Krüger reagierte zuerst.
Sie rief die Feuerwehrleitstelle an, nannte das Gebäude und verlangte, dass niemand den Keller betrat, ohne die Polizei zu informieren.
Dann sah sie Brandt an.
„Wie groß ist das Archiv?“
„Zwei Räume.“
„Papier?“
„Teilweise.“
„Server?“
„Ein lokales Speichersystem.“
„Feuerfest?“
Brandt schüttelte den Kopf.
„Nicht vollständig.“
Ich stand bereits an der Tür.
„Dann fahren wir.“
Krüger stellte sich mir in den Weg.
„Sie bleiben hier.“
„Nein.“
„Herr Weber.“
„Wenn dort die Aufnahme vom Angriff auf meine Tochter liegt, bleibe ich nicht hier sitzen.“
„Und wenn dort jemand wartet?“
„Dann wissen wir wenigstens, warum.“
Sie sah mich mehrere Sekunden lang an.
Dann fluchte sie leise.
„Sie bleiben bei mir. Kein Alleingang.“
„Einverstanden.“
Miriam wollte ebenfalls mit.
Krüger schüttelte den Kopf.
„Sie bleiben bei Brandt.“
„Aber—“
„Nein.“
Diesmal widersprach Miriam nicht.
Vielleicht weil sie selbst verstanden hatte, dass wir längst an einem Punkt angekommen waren, an dem ein falscher Schritt Menschenleben kosten konnte.
Als wir das alte Institutsgebäude erreichten, stand bereits dichter Rauch über einem Seitentrakt.
Feuerwehrleute rollten Schläuche aus.
Studenten und Mitarbeiter standen hinter Absperrungen.
Einige filmten mit ihren Handys.
Krüger zeigte ihren Dienstausweis.
„Untergeschoss. Forschungsarchiv.“
Der Einsatzleiter sah sie an.
„Brand in einem Technikraum. Sprinkler sind angesprungen.“
„Ist der Archivbereich betroffen?“
„Noch unklar.“
„Jemand drin?“
„Nach aktuellem Stand nein.“
Brandt hatte uns den Grundriss auf Papier gezeichnet.
Der Technikraum lag nicht direkt neben dem Archiv.
Das bedeutete zwei Möglichkeiten.
Entweder der Brand war tatsächlich Zufall.
Oder jemand hatte ihn so gelegt, dass er wie ein technischer Defekt aussah.
Ich glaubte nicht an die erste.
Krüger offenbar auch nicht.
„Die Zugangskontrolle“, sagte sie zum Einsatzleiter. „Ich brauche alle Daten, bevor sie überschrieben werden.“
Er nickte.
Wir durften nicht in den Keller, solange die Feuerwehr arbeitete.
Also warteten wir.
Für mich war Warten immer schlimmer gewesen als Gefahr.
Gefahr gab einem etwas zu tun.
Warten gab einem nur Gedanken.
Ich dachte an Lena.
An ihr geschwollenes Gesicht.
An den Satz auf ihrem Handy.
**Du hättest einfach schweigen sollen.**
Dann an die vier Namen.
An Feldmann.
An Sebastian.
An Max.
Und an all die kleinen Dinge, die anfangs nicht zusammengepasst hatten.
Bis jetzt.
Nach fast vierzig Minuten kam ein Feuerwehrmann zu uns.
„Der Brand ist unter Kontrolle.“
Krüger richtete sich auf.
„Archiv?“
„Rauchschäden. Wasser. Aber die beiden hinteren Räume sind nicht ausgebrannt.“
Ich atmete zum ersten Mal wieder richtig.
„Können wir rein?“
„Mit Begleitung.“
Im Keller roch es nach verbranntem Kunststoff und nassem Beton.
Wasser lief über den Boden.
Die Notbeleuchtung flackerte.
Der Technikraum war schwarz verkohlt.
Das Archiv lag weiter hinten.
Die äußere Tür war offen.
Brandt hatte gesagt, sie brauche zwei Karten.
Jetzt brauchte sie keine mehr.
Das Schloss war zerstört.
Krüger kniete sich davor.
„Aufgebrochen.“
Ich sah auf die Spuren.
„Vor oder nach dem Brand?“
„Das wird die Spurensicherung klären.“
Drinnen lagen Aktenordner auf dem Boden.
Mehrere Schränke standen offen.
Ein Computerterminal war zertrümmert.
Aber an der hinteren Wand befand sich ein grauer Metallschrank.
Unversehrt.
Krüger zog Handschuhe an.
„Nicht anfassen.“
Ein Techniker der Feuerwehr überprüfte die Stromversorgung.
Dann trat ein Spurensicherer hinzu.
Das Schloss des Schranks war beschädigt, aber nicht geöffnet worden.
„Jemand hat es versucht“, sagte er.
Krüger sah mich an.
„Und es nicht geschafft.“
Nach wenigen Minuten wurde der Schrank fachgerecht geöffnet.
Darin lagen keine Papierakten.
Nur mehrere kleine Datenträger.
Sauber beschriftet.
Monate.
Projektcodes.
Versuchsreihen.
Und ein Gerät, das aussah wie ein eigenständiger Netzwerkrekorder.
Brandt hatte die Wahrheit gesagt.
„Das interne Kamerasystem“, sagte ich.
Krüger nickte.
„Wenn es noch funktioniert.“
Der Datenträger wurde ausgebaut.
Nicht hier geöffnet.
Nicht improvisiert.
Krüger bestand darauf, dass alles dokumentiert wurde.
Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass wir etwas taten, das Hartmann später nicht einfach verschwinden lassen konnte.
Während die Spurensicherung arbeitete, kam ein Beamter den Gang entlang.
„Frau Hauptkommissarin.“
Krüger drehte sich um.
„Wir haben die Zugangsdaten.“
„Und?“
Er hielt ihr ein Tablet hin.
„Zwei Karten wurden heute Morgen benutzt.“
„Namen?“
„Dr. Felix Brandt.“
Ich sah ihn an.
„Seine Karte wurde gestohlen.“
Der Beamte nickte.
„Und die zweite gehört Professor Hartmann.“
Krügers Gesicht wurde hart.
„Zeit?“
„07:12 Uhr.“
„Brand?“
„07:26.“
Vierzehn Minuten.
Genug Zeit.
„Gibt es Kameraaufnahmen vom Eingang?“, fragte ich.
Der Beamte zögerte.
„Eine Außenkamera.“
„Und?“
Er sah Krüger an.
„Sie sollten das sehen.“
Auf dem Tablet war ein Standbild.
Zeitstempel 07:09.
Sebastian Hartmann betrat das Gebäude.
Allein.
Drei Minuten später kam ein zweiter Mann.
Nicht Max.
Nicht einer der Männer aus dem Harz.
Markus Feldmann.
Ich sagte nichts.
Krüger ebenfalls nicht.
Sie nahm das Tablet.
Sah das Bild an.
Dann noch einmal.
„Das reicht noch nicht“, sagte sie.
Ihre Stimme klang, als müsste sie sich selbst daran erinnern.
„Für was?“, fragte ich.
„Für eine Festnahme wegen Brandstiftung oder Beweisvernichtung.“
„Aber es reicht, um zu beweisen, dass Feldmann gelogen hat.“
„Ja.“
„Und dass er mit Hartmann zusammenarbeitet.“
Krüger sah mich an.
„Es beweist, dass er mit ihm hier war.“
„Sie verteidigen ihn immer noch?“
„Nein.“
Ihre Stimme wurde scharf.
„Ich versuche, dafür zu sorgen, dass er nicht wegen eines Verfahrensfehlers in zwei Tagen wieder draußen steht.“
Das verstand ich.
Ich mochte es nicht.
Aber ich verstand es.
Dann vibrierte mein Telefon.
Eine Nachricht vom Krankenhaus.
Lena war wach.
Ich rief sofort an.
Die Pflegekraft hielt ihr das Telefon ans Bett.
„Lena.“
Ich hörte ihr Atmen.
„Wir haben das Archiv gefunden.“
Stille.
„Es ist nicht zerstört.“
Ein kleines Geräusch.
Fast ein Schluchzen.
„Die Kameraaufzeichnungen könnten noch da sein.“
Sie begann schneller zu atmen.
„Hey. Ruhig.“
Dann hörte ich die Pflegekraft.
„Sie will schreiben.“
Ich wartete.
„Herr Weber?“
„Ja.“
„Sie schreibt: Nicht nur Flur.“
Ich sah Krüger an.
„Was noch, Lena?“
Wieder das Kratzen eines Stiftes.
Die Pflegekraft las:
„Raum B-17.“
Brandt hatte mir den Grundriss erklärt.
B-17 lag im Keller.
Aber nicht im Archiv.
Ein kleiner Besprechungsraum.
„Was ist in B-17?“
Lange Pause.
Dann:
„Sie schreibt: Dort begann es.“
Mein Körper wurde kalt.
„Der Angriff?“
Die Pflegekraft wartete.
„Ja.“
Krüger hatte jedes Wort gehört.
Sie rief einen Spurensicherer.
„B-17.“
Wir gingen den Flur entlang.
Die Tür war geschlossen.
Kein Rauchschaden.
Kein Wasser.
Innen stand ein Tisch.
Vier Stühle.
Ein Whiteboard.
Nichts Besonderes.
Bis ich den Boden sah.
Unter einer der Tischkanten befand sich ein dunkler Fleck.
Fast vollständig gereinigt.
Aber nicht vollständig.
Krüger kniete sich hin.
„Blut.“
An der Wand daneben war eine kleine Delle.
Etwa auf Schulterhöhe.
Dann entdeckte ein Techniker etwas unter dem Heizkörper.
Ein Stück blauen Stoff.
Ich wusste sofort, was es war.
Lenas Hoodie.
Derselbe Hoodie, der im Beweismittelbeutel im Krankenhaus gelegen hatte.
Ein Teil des Stoffes musste beim Angriff abgerissen sein.
Die Universität hatte Lena also nicht draußen angegriffen gefunden, weil der Angriff dort stattgefunden hatte.
Sie war aus diesem Raum weggebracht worden.
„Jemand hat den Tatort verlegt“, sagte Krüger.
Ich sah sie an.
„Und gereinigt.“
„Ja.“
Plötzlich ergab der Bleichmittelgeruch keinen Sinn? That was another story memory not canon. Avoid. Continue.
Ein Spurensicherer fotografierte die Wand.
„Hier ist noch etwas.“
Unter dem Whiteboard verlief ein schmaler Kunststoffkanal.
Darin steckte eine kleine Speicherkarte.
Nicht Teil des offiziellen Systems.
Krüger hob den Blick.
„Was ist das?“
Der Techniker untersuchte sie.
„Lokale Sicherung einer Raumkamera.“
Mein Herz schlug einmal hart.
„Können Sie sie lesen?“
„Nicht hier.“
„Wie lange?“
Krüger sah mich an.
„Sie bekommen keine Zeitangabe von mir.“
Ich nickte.
Sie hatte recht.
Wir mussten sauber arbeiten.
Nicht schnell aussehen.
Sauber sein.
Noch am selben Nachmittag wurden die Daten in einem gesicherten Raum ausgewertet.
Ich durfte nicht dabei sein.
Krüger schon.
Ich saß draußen.
Eine Stunde.
Dann noch eine.
Als die Tür schließlich aufging, sah ich an ihrem Gesicht, dass sie etwas gefunden hatten.
„Ist Max darauf?“
Sie blieb stehen.
„Ja.“
Ich schloss die Augen.
Nur für einen Moment.
„Zeigen Sie es mir.“
„Nein.“
„Krüger.“
„Nein.“
„Das ist meine Tochter.“
„Und genau deshalb.“
Sie setzte sich mir gegenüber.
„Ich kann Ihnen sagen, was zu sehen ist.“
Ich sagte nichts.
„Lena betritt B-17 um 21:38 Uhr.“
„Allein?“
„Ja.“
„Dann?“
„Max Hartmann kommt sechs Minuten später.“
Mein Kiefer spannte sich an.
„Allein?“
Krüger nickte.
Das überraschte mich.
„Was passiert?“
„Zuerst reden sie.“
„Ton?“
„Kein Ton.“
„Dann?“
„Max stellt sich vor die Tür.“
Ich wusste bereits, wohin das führte.
„Lena versucht rauszugehen.“
Krüger sah auf ihre Hände.
„Er hält sie fest.“
Ich zwang mich, sitzen zu bleiben.
„Weiter.“
„Sie stößt ihn weg.“
„Und dann?“
Krüger hob den Blick.
„Er schlägt sie.“
Mein Atem wurde flach.
„Wie oft?“
„Mehrfach.“
Ich sah die Röntgenaufnahme vor mir.
Sechs Brüche.
„Mit der Faust?“
„Zuerst.“
Zuerst.
Das Wort war schlimmer als alles andere.
„Und dann?“
Krüger schwieg.
„Sagen Sie es.“
„Er nimmt einen schweren Metallhalter vom Tisch.“
Ich stand auf.
Krüger ebenfalls.
„Daniel.“
„Hat er ihr damit den Kiefer gebrochen?“
„Sehr wahrscheinlich.“
„Sehr wahrscheinlich?“
„Die Forensik muss das bestätigen.“
„Ich habe genug.“
„Nein.“
Sie stellte sich vor mich.
„Sie haben gerade genau nicht genug, um jetzt loszufahren und Ihr Leben zu zerstören.“
Ich sah sie an.
„Sie glauben, Sie wissen, was ich tun werde.“
„Ja.“
„Dann liegen Sie falsch.“
Das stimmte.
Ich wollte Max nicht schlagen.
Nicht mehr.
Ich wollte, dass er lebte.
Ich wollte, dass er lange genug lebte, um jede Konsequenz dessen zu sehen, was er getan hatte.
„Was passiert nach dem Angriff?“
Krüger zögerte.
„Max ruft jemanden an.“
„Wen?“
„Nicht zu erkennen.“
„Dann?“
„Zwölf Minuten später kommt Sebastian Hartmann.“
Da war es.
Der Vater.
„Hilft er Lena?“
Krüger sah mich lange an.
„Nein.“
Mein Magen zog sich zusammen.
„Was tut er?“
„Er überprüft ihren Puls.“
„Und dann?“
„Er nimmt Max beiseite.“
Ich sagte nichts.
„Danach kommt Feldmann.“
Die Luft schien aus dem Raum zu verschwinden.
„Feldmann war am Tatort?“
„Ja.“
„Noch bevor Lena gefunden wurde?“
„Ja.“
„Was macht er?“
Krügers Stimme wurde leise.
„Er hilft ihnen, den Raum zu reinigen.“
Ich stand vollkommen still.
Alles war jetzt da.
Der Kamerafall.
Die gelöschten Zeugen.
Die Warnungen.
Die manipulierten Ermittlungen.
Nicht Vermutungen.
Nicht Fragmente.
Eine Kette.
„Und Lena?“
„Sie wird später von zwei Männern aus dem Gebäude getragen.“
„Welche Männer?“
„Einer ist der Mann, der vor Miriams Wohnung war.“
„Und der andere?“
„Noch nicht identifiziert.“
„Dann legen sie sie draußen ab.“
„Ja.“
Ich setzte mich wieder.
Nicht weil meine Beine schwach waren.
Weil ich wusste, dass ich mich sonst bewegen würde.
Und ich durfte mich jetzt nicht bewegen.
Nicht in die falsche Richtung.
Krüger setzte sich gegenüber.
„Daniel.“
Ich sah sie an.
„Wir haben genug für Haftbefehle.“
„Gegen wen?“
„Max Hartmann wegen versuchten Totschlags und weiterer Delikte.“
Sie machte eine Pause.
„Sebastian Hartmann wegen Strafvereitelung, Beweisvernichtung und möglicher Beteiligung an der Vertuschung der Studiendaten.“
„Feldmann?“
Ihr Blick wurde hart.
„Interne Ermittler sind unterwegs.“
„Und der Mann aus Miriams Wohnung?“
„Wir haben sein Gesicht.“
„Jonas?“
Krüger schwieg.
Das traf mich sofort.
„Was ist mit Jonas?“
„Wir haben das Industriegebiet durchsucht.“
„Und?“
„Blutspuren.“
Miriam erschien am Ende des Flures.
Brandt stand hinter ihr.
„Kein Jonas“, sagte Krüger.
Miriam schloss die Augen.
„Dann lebt er vielleicht.“
„Vielleicht.“
Ich hasste dieses Wort inzwischen.
Krügers Telefon klingelte.
Sie nahm ab.
Hörte zu.
Ihr Gesicht veränderte sich.
„Wo?“
Pause.
„Sichern Sie ihn sofort.“
Sie legte auf.
„Jonas?“, fragte Miriam.
Krüger nickte.
„Er wurde gefunden.“
Miriam griff nach der Wand.
„Lebt er?“
„Ja.“
Zum ersten Mal seit Stunden fühlte ich etwas, das fast wie Erleichterung war.
„Wo?“
„In einer leerstehenden Lagerhalle.“
„Zustand?“
„Verletzt. Aber ansprechbar.“
Miriam begann zu weinen.
Brandt setzte sich.
Ich fragte nur:
„Was hat er gesagt?“
Krüger sah mich an.
„Dass Tobias ihm das Leben gerettet hat.“
„Wie?“
„Tobias hat offenbar die Männer verfolgt, nachdem Jonas entführt wurde.“
„Wo ist Tobias?“
Krüger schwieg.
„Was?“
„Jonas sagt, Tobias sei geschnappt worden, nachdem er den Notruf ausgelöst hat.“
Damit verschwand jede Erleichterung wieder.
„Also haben sie Tobias.“
„Möglicherweise.“
„Wer?“
„Jonas konnte einen Namen hören.“
Ich wartete.
Krüger sagte:
„Max.“
Ich starrte sie an.
„Max war nach dem Angriff noch frei genug, Jonas entführen zu lassen und Tobias zu verfolgen?“
„Ja.“
„Dann wo ist er jetzt?“
Krügers Telefon klingelte erneut.
Diesmal dauerte das Gespräch nur wenige Sekunden.
Sie legte auf.
„Nicht mehr zu Hause.“
„Sebastian?“
„Ebenfalls verschwunden.“
„Feldmann?“
„Sein Dienstwagen wurde verlassen gefunden.“
Miriam sah mich an.
„Sie fliehen.“
„Nein“, sagte Brandt.
Wir alle blickten zu ihm.
Er war plötzlich sehr blass.
„Wenn Sebastian fliehen wollte, hätte er längst Deutschland verlassen.“
„Was macht er dann?“, fragte Krüger.
Brandt sah mich an.
„Er versucht, den letzten Datenträger zu bekommen.“
Lena.
Ich griff sofort nach meinem Handy.
Krüger stand gleichzeitig auf.
„Das Krankenhaus ist gesichert.“
„Sie sagten, die Daten seien bei Lena.“
Brandt schüttelte den Kopf.
„Nicht physisch bei ihr.“
„Wo dann?“
„Ich weiß es nicht.“
„Aber Sebastian glaubt, dass sie es weiß.“
Stille.
Dann erinnerte ich mich an etwas.
Lenas erster Blick, als ich ihren Chat geöffnet hatte.
Die Fotos.
Der Screenshot.
Ihre Reaktion auf Max.
Und etwas, das bisher keine Bedeutung gehabt hatte.
Der durchsichtige Beweismittelbeutel im Krankenhaus.
Ihr blauer Hoodie.
Ich sah Brandt an.
„Kann man einen Datenträger klein genug machen, um ihn in Kleidung zu verstecken?“
Sein Gesicht veränderte sich.
„Natürlich.“
Ich rief Krüger zu:
„Der Hoodie.“
Sie verstand sofort.
Der Hoodie war als Beweismittel registriert.
Nicht bei Lena.
Nicht im gesicherten Krankenzimmer.
Sondern in der Asservatenstelle.
Krüger griff nach ihrem Funkgerät.
Noch bevor sie sprechen konnte, ertönte eine Antwort.
Jemand anders meldete sich zuerst.
Ein Einbruchalarm.
Asservatenbereich.
Krüger sah mich an.
Und ich wusste, dass wir gerade alle dieselbe Schlussfolgerung gezogen hatten.
Max hatte Lena beinahe getötet, um die Wahrheit zu begraben.
Sebastian hatte geholfen, den Tatort zu beseitigen.
Feldmann hatte die Ermittlungen manipuliert.
Und jetzt, da ihre Lügen auseinanderfielen, jagten sie nicht mehr nur Menschen.
Sie jagten das letzte Stück Beweis, das sie endgültig vernichten konnte.







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