Unterhaltung

Der sterbende Mafiaboss feuerte jede Krankenschwester – bis die gehörlose Tochter einer Reinigungskraft sein verbotenes Zimmer betrat

Viktor riss Damian aus dem Bett.

Dr. Keller protestierte, doch niemand hörte ihm zu.

„Geheimgang!“, rief Gregor.

Maria hob Lina hoch und rannte zur geöffneten Wand. Hinter ihr wurde der Piepton schneller.

Damian konnte kaum stehen. Viktor legte sich seinen Arm über die Schulter und zog ihn vorwärts.

Anton stolperte hinter ihnen her, noch immer geschwächt von seiner Verletzung.

„Schneller!“

Gregor war der Letzte im Zimmer.

Er griff nach der Holzvertäfelung und zog sie hinter sich zu.

Drei Sekunden später ertönte ein dumpfer Knall.


Die Wand bebte.

Staub rieselte von der Decke.

Lina presste ihr Gesicht gegen Marias Schulter.

Dann war es still.

„Was war das?“, fragte Maria.

Viktor leuchtete mit seinem Telefon zurück.

„Kleine Ladung. Genug, um den Raum unbrauchbar zu machen.“

„Oder um uns zu töten“, sagte Anton.

Gregor schüttelte den Kopf.

„Nein.“


Damian hob den Kopf.

„Warum nicht?“

„Konrad braucht den Schlüssel.“

Gregor hielt die Kette fest.

„Solange ich ihn habe, will er mich lebend.“

Damian sah ihn kalt an.

„Beruhigend.“

Sie bewegten sich tiefer durch den schmalen Gang.

Lina begann plötzlich, sich in Marias Armen zu drehen.

„Was ist?“


Das Mädchen zeigte nach links.

Dort war nur Stein.

Dann legte Lina ihre Hand an die Wand.

Vibrationen.

Maria kannte diesen konzentrierten Ausdruck inzwischen.

„Da ist jemand.“

Viktor löschte das Licht seines Telefons.

Alle blieben stehen.

Einige Sekunden später hörten auch die Erwachsenen Schritte.

Auf der anderen Seite der Wand.


Gregor flüsterte: „Parallelgang.“

„Wie viele davon gibt es?“, fragte Viktor.

„Mehr, als ich kenne.“

Damian sah seinen Bruder an.

„Du kennst dieses Haus besser als ich.“

„Ich hatte acht Jahre Zeit, alte Pläne zu studieren.“

Die Schritte wurden langsamer.

Dann stoppten sie.

Direkt neben ihnen.

Maria hielt den Atem an.


Lina dagegen sah auf den Boden.

Sie zeigte nach vorne.

Gregor verstand.

„Sie haben uns nicht gefunden. Weiter.“

Sie erreichten eine eiserne Tür.

Gregor zog den Schlüssel von seinem Hals.

Damian beobachtete ihn.

„Das Archiv liegt hier?“

„Unter dem alten Weinkeller.“

„Du trägst acht Jahre lang den Schlüssel zu einem Raum in meinem eigenen Haus?“


„Weil dein Vater ihn mir gegeben hat.“

Damian erstarrte.

„Wann?“

„Drei Tage vor seinem Tod.“

Gregor steckte den Schlüssel ins Schloss.

Er drehte sich.

Die Tür öffnete sich.

Dahinter lag ein kleiner Raum ohne Fenster.

Regale bedeckten die Wände.

Ordner.


Metallkassetten.

Alte Festplatten.

Und in der Mitte stand ein schwerer Stahltisch.

Damian trat hinein.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Ich wusste nichts davon.“

Gregor sah ihn an.

„Das war der Sinn.“

Auf dem Tisch lag ein versiegelter Umschlag.

DARAN stand:


FÜR DAMIAN UND GREGOR.

Gemeinsam.

Damian nahm ihn.

Das Papier war vergilbt.

Das Siegel trug das Wolfszeichen ihres Vaters.

Er öffnete es.

Im Inneren befand sich ein handgeschriebener Brief.

Damian las schweigend.

Dann reichte er ihn Gregor.

Maria sah, wie dessen Gesicht immer blasser wurde.


„Was steht darin?“, fragte Viktor.

Damian antwortete.

„Mein Vater wusste, dass jemand die Organisation von innen übernahm.“

„Konrad?“

„Er vermutete es.“

Gregor las weiter.

„Deshalb teilte er die Beweise.“

Damian sah zu den Regalen.

„Ein Teil hier. Ein anderer außerhalb des Falkenhofs.“

Anton lehnte sich gegen die Wand.


„Wo?“

Gregor erreichte die letzte Zeile.

Dann lachte er einmal fassungslos.

„Anton.“

„Was?“

„Du hattest den zweiten Teil.“

Anton runzelte die Stirn.

„Nein.“

Gregor gab ihm den Brief.

Anton las.

Seine Augen wurden groß.

„Das kann nicht sein.“

„Was?“, fragte Maria.

Anton hob den Blick.

„Damians Vater gab mir nach seinem Tod eine verschlossene medizinische Akte. Ich sollte sie niemals öffnen, solange Damian gesund war.“

Damian sah ihn an.

„Und als ich krank wurde?“

Anton wurde still.

„Ich öffnete sie.“

„Was war darin?“

„Nichts. Nur alte Laborberichte.“

Gregor nahm ihm den Brief wieder ab.

„Dann hast du etwas übersehen.“

Anton schüttelte den Kopf.

„Ich habe jede Seite geprüft.“

Lina zog an Marias Ärmel.

Sie zeigte auf den Brief.

Dann machte sie dieselbe Bewegung wie zuvor beim medizinischen Ordner.

Zwischen zwei Schichten.

Maria verstand sofort.

„Der Einband.“

Anton sah sie an.

„Die Akte hatte einen dicken Ledereinband.“

Damian schloss die Augen.

„Wo ist sie?“

„In meiner Praxis.“

„Hier im Haus?“

„Nein. Hamburg.“

Gregor fluchte.

Viktor griff nach seinem Funkgerät.

Noch immer kein Signal.

„Konrad weiß wahrscheinlich davon.“

„Nein“, sagte Anton.

„Warum sind Sie so sicher?“

Anton sah Damian an.

„Weil ich die Akte vor drei Wochen jemandem gegeben habe.“

Damian wurde gefährlich ruhig.

„Wem?“

„Einem Notar.“

„Name.“

„Paul Brenner.“

Gregor kannte ihn.

„Vaters alter Notar.“

Anton nickte.

„Ich wollte, dass er prüft, warum die Akte überhaupt existierte.“

„Und?“

„Er rief mich gestern an.“

„Was sagte er?“

Anton sah auf den Boden.

„Er habe etwas gefunden, das nur Damian sehen dürfe.“

Maria bekam eine Gänsehaut.

„Wo ist Brenner jetzt?“

Anton antwortete nicht.

Damian verstand.

„Du weißt es nicht.“

„Seit gestern Abend erreiche ich ihn nicht.“

Plötzlich ertönte ein Geräusch hinter der eisernen Tür.

Ein langsames Klatschen.

Einmal.

Noch einmal.

Dann ein drittes Mal.

Gregor zog seine Waffe.

Viktor ebenfalls.

Eine Stimme kam aus dem Gang.

Diesmal ohne Lautsprecher.

„Beeindruckend.“

Konrad.

Damian bewegte sich nicht.

„Du hast lange gebraucht.“

„Acht Jahre“, antwortete Konrad. „Aber Familiengeheimnisse sind geduldig.“

Gregor stellte sich vor den Stahltisch.

„Du bekommst den Schlüssel nicht.“

Konrad lachte.

„Gregor, sieh dich um.“

„Was?“

„Du hast ihn bereits benutzt.“

Alle erstarrten.

Maria begriff zuerst.

Der Schlüssel war nie das Ziel gewesen.

Das Archiv war es.

Konrad hatte Gregor gebraucht, um die Tür zu öffnen.

Viktor zog die Eisentür zu.

Doch bevor sie einrastete, schob sich etwas Metallisches dazwischen.

Die Tür blieb offen.

„Zurück!“

Zwei Männer erschienen im Gang.

Viktor feuerte nicht. Der Raum war zu eng, Maria und Lina standen direkt hinter ihm.

Dann trat Konrad zwischen ihnen hervor.

Er war älter als auf dem Foto.

Fast vollständig graues Haar.

Teurer dunkler Mantel.

Keine Eile.

An seiner Hand glänzte der fünfte Wolfsring.

Sein Blick fiel auf Damian.

„Du siehst schlecht aus.“

Damian lächelte kalt.

„Und du siehst aus wie ein Mann, der acht Jahre gebraucht hat, um eine Tür zu öffnen.“

Konrads Lächeln verschwand.

Dann bemerkte er Lina.

„Das Kind.“

Maria stellte sich vor ihre Tochter.

Konrad betrachtete sie.

„Du hast heute erstaunlich viele Probleme verursacht.“

Damian machte einen Schritt vor.

„Sieh sie nicht an.“

Konrad hob eine Augenbraue.

„Interessant.“

Sein Blick wanderte von Lina zu Damian.

„Der große Damian Wolff hat plötzlich etwas, das er beschützen möchte.“

„Sie gehört nicht hierher.“

„Nein.“

Konrad lächelte wieder.

„Aber sie ist hier.“

Gregor hob seine Waffe.

„Lass sie gehen.“

„Niemand geht.“

Konrad deutete auf die Regale.

„Ich nehme die Originale. Ihr bleibt hier.“

Damian sah ihn an.

„Und dann?“

„Dann endet die Familie Wolff dort, wo sie immer hätte enden sollen.“

Anton trat vor.

„Du hast den Wein vergiftet.“

Konrad sah ihn beinahe gelangweilt an.

„Natürlich.“

„Warum hast du mich nicht getötet, als du gemerkt hast, dass ich die Medikamente ausgetauscht hatte?“

„Weil du mir geholfen hast.“

Anton erstarrte.

„Deine Medikamente machten Damian schwach. Sie machten seine Symptome unklar. Jeder hielt seinen Zustand für eine Folge des ersten Giftes.“

Anton sah aus, als hätte man ihm ins Gesicht geschlagen.

Konrad genoss es.

„Du dachtest, du würdest ihn retten.“

Damian sah Anton an.

Keine Vergebung.

Aber auch kein Zweifel mehr darüber, wer den ersten Anschlag verübt hatte.

„Genug“, sagte Gregor.

Konrad nickte einem seiner Männer zu.

Der Mann ging zu den Regalen.

Lina bewegte sich hinter Maria.

Sie legte ihre Hand auf den Stahltisch.

Dann auf den Boden.

Ihr Gesicht wurde aufmerksam.

Sie sah Damian an.

Und lächelte plötzlich.

Damian runzelte die Stirn.

Lina zeigte nach unten.

Dann bewegte sie ihre Finger wie laufende Menschen.

Viktor bemerkte es.

„Was sagt sie?“

Maria verstand.

„Unter uns.“

Konrad drehte sich um.

„Was?“

Jetzt hörte Viktor es ebenfalls.

Schritte.

Viele.

Konrads Gesicht veränderte sich.

Damian lächelte zum ersten Mal wirklich.

„Du hast einen Fehler gemacht, Konrad.“

„Welchen?“

„Du dachtest, Viktor hätte nur die offiziellen Baupläne gesucht.“

Ein Teil des Bodens hinter den Regalen bewegte sich.

Konrad fuhr herum.

Eine verborgene Luke öffnete sich.

Bewaffnete Männer stiegen heraus.

Viktors Männer.

An ihrer Spitze stand ein älterer Mann im grauen Anzug.

Anton starrte ihn an.

„Brenner?“

Der Notar Paul Brenner hielt eine dicke lederne Akte unter dem Arm.

„Entschuldigen Sie die Verspätung.“

Konrad wich zurück.

Zum ersten Mal an diesem Tag sah er nicht überlegen aus.

Brenner legte die Akte auf den Stahltisch.

„Herr Wolff“, sagte er zu Damian.

„Ihr Vater hat dafür gesorgt, dass dieser Fall nur geöffnet werden kann, wenn beide Teile seiner Unterlagen zusammenkommen.“

Damian sah auf die Akte.

„Was ist darin?“

Brenner öffnete den dicken Ledereinband.

Zwischen zwei Lederschichten lag ein versiegeltes Speichermedium.

„Die vollständigen Konten. Namen. Zahlungen. Unternehmen. Und eine Erklärung Ihres Vaters.“

Konrads Gesicht verlor jede Farbe.

Damian blickte ihn an.

Jetzt verstand er.

Konrad hatte nicht versucht, nur Beweise für einen alten Verrat zu vernichten.

Er hatte acht Jahre lang versucht, eine Wahrheit zu begraben, die jeden Mann identifizieren konnte, der ihm geholfen hatte.

Und diese Wahrheit lag nun vollständig auf dem Tisch.

Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 9, um weiterzulesen.

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