Maria stockte so heftig der Atem, dass Damian sie bemerkte, noch bevor Lina es tat.
„Lina“, flüsterte Maria voller Angst. „Komm her. Sofort.“
Das kleine Mädchen blickte zu ihr zurück, verwirrt über die Furcht ihrer Mutter.
Damians Hand bewegte sich zu der silbernen Klingel neben seinem Bett.
Maria rechnete damit, dass gleich die Wachleute hereinstürmen würden.
Doch stattdessen schob er die Klingel beiseite.
„Lass sie“, sagte er.
Seine Stimme war schwach, doch der Befehl hatte noch immer das Gewicht des Mannes, den alle fürchteten.
Maria erstarrte.
Lina wandte sich wieder Damian zu und betrachtete aufmerksam sein Gesicht. Dann klopfte sie sich zweimal auf die eigene Brust und zeigte auf ihn.
Damian runzelte die Stirn.
„Was macht sie da?“
Maria schluckte.
„Sie fragt, ob Ihr Herz wehtut.“
Etwas veränderte sich in seinem Gesicht.
Keine Wut.
Erkennen.
Damian blickte langsam auf die kleine Hand hinunter, die noch immer auf seiner Brust lag.
„Woher kann sie das wissen?“
Maria zögerte.
„Lina hört nicht so wie wir“, sagte sie. „Aber sie spürt Vibrationen. Manchmal bemerkt sie Dinge, noch bevor andere sie aussprechen.“
Plötzlich beugte Lina sich näher zu ihm.
Ihr Gesicht wurde angespannt.
Dann zeigte sie auf Damians Nachttisch.
Dort stand ein Kristallglas neben einer Flasche Wasser.
Lina schüttelte heftig den Kopf.
„Nein?“, fragte Damian.
Das Mädchen zeigte noch einmal darauf und machte dann mit den Fingern eine drehende Bewegung.
Maria starrte sie an.
„Was willst du uns sagen, mein Schatz?“
Lina kletterte vom Bett, ging zum Tisch und berührte das Glas.
Dann zeigte sie zur Tür.
Genau in diesem Moment verstummten Schritte draußen auf dem Flur.
Damians Blick wurde scharf.
Für einen beängstigenden Augenblick war sämtliche Schwäche aus seinem Gesicht verschwunden.
„Hinter mich“, befahl er.
Maria zog Lina eng an sich, gerade als Damians langjähriger Arzt, Dr. Anton Falk, mit einer ledernen Arzttasche das Zimmer betrat.
Als er die beiden sah, lächelte er.
„Dieses Kind sollte nicht hier sein.“
Damian sagte nichts.
Anton griff nach der Wasserflasche.
Lina schrie auf.
Nicht laut.
Aber deutlich genug.
„Böse.“
Alle erstarrten.
Antons Hand blieb mitten in der Bewegung stehen.
Damian blickte auf die Flasche.
Dann auf den Arzt.
Seit zwanzig Jahren gehörte Anton zu den wenigen Männern, die das Anwesen Falkenhof betreten durften, ohne durchsucht zu werden.
Damians Stimme wurde beinahe ruhig.
„Doktor.“
Anton drehte sich langsam zu ihm um.
Damians Augen waren kälter, als Maria sie je gesehen hatte.
„Trinken Sie.“
Anton wurde kreidebleich.
Und unter seinem Mantel rutschte etwas Metallisches hervor und fiel klirrend auf den Marmorboden.
Es war kein medizinisches Instrument.
Es war ein Schlüssel.
Ein Schlüssel, in den das Zeichen von Damians privatem Weinkeller eingeprägt war.
**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**







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