Unterhaltung

Die 3-jährige Tochter einer Haushaltshilfe sagte zum Mafiaboss: „Du bist hässlich, aber nicht böse“ — dann legte sie ihren Teddybären vor seine Tür

Lina starrte Johannes Mercer an, als wäre er nichts Bedrohlicheres als ein müder Mann, der hinter einem riesigen Schreibtisch saß.

Dann runzelte sie die Stirn.

„Du bist hässlich.“

Stille verschluckte den Raum.

Johannes’ Finger verharrten über dem Dokument vor ihm.

Lina drückte ihren einäugigen Teddybären fester an sich und fügte mit vollkommenem Ernst hinzu: „Aber nicht böse.“

Zum ersten Mal seit Jahren wusste Johannes Mercer nicht, was er darauf sagen sollte.

Männer hatten vor ihm gebettelt.

Feinde hatten ihn verflucht.

Politiker hatten ihm ins Gesicht gelogen, während sie in ihren teuren Anzügen schwitzten.


Aber noch nie hatte ihn jemand angesehen, ohne Angst vor ihm zu haben.

Schon gar kein Kind.

„Wie heißt du?“, fragte er schließlich.

„Lina.“

Sie trat in das Zimmer.

Johannes verengte die Augen.

„Du solltest nicht hier sein.“

„Mama sagt das auch.“

Bevor er etwas erwidern konnte, hallten schnelle Schritte durch den Flur.

Audrey erschien in der Tür, außer Atem und kreidebleich.


In dem Moment, als sie Lina neben Johannes’ Schreibtisch stehen sah, wich ihr vor Entsetzen sämtliche Farbe aus dem Gesicht.

„Oh Gott.“

Sie stürzte nach vorn.

„Herr Mercer, es tut mir leid. Das Schloss — ich dachte, ich hätte …“

Ralf erschien hinter ihr.

Sein Gesichtsausdruck wurde hart.

„Ich habe Ihnen gesagt, dass das Mädchen im Zimmer bleiben soll.“

Audrey zog Lina sofort an sich.

„Bestrafen Sie mich. Bitte. Es war mein Fehler.“

Johannes lehnte sich langsam zurück.


„Sie bestrafen?“

Audreys Blick fiel auf die Pistole auf seinem Schreibtisch.

Dieser eine Blick sagte ihm alles.

Sie glaubte die Geschichten über ihn.

Vielleicht sollte sie das auch.

Johannes sah zu Lina.

Das kleine Mädchen betrachtete die Narbe, die von seiner Schläfe bis in Richtung Kiefer verlief.

„Tut das weh?“, fragte sie.

„Nicht mehr.“

Lina dachte kurz darüber nach.


Dann nickte sie, als hätte sie gerade eine wichtige Tatsache zur Kenntnis genommen.

Audrey nahm sie auf den Arm und trug sie hinaus, bevor noch ein weiteres Wort fallen konnte.

In dieser Nacht entdeckte Johannes etwas vor der Tür seines Arbeitszimmers.

Linas Teddybären.

Das abgewetzte kleine Stofftier saß sorgfältig an seine Tür gelehnt.

Daneben lag eine krakelige Zeichnung mit blauem Wachsmalstift.

Ein großer Mann.

Ein kleines Mädchen.

Sie hielten sich an den Händen.

Johannes betrachtete die Zeichnung lange.


Dann näherte sich Ralf leise.

„Soll ich ihn zurückbringen?“

„Nein.“

Ralf erstarrte.

Johannes hob den Teddy auf.

Zwanzig Jahre zuvor hatte schon einmal ein Kind einen Teddybären vor Johannes Mercers Schlafzimmertür zurückgelassen.

Seine jüngere Schwester.

In der Nacht, bevor sie verschwand.

Und auf der Unterseite von Linas Teddy, fast vollständig unter dem abgenutzten Stoff verborgen, war derselbe Name eingestickt:

**EMILY MERCER.**


Johannes wurde kreidebleich.

„Dieser Teddy“, flüsterte er. „Woher hat Audrey diesen Teddy?“

Zum ersten Mal fragte er sich, ob Tristan Weber wirklich wegen des Geldes verschwunden war — oder weil er herausgefunden hatte, was damals tatsächlich mit Johannes’ Schwester geschehen war.

**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**

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