In dem Moment, als Nora das Baby in ihre Arme nahm, schien die gesamte Kabine den Atem anzuhalten.
Leo wies alle an, ihr Privatsphäre zu geben, doch seine Hände blieben an seinen Seiten zu Fäusten geballt.
Wenige Minuten später verstummte das verzweifelte Weinen.
An seine Stelle trat ein leiser Seufzer.
Nora blickte hinunter und sah, wie sich die winzigen Finger des Babys in ihrer Bluse festhielten. Zum ersten Mal seit dem Start wirkte das Gesicht der Kleinen vollkommen friedlich.
Etwas in Nora brach auf.
Sie hatte sich geschworen, nie wieder eine solche Liebe zuzulassen, und doch liefen ihr lautlos Tränen über die Wangen.
Als Leo zurückkam, blieb er wie angewurzelt stehen.
Seine Tochter war an Noras Brust eingeschlafen.
Mehrere Sekunden lang sagte der Mann, vor dem sich so viele Menschen fürchteten, kein einziges Wort.
Dann kniete er sich neben sie.
„Sie haben Emilia gerettet.“
Nora schüttelte den Kopf.
„Ich habe sie nur gestillt.“
„Nein“, erwiderte er mit rauer Stimme. „Sie haben sie ins Leben zurückgeholt.“
Leo erklärte ihr, dass Emilias Mutter bei der Geburt gestorben war. Seitdem hatte das Baby Säuglingsnahrung verweigert, keine der Betreuungspersonen akzeptiert und auf keinen der Spezialisten angesprochen, die man für Geld engagieren konnte.
„Sie erkennt Trauer“, flüsterte Nora. „Babys spüren mehr, als die meisten Menschen glauben.“
Leo betrachtete sie aufmerksam.
„Und Sie erkennen sie ebenfalls.“
Bevor Nora antworten konnte, wurde der Jet plötzlich heftig durchgeschüttelt.
Einer von Leos Sicherheitsleuten eilte mit einem Handy in der Hand nach vorn.
„Chef, jemand hat unsere Flugroute weitergegeben. Die Wagen, die am Flughafen auf uns warten, gehören nicht zu uns.“
Leos Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich.
Der hilflose Vater war verschwunden.
An seiner Stelle stand wieder jener Mann, über den hinter verschlossenen Türen und in Gerichtssälen nur mit gedämpfter Stimme gesprochen wurde.
Er befahl dem Piloten, den Kurs zu ändern, dann wandte er sich Nora zu.
„Sie kommen mit uns.“
Ihr Puls schoss in die Höhe.
„Auf keinen Fall.“
„Man hat Sie mit meiner Tochter gesehen. Wer auch immer dort auf uns wartet, wird davon ausgehen, dass Sie mir etwas bedeuten.“
„Das tue ich nicht.“
Leo sah zu Emilia, die noch immer sicher in Noras Armen schlief.
„Jetzt schon.“
Nora stand auf, wütend und verängstigt zugleich.
„Sie können nicht über mein Leben bestimmen, nur weil ich Ihrem Kind geholfen habe.“
Leo trat näher und senkte die Stimme.
„Ich bestimme nicht darüber. Ich beschütze es.“
Dann gab er ihr dieses Versprechen.
„Bis jeder Einzelne, der meine Tochter jagt, verschwunden ist, wird niemand Sie anfassen, bedrohen oder Sie mir wegnehmen.“
Nora starrte ihn an.
„Mich Ihnen wegnehmen?“
Bevor er antworten konnte, verrutschte Emilias Decke.
Darunter war ein Foto befestigt.
Ein Foto von Noras verstorbenem Ehemann.
**Fortsetzung folgt — klicke auf Teil 3, um weiterzulesen.**







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