Leonids Sicherheitschef schickte ihm die Adresse und fügte anschließend einen einzigen Satz hinzu, der die Nacht noch kälter erscheinen ließ.
Dennis Wagner war zweimal wegen Körperverletzung festgenommen worden. Beide Verfahren waren eingestellt worden, nachdem die Zeugen ihre Aussagen zurückgezogen hatten.
Um 1:17 Uhr erreichte Leonid die Wohnung.
Im Hausflur roch es nach Reinigungsmittel, feuchtem Teppich und Zigaretten.
Hinter der Tür von Wohnung 3B krachte etwas zu Boden.
Dann hörte er die Stimme eines Mannes.
„Glaubst du wirklich, diese Uniform macht dich zu etwas Besonderem?“
Drinnen stand Karin Werner neben der Spüle. Unter ihrem weißen Kittel trug sie noch die hellblaue Dienstkleidung aus dem Krankenhaus. Die Erschöpfung hatte tiefe Spuren in ihr Gesicht gezeichnet, doch sie hatte sich so positioniert, dass sie zwischen Dennis und dem Flur stand, der zu Elsas Zimmer führte.
Dennis hob eine Flasche.
„Du verschwindest die ganze Nacht und kommst dann nach Hause und tust so, als wärst du etwas Besseres als ich.“
„Ich komme erschöpft nach Hause“, sagte Karin. „Das ist ein Unterschied.“
Bevor Dennis antworten konnte, öffnete sich die Tür.
Leonid trat ein.
Dennis drehte sich um. „Wer zum Teufel sind Sie?“
„Jemand, der eine offene Rechnung eintreibt.“
„Ich schulde Ihnen nichts.“
Leonids Blick wanderte zu dem zerbrochenen Stuhl, zu dem dunklen Bluterguss, der sich an Karins Handgelenk abzeichnete, und schließlich zu einem kleinen Stück roten Stoffes, das hinter der Wand hervorschaute.
„Doch“, sagte Leonid leise. „Das tun Sie.“
Dennis holte mit der Flasche aus.
Er kam nicht einmal dazu, Leonid zu treffen.
Leonid packte sein Handgelenk, drehte es mit einer einzigen kontrollierten Bewegung und zwang ihn auf die Knie.
Seine Männer traten hinter ihm in die Wohnung, lautlos wie Schatten.
Karin starrte entsetzt auf die Szene.
„Elsa!“
Das kleine Mädchen kam aus seinem Versteck gerannt und schlang beide Arme um seine Mutter.
„Mama, ich habe jemanden gefunden.“
Karin blickte von ihrer Tochter zu Leonid.
Dann begriff sie.
„Du bist ganz allein nach draußen gegangen?“
Elsas Kinn begann zu zittern.
„Ich habe ihn bezahlt.“
Leonid legte drei Ein-Euro-Münzen auf den Tisch.
„Sie hat es zumindest versucht.“
Karins Augen füllten sich mit Tränen – aber nicht vor Dankbarkeit.
Vor Wut.
„Sie können nicht einfach in meine Wohnung kommen und entscheiden, was mit uns passiert.“
Zum ersten Mal wirkte Leonid unsicher.
Dann lachte Dennis vom Boden aus.
„Du weißt es immer noch nicht, oder?“, brachte er keuchend hervor.
Karin wurde kreidebleich.
Dennis hob den Kopf und sah zu Elsa.
„Erzähl deinem neuen Monster doch mal, warum dein Dienstausweis dir Zugang zur Privatstation verschafft.“
Leonids Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich.
Sein Blick wurde scharf.
Karin flüsterte: „Was hast du getan?“
Dennis lächelte trotz des Blutes an seiner Lippe.
„Ich habe den Patienten gefunden, nach dem Leonid Korin schon so lange sucht.“
Und aus Elsas Schlafzimmer ertönte plötzlich ein Geräusch, das niemand missverstehen konnte.
Ein Mann hustete.
**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**







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