Unterhaltung

Ein siebenjähriges Mädchen bot Leonid Korin drei Münzen, damit er die Monster in ihrem Haus vertreibt

Das Husten aus Elsas Schlafzimmer ließ selbst Dennis’ Lächeln für einen Moment verschwinden.

Leonid bewegte sich zuerst.

„Niemand rührt sich.“

Seine Stimme war nicht laut. Sie musste es nicht sein.

Einer seiner Männer blieb bei Dennis, während Leonid auf den schmalen Flur zuging. Karin stellte sich ihm sofort in den Weg.

„Nein.“

Er blieb stehen.

„Da drin ist jemand.“

„Ich weiß.“

Diese zwei Worte veränderten alles.


Leonids Blick glitt über ihr Gesicht. Eben noch hatte er eine erschöpfte Krankenschwester gesehen, die ihre Tochter vor einem gewalttätigen Mann schützen wollte. Jetzt sah er etwas anderes in ihren Augen.

Angst, ja.

Aber nicht die Angst einer Frau, die überrascht worden war.

Die Angst einer Frau, deren Geheimnis gerade eine Tür weiter atmete.

„Mama?“ Elsa klammerte sich fester an ihren Arm.

Karin sah zu ihrer Tochter hinunter. „Geh bitte in die Küche.“

„Aber—“

„Elsa.“

Leonid kannte diesen Ton. Erwachsene benutzten ihn, wenn Kinder etwas nicht sehen sollten.

Elsa gehorchte widerwillig.


Dennis lachte wieder.

„Das wird gut.“

Leonid drehte nur leicht den Kopf. „Wenn Sie noch einmal sprechen, werden Sie den Rest des Abends bereuen.“

Dennis verstummte.

Karin schloss kurz die Augen.

„Der Mann dort drin ist verletzt“, sagte sie schließlich. „Sehr schwer.“

„Wer ist er?“

„Ich kenne seinen richtigen Namen nicht.“

Leonids Gesicht blieb reglos.

„Dann erzählen Sie mir den falschen.“


Karin atmete langsam aus. „Im Krankenhaus wurde er als Peter Hansen aufgenommen.“

Zum ersten Mal an diesem Abend verlor Leonid für den Bruchteil einer Sekunde seine vollkommene Kontrolle.

Peter Hansen.

Der Name war wertlos.

Aber Leonid kannte ihn.

Drei Monate zuvor war ein Mann unter genau diesem Namen in einer Privatklinik in Lübeck aufgetaucht und wenige Stunden später verschwunden. Zwei Wochen danach hatte einer von Leonids Informanten denselben Namen in Verbindung mit einer Lieferung gehört, wegen der bereits vier Männer gestorben waren.

Seitdem suchte Leonid nach ihm.

„Wie kam er hierher?“

„Er kam nicht hierher.“ Karin schluckte. „Ich habe ihn hergebracht.“

Hinter ihnen fluchte Dennis leise.


Leonid ignorierte ihn.

„Warum?“

„Weil jemand versucht hat, ihn im Krankenhaus zu töten.“

Stille.

Karin fuhr sich mit zitternden Fingern über die Stirn.

„Vor sechs Nächten wurde er eingeliefert. Keine Papiere. Mehrere Verletzungen. Er war kaum ansprechbar. Zwei Männer brachten ihn und behaupteten, sie hätten ihn am Straßenrand gefunden.“

„Und Sie glaubten ihnen nicht.“

„Nein.“

„Warum?“

„Weil einer von ihnen wusste, auf welche Station er gebracht werden würde, bevor der Arzt es entschieden hatte.“


Leonids Blick verhärtete sich.

Karin sah zur Schlafzimmertür.

„Später in derselben Nacht kam ein Anruf. Angeblich von der Verwaltung. Man wollte, dass ich seine Zimmernummer bestätige.“

„Haben Sie es getan?“

„Nein.“

„Und danach?“

„Zehn Minuten später tauchte ein Mann mit einem Besucherausweis auf, der nicht zu ihm gehörte.“

Leonid verstand.

„Sie haben den Patienten verlegt.“

„Ich habe ihn versteckt.“


„In Ihrer Wohnung.“

„Nur vorübergehend.“

Dennis schnaubte. „Sie spielt gern die Heilige.“

Karin wirbelte herum.

„Du hast meine Tasche durchsucht.“

Dennis’ Grinsen wurde breiter.

Da begriff sie offenbar selbst, wie er es herausgefunden hatte.

Ihr Dienstausweis.

„Du bist mir gefolgt.“

„Nicht besonders schwierig, wenn du nach jeder Nachtschicht dieselbe Strecke fährst.“


Karin wurde noch blasser.

Leonid trat auf Dennis zu.

„Wem haben Sie davon erzählt?“

„Warum sollte ich Ihnen das sagen?“

Leonid ging in die Hocke, sodass ihre Gesichter beinahe auf gleicher Höhe waren.

„Weil Sie offenbar noch nicht verstanden haben, in wessen Geschichte Sie sich gerade eingemischt haben.“

Dennis versuchte zu lachen, doch es klang weniger sicher als zuvor.

„Ich weiß genau, wer Sie sind, Korin.“

Das war interessanter.

Leonid sagte nichts.


„Und ich weiß, was dieser Mann wert ist.“

Karin starrte Dennis an. „Du wolltest ihn verkaufen.“

„Ich wollte endlich einmal für etwas bezahlt werden, das du angeschleppt hast.“

Elsa stand in der Küchentür.

Niemand hatte bemerkt, dass sie zurückgekommen war.

„Mama?“

Karin erstarrte.

Elsa sah nicht Dennis an.

Sie sah Leonid an.

„Ist das auch ein Monster?“


Leonid antwortete nicht sofort.

Dann kam wieder das Husten aus dem Schlafzimmer.

Diesmal folgte ein dumpfer Schlag.

Leonid öffnete die Tür.

Der Raum war klein. Kinderzeichnungen bedeckten die Wände. Stofftiere lagen auf einem Regal. Auf dem Boden neben Elsas Bett lag eine Matratze.

Darauf befand sich ein Mann.

Vielleicht Mitte fünfzig. Graues Haar klebte schweißnass an seiner Stirn. Ein Verband zog sich um seinen Oberkörper. Neben ihm standen Wasser, Medikamente und medizinisches Material.

Karin hatte ihn tatsächlich versorgt.

Der Mann öffnete langsam die Augen.

Sein Blick wanderte über Karin, die Männer im Flur und schließlich zu Leonid.


Etwas wie Erleichterung erschien in seinem Gesicht.

„Endlich“, flüsterte er.

Leonid trat näher.

„Sie kennen mich?“

Der Verletzte lachte schwach, doch das Lachen verwandelte sich sofort in einen schmerzhaften Husten.

„Ich habe gehofft, dass Sie mich finden.“

Leonids Nacken wurde kalt.

„Warum?“

Der Mann griff mit zitternder Hand unter die Matratze.

Sofort hob einer von Leonids Männern seine Waffe.

„Langsam.“

Der Verletzte zog keinen Revolver hervor.

Es war ein kleiner schwarzer USB-Stick.

Er hielt ihn Leonid entgegen.

„Weil ich etwas gestohlen habe.“

Leonid nahm ihn nicht.

„Von wem?“

Der Mann sah zur offenen Schlafzimmertür.

Direkt zu Dennis.

Dennis’ Gesicht hatte jede Farbe verloren.

Dann blickte der Fremde wieder Leonid an.

„Von den Leuten, die seit drei Jahren versuchen, Ihr Imperium von innen zu übernehmen.“

Zum ersten Mal herrschte absolute Stille in der Wohnung.

Leonid nahm den USB-Stick.

„Welche Leute?“

Der Mann atmete schwer.

„Ihre eigenen.“

Im selben Moment vibrierte Leonids Handy.

Eine Nachricht seines Sicherheitschefs erschien auf dem Display.

**Wir haben ein Problem. Jemand wusste, dass Sie heute Abend hierherkommen.**

Leonid hob langsam den Blick.

Elsa hatte ihn gebeten, die Monster aus ihrem Haus zu vertreiben.

Jetzt begriff er, dass möglicherweise eines davon ihm selbst hierher gefolgt war.

**Fortsetzung folgt — klicken Sie auf Teil 4, um weiterzulesen.**

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