier gewesen.

Ich ging nicht weiter hinein.

Dann hörte ich ein Geräusch.

Aus dem hinteren Raum.

Ein leises Stöhnen.

Ich folgte ihm.

Felix Brandt lag auf dem Boden des Badezimmers.

Blut an seiner Schläfe.

Seine Hände waren mit Kabelbindern gefesselt.

Ich kniete mich hin.

„Brandt.“

Seine Augen öffneten sich.

„Wer...“

„Daniel Weber.“

Sein Gesicht veränderte sich.

„Lenas Vater?“

„Ja.“

Panik flackerte in seinen Augen.

„Sie dürfen nicht hier sein.“

„Das höre ich heute sehr oft.“

Ich schnitt die Kabelbinder mit einem kleinen Werkzeug aus meinem Schlüsselbund durch.

„Wo sind die Daten?“

Brandt griff nach meinem Arm.

„Nicht hier.“

„Wo?“

„Sie haben alles durchsucht.“

„Die Originale?“

Er schüttelte den Kopf.

„Nicht gefunden.“

„Wo sind sie?“

Er hustete.

Dann sagte er einen Satz, der alles veränderte.

„Ihre Tochter hat sie.“

Ich starrte ihn an.

„Nein.“

„Doch.“

„Lena sagte, Jonas hätte die Festplatte.“

„Das glaubte Jonas.“

Brandt versuchte sich aufzusetzen.

„Wir haben niemandem gesagt, wie wir die Sicherung organisiert haben.“

„Wir?“

„Lena und ich.“

Mein Herz schlug schneller.

„Erklären Sie es.“

„Die Festplatte war Köder.“

Ich sagte nichts.

„Die echten Daten wurden verschlüsselt auf drei Speicher verteilt.“

„Wo?“

„Einer bei mir.“

Er deutete schwach in Richtung Schlafzimmer.

„Einer bei Lena.“

„Wo?“

„Das weiß nur sie.“

„Und der dritte?“

Brandt sah mich an.

„Bei jemandem, den Hartmann niemals verdächtigen würde.“

„Wer?“

Bevor er antworten konnte, hörten wir draußen Reifen auf nassem Kies.

Ein Auto.

Dann ein zweites.

Brandts Gesicht wurde weiß.

„Sie sind zurück.“

Ich ging zum Fenster.

Zwei dunkle Fahrzeuge hielten vor dem Haus.

Männer stiegen aus.

Und aus dem zweiten Wagen trat jemand, den ich inzwischen von Fotos kannte.

Professor Sebastian Hartmann.

Brandt flüsterte hinter mir:

„Sie verstehen es immer noch nicht, Herr Weber.“

Ich drehte mich zu ihm.

„Was?“

Er schluckte.

„Sebastian hat den Angriff auf Ihre Tochter nicht befohlen.“

Draußen schlug eine Autotür zu.

„Wer dann?“

Brandt sah zur Eingangstür.

Dann wieder zu mir.

„Max.“

Und in diesem Moment begriff ich, dass der Vater vielleicht versuchte, einen Skandal zu vertuschen.

Aber der Sohn hatte längst etwas getan, das selbst sein Vater nicht mehr kontrollieren konnte.

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